CJM
  • Vom Wurm in der Lebens­ursache und dem Tod der Sinnfrage

    Werden die 14 Einzelbeiträge zur Sinnfrage zusammenhängend betrachtet, ergibt sich ein fragmentarisches Bild über den Menschen mit seinen sieben Bewusstseinsstufen, seinem übergeordneten Stimmungsbewusstsein und seinen drei äusseren und drei inneren Haltungen, die er beginnt schrittweise einzunehmen, sobald er beabsichtigt gemäss seiner einzigartigen irdisch-geistigen Individualität zu leben. Eine Liste meiner Kommentare zu den einzelnen Beiträgen finden Sie in meinem Kommentar zum Editorial der Redaktion. http://www.tageswoche.ch/de/2012_52/leben/494904/und-ploetzlich-stellt-sich-dann-diese-frage.htm Mein Kommentar zum Beitrag: «Vom Wurm in der Lebensursache und dem Tod der Sinnfrage» Ist der Mensch in äusserer Autonomie und in äusserer Autorität kann er fortschreiten zur inneren Autonomie und inneren Autorität. Die Slam-Poetin Hazel Brugger spricht in ihrem Artikel diese Haltungen an. Ihre humoristisch-ironische Ausdrucksweise kann abschrecken, aber auch inspirieren. Die Autorin schreibt: [zur äusseren Autonomie] „Im Grunde genommen fühle ich mich also als Papst und missverstanden – sich selbst der ewigen Jungfräulichkeit verschrieben, anderen dann aber den Gebrauch von Kondomen verbieten und dem unvermeidlichen Dahinsiechen beschämt und tat- und machtlos zuzusehen.“ [zur inneren Autonomie] „Irgendwann macht man dann jedoch selber Kinder oder sich zumindest Gedanken darüber. Presst sie je nach Geschlechtsrolle in ein menstruales Rosa, unterkühltes Blau oder progressiv-eitriges Senfgelb und versucht sich dann von Weihnachtsessen zu Sommerferien und wieder zurück zu Weihnachtsessen durch den zeitlosen Brei zu mogeln.“ [zur äusseren Autorität] „Man entdeckt die Volksdrogen, dröhnt sich zu, legt alle seine Hoffnung ins Jenseits und den Geist in die speckigen Hände des Glaubens. Die Sinnsuche wird verschoben, das vollständige Finden und die Selbständigkeit bleibt aus.“ [zur inneren Autorität] „Zum Glück litt die Frederick [die Maus] aber nur an einer generellen Faulheit kombiniert mit Magenverdauung und Überforderung mit der Gesamtsituation. Er stand also bald wieder von den Toten auf, furzte seinen kleinen Mäusefurz und befreite mich von meinem Platz auf der Schuldenbank. Nie wieder töte ich aus Spass an der Macht oder der Neugier, das perfekte Verbrechen ist unmotiviert, und der Sinn des eigenen Lebens bestimmt nicht den Unsinn aller anderen.“

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  • Nichts zwischen mir und dem Berg

    Werden die 14 Einzelbeiträge zur Sinnfrage zusammenhängend betrachtet, ergibt sich ein fragmentarisches Bild über den Menschen mit seinen sieben Bewusstseinsstufen, seinem übergeordneten Stimmungsbewusstsein und seinen drei äusseren und drei inneren Haltungen, die er beginnt schrittweise einzunehmen, sobald er beabsichtigt gemäss seiner einzigartigen irdisch-geistigen Individualität zu leben. Eine Liste meiner Kommentare zu den einzelnen Beiträgen finden Sie in meinem Kommentar zum Editorial der Redaktion. http://www.tageswoche.ch/de/2012_52/leben/494904/und-ploetzlich-stellt-sich-dann-diese-frage.htm Mein Kommentar zum Beitrag: «Nichts zwischen mir und dem Berg» Der Mensch kommt auf die Welt, zuerst um eine irdische Identität zu erwerben und diese als individuellen Menschen zu erleben. Das kann er durch äussere Autonomie, äussere Autorität und äussere Bestimmung. Danach kann er sich bewusst werden, dass er in seinem Innern auch eine geistige Individualität ist und durch diese eine geistige Identität erhalten kann. Dies erfolgt in innerer Autonomie, innerer Autorität und innerer Bestimmung. Der Bergsteiger Ueli Beck kommt, als er nach dem Sinn des Lebens gefragt wurde, auf diese sechs Haltungen im Wachbewusstsein zu sprechen: [zur äusseren Autonomie] „Das Bergsteigen, eigentlich jede Tätigkeit, hat mindestens jenen Sinn, den derjenige der Tätigkeit gibt, der sie ausübt.“ [zur äusseren Autorität] „Ich will nicht einfach irgendwie durchkommen; ich will meine Touren in Fels und Eis wirklich im Griff haben, ich will das, was ich tue, unter absoluter Kontrolle haben.“ [zur äusseren Bestimmung] „Ich stelle mich selbst gewählten Herausforderungen. Ich brauche solche Herausforderung.“ [zur inneren Autonomie] Bei der Frage nach dem Sinn des Lebens scheint mir die Frage nach dem Glück im Leben nicht weit weg zu sein. […] Dieses kleine Glück kann etwa in einem Sonnenuntergang liegen oder in einem Eiszapfen, in dem das Licht sich bricht.“ [zur inneren Autorität] „Das ist vielleicht sogar allgemein der Sinn des Lebens: etwas zu finden, hinter dem du stehst, etwas zu finden, das dir Freude macht.“ [zur inneren Bestimmung] „Free Solo ist für mich die reinste Form des Bergsteigens; das Erlebnis ist nie intensiver […] alles, was je passiert ist, ist weg, und alles, was je kommen wird oder kommen könnte, ist ohnehin ausgeblendet.“

