Wikipedia verliert viele Autoren

Eigentlich ist Wikipedia ein Mitmach-Lexikon – jeder kann Artikel anlegen und bearbeiten. Doch immer weniger Nutzer sind bereit, ihre Freizeit für die kostenlose Wissensquelle zu opfern. Der Trägerverein des Online-Lexikons schlägt Alarm.

Das Online-Lexikon Wikipedia hat Autoren verloren (Symbolbild) (Bild: sda)

Eigentlich ist Wikipedia ein Mitmach-Lexikon – jeder kann Artikel anlegen und bearbeiten. Doch immer weniger Nutzer sind bereit, ihre Freizeit für die kostenlose Wissensquelle zu opfern. Der Trägerverein des Online-Lexikons schlägt Alarm.

Die Zahl der Mitarbeiter, die mindestens fünf Mal im Monat aktiv waren, sei im abgelaufenen Geschäftsjahr von 89’000 auf 85’000 gesunken, erklärte der Trägerverein Wikimedia Foundation in seinem Jahresbericht. Es sei die „wichtigste strategische Aufgabe, diesen Trend umzukehren“.

Auch die Vielfalt unter den Autoren lasse weiter zu wünschen übrig. Mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter sind männlich. Auch Mitarbeiter von der Südhalbkugel seien weiter unterrepräsentiert. Leserschaft und Artikelbestand wuchsen dagegen weiter. Über den Wikipedia-Jahresbericht hatte zuerst Heise Online berichtet.

Wikimedia will mit mehreren Projekte eine Trendwende herbeiführen. So arbeitet die Stiftung an der Benutzerfreundlichkeit der Autoren-Werkzeuge. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein neues Programm zur Bearbeitung von Artikeln – der „Visual Editor“ funktioniert ähnlich wie eine Textverarbeitung.

Bessere Technik, mehr Mitarbeitende

Kürzlich stellte die Stiftung einen neuen Prototypen vor, einen Termin zur breiten Einführung nannte sie damals aber nicht. Im Bericht versprach die Stiftung zudem Investitionen, um die Leistung der Website zu erhöhen. Eine weitere technische Neuerung: Smartphone-Nutzer sollen leichter Fotos hochladen und auf dem Mini-Bildschirm kleine Aufgaben erledigen können.

Das Engagement will die gemeinnützige Stiftung zudem mit Schulungen, Stipendien und speziellen Programmen für Länder wie Indien und Brasilien sowie die arabische Welt steigern.

Um diese Ziele zu erreichen, stellt die Stiftung kräftig ein: Die Belegschaft soll von 119 auf 174 Mitarbeiter wachsen. Die Ausgaben steigen im laufenden Geschäftsjahr von 27,2 auf 42,1 Millionen Dollar. Gleichzeitig will das spendenbasierte Projekt seine Einnahmen um ein Drittel auf 46,1 Millionen Dollar steigern.

Wikipedia und ihre Schwesterprojekte haben eine enorme Reichweite – im Mai verzeichnete die Seiten der Wikimedia-Projekte 18,1 Milliarden Seitenaufrufe von 492 Millionen Nutzern. Doch sie werden von einer relativ kleinen Zahl von Freiwilligen gestaltet.

Konversation

  1. Ich schätze Wikipedia sehr, da es vielen Menschen die Möglichkeit gibt, sich überhaupt zu informieren, weil ein gutes Lexikon für sehr, sehr viele einfach nicht im Bereich der materiellen Möglichkeit liegt, sich ein solches zu erwerben. Und die Informationen in Wikipedia sind sehr viel mehr als gar nichts.

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  2. Vor einem Jahr war zu lesen, dass Brockhaus seine Verkäufe in den vergangenen Jahren nicht nur halten sondern gar ausweiten konnte. Was mich sehr freut. Wikipedia ist ja nett, um „mal schnell unterwegs was nachzusehen“. Bloss, wer das Nachschlagen in einem richtigen, von Wissenschaftern recherchierten und von ausgebildeten Publizisten redigierten Lexikon auf sich nimmt, erfährt Wissen und erlebt Bildung einer hohen Qualität auf einheitlichem Niveau. Ganz im Gegenteil zu Wikipedia, wo viele Einträge – von 60 % hört man – gänzlich ohne Prüfung publiziert werden. Das hat dann nichts mehr mit Wissenschaftlichkeit und geprüften, ausgewogenen Fakten zu tun und ist ein Schritt weg von der Seriösität hin zur ungenauen Mutmassung oder gar Beeinflussung.

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