Wochenendlich in Turin

Im Herzen des Piemont, umrahmt von Alpen – die Fiat-Stadt zeigt sich von der charmanten Seite.

Glutenfreie Pizza. (Bild: Petra Geissmann)

Im Herzen des Piemont, umrahmt von Alpen – die Fiat-Stadt zeigt sich von der charmanten Seite.

Mitten in der Nacht kommen wir an, und kein Zimmer ist frei. So fängt unser Kurz­urlaub in Turin an. Um 23.50 Uhr erst die grosse Erleichterung – wir finden ein Zimmer –, doch dann die Enttäuschung: ein Raucherzimmer. Das kann nicht gut gehen, aber ein anderes Zimmer ist nicht frei im Hotel. Die einzige Lösung: Wir genehmigen uns einen kleinen Absacker in der Nähe, öffnen vorher das grosse Fenster und hoffen auf bessere Luft, wenn der Nachtwind das Zimmer erst mal richtig gereinigt hat. Vergebliche Hoffnung: Es stinkt nach wie vor. Total müde legen wir uns in die rauchigen Betten und lassen die Fenster offen. Von Ruhe allerdings keine Spur: Direkt vor dem Zimmer fährt das Tram und kalt ist es auch noch. So ist an Erholung vorerst einmal nicht zu denken.

Doch das ändert sich: Am nächsten Morgen finden wir ein ruhig gelegenes Hotel, saubere, moderne Zimmer und alle für Nichtraucher. Das Glück ist perfekt –und die Altstadt nah. Wir erkunden sie zu Fuss: eine wunderschöne Altstadt mit vielen Läden und Cafés, das Leben spielt sich draus­sen ab. Turin bietet alles, was das Herz begehrt. Viele historische Sehenswürdigkeiten, aber auch viele grüne Oasen und immer mal wieder einen Blick auf die Alpen. Bei guter Sicht und etwas erhöht, überblickt man die ganze Alpenkette vom Mont Blanc bis zu den Dolomiten.

Nach einer anstrengenden Shoppingtour setzen wir uns an die Sonne und erholen uns in ­einer der vielen schön gepflegten Parkanlagen.
Alle schwärmen vom kulinarischen ­Turin. Zu Recht. In Turin lässt sichs essen – und das gilt auch für Leute wie mich, die beim Essen in Restaurants arg eingeschränkt sind. Da ich Zöliakie habe (eine Getreide­unverträglichkeit), sind für mich die meisten angebotenen Menüs tabu. So machte ich mich vor der Reise nach Turin auf einiges gefasst, denn die italienische ­Küche besteht ja hauptsächlich aus Getreide (Pizza, Pasta usw.). Da liegen für mich ­meistens nur Salat oder Gemüse drin. Doch in Turin gibt es Restaurants, welche glutenfreies Essen anbieten, und zwar nicht wenige.

Wir testen das Angebot gleich am ersten Abend, und es ist fantastisch. Was hierzulande undenkbar ist, schafft Turin locker: Ich kann von der normalen Speisekarte aussuchen und bekomme meine glutenfreie Pizza, die in einem separaten Ofen gebacken wird. Auch in anderen Restaurants werde ich immer verwöhnt mit leckeren glutenfreien Esswaren.
Zu Turin gehören Gelati, gehört das Schlendern dem Ufer des Po entlang, gehört das Nachtleben. Bei schönem Wetter ist fast kein Durchkommen. Jung und Alt sind auf den Beinen. Es wird getanzt, gesungen, gefeiert und einfach das Leben genossen.

Und zum Turiner Samstag gehört der Markt, das bunte Treiben rund um die unzähligen und bunten Stände. Wir bummeln durch die engen Marktgassen, wo einfach alles angeboten wird. Das ermüdet, gewiss, doch da sind nicht weit die ruhigeren Plätzchen mit schönen Strassencafés, wo die Sonnenstrahlen wärmen, Pizzerias mit den glutenfreien Angeboten. Und leider ist da auch die Gewissheit, dass die Heimreise durch das schöne Aostatal schon naht.

  • Anbeissen: Kipling, mitten in der Altstadt, Via Giuseppe Mazzini 10
  • Anschauen: die Altstadt, das Automobilmuseum
  • Ausspannen: Am Po entlang und in den grünen Oasen

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 22.06.12

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