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  • Mit Kant gegen den Liebeskummer

    Werden die 14 Einzelbeiträge zur Sinnfrage zusammenhängend betrachtet, ergibt sich ein fragmentarisches Bild über den Menschen mit seinen sieben Bewusstseinsstufen, seinem übergeordneten Stimmungsbewusstsein und seinen drei äusseren und drei inneren Haltungen, die er beginnt schrittweise einzunehmen, sobald er beabsichtigt gemäss seiner einzigartigen irdisch-geistigen Individualität zu leben. Eine Liste meiner Kommentare zu den einzelnen Beiträgen finden Sie in meinem Kommentar zum Editorial der Redaktion. http://www.tageswoche.ch/de/2012_52/leben/494904/und-ploetzlich-stellt-sich-dann-diese-frage.htm Mein Kommentar zum Beitrag: «Mit Kant gegen den Liebeskummer» Ist der Mensch in äusserer Autonomie kann er seine eigene irdische Individualität, mit ihrem denkenden Ich und ihrem sinnenden Selbst, von aussen psychologisch beobachten und über seine eigene Lebensführung nachdenken. Weilt er auch in innerer Autonomie, kann er von einer psychologischen zu einer philosophischen Betrachtungsweise übergehen. In der Psychologie ergründet er sein eigenes Verhalten, hingegen in der Philosophie kann er sein eigenes Denken befreien. Martina Bernasconi betreibt eine philosophische „Denkpraxis“. Sie verweist auf ein Fallbeispiel, in welchem „nach mehreren Gesprächen sich herausgestellt hat, dass nicht die moralische Frage der Untreue die Kundin beschäftigt, sondern der Entscheidungszwang, den ihr der Geliebte auferlegte.“ Die Kundin kann nun, wie dies Andreas Schneitter, der Verfasser des Artikels, formuliert, das eigene Denkmuster philosophisch analysieren, „wenn Philosophie Beratung leisten kann, ohne das Terrain der nüchternen Analyse und des offenen, doch präzisen Denkens zu verlassen.“ Gelingt es der Kundin die eigenen Denkmuster aufzubrechen, kann sie in sich den Entwicklungsschritt von der äusseren zur inneren Autonomie vollziehen. Sie erscheint sich dann selber im individuellen Geist, ohne sich der eigenen geistigen Individualität vorerst bewusst sein zu müssen.

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  • «Alle träumen von Freiheit»

    Werden die 14 Einzelbeiträge zur Sinnfrage zusammenhängend betrachtet, ergibt sich ein fragmentarisches Bild über den Menschen mit seinen sieben Bewusstseinsstufen, seinem übergeordneten Stimmungsbewusstsein und seinen drei äusseren und drei inneren Haltungen, die er beginnt schrittweise einzunehmen, sobald er beabsichtigt gemäss seiner einzigartigen irdisch-geistigen Individualität zu leben. Eine Liste meiner Kommentare zu den einzelnen Beiträgen finden Sie in meinem Kommentar zum Editorial der Redaktion. http://www.tageswoche.ch/de/2012_52/leben/494904/und-ploetzlich-stellt-sich-dann-diese-frage.htm Mein Kommentar zum Beitrag: «Alle träumen von Freiheit» Ist der Mensch in äusserer Autonomie und in äusserer Autorität kann er beginnen auch die Haltung der äusseren Bestimmung einzunehmen. Er wird nun irdisch frei. Markus Fritschin hat sich eine Woche im Gefängnis einsperren und behandeln lassen wie ein Gefangener, um die Erfahrung zu machen, wie es ist, wenn die Freiheit nicht nur elementar eingeschränkt, sondern nicht mehr gegeben ist. Er hat die Bedeutung des täglichen Begrüssens und des Handgebens als zwischenmenschliche Handlung zu schätzen gelernt, denn „es ist der einzige Körperkontakt den die Gefangenen haben.“ Für den Gefängnisaufseher hat nach dem freiwilligen Freiheitsverlust Freiheit ein anderes Gesicht bekommen. Er berichtet: „Der Gedanke, einfach verreisen zu können oder auch nur einen Spaziergang im Wald machen zu können, war wunderbar.“ Die Verfasserin des Artikels, Martina Rutschmann berichtet: „Als Markus Fritschin seinen Job antrat, hielt er den kleinen Spazierhof für einen schrecklichen Ort. Beton, Gitter, ein Fussball – sonst nichts. Als ‚Gefangener’ habe er Frieden damit geschlossen, „weil er kurz die Sonne spüren konnte und den Regen.“ Auf den Sinn des Lebens angesprochen antwortet er: „Dass man das, was man tut, aus Überzeugung tut. Und versucht, positive Spuren zu hinterlassen.“ Sein Bedürfnis, etwas aus Überzeugung zu tun, entsteht nicht in der äusseren Freiheit, sondern bildet sich durch innere Freiheit.

