• „Selbsterklärende“ Strassen sollen Aggressionen eindämmen

    All diese Schilder haben mich schon immer verwirrt, weshalb ich sie einfach ignoriere. Klar wunderte ich mich - bis heute - wie hart mein friedliches Zirkulieren mit den unerklärlichen Aggressionen der andern Strassenbenützer kontrastiert. Die Studie - unser Geld wurde gut investiert - liefert nun die gesuchte Erklärung: Die andern Verkehrsteilnehmer haben sich von der Signalisation provozieren lassen, was ja auch mir leicht hätte passieren können. Die vereinte Weitsicht von SVI und BfU wird nun für Entspannung sorgen. Wir freuen uns auf die angekündigten Richtlinien des Bundes und die dazu unumgänglichen weitergehenden Untersuchungen. Während die Kinder sich anschicken, nach Eiern zu suchen um sodann ihre Aggressionen an ihnen auszulassen, rückt die BfU auch die Proportionen zurecht: Raser SIND gar nicht aggressiv. Ihnen ist bloss zu heiss. Und ihr "persönliches Bedürfnis nach Risikosuche" (sic) werden wir nicht in Frage stellen wollen. Stimmen wir sie milde, legen wir ihnen selbsterklärende Fahrstrecken vor.

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  • Schweizer Bevölkerung fühlt sich gemäss Umfrage im Wald wohl

    Der Tagesschau-Clip mit dem WSL-Direktor http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/02/17/Schweiz/Wald-bei-Schweizern-sehr-beliebt - ist schon beeindruckend. Was der Mann an Ergebnissen - auf die angeblich "interessante Frage" - zu berichten weiss. Wollen wir nicht unfair sein, wir wissen, wie solche Statements zustande kommen. Im Detail betrachtet sind die Ergebnisse aber auch von eher bescheidenem Erkenntniswert. Das seit 10 Jahren stark zunehmendende Eigenmarketing auf allen Verwaltungsebenen, gerade im Umweltbereich, steht leider in einem ungünstigen Verhältnis zu den Leistungen im Vollzugsbereich. Stossend ist es, wenn eine akademische Bundesanstalt (WSL) mit einer derart dürftigen Leistung aufwartet und sich sich damit auf Unterhaltungsniveau begibt. Das Bafu erklärt der Schweiz, dass sie den Wald schätzt. 2005 wurden wir immerhin noch mit der präzisen Angabe beglückt, dass auf der Grundlage der durchschnittlichen Waldbesuche pro Person sich eine in Reisekosten ausgedrückte durchschnittliche Wertschätzung der Erholungsleistungen des Waldes von 544 CHF pro Jahr und Person ergibt. Werden wir demnächst erfahren, dass die Schweiz gerne in den öffentlichen Gewässern badet? Auch interessieren könnte, was uns das "Waldmonitoring soziokulturell" kostet. An der aktuellen MK wurden zahlreiche Plattitüden geboten, die keiner Umfrage bedurft hätten, ausser: "85 Prozent der Befragten stimmen dem Rodungsverbot zu. Allerdings wissen 70 Prozent der Leute nicht, dass die Waldfläche in der Schweiz insgesamt seit Jahrzehnten zunimmt." Man könnte glatt an der redlichen Absicht zweifeln, kennt doch niemand als dieses Amt den sachlichen Hintergrund besser, unterschlägt ihn aber auffälligerweise, aus welchen Gründen auch immer. Trotzdem, am 17.02.12 hat die Schweiz erfahren: "Im Wald entspannt der Schweizer gern" (NZZ, Die Schweizerin ist wohl mitgemeint).

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  • Späte Genugtuung für Medienopfer

