So informieren sich Baslerinnen und Basler über das Zeitgeschehen – Und Sie?

Weil Menschen mehr erzählen als nackte Zahlen in der Statistik, haben wir Leute aus der Region nach ihrer Mediennutzung gefragt. Und dabei festgestellt: So ganz ins Klischee passt von ihnen niemand.

Kritische Mediennutzer: Kurt Gasser und Alina Gerber.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Weil Menschen mehr erzählen als nackte Zahlen in der Statistik, haben wir Leute aus der Region nach ihrer Mediennutzung gefragt. Und dabei festgestellt: So ganz ins Klischee passt von ihnen niemand.

Dass wir heute Medien auf eine andere Art konsumieren als noch vor zehn Jahren, weiss jeder. Was das bedeutet, ist auch klar: Printauflagen gehen zurück, neue Online-Portale entstehen. Viele Experten meinen, die meisten klassischen, gedruckten Medien würden früher oder später verschwinden.

Die AG für Werbemittelforschung (WEMF) hat kürzlich die neuesten Zahlen über die Nutzung der Schweizer Medientitel veröffentlicht. Mehr als jeder dritte Zeitungsleser informiert sich zusätzlich über die Online-Angebote der Medienhäuser, am liebsten auf dem Smartphone. Obwohl viele Schweizer Medien immer weniger Zeitungen verkaufen können, legen insbesondere die regionalen Medien leicht zu. Die TagesWoche erreichte mit ihrer Printausgabe beispielsweise 3,85 Prozent Leserinnen und Leser mehr als noch im Vorjahr.

Die Jugendlichen konsumieren Medien entgegen der vorherrschenden Meinung der älteren Generationen nicht nur im Internet. Sie würden regelmässig Printmedien – vor allem Pendlerzeitungen – lesen, sagte der WEMF-Forschungsleiter Harald Amschler gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Ja, wie jetzt? Online oder doch immer noch analog? Oder beides? Oder gar nichts? Da Zahlen bekanntlich weniger erzählen als Menschen, haben wir uns in Basel umgehört.

«Ich werde von meinen Kunden über das Stadtgeschehen informiert»



Kurt Gasser ist 52, besitzt einen eigenen Kiosk an der Klybeckstrasse und wohnt «auf dem Land».

Kurt Gasser, 52, besitzt einen eigenen Kiosk an der Klybeckstrasse und wohnt «auf dem Land». (Bild: Hans-Jörg Walter)

Über das Stadtgeschehen werde ich als selbstständiger Kioskinhaber oft von den Leuten informiert, die bei mir tagtäglich vorbeikommen. Oder von der Gratiszeitung «20 Minuten». Die kriege ich jeden Morgen geliefert und reserviere dann jeweils ein Exemplar für mich, das ich später lese, wenn ich Zeit habe. Zeitungen an den Mann zu bringen, wird immer schwieriger: Heute verkaufe ich nur noch ein Drittel so viel wie noch vor sechs Jahren.

Während meiner Arbeit höre ich manchmal Radio Energy und abends schaue ich die «Tagesschau» auf SRF. Natürlich informiere ich mich auch im Internet, allerdings nicht über das Smartphone. Das Display ist mir dafür einfach zu klein, da setze ich mich lieber vor den Computer oder nehme das Tablet. Geld gebe ich für meinen Medienkonsum so nicht aus.

Das mit der Glaubwürdigkeit der Medien ist so eine Sache: Wenn man nicht vor Ort ist und nicht selbst nachschauen kann, was passiert ist, muss man halt einfach glauben, was geschrieben wird. Ich bin aber eher kritisch eingestellt und traue den Medien, die ich konsumiere, nicht immer. Vor allem dem Wetterbericht nicht, der stimmt nämlich nie.

«Ich lese vor allem Gratiszeitungen»



Alina Gerber ist 27, stammt aus dem Thurgau und arbeitet in einem Basler Behindertenwohnheim

Alina Gerber, 27, stammt aus dem Thurgau und arbeitet in einem Basler Behindertenwohnheim. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Ich lese – um ehrlich zu sein – vor allem Gratiszeitungen. Im Internet informiere ich mich nicht sehr regelmässig, Medien-Apps auf dem Smartphone habe ich gar keine. Wenn ich online etwas lese oder schaue, dann meistens das, was ich auf Google so finde.

Mein Problem ist, dass ich den Medien nicht einfach blind vertrauen kann. Um sich eine umfassende Meinung bilden zu können, müsste ich mich über denselben Vorfall in verschiedenen Medien informieren. Nur dadurch kann ich mir eine neutrale Sicht auf ein Thema schaffen. Und dafür habe ich momentan weder die Zeit noch die Energie. Ich versuche eigentlich «Blick» und «20 Minuten» zu meiden, was nicht immer funktioniert. Ich arbeite nämlich in einem Behindertenwohnheim, wo «20 Minuten» aufliegt. Und obwohl ich mich aktiv nicht bei dieser Zeitung informieren würde, schaut man dann halt trotzdem rein.

Im Moment gebe ich kein Geld für Medien aus, aber ich denke, dass es sicher nicht schlecht wäre, um an wirklich gute Infos ranzukommen. Welches Medium da für mich sinnvoll ist, weiss ich aber nicht.

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Das ist der erste Teil unserer Umfrage zum Medienkonsum der Baslerinnen und Basler. Uns interessiert natürlich auch, wie Sie sich über das Zeitgeschehen auf dem Laufenden halten. Sagen Sie es uns in dieser Umfrage:

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