Schweizer Cup: Es ist angerichtet in Wettswil-Bonstetten

Der FC Basel startet seine Mission «Titelverteidigung» im Schweizer Cup gegen einen Viertligisten am Albis. Die Unterklassigen haben sich für die Gäste aus Basel schon vor Spielbeginn etwas Besonderes einfallen lassen.

Es ist wieder Cup-Zeit. Die Basler treffen in der ersten Runde auf die Viertligisten aus Wettswil-Bonstetten. (Bild: (Keystone/Walter Bieri))

Eine Stunde und neunzehn Minuten. So lange dauert die Reise nach Wettswil-Bonstetten laut Google Maps mit dem Auto. Keine Weltreise also, aber der Basler Cheftrainer Raphael Wicky will vor der ersten Runde im Schweizer Cup nichts dem Zufall überlassen und übernachtet in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit seinem Team in einem Zürcher Hotel.

Wicky will frische Kräfte sehen. Und dass er auch gegen einen Viertligisten nicht vom üblichen Protokoll vor Auswärtsspielen abweicht, zeigt, mit welchem Mass an Seriosität der FC Basel die Mission Titelverteidigung in Angriff nimmt. Es könnte ungemütlich werden auf dem «Moos».

Die Aufstellungsprognose

Wicky lässt sich in Punkto Aufstellung wie üblich nicht in die Karten blicken. «Es wird Wechsel geben, aber nicht elf», sagt er. Möglich ist, dass Mirko Salvi nach seiner Rückkehr aus Lugano zu seinem ersten Saisoneinsatz für die Basler kommt und auch auf den Flügeln dürften sich mit Petretta und Gaber frische Kräfte austoben. Pacheco könnte in der Abwehr zum Einsatz gelangen. Ungefähr so könnte eine FCB-Startelf unter dem Albis aussehen.

Videoaufnahmen vom Spielfeldrand

Zwei Tage vor Anpfiff im Zürcher Bezirk Affoltern hadert Wicky noch mit den 15, 16 Minuten, in denen der FC Basel gegen GC den Faden verloren hat. «Der Treffer von Andersen kommt aus dem Nichts», sagt er am Tag nach dem Match, «warum ein Spiel plötzlich derart den Charakter wechselt, lässt sich manchmal nicht erklären.»

Man werde sich die Bilder gemeinsam mit der Mannschaft ansehen, um einzelne Aktionen nochmals genauer zu besprechen, sagt der Trainer. Und wenn der Videorecorder schon mal läuft, dürften wohl auch die Aufnahmen gezeigt werden, die am vergangenen Wochenende am Wettswiler Spielfeldrand entstanden sind. 1:2 verlor Wettswil-Bonstetten zum Saisonauftakt gegen Thalwil – vor den Augen eines Basler Spähers.

Die Spieler vom «FC WB» jubeln nach dem Ausgleichstreffer zum 1:1 gegen den FC Thun im Schweizer Cup Achtelfinal von 2015.

Zwar ist aus Basler Sicht nichts über den Rapport zu erfahren, die Wettswiler Homepage fasst den Spielverlauf unter «verschlafener Start mit später Steigerung» zusammen. Den einzigen Treffer erzielte mit Gabriel Machado einer der beiden ehemaligen Profifussballer im Kader der «Ämtler». Der andere, Marc Gouiffe a Goufan, ist gar zweifacher Kamerunischer Nationalspieler. Das Gros der übrigen Spieler verdiente sich seine fussballerischen Sporen mindestens in der Promotion League.

Der Monolog des WB-Trainers Jérôme Oswald (42):

«Natürlich müssen wir zuerst hinten gut stehen, die Räume schliessen und mit vollster Konzentration und Aggressivität die Zweikämpfe bestreiten. Dabei gilt es, Basel möglichst keine stehenden Bälle zu gewähren. Gleichzeitig wünsche ich mir jedoch auch viel Mut und Kreativität meiner Jungs in der Offensive. Jede sich bietende Gelegenheit soll genutzt werden, um selber einen Torerfolg anzustreben»

«FC WB schriib Gschicht». Die Fans der «Ämtler» mit einer Choreografie im Cup-Spiel gegen Thun 2015.

Für die Wettswil-Bonstetter mag der FC Basel der renommierteste Cup-Gegner der Clubgeschichte sein, der erste Super-Ligist ist er nicht. 2010 war das damals noch erstklassige Servette zu Gast (0:2), es folgten die Young Boys (2012, 1:5) und der FC Thun (2015, 1:2). Aus dem Jahr 2012 und dem Gastspiel von YB stammt auch der Zuschauerrekord im Moos mit 3000 Besuchern. Der dürfte am kommenden Sonntag fallen.

Die unvergessliche Cup-Erinnerung des Raphael Wicky

Cupsieger 1997: Raphael Wicky stemmt im Wankdorfstadion in Bern den Pokal nach dem Sieg im Cupfinal gegen den FC Luzern in die Höhe.

Raphael Wicky liess es sich an der Medienorientierung nicht nehmen auf seine persönliche, durchaus bewegte Cup-Vita zurückzublicken. In besonderer Erinnerung geblieben sind ihm die drei Titel en suite, die er in den Jahren 1995 bis 1997 mit Sion gewann. Und dann war er ja auch noch Teil des Skandalspiels zwischen dem Hamburger SV und dem SC Paderborn, das die Hamburger (un-)dank eines gekauften Schiedsrichters nach der 2:0-Führung doch noch verloren. «Sowas vergisst man nicht», sagt Wicky trocken.

Apropos unvergesslich: Das Stadion des Cup-Gegners vom Wochenende, sonst Gaststätte für 350 Fans, wurde eigens für den Cupfight zur 4000-Sitz-Arena aufgerüstet. Und die Spatzen pfeifen es vom Stadiondach: Es soll ein ganz spezieller Tag werden. Einer für die Ewigkeit. Einer, an dem der Matchball mit dem Heissluftballon aufs Spielfeld getragen werden könnte, so denn das Wetter mitspielt. Die Junioren haben sogar eine Choreografie vorbereitet, wie man hört. Es ist angerichtet, in Wettswil-Bonstetten.

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