    Beat Dünki gebührt unser Dank für seine Beharrlichkeit in einer ungleichen Auseinandersetzung. Treffen kann es nämlich jede/n, und nur die wenigsten Betroffenen sehen sich je auch nur halbwegs rehabilitiert. Einige Prominente werden im Artikel genannt. An zwei Frauen möchte ich erinnern, deren Leistungen von einer Horde von Schreibern kleingeredet und die stattdessen beliebig durch den Dreck gezogen wurden: an den Tennisstar Patty Schnyder und an die ehemalige Zürcher Stadträtin Ursula Koch. Beide ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, aber sie teilen sich die geringe Neigung, an jedem Mikrophon begeistert zu lutschen, das ihnen hingestreckt wurde. Solche Kränkung verkraften nicht alle Journalisten gleich gut, und die Mittel um sich zu rächen, haben sie ja. Auf die Besudelten dürfen dann alle einmal werfen, die mögen. Ich habe nie gehört, dass sich später einer für die Entgleisung entschuldigt hätte. Als Parteipräsidentin vom Verband Schweizer Presse anlässlich dessen Jahrestagung um ihren Wunschzettel an Verleger und Journalisten gebeten, stellte Koch zunehmend tyrannische Tendenzen in dieser Branche fest (eine Beobachtung, die natürlich auch von Medienfachleuten geteilt wurde), und löste damit, als Bestätigung des Befundes eine wüste Hetze aus. Einer der sich besonders hervortat, ein Chefredaktor wurde gegen Ende seiner Zeitungskarriere nach seinem grössten Fehler gefragt, worauf er, wahrscheinlich ehrlich, antwortete: “Ehrlich gesagt, da kommt mir momentan nichts in den Sinn." Man muss ja auch vergessen können. Und falls man jetzt auf den Falschen getippt hat, machts nichts, der andere war auch dabei.

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  • Rheinsalinen setzen Jobs aufs Spiel

    Wie einfach es wäre, das Salzmonopol abzuschaffen, weiss ich nicht, dass es unklug wäre, aber schon. Warum erkläre ich hier: www.tageswoche.ch/de/2011_44/basel/103402/Rheinsalinen-versalzen-Kleinfirma-das-Gesch%C3%A4ft.htm. Meine Verteidigung des Monopols richtet sich gegen den freien Handel mit Streusalz. Das Verhalten der Rheinsalinen gegenüber der Einsiedler Kosmetikfirma ist allerdings unverständlich. Und dass der Salinendirektor keine Worte der Begründung findet, ist erst recht ungewöhnlich, ist er doch nicht um Worte verlegen, wenn es darum geht, apokalyptische Visionen von einem Winter ohne schwarzgeräumte Strassen zu verbreiten. Er gefällt sich doch ausnehmend gut als Marktschreier für Streusalz als Wunderwaffe gegen den Schnee. Vielleicht sind seine Nerven zur Zeit etwas strapaziert, weil der Winter bisher noch nicht mitspielen mochte, obschon die Salzlager doch randvoll sind. Wie sich ein Aufschlag von bis zu 50% auf Meersalz gegenüber dem Direktimport rechtfertigen lässt, nachdem das Salzregal vor 4 Jahren auf einen symbolischen Franken pro Tonne reduziert wurde, würde schon interessieren. Einerseits wir einer Stadt, die an einem Tag 200 Tonnen Salz auf die Strassen schmeisst, ohne weiteres die Einfuhrbewilligung für diese Menge Meersalz erteilt, die sie anderntags in Süditalien ordert. Umgekehrt wird einem Fabrikationsbetrieb die Einfuhrbewilligung für die gleiche Menge Meersalz, aber Jahresbedarf entzogen. Da ist man schon gespannt auf die Begründung. Dass VR-Honorare für Mandate, die von Amtes wegen ausgeübt werden, von gut bezahlten Regierungsräten in ihrer eigenen Tasche landen, ist gewiss unschön, und muss ja übrigens nicht einfach hingenommen werden. Als Argument gegen das Salzmonopol eignet sich dieses Verhalten aber kaum. Es wäre ja beispielsweise auch keine gute Idee, die Bankenbewilligung abzuschaffen, weil Bank-VR kräftig absahnen.

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  • Lohnzustupf für Regierungsräte

    Dass VR-Honorare für Mandate, die von Amtes wegen ausgeübt werden, von gut bezahlten Regierungsräten in den eigenen Sack gesteckt werden dürfen, ist sicher fragwürdig. Schleierhaft bleibt, Was mit dem Befund gemeint sein könnte, dies falle im Vergleich zu den Einnahmen der Kantone aus dem Salzgeschäft nicht ins Gewicht. Und wenn en passant, einmal mehr, der "abgeschottete Markt", das Salzmonopol und die Regalgebühren erwähnt werden, müssten vielleicht auch die, durchwegs negativen, Folgen einer allfälligen Marktöffnung thematisiert werden. Einzheiten im Kommentar zu diesem Artikel: http://www.tageswoche.ch/de/2011_44/basel/103402/Rheinsalinen-versalzen-Kleinfirma-das-Gesch%C3%A4ft.htm. Auch fehlt der Hinweis, dass die Regalgebühren 2007 von 50 auf einen symbolischen Franken pro Tonne reduziert wurden. Wodurch das Salz über nacht um 25-30% billiger wurde. Mit der Folge, dass mit unverändertem Budget 25-30% mehr Salz auf die Strassen geschleudert bzw. gespritzt werden konnte und wurde. Die Gründlichkeit mit der hierzulande schädliches Chloridsalz flächendeckend verstreut wird, ist international einmalig. In den 60 grössten Städten Deutschlands, beispielsweise besteht ein Streuverbot im Fussgängerbereich, in Österreich generell für Nebenstrassen, übrigens auch in Salzburg! Die Schweiz (mit 72'000 Strassenkilometern) Oesterreich (mit 106'000) im Salzverbrauch überholt! Aus dem weissen Gold wird im "Winterdienst" weisses Gift. Wir sollten zur Besinnung kommen.

