Studie beendet Mythos um «Patient Null»

Eine neue Untersuchung räumt endgültig auf mit dem Mythos um den sogenannten «Patienten Null» für die Ausbreitung des Aids-Virus in den USA. Der Kanadier Gaëtan Dugas sei in der ersten Hälfte der 80er-Jahre nur eines von zahlreichen Aids-Opfern in den USA gewesen.

Zur Entlastung von «Patient Null» waren auch Blutproben herbeigezogen worden (Symbolbild) (Bild: sda)

Eine neue Untersuchung räumt endgültig auf mit dem Mythos um den sogenannten «Patienten Null» für die Ausbreitung des Aids-Virus in den USA. Der Kanadier Gaëtan Dugas sei in der ersten Hälfte der 80er-Jahre nur eines von zahlreichen Aids-Opfern in den USA gewesen.

Der Virus habe um das Jahr 1970 einen «Sprung» von der Karibik nach New York gemacht, von wo aus sich der Krankheitserreger dann weiter in den USA ausbreiten konnte. Der lange als Urheber der Aids-Ausbreitung in den USA geschmähte homosexuelle Steward sei nur einer von vielen Aids-Infizierten gewesen, rehabilitiert die im Fachmagazin «Nature» veröffentlichte Studie den 1984 an der Krankheit gestorbenen Dugas.

Er habe damals den Gesundheitsbehörden geholfen, der Aids-Ausbreitung auf die Spur zu kommen und habe etwa zehn seiner zahlreichen Sexualpartner angeben können. Andere Infizierte hätten hingegen nur einige wenige Namen nennen können, heisst es in der Untersuchung.

Die Forscher der Universitäten von Arizona und Cambridge fanden bei ihrer Arbeit weder biologische noch historische Beweise, dass Dugas der erste Aids-Fall in den USA gewesen wäre. Der Kanadier sei einer der am meisten dämonisierten Patienten der Geschichte, sagte Gesundheitshistoriker Richard McKay von der englischen Universität Cambridge.

Es sei eigentlich schon seit längerem klar gewesen, dass es sich beim «Patienten Null» um einen Irrtum handle. Nun werde diese Erkenntnis noch phylogenetisch gestützt. Dazu hatten die Forscher auch Blutproben aus den Jahren 1978 und 1979 sowie von Dugas zur Verfügung.

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