Theresa May: «Jetzt reicht’s»

Nach dem neuerlichen Anschlag in London hat die britische Premierministerin Theresa May eine härtere Gangart gegen Terroristen angekündigt. «Wir können und dürfen nicht so tun, als ob die Dinge so weiterlaufen könnten», sagte May am Sonntag in London.

Nach dem Selbstmordanschlag von Manchester hat die Premierministerin von Grossbritannien, Theresa May, die Terror-Warnstufe für ihr Land erstmals seit 2007 angehoben.

Nach dem neuerlichen Anschlag in London hat die britische Premierministerin Theresa May eine härtere Gangart gegen Terroristen angekündigt. «Wir können und dürfen nicht so tun, als ob die Dinge so weiterlaufen könnten», sagte May am Sonntag in London.

Wenige Stunden nach dem Terroranschlag im Herzen Londons gab es die ersten Festnahmen. Die Ermittler schlugen im Osten der britischen Hauptstadt zu. Bei Razzien im multi-ethnischen Viertel Barking im Osten Londons nahmen sie zwölf Verdächtige fest. Laut dem Sender Sky News durchsuchten schwer bewaffnete Polizisten unter anderem das Haus eines der drei Attentäter.

Die Festgenommenen werden mit dem Attentat auf der London Bridge und den nahe gelegenen Borough Market in Verbindung gebracht. Dort starben mindestens sieben Menschen, darunter ein Franzose und ein Kanadier. 48 Verletzte wurden nach Angaben der Rettungsdienste in Spitäler eingeliefert, unter ihnen sieben Franzosen, zwei Deutsche, ein Spanier und ein Australier. Hinweise auf Schweizer Opfer lagen zunächst keine vor.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden befanden sich am frühen Sonntagabend noch 36 Verletzte im Spital. 21 von ihnen schwebten in Lebensgefahr.

Zu den Schwerverletzten zählt ein Polizist, der als einer der ersten am Anschlagsort eintraf. Ihm wurde ins Gesicht und ins Bein gestochen. Zudem wurde ein Unbeteiligter verletzt, als die Polizei auf die Attentäter schoss. Acht Polizeibeamte hätten die «beispiellose» Zahl von 50 Schüssen auf die drei Angreifer abgegeben, teilte Mark Rowley von der Londoner Polizei mit.

May verschärft den Ton

Am kommenden Donnerstag wird ein neues britisches Parlament gewählt. Premierministerin Theresa May kündigte nach dem Anschlag vom Samstag einen deutlich härteren Kurs an – nicht nur gegen Terroristen, sondern auch gegen den radikalen Islam. «Jetzt reicht’s», sagte die Regierungschefin. «Wir können und wir dürfen nicht so tun, als ob alles einfach so weitergehen könnte. Etwas muss sich ändern.»

May will entschieden gegen den islamischen Extremismus vorgehen: «Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.» Mit dem Begriff «öffentlicher Dienst» spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe «viel zu viel Toleranz für Extremismus in unserem Land», betonte sie.

Internet und Messengerdienste dürften Extremisten keinen Rückzugsort mehr bieten. Vielmehr müsse besser überwacht und reguliert werden, um die Kommunikationswege von Terroristen zu stören. Dazu brauche es internationale Vereinbarungen, sagte die Regierungschefin.

Die Regierungschefin erklärte weiter, die Unterhauswahlen würden wie geplant am Donnerstag stattfinden. Der von ihren eigenen Konservativen sowie der oppositionellen Labour-Partei unterbrochene Wahlkampf werde schon morgen wieder aufgenommen. Es könne nicht zugelassen werden, dass Gewalt den demokratischen Prozess aufhalte.

Mit Camion und Messern

Der Anschlag begann am späten Samstagabend auf der London Bridge und ging auf dem nahe gelegenen Borough Market weiter, der bei Touristen sehr beliebt ist. Die Terroristen griffen ihre Opfer zuerst mit einem Kleintransporter und dann mit langen Messern an.

«Das war wie ein Amoklauf», zitierte die BBC einen Zeugen. Die Täter seien zu Bars und Restaurants gelaufen und hätten gerufen: «Dies ist für Allah».

Die Ermittler gingen zunächst von drei Männern am Tatort aus. Alle drei dieser Täter seien tot, sagte Polizeichefin Cressida Dick. Vom Notruf bis zur Erschiessung der Angreifer vergingen acht Minuten.

Angaben zur Identität der Angreifer und ihrem möglichen Motiv machte Scotland Yard zunächst nicht. Unklar blieb zunächst auch, ob sie allein handelten. Die Polizei erklärte am Abend allerdings, sie sei «zunehmend zuversichtlich, dass diese Attacke von drei Individuen verübt» worden sei. Zudem wurde bekannt, dass einer der drei kurz vor dem Anschlag den Kleintransporter gemietet hatte.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte ein Selbstmordattentäter nach einem Konzert des Teenie-Stars Ariana Grande in Manchester mit einer Bombe 22 Menschen in den Tod gerissen. Die Terrorattacke auf der London Bridge erinnert auch an den Angriff vom 22. März, als im Londoner Regierungsviertel sechs Menschen ums Leben kamen. Der Angreifer wurde damals auch erschossen.

