Viren und Kokain auf den meisten Geldscheinen

Sobald Sie mit einer Zehnernote zahlen, kommen sie auch schon mit Viren und Kokain in Kontakt – oft jedenfalls.

Kantonschemiker Philipp Hübner im Labor (Bild: Stefan Bohrer)

Viren überleben lange auf Banknoten und fast auf der Hälfte gibt es Kokainspuren.

Es war wie im Krimi: Das Team des Kantonalen Laboratoriums Basel erhielt einen Koffer voller Geld, druckfrisch. Anders als im Film war das Geld gelocht und wertlos. Gebraucht wurden die Scheine der Nationalbank trotzdem: Im Zusammenhang mit einer Pandemie-Abklärung galt es zu erforschen, ob und wie lang Viren auf Geldscheinen überleben können.

Die Chemiker sprühten eine Flüssigkeit mit Grippeviren auf die Scheine, so fein, als würde jemand niesen. Die Erkenntnis: Viren überleben ziemlich lang. «Sie können mehrere Stunden oder sogar Tage überleben», sagt Kantonschemiker Philipp Hübner. Ihn beunruhige das nicht gross: «Die Gefahr, sich über einen Händedruck mit der Grippe anzustecken, ist viel grösser.»

Kokain auf 40 Prozent aller Noten

Dennoch: Geld kann theoretisch krank machen. Ein paar Häuser neben dem Kantonalen Labor sind Fachleute im Institut für Rechtsmedizin ebenfalls hie und da mit Geld und dem, was darauf zu finden ist, beschäftigt. Statt nach Viren suchen die Rechtsmediziner nach Drogenspuren – und finden diese auch. «Auf fast der Hälfte der untersuchten Noten haben wir Spuren von Kokain gefunden», sagt Franz Dussy von der Abteilung Forensische Chemie und Toxikologie. Extremer fiel das Resultat bei Scheinen aus, die zuvor mit Dealern oder Drogenkonsumenten in Berührung gekommen waren: Dort war die Trefferquote nahezu hundert Prozent. Wobei immer mehr Kokain als Heroin gefunden wurde.

Ähnliche Resultate lieferten solche Tests im Euro-Raum. US-Dollars hingegen sind durchs Band mit Kokain behaftet. Dussy relativiert: «In den USA werden die Substanzen extrahiert, um sie nachweisen zu können. Wir untersuchen nur, was wirklich auf den Noten haftet.» Martina Rutschmann

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Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 04/11/11

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