Vor 75 Jahren startete die Nazi-Propaganda-Schau «Entartete Kunst»

Vor 75 Jahren, am 19. Juli 1937, hat in München ein schwarzes Kapitel der deutschen Kunstgeschichte begonnen. Damals wurde die von Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, initiierte Ausstellung «Entartete Kunst» eröffnet.

Von den Nazis als "entartet" qualifiziert: Emil Noldes "Christus und die Sünderin" (Bild: sda)

Vor 75 Jahren, am 19. Juli 1937, hat in München ein schwarzes Kapitel der deutschen Kunstgeschichte begonnen. Damals wurde die von Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, initiierte Ausstellung «Entartete Kunst» eröffnet.

Diese Schau galt als Startschuss für die Verfolgung freier Kunst im Nationalsozialismus. 650 konfiszierte Werke von Künstlern wie Max Ernst, Paul Klee, Ernst Barlach, Emil Nolde oder Otto Dix aus 32 deutschen Museen wurden damals in den Münchner Hofgarten-Arkaden ausgestellt und verfemt.

Schräg gegenüber eröffnete im gleichen Jahr das „Haus der Kunst“, das Adolf Hitler zum Tempel der Nazi-Kunst machen wollte. Dort fanden jährlich die „Grossen Deutschen Kunstausstellungen“ statt, in der die Kunst gezeigt wurde, die der Ideologie des NS-Regimes entsprach.

Begriff aus der Rassenlehre

Als „entartet“ diffamierte das NS-Regime in den 1930er und 1940er Jahren Kunstwerke, deren Ästhetik nicht in das von den Nationalsozialisten propagierte Menschenbild passte. Das galt unter anderem für den Expressionismus, Impressionismus, Dadaismus, Surrealismus oder Kubismus.

Ursprünglich stammt der Begriff „entartet“ aus der Rassenlehre der Nazis – in der Euthanasie-Bewegung des Dritten Reiches wurde er für erbkranke und behinderte Menschen verwendet.

Die Übertragung der Bedeutung ins kulturelle Leben sollte den angeblich minderwertigen Charakter moderner „Verfallskunst“ anprangern. Betroffen waren in erster Linie Vertreter des deutschen Expressionismus, deren abstrakte, kontrastreiche und oft fratzenhafte Darstellungen vom NS-Idealbild des „starken“ Menschen abwichen.

Enteignete Museen

Ins Visier der faschistischen Kulturwächter geriet vor allem die Dresdner Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ mit Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Emil Nolde. Auch die Neue Sachlichkeit von Otto Dix und die Bauhaus-Schule aus der Zeit der Weimarer Republik erregten den Unmut der Nazis.

1938 wurde ein Gesetz zur Enteignung von Museen erlassen, die die Entfernung solcher Werke verweigerten. Die Künstler wurden mit Mal- und Ausstellungsverboten unterdrückt, viele kamen ins Gefängnis oder Konzentrationslager.

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