Vermisste nach Bergsturz im Bünderland

Ein Bergsturz bei Bondo im bündnerischen Bergell hat möglicherweise Todesopfer gefordert. Sechs Personen wurden von Angehörigen als vermisst gemeldet.

Nach dem Felssturz bewegt sich eine grosse Schlammmasse ins Tal. (Bild: sda)

Insgesamt konnten acht Personen, die sich zum Zeitpunkt des Bergsturzes in dessen Umgebung aufhielten, von den Einsatzkräften nicht erreicht werden. Bei den Vermissten handelt es sich um Staatsangehörige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte.

Die Suche nach Vermissten war aufgrund der neuen Erkenntnisse in der Nacht auf Donnerstag intensiviert worden. Auch ein Helikopter der Schweizer Armee kam zum Einsatz.

Die Einwohner von Bondo dürfen vorerst nicht in ihre Häuser zurückkehren. Der 200-Seelen-Ort bleibt bis auf Weiteres evakuiert. Experten schliessen Nachstürze im Seitental Val Bondasca nicht aus. Am Donnerstagnachmittag soll die Lage neu beurteilt werden.

Auch die Hauptstrasse durch das Tal bleibt gesperrt. Die Fahrbahn war vom Murgang sowohl unterspült als auch überspült worden, ist beschädigt und stellenweise verschüttet.

Der Bergsturz hatte sich am Mittwochmorgen am Piz Cengalo zuhinterst im Val Bondasca gelöst. Felsmassen stürzten vom Gipfelbereich ins Tal und wurden dann als Murgang vom Bach Bondasca talauswärts bis nach Bondo geschoben. Das Dorf wurde vom gewaltigen Murgang gestreift, zwei Ställe am Dorfrand wurden zerstört. Und im Val Bondasca walzten die Gesteinsmassen zehn Ställe und Maiensässe nieder.

Die Bergsturzgefahr am Piz Cengalo ist seit Langem bekannt. Im Val Bondasca ist ein automatisches Murgang-Alarmsystem eingerichtet. Dieses trat am Mittwoch in Aktion, alarmierte Einsatzkräfte und sperrte mittels Verkehrsampeln Strassen.

Das Bergsturzgebiet am Piz Cengalo wird seit Jahren vom kantonalen Amt für Wald- und Naturgefahren überwacht. Bei einer Messung Ende Juli hatten Geologen gemäss einem Bericht der «Südostschweiz» massiv erhöhte Felsbewegungen festgestellt. Letzte Woche war dann offenbar ein Betretungsverbot für Maiensässe im gefährdeten Gebiet ausgesprochen worden.

Konversation

  1. Dank der Weitsicht der Behörden und Bevölkerung ist es nicht noch schlimmer gekommen. Das Frühwarnsystem hat funktioniert.

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