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  • Im Darkroom der exklusiven Liebe

    Werden die 14 Einzelbeiträge zur Sinnfrage zusammenhängend betrachtet, ergibt sich ein fragmentarisches Bild über den Menschen mit seinen sieben Bewusstseinsstufen, seinem übergeordneten Stimmungsbewusstsein und seinen drei äusseren und drei inneren Haltungen, die er beginnt schrittweise einzunehmen, sobald er beabsichtigt gemäss seiner einzigartigen irdisch-geistigen Individualität zu leben. Eine Liste meiner Kommentare zu den einzelnen Beiträgen finden Sie in meinem Kommentar zum Editorial der Redaktion. http://www.tageswoche.ch/de/2012_52/leben/494904/und-ploetzlich-stellt-sich-dann-diese-frage.htm Mein Kommentar zum Beitrag: «Im Darkroom der exklusiven Liebe» Ist der Mensch unabhängig geworden, kann er sich freiwillig wieder in Abhängigkeit begeben, vorausgesetzt er ist in äusserer Autonomie. Die freiwillige Abhängigkeit beruht auf der Erkenntnis, dass er sich als Mensch nicht wahrnehmen könnte, ohne sich in einem Gegenüber zu spiegeln. Die Philosophin Dominique Zimmermann kommt im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehung darauf zu sprechen: „Freundschaften und Liebesbeziehungen geben unserem Leben einen besonderen Sinn: Durch sie erleben wir, dass wir soziale Wesen sind und ein Bedürfnis nach Austausch und sinnlicher Nähe haben. Wie Beziehungen gestaltet werden, ist jedoch kulturell bedingt ganz verschieden. […] Es geht um die Forderung, Beziehungen zu verhandeln, und nicht einfach an das, was das Kino und die Medien vermitteln, zu glauben.“ Die Verfasserin kommt am Ende ihres Artikel noch einmal auf die Sinnfrage zu sprechen und schreibt: „Sinn wird nicht einfach gefunden, sondern wird von uns und insbesondere von jenen, die den Mut zu revidierten Lebens- und Liebesentwürfen aufbringen, immer wieder neu erzeugt.“ In der Sinnerzeugung kann auch die Haltung der inneren Autonomie sich aussprechen.

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  • Ich atme, ich sehe, ich höre, ich fühle, ich denke

    Werden die 14 Einzelbeiträge zur Sinnfrage zusammenhängend betrachtet, ergibt sich ein fragmentarisches Bild über den Menschen mit seinen sieben Bewusstseinsstufen, seinem übergeordneten Stimmungsbewusstsein und seinen drei äusseren und drei inneren Haltungen, die er beginnt schrittweise einzunehmen, sobald er beabsichtigt gemäss seiner einzigartigen irdisch-geistigen Individualität zu leben. Eine Liste meiner Kommentare zu den einzelnen Beiträgen finden Sie in meinem Kommentar zum Editorial der Redaktion. http://www.tageswoche.ch/de/2012_52/leben/494904/und-ploetzlich-stellt-sich-dann-diese-frage.htm Mein Kommentar zum Beitrag: «Ich atme, ich sehe, ich höre, ich fühle, ich denke» Kommt der Mensch in äussere Autonomie, beginnt er unabhängig zu werden gegenüber übermittelter Leit- und Glaubenssätzen. Er beginnt sich eigene Fragen zu stellen und findet daher auch oft seine eigenen Antworten. Christian Lohr beschreibt in seinem Artikel diesen Zustand der äusseren Autonomie: „Wohl glauben wir, stetig idealisierte Bilder zeichnen zu müssen, und lassen uns auch noch davon blenden. Wir lassen uns oft lieber in Scheinwelten leiten, als uns mit dem konfrontieren zu lassen, was ist. Annehmen, verantworten, zuhören, nachdenken, verantworten: Können wir das noch? Ich denke, dass es uns immer wieder gelingen kann, wenn wir dazu bereit sind, uns selber einfach nicht so wichtig zu nehmen.“ Christian Lohr ist überzeugt, dass er den Sinn des Lebens erkannt zu haben glaubt und aus dieser Betrachtung heraus, nicht trotz, sondern mit seiner körperlichen Behinderung, ja zum Leben sagt, denn er schreibt: „Ich atme, ich sehe, ich höre, ich fühle, ich denke.“ Als Schlussgedanken hält er fest: „An was orientiere ich mich, wenn ich vom Sinn des Lebens spreche? Für mich hat es eindeutig mit der Fähigkeit zu tun, zu spüren, wahrzunehmen. Sich gegenseitig zu verstