Video: Die wilde Nacht auf dem nt-Areal

Nach dem wilden Tanzwochenende verlangt die Basler SVP ein Verbot der verbotenen Partys. Andere philosophieren über die Mediterranisierung des öffentlichen Raums und fordern eine neue Freiheitsdebatte. Doch wie war die Party auf dem nt-Areal tatsächlich? Hier sehen Sie es. Ein bisschen zumindest.

Wild? Kreativ? Spiessig? Die illegale Party vom 2.Juni auf dem nt-Areal in Basel. (Bild: Youtube)

Nach dem wilden Tanzwochenende verlangt die Basler SVP ein Verbot der verbotenen Partys. Andere philosophieren über die Mediterranisierung des öffentlichen Raums und fordern eine neue Freiheitsdebatte. Doch wie war die Party auf dem nt-Areal tatsächlich? Hier sehen Sie es. Ein bisschen zumindest.

Party, Party, Party. Tausende junge Menschen feierten an diesem Wochenende in Bern und Basel auf dem nt-Areal ihre wilden Partys. Seither geben sich die Medien alle Mühe, die Nacht aufzuarbeiten und des Phänomens habhaft zu werden. Während die «Basler Zeitung» ihren Reporter losschickte, um den Schaden aufzunehmen (30’000 Franken), liessen «Tages-Anzeiger» und «Basellandschaftliche Zeitung» den Basler Stadtentwickler Thomas Kessler zu Wort kommen, der immer etwas zu sagen hat. Schliesslich meldete sich auch noch die Basler SVP mit einer Stellungnahme (siehe Rückseite) – wie bei jedem Thema, das weiteren Ärger und damit Aufmerksamkeit verspricht.

In der ganzen Debatte schälte sich allmählich eine zentrale Frage heraus: Haben die Partys einen politischen Hintergrund? Wollen uns die jungen Menschen etwas sagen – oder nur feiern, saufen und irgendetwas kaputt machen?

Die Antworten sind etwas widersprüchlich. Thomas Kessler sagt: Den jungen Menschen gehe es nicht um Politik, sondern um Kreativität, Reibung und damit auch Illegalität. Die SVP spricht dagegen von «linken Chaoten» – und fordert ein «Verbot solcher Partys», die dummerweise aber schon verboten sind. Wohl ein Grund, warum die SVP auch noch weitere Forderungen stellt: Die Polizei müsse weitere Partys mit einem Grossaufgebot verhindern und die «Krawallmacher» verhaften. Die Kosten für den Einsatz und die Schäden sollen die Verantwortlichen übernehmen.

Hoffen auf «neuen Diskurs»

Thomas Kessler hofft dagegen auf einen «neuen Freiheitsdiskurs». Inwiefern haben die ausgehfreudigen jungen Menschen ein Anrecht auf ihre Stadt? Ab welchem Punkt schränkt ihre Freiheit jene der anderen ein? Der Anwohner zum Beispiel, die nachts gerne ruhig schlafen möchten?

Es sind Fragen, über die die Stadt noch lange reden wird. Und zu der die Fachleute und Politiker wahrscheinlich noch sehr viel Widersprüchliches sagen werden. Damit dabei nicht ganz in Vergessenheit geht, worum es tatsächlich geht – hier ein kurzer Eindruck vom nt-Areal. Ein etwas verwackelter Youtube-Film eines aus der vergangenen Samstagnacht, irgendwie ungestüm und wild, passend zum Anlass eben. Es ist das Werk eines anonymen Partygängers, auf das uns eine Leserin aufmerksam gemacht hat.

Konversation

  1. die kleinen parties in der langen erlen und früher zoll otterbach ohne grund und ohne gnade aufgelöst werden, muss man sich nicht wundern, wenn sie dann in der stadt statt finden. und christian rangel kann mir gleich ganz abfahren, ich war kürzlich an einer party, die er in der e-halle organisert hat. und so mies wurde ich noch nie behandelt und abgezockt… ich weiss nicht wie solche leute an solche hallen gelangen.

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  2. Bei der Frage, ob das Phänomen der illegalen Partys politisch ist oder nicht, sollte man einen Unterschied zwischen Parteipolitik und Gesellschaftspolitik machen. Viele junge Menschen sind nicht parteipolitisch aktiv bzw. politisiert. Ihnen dafür bei ihrer heutigen Form des Protest aber eine politische Message abzusprechen, weil sie nicht mit parteipolitischen Spruchbändern und Fahnen durch die Strasse laufen ist jedoch nicht korrekt. Im Gegenteil: Gerade das von Kessler beschriebene Bedürfnis nach Kreativität, Reibung und Illegalität muss als Kritik an unserer Gesellschaft verstanden und anerkennt werden. Dies den jungen Menschen abzusprechen schafft Blockaden und Unverständnis bis hin zu Gewalt und zeigt einmal mehr unsere Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen und Ausdrucksweisen unserer Jugendlichen auf. Ja, ein Freiheitsdiskurs muss geführt werden, aber hören wir doch zunächst mal zu und schauen hin und unterlassen wir es doch, bereits jetzt aus unserer Erwachsenenperspektive oder städtischen Verwaltungsperspektive vorzugeben, wie dieser Diskurs zu führen ist und was er zu beinhalten hat…

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  3. „[…] Reibung und Illegalität muss […] anerkennt werden. Dies […] abzusprechen schafft […] Gewalt“

    Sehr beunruhigend, dieser Kommentar. Weil Kinder nicht das bekommen, was sie wollen, dürfen sie töten.

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