Zu dem jüngsten Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Jedoch verwies die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group darauf, dass Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag in ihren Foren und Chat-Kanälen feierten und den IS hinter der Tat vermuteten.

Internationale Bestürzung

Bundespräsidentin Doris Leuthard äusserte sich bestürzt über den Anschlag. In einem Tweet verurteilte Leuthard die Tat «aufs Schärfste». Aussenminister Didier Burkhalter versicherte seinem britischen Amtskollegen Boris Johnson die Solidarität der Schweiz.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel äusserte sich betroffen: «Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint.»

US-Präsident Donald Trump erntete für eine Twitter-Nachricht zu London viel Kritik: Er war den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan angegangen und dessen Aussage verdreht, wie der Sender CNN hervorhob.

«Mindestens sieben tot und 48 verwundet bei einer Terrorattacke, und der Bürgermeister von London sagt, es gibt »keinen Grund, alarmiert zu sein!«», schrieb Trump. CNN zufolge hatte sich Khan mit seiner Äusserung aber auf die Präsenz von Soldaten auf der Strasse bezogen.

Khan wies Trumps Vorwürfe brüsk zurück: Der Bürgermeister habe «Besseres zu tun», als auf einen «schlecht informierten Tweet» des US-Präsidenten zu antworten, erklärte ein Sprecher Khans. Der Bürgermeister kündigte für Montagabend eine Mahnwache für die Opfer des Anschlags an.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter, sein Land stehe nach der «neuen Tragödie» an der Seite Grossbritanniens. «Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.» In der Nacht zu Montag soll die Beleuchtung des Eiffelturms zeitweise erlöschen; das Brandenburger Tor in Berlin soll am Sonntagabend in den britischen Nationalfarben angestrahlt werden.

Konversation

  1. Bemerkenswert finde ich, dass bis jetzt noch keine Fotos dieser „minderwertigen, erbärmlichen und armseligen Looser und Versager“ veröffentlicht wurden. Gerade bei der Englischen Presse (welche schon sehr oft bewiesen hat absolut keine Schamgrenzen oder Skrupel zu haben, um an Informationen für eine Titelstory zu kommen) ist diese Tatsache sehr erfreulich. Wäre wirklich toll, wenn das so bleiben würde und Schule macht.

    Aber ich bin mir Sicher, sollte die Presse weltweit tatsächlich nie mehr Fotos und Infos über die „minderwertigen, erbärmlichen und armseligen Looser und Versager“ veröffentlichen, werden von den ewig gleichen Gutmenschen schon bald fremdenfeindliche Propagandavorwürfe und Verschwörungsgerüchte geäussert.

    Nur die Zeit wird zeigen, ob ich hellseherische Fähigkeiten habe. 😉

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Ein zweites Mal auf die Wahlen in England hin. Es soll Angst geschürt werden. Wovor? Cui bono?

    Ich bin gespannt, wann gewisse westliche Staaten edlich den Waffenhandel mit Saudiarabien sistieren. Von dort kriegen IS, Al-Nusra/Al-Qaida (wie immer ihre Namen gerade lauten) ja ihre Waffen her.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. @Claudia Dora
      Na dann steht uns ja was bevor.
      Mister Trump hat ihnen ja grad Waffen für 110 Milliarden US Dollar verkauft.
      Am besten lassen wir das Geschrei, solange mit Waffen gehandelt wird, nehmen wir das Risiko in Kauf.
      Und kaum ein Land das sich nicht daran beteiligt.
      Zur Erinnerung: auch die NEUTRALE Schweiz beteiligt sich emsig an diesem Geschäft.
      Ein Franken ist mehr wert als ein Menschenleben.

      Danke Empfehlen (0 )
    2. @Kol Simcha
      Ja man kann auch so argumentieren um die Waffengeschäfte zu verteidigen.

      Man kann auch mit einem Holzscheit jemanden erschlagen oder mit einer Steinschleuder erschiessen.

      Damit haben Sie Ihre Rechtfertigung dass Waffengeschäfte kein Problem sind.

      Danke Empfehlen (0 )
  3. Gewöhnt Euch an Terror oder noch besser berichtet gar nicht mehr darüber. Solange man den Islamisten Plattformen bietet werden Sie diese nutzen. Denn hier werden Helden, Märtyrer und Nachahmer geschaffen !

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Sie sollten sich mal die Bilder der Dorfgemeinschaft in Jemen zu Gemüte führen, welche bei der Einweihung der wiederinstandgestellten Wasserversorgung aus dem nichts von einer Drohne angegriffen wurde.
    Von wegen Terroristen und IS Führungsmitglieder. Menschen wie die Konzertbesucher in Manchester oder wie gestern London.

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel