Weniger Kriminalität in der Schweiz, nicht so in Basel

Die Kriminalität in der Schweiz ist im letzten Jahr weiter zurückgegangen. Anders ist der Trend in Basel, hier nahmen insbesondere die Drogendelikte und die Vergehen gegen das Ausländergesetz zu.

In Basel hatten Polizei und Staatsanwaltschaft 2016 deutlich mehr zu tun. Schweizweit hingegen nahm die Kriminalität ab.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Kriminalität in der Schweiz ist im letzten Jahr weiter zurückgegangen. Anders ist der Trend in Basel, hier nahmen insbesondere die Drogendelikte und die Vergehen gegen das Ausländergesetz zu.

Basel-Stadt ist der kriminellste Kanton in der Schweiz, im vergangenen Jahr kamen hier 110 Delikte auf tausend Einwohner. Dies zeigt die alljährliche Kriminalstatistik. Nur Genf kommt mit rund 107 Delikten auf eine ähnliche Häufung krimineller Delikte. Auch wenn die Berechnung der Häufigkeit eine Vergleichbarkeit ermöglicht, sind darin wichtige Faktoren nicht eingerechnet. So handelt es sich bei Basel und Genf um grenznahe Städte, die aufgrund ihrer Zentrumsfunktion grössere Pendlerströme aufzeigen. Der Wert ist also mit Vorsicht zu geniessen.

Aussagekräftiger ist da schon der Vergleich der Schweizer Städte, obwohl auch dieser Wert geografische Eigenheiten aussen vor lässt. Bei den Gewaltdelikten wie Raub und Körperverletzung führt Basel die traurige Statistik ebenfalls an.

Wenig erfreulich ist die Entwicklung in Basel auch bei den Drogendelikten. Hier wurden im vergangenen Jahr über 3700 Vergehen gezählt, eine Steigerung um 14 Prozent. Angestiegen sind auch die Verstösse gegen das Ausländergesetz, und zwar um 55 Prozent. Stärker als überall sonst im Land. Detaillierte Zahlen zu den beiden Basel werden im Verlauf dieser Woche von den beiden Staatsanwaltschaften präsentiert.

Schweizweit ist hingegen eine Abnahme der Vergehen feststellbar. Insgesamt wurden 467’731 Widerhandlungen gezählt. Das sei der tiefste Wert seit der Statistikrevision im Jahr 2009, teilte das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mit. Knapp 70 Prozent dieser Straftaten waren Vermögensdelikte.

Um 3,6 Prozent zugenommen haben dagegen schwere Gewaltstraftaten. Verantwortlich ist dafür vor allem der Anstieg bei den Vergewaltigungen um 11 Prozent auf 588. Die Zahl der Delikte gegen die sexuelle Integrität ist auch insgesamt um 8 Prozent auf 7329 gestiegen. Bei der Pornografie resultierte gar ein Plus von 16 Prozent. Konstant geblieben ist die Zahl der sexuellen Handlungen mit Kindern.

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45 Menschen sterben bei Tötungsdelikt

Höher als im Vorjahr ist die Zahl der versuchten Tötungsdelikte (+33 Prozent). 45 Menschen kamen im letzten Jahr bei einem Tötungsdelikt ums Leben. In vier von zehn Fällen geschah dies im häuslichen Bereich.

Einen Anstieg verzeichneten die Behörden auch bei minderschweren Gewaltstraftaten (+2,4 Prozent), vor allem wegen mehr einfacher Körperverletzungen (+5,5 Prozent), Nötigungen (+11,6 Prozent) und Tätlichkeiten (+2,3 Prozent). Um 2,2, Prozent auf 17’685 Delikte gestiegen sind Anzeigen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.

Mehr Ehrverletzungen

Ein Plus von 9 Prozent gab es auch bei Ehrverletzungen und Verleumdung. Gegenüber 2009 verdoppelte sich die Zahl der Verleumdungen gar von 667 auf 1384. Delikte wegen übler Nachrede und Beschimpfungen verzeichneten eine Zunahme von mehr als 60 Prozent.

Erneut tiefer als im Vorjahr war mit 7938 die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die einer Straftat beschuldigt wurden. Das waren 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Mehr Straftaten beschuldigt wurden dagegen Asylbewerber: Die Zahl der beschuldigten Asylsuchenden stieg um ein Drittel auf 3413.

Jeden Tag 127 Einbrüche

146’731 Mal wurde 2016 in der Schweiz etwas gestohlen – Fahrzeuge nicht eingerechnet. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl der Diebstähle damit um 9 Prozent. Rückläufig waren auch die Diebstähle bei Autos, Fahrrädern und Mofas (-6 Prozent). Deutlich zugenommen haben aber Delikte wegen unbefugter Datenbeschaffung und Eindringens in Datenverarbeitungssysteme und ungetreue Geschäftsbesorgung.