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  • Auf dem Hörnli ist Hochsaison

    Kommen wir nun, wie versprochen auf den trostlosen Anblick des Friedhofs zurück. "Ein mit Blumen und Herzchen geschmückter Altar bildet den einzigen Farbfleck neben einer brachen Wiese, so scheint es. Doch keine Fläche hier ist so stark bewirtschaftet wie diese – die Wiese ist ein Massengrab." Nebenbei bemerkt, ist die freundliche Bezeichnung "Gemeinschaftsgrab" dem Begriff "Massengrab" vorzuziehen, letzterer erinnert in erster Linie an Kriegsverbrechen und passt weniger in den Zivilbereich. Abgesehen davon wird die Wiese nicht bewirtschaftet, die Reihengräber werden, und nicht zu knapp. Der Gärtner "führt diese Entwicklung auf die «Friedhofskultur» zurück, die sich mit der Abwendung vieler Menschen von der Kirche ändere. Aber auch auf das Geld: «Häufig entscheiden sich Angehörige aus Kostengründen für ein Gemeinschaftsgrab." Beide Vermutungen haben wohl ihre Berechtigung. Gärtnerisch definiert, führt uns die Friedhofs"kultur" näher an die Ursachen heran: Der seit zwanzig Jahren anhaltende Trend weg vom Reihengrab, hin zum Gemeinschaftsgrab ist auch hausgemacht: Oft sind die Gemeinschaftsgräber freundlicher und naturnäher gestaltet, jedenfalls in der Summe weniger umweltbelastend.. Begreiflicherweise haben immer weniger Tote Lust, in Reih und Glied mit Vierzigtausend andern, unter monokulturellem Bombast zu ruhen. Auch auf Seiten der Hinterbliebenen scheint der Bedarf an blumigem Überschwang im Schwinden begriffen. Diese wollen oder können die Kosten für ein Reihengrab mit leb- und trostloser Bepflanzung nicht (mehr) aufbringen und finden es vielleicht tröstlicher und naturgerechter, die Asche über den Hornfelsen oder von der Dreirosenbrücke zu pusten und dem Westwind oder Vater Rhein anzuvertrauen. Friedhofsverantwortliche und ihre Lieferanten registrieren die fnanziellen Einbussen zwar mit zunehmender Nervosität, wollen ihren Handlungsbedarf aber partout nicht erkennen. Denn manche Abwanderer würden die Kirche ja noch im Dorf lassen, vielleicht sogar weiterbeten, abr sie können nichts mehr anfangen mit diesem Angebot: "Ab Ostern Stiefmütterchen, Tulpen und Osterglocken. Im Sommer Begonien und Fuchsien. Im Oktober Callunas, Eriken, Chrysanthemen. (Pflanzen- und Farbwünsche können im Pauschalauftrag nicht berücksichtigt werden.)" Wer kann das wollen? Nichts gegen diese Gewächse! Sie können ja nichts dafür dass ihre Käufer nicht wissen, was sie tun. Vor 10 Jahren hat eine Schweizer Studie die Umweltbelastung durch den Friedhofs-Wechselflor ermittelt, Fuchsia, Erica, Calluna und auch Begonia haben grottenschlecht abgeschnitten. Die Studie ging den kurzen Weg gar mancher teuren Studie, in der Schublade. Folgenlos. Und die untersuchten Pflanzen gehen nach wie vor den (teilweise langen) Weg aus den Gewächshäusern (2 Jahre) in die Abfallmulden, mit Zwischenhalt auf den Gräbern (3-5 Monate). Durch die Bepflanzung mit standortfremdem Wechselflor setzt die Stadt auf dem Gottesacker alljährlich einen Teufelskreis in Gang: Die zwangsläufige Beregnung fördert Pilzkrankheiten, die man dann mit der chemischen Keule bekämpft. Der Import von Billiggewächs kommt teuer zu stehen, kauft man doch damit deren hungrige Siedler gleich mit ein und sorgt so für deren Feinverteilung über die Landschaft. Rüsselkäfer und Zünsler lassen grüssen. Mit der Brandmarkung dieser "Trojaner" als "Schädlinge", schafft man die Legitimation zu deren Vergiftung, womit man gleichzeitig deren Gegenspieler, die "Nützlinge" ausschaltet. All dies wird erklärtermassen zum Trost der Hinterbliebenen veranstaltet – genauso wie der Coop-Fillialleiter die Regale nur mit Artikeln füllen lässt, die "der Kunde wünscht". Indes sind Probleme die im beim Gärtnern entstehen, stets hausgemachte Probleme, Folge der Missachtung natürlicher Gegebenheiten. Die obligaten Stiefmütterchen, auch als Pensées bekannt, wurden früher, und werden heute noch vielerorts im Herbst gepflanzt. Sie blinzeln dann, je nach schwere der winterlichen Strapazen mehr oder weniger frisch in die Fühlingssonne, halt wie auch wir bisweilen. Um solcherlei Unvollkommenheit zu vermeiden, werden sie erst im Frühling platziert, und für die Winterlücke noch rasch Callunas eingesteckt. Zugegeben: Was gibt es schöneres, als eine blühende Calluna-Heide im Lichtspiel jagender Wolken in karger Berglandschaft? Und was bleibt von diesem Zauber auf dem Hörnli, in Vierzigtausendstel Portionen zu fünf Pflänzchen. Und um den Unsinn komplet zu machen, während der Winteruhe der Honigbienen. Bonjour Tristesse! Ja, die zerstückelte Besenheide spült vielleicht Eineinhalb Millionen in die Kasse - koste es, was es wolle. Wollen wir nicht auf den unnötigen Ressourcenverschleiss verzichten? An Pflanzen, Torf und Arbeitskraft, auf Verschwendung grauer Energie für die klimatisierte Anzucht, für die Produktion von Dünger und Pestiziden, für die Trinkwasseraufbereitung (zur Beregnung), für den Transport und den Maschineneinsatz. Wollen wir uns nicht vom überholten Dogma verabschieden, wonach auf dem Grab jederzeit etwas zu blühen habe? In den 80er-Jahren hat auf diversen Friedhöfen der Schweiz ein Umdenken angefangen: Es wurde ein natürlicher Grabschmuck angeboten, für Menschen, die Zeit haben, etwas länger und genauer hinzuschauen, Menschen wie sie ja nicht selten am Grab stehen. Standortgerechte Widstauden - also mehrjährige Pfllanzen - brauchen nämlich keinen Pflanzenschutz, denn die wechselseitige Kontrolle wird von einem Beziehungsnetz zwischen der Pflanze und kleinen und grösseren Tieren ausgeübt. Es ist offensichtlich, dass dieses Kontrollnetz in der Monokultur fehlt. Leider wurde die naturnahe Grabbepflanzung z.B. auf einem Zürcher Friedhof, aus wirtschaftlichen Ueberlegungen, nach wenigen Jahren trotz grosser Beliebtheit wieder aufgegeben. Beim ganzen Floralen Overkill ist stets von Kultur und Tradition die Rede, in Tat und Wahrheit geht’s, wie üblich bei kapitalem Unsinn: um Geld, um Besitzstandswahrung wider jede Vernunft. Von verantwortlicher Stelle höre ich immer wieder die – mit der grössten Selbstverständlichkeit vorgebrachte Ausrede: "Das Gärtnergewebe muss auch leben." In der Privatwirtschaft müsste man mit einem solchen Argument nur einmal kommen. Mitgemeint sind die Tulpenzwiebeln aus Holland und der Torf aus Weissrussland. Dabei gibt es in diesem Gärtnergewerbe durchaus Betriebe, welche die geeigneten Wildstauden liefern, und den Kulturwandel begleiten könnten. Auf dem Friedhof begegnen wir unserer eigenen Vergänglichkeit, ist es da nicht grotesk, die Wahrnehmung des natürlichen Lebenskreises mit trostlosen Einwegpflanzen zuzudecken? Tröstlich wäre es zu sehen, wie das Leben weiter geht: Wie Schmetterlinge im Schwarm über den Lichtnelken tanzen, wie Blühen und Verblühen in die Frucht- und Samenbildung übergeht, wie aus Wildrosenblüten Hagebutten werden, Futter für Amsel, Drossel Fink und Star. *) Den schönen Titel habe ich hier entlehnt: http://www.stadtgaertnerei.bs.ch/buch_bestattungskultur_umschlag-3.pdf PS Der Friedhofsgärtner rechnet mit Entlassungen bei seinem Team. Er könnte mal durchrechnen, ob es sich nicht lohnte, die Leute zu behalten und dafür auf Laubsauger und –bläser, sowie auf die mobilen Pflanzen- und Kleintier-Grillgeräte zu verzichten, mit denen die Wege und Plätze "sauber" gemacht werden, zugunsten von Jäten und Laubrechen. Aber Vollkostenrechnung! Er wird überrascht sein.

