Studie zeigt: Jede vierte Person in der Schweiz ist fremdenfeindlich

Das Innendepartement hat eine Studie über rassistische und diskriminierende Einstellungen in der Schweiz gegeben. Ihr zufolge ist in der Schweiz jede vierte Person fremdenfeindlich.

Berns und Aaraus Spieler mit einem Plakat gegen Rassismus 2003 (Bild: sda)

Das Innendepartement hat eine Studie über rassistische und diskriminierende Einstellungen in der Schweiz gegeben. Ihr zufolge ist in der Schweiz jede vierte Person fremdenfeindlich.

Rund ein Viertel der in der Schweiz lebenden Personen hat eine systematisch fremdenfeindliche Einstellung. Zu diesem Befund kommt ein Bericht zu rassistischen und diskriminierenden Einstellungen in der Schweiz, den das Innendepartement (EDI) in Auftrag gegeben hat.

Der Bericht stützt sich auf drei Umfragen zwischen den Jahren 2010 und 2014 unter jeweils 1000 Schweizern und 700 Ausländern. Erhoben wurden dabei rassistische Einstellungen. Diese müssten nicht zu rassistischem Verhalten führen, stellte der Leiter der Fachstelle für Rassismusbekämpfung, Michele Galizia, vor den Medien klar.

Nachbarn sind «mehrheitlich akzeptiert»

Eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit zeigt sich offenbar am Arbeitsplatz: Bei der letzten Befragung im Mai 2014 gaben 27 Prozent an, es spiele für sie eine Rolle, welcher Nationalität die Arbeitskolleginnen und -kollegen angehörten. Vier Jahre davor waren es erst 18 Prozent.

Eine grosse Rolle spielt dabei das Herkunftsland: «Arbeitskollegen aus den Nachbarländern sind mehrheitlich akzeptiert», sagte Claude Longchamp vom Forschungsinstitut gfs.bern, das die Studie durchführte. So könnten sich 85 Prozent der Befragten vorstellen, mit einer Italienerin zusammenzuarbeiten. Mit Albanern hingegen wollte nur ein Viertel der Befragten bei der Arbeit zu tun haben.

Muslimfeindlichkeit hat abgenommen

Der Anteil der Personen mit antisemitischen Einstellungen blieb im Untersuchungszeitraum relativ stabil und lag 2014 bei 11 Prozent. Jede zehnte Befragte gab demnach an, Juden seien «geldgierig» und «machthungrig».

Dafür nahmen die muslimfeindlichen Einstellungen zwischen 2010 und 2014 markant ab. Im Nachgang zur Minarett-Initiative sei die Stimmung stark aufgeheizt gewesen, sagte Longchamp. Gab damals noch fast die Hälfte der Befragten an, Muslime «unterdrückten Frauen», seien «fanatisch» und «aggressiv», waren es im vergangenen Jahr nur noch 19 Prozent.

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Lesen Sie mehr zum Thema Rassismus in unserem Dossier «Basel zeigt Haltung».

Konversation

  1. Den Xenophob-Wert (und wohl einige andere Werte auch) kann man in aller Geruhsamkeit verdoppeln: Lange nicht jeder gibt im offenen persönlichen Gespräch seine nicht ganz stubenreine Neigung zu. Das hängt dann sehr von der Befragungsatmosphäre ab.

    Anderes Beispiel: Aus anonymen Umfragen weiss man, dass etwa dreissig Prozent der Männer durchaus bisexuell sind in ihrer Privatrealität, dies aber im Gespräch sicher nicht zugeben würden. Daher hängt von der Untersuchungstechnik das Ergebnis ab.

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    1. @cesna

      der menschliche kopf ist ein ulkig ding … «compliance bias» in alle windrichtungen …
      unsre kultur findet’s zb schwer in ordnung, wenn man jeweils nur mit einem menschen sexuell verkehrt (man/frau ist monogam, ist «treu»). Auch okay ist die serielle monogamie (die abfolge von wechselnden partnern, denen man/frau dann jeweils «treu» ist). richtig lustig, was die menschen zuweilen erfinden, dass auch gleichzeitige sexuelle beziehungen da irgendwie reinpassen: nachts bin ich treu, mach schluss mit der beziehung, «finde» am tag jemand anderen, mach wieder schluss und abends lasse ich die alte beziehung wieder aufleben.
      alles ohne jedes augenzwinkern – blutiger ernst

      und fritz 😉

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  2. Entweder hatte damals Dr. Müller-Wohlfahrt seine Spritzen im Spiel, oder Michael Frey wollte unbedingt Seydou Doumbia nacheifern.
    Möglicherweise hat er 2003 auch den heiligen Gral oder den Stein der Weisen entdeckt, oder er hat elbisches Blut.
    Mögliche Gedanken im Moment der Aufnahme des Fotos:
    „Omg kleiner Junge du bist etwa sieben Jahre alt und siehst auch so aus“, oder
    “ Wieso zeigen die in der Kabine immer diese Videos rum mit erwachsenen Frauen die keine Kleider tragen?“, oder
    „Ok nochmal die Hausaufgabe durchgehen. Je me j’appelle Michi“

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