Einen neuen Tiefstand verzeichneten die Behörden bei den Einbrüchen. Im letzten Jahr kam es zu 36’970 Einbrüchen. Das entspricht einem Minus von 13 Prozent. Die Einschleichdiebstähle eingerechnet sind das 127 polizeilich registrierte Einbrüche pro Tag. Im Rekordjahr 2012 waren es täglich noch 201.

Insgesamt waren letztes Jahr rund 6 von 1000 Einwohnerinnen und Einwohner von Einbruch- oder Einschleichdiebstählen betroffen. Die meisten Einbrüche ereigneten sich laut BFS in den eigenen vier Wänden.

Weniger Schmuggel

Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz sanken 2016 um 3,3 Prozent. Knapp die Hälfte betraf den Konsum von Betäubungsmitteln, mehrheitlich Hanfprodukte. Rückläufig waren vor allem Delikte wegen Schmuggel, Anbau und Herstellung von Betäubungsmitteln.

Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz sind gegenüber dem Vorjahr leicht um 0,7 Prozent gesunken. Wesentlich dazu beigetragen haben die Abnahme bei rechtswidrigen Ein- und Ausreisen oder Aufenthalten sowie der Ausübung einer illegalen Erwerbstätigkeit.

Konversation

  1. Man könnte ja die Statistik auch anders anschauen. Wenn man die Zahlen für den Vollkanton Basel (BS + BL zusammen) anschaut, ergibt sich ein Durchschnitt von etwa 70, und wir wären wieder bei den Leuten. Oder noch einmal andersherum gesagt, an den hohen Kriminalzahlen für BS sind die Baselbieter (SVP & Co.) schuld, weil sie gegen die Wiedervereinigung waren!
    Bekanntlich kann man jede Statistik so interpretieren, dass einem das Resultat in den Kram passt.

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    1. Gefärlich, solche Zahlenspielereien.
      Da könnte die SVP im Kantonsvergleich sagen „je mehr SVP, desto weniger Kriminalität“. Oder bei den Gewaltstraftaten in Städten, mit dem Spitzenreiter „je mehr CVP bzw. katholischer, desto gewalttätiger“.

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  2. BS wird in solchen Statistiken immer schlecht abschneiden. Der Grund ist klar. Die umliegenden grossen Ortschaften können nicht der Stadt angeschlossen werden, wegen der Kantons- und Landesgrenzen. Läge diese Stadt woanders auf der Welt, hätten wir vier- bis fünfhunderttausend Einwohner. Nur schon innerhalb der CH-Grenzen wären es gegen drei- bis vierhunderttausend. Anders ausgedrückt: Wenn jeweils nur die Downtowns ausgewertet werden, ist immer eine höhere Kriminalitätsrate zu erwarten. In Zürich passiert an der Langstrasse auch mehr, als auf dem Uetliberg…

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  3. Könnte man sich vielleicht noch andere Kriterien vorstellen?
    – Urbanisierung
    – Verkehrsströme
    – nachbarliche Zusammenarbeit
    – Vorkommen eher tieferer sozialer Schichten

    – Wie stehen die „Problemstädte“ eigentlich international da?
    Könnte es ein Struktur- statt ein Ausländerproblem sein?

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    1. Es gibt ja auch noch andere Formen der Kriminalität:
      – Steuerumgehung
      – Bankengemauschel
      – Kartellbildung.

      Diese Formen der Kriminalität steht den meisten Leuten gar nicht zur Verfügung, ist aber als Einzeltat finanziell wesentlich schwergewichtiger als so mancher Taschendiebstahl oder Wohnungsausräuberei.

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  4. Danke für Ihre aufklärerischen Bemühungen Herr Simcha.
    Wie soll man sonst auf so ein ausserordentlich naturtrübes, xenophobisches schwarz-weiss Weltbild reagieren? Wer solche Ansichten vertritt, glaubt mit grosser Wahrscheinlichkeit auch an das „Regenwurm-halbier-Märchen“.

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  5. Herr Luparius – sie laufen Gefahr nächstes Jahr auch in dieser Statistik aufzutauchen, falls Verstösse gegen das Tierschutzgesetz überhaupt angekommen werden.

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  6. Nun, Werwolf: Haargenau daneben ist daneben (und bleibt es).

    Wer einen Regenwurm teilt, der sollte obacht geben: Zu weit in der Nähe des Kopfes teilen lässt zwar beide Teile zappeln, aber beide Teile sterben.

    Wer Augenmass hat, der teilt weit genug hinten: So zappelt es zwar immer noch beidseitig, aber vorne kann es die überlebenswichtigen Organe nachbilden. Hinten stirbt es einfach ab.

    Wie der Wurm, so die Gesellschaft: Nur dass wir die Horizontale in die Vertikale drehen müssen. So funktioniert es immer wieder.

    Aber pssst: Nicht weitersagen.

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  7. Haargenau so einfach ist es Herr Meier. Übrigens: Wenn Sie einen Regenwurm halbieren, dann sind es fortan zwei. Aber psssst: nicht weitersagen!

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