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  • Auf dem Hörnli ist Hochsaison

    Im Bericht von der Hochsaison auf dem Hörnli sind mir ein paar Dinge aufgefallen. Zunächst das wirklich sehr anrührende Bild zeigt wahrscheinlich eines der wenigen Motive auf dem Hörnli, mit einer versöhnlichen Note. Mit Ausnahme der prachtvollen Bäume Ich komme gleich darauf zurück, aber hier versteht man ja das eigene Wort nicht. "Um acht Uhr öffnet das Hörnli seine Tore. Noch dürfen die Gärtner laut sein. Mit dem Laubbläser Herbstblätter auf einen Haufen blasen". Wenn die Frage erlaubt ist: Können die Dödel keinen Laubrechen bedienen? Wozu bezahlen wir die Erstellung von Lärmempfindlichkeitsplänen? Das Hörnli liegt in auf der "Empfindlichkeitsstufe II, wo keine störenden Betriebe zugelas-sen sind, namentlich in Wohnzonen". Schon klar: der Betrieb störender Laubbläser ist kein "störender Betrieb" im Sinne der Verordnung. Über die Zumutbarkeit des Lärms der Laubsauge/-bläserei und anderer Garteunterhaltsgeräte herrscht in der Bevölkerung - mit Ausnahme natürlich der User - weitgehend Einigkeit. Jene Gärtner, für welche Pflanzen nicht einfach Einrichtungsgegenstände oder Verbrauchsmaterial sind, sondern Lebewesen, mit Lebensansprüchen, wissen, dass der Boden mehr ist als Substrat, nämlich ein Lebensraum mit einer reich-haltigen und vielfältigen unter- und oberirdischen Flora und Fauna von deren Gedeihen das Gedeihen der Pflanzen direkt abhängt. Sie werden davon absehen, diese Kleinlebewesen in der Gegend herumzublasen oder einzusaugen. Ausserhalb der Friedhofsmauern wird zusammen mit dem Falllaub Hundekacke und Strassenstaub in die Atemluft gewirbelt, nicht gerade gesundheitsbewusst oder rücksichtsvoll, und innerhalb der Mauern eben das ganze Kleinleben, we-nig umweltbewusst. Wenn man unter und zwischen den Bäumen ohnehin Rasenwüste sehen möchte, dann tut's natürlich auch ein bescheidenes Bodenleben. Andernfalls gehört das Laub zum Stoffkreislauf, führt zu natürlicher B-dendüngung, bietet Schutz und Nahrung für Gross und Klein. Und noch was – das betrifft jetzt nicht das Hörnli, aber andere Pärke und Alleen - und einen einen prominenten sommerlichen Schattenspender: Die Rosskastanie, mit 2000 Exemplaren der zweithäufigste Strassenbaum der Stadt, nach der Linde, leidet bekanntlich unter dem Befall der Miniermotte Cameraria ohridella. Hauptsächlich die weissblütige Sorte. Dies bedeutet keine tödliche Gefahr für den Baum, aber dennoch seine Schwächung. Die Larven des kleinen Schmetterlings mit nur 6 Millimeter Spannweite bohren sich fressend den Blattadern entlang, was an der Entfärbung der minierten Bereiche erkennbar wird, später entstehen hellbraune Flecken und starker Befall führt schliesslich zum Blattverlust. Die letzte von 3 Generationen überwintert als Puppen im gefallenen Laub. Durch fortlaufendes Zusammenkehren, und Verbrennen in der KVA, oder durch fach-gerechte Behandlung in einer Großkompostieranlage mit schneller und vollständiger Zersetzung, kann ein erheblicher Teil der Nachkommen entfernt und damit der Befallsdruck im Frühjahr verringert werden. Alternative Bekämpfungsmethoden haben sich bisher als weniger wirksam oder unverhältnismässig erwiesen. Man kann sich nun leicht vorstellen, dass der Erfolg dieser Massnahme beeinträchtigt wird, wenn das Laub stattdessen mit bis zu 460 km/h auf die Nachbargärten verteilt wird (zum Vergleich: ein Airbus A 340 hebt bei rund 300 km/h ab). Das Nachdeken über den Klimawandel erhielte einen zusätzlichen Impuls, wenn es einen halben Kilometer westlich vom Waldrebentor am Friedhofeingang beginnen würde. Auch im Wald wird mittlerweilen mit diesen lärmigen Luftwaffen Ordnung gemacht. Ob auch auf dem Klimaweg, konnte ich noch nicht überprüfen. A propos Effizienz: http://www.youtube.com/watch?v=BPFrCaDToPE

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  • Rheinsalinen versalzen Kleinfirma das Geschäft

    Da haben Sie uns eine rührende Geschichte aufgetischt. Ein Eventagent trägt den Rheinsalinen an, Salz in Israel und in der Türkei zu organisieren, kommt aber letztendlich nicht zum Zug, weil die Salinen in der Hoffnung, im Februar noch ein paar Tausend Tonnen zusätzlich verkaufen zu können, eine Schiffsladung am andern Ende der Welt, in Chile geordert hatten, und dann hörte der Winter einfach auf mitzuspielen. Wenn wir die juristische Seite der Geschichte mal weglassen, fällt auf: Etwas verfrüht – letztes Jahr hätte das Timing gestimmt – zur Eröffnung der Salzsaison verkauft sich der verhinderte Dealer der TW als Wohltäter und verlangt nebenher die Aufhebung des Salzmonopols. Mit schöner Re-gelmässigkeit wird diese Forderung von den Transport- und Tiefbaulobbyisten in Bern aufgewärmt. Sie entspringt natürlich nicht der Sorge um die Versorgungssicherheit, sondern Partikularinteressen. Dabei verdient das Stassenbaugewerbe schon heute ganz nett an den durch Streusalz verursachten Korrosionsschäden Eine vergangenen Februar veröffentlichte Nationalfondsstudie beziffert den jährlichen Erhaltungskostenbedarf für die dem Streusalz ausgesetzten Verkehrswege auf 3.3 Milliarden Franken. Noch bevor wir von Versorgungs,- Entsorgungs- und Kommunikationsinfrastruktur sprechen, fallen jährliche Sanierungskosten von Korrosionsschäden im siebenstelligen Frankenbereich an. Im Salzpreis sind sie nicht enthalten, in der Steuerrechnung sind sie drin. Die Folge einer Aufhebung des Salzregals wäre lediglich ein höherer Salzpreis und grenzenlose ökologische Geisterfahrerei rund ums Mittelmeer, der Kanton Zürich hat es im vorletzten Winter vorgemacht und schickte eine Lastwagenkolonne nach Tuzla 2400 km Hin- und Zurück, letzten Winter bedienten sich Innerschweizer Städte in Süditalien, wiederum 2400 km. Luzern hatte allein am 17. Dezember 100 Tonnen verschleudert. Die Einfuhrbewilligung wurde den Städten übrigens ohne weiteres erteilt, wo also liegt das Problem mit dem Monopol? Es hindert ein paar ganz Schlaue an dubiosen Geschäften, für welche sie den Steuerzahlern eine gesalzene Rechnung präsentieren möchten. Die Aussicht, Salz vom Ural herankarren zu können, vom Bajkalsee oder aus dem Punjab, ist den sogenannten Volksvertretern allemal ein parlamentarischer Vorstoss wert. Auch Somalia, Afghanistan und Nordkorea warten auf Salzorders aus der Schweiz. "Salzknappheit" ist vergleichbar mit "Energielücke" ein einfältiges Schlagwort, bestimmt, unter Zuhilfenahme der Medien, Angst und Schrecken zu verbreiten, mit dem Ziel, im Schutze der entstehenden Hysterie unsinnige aber umso einträglichere Geschäfte weiter laufen zu lassen. Andreas Diethelm, Zürich, Umweltberater 07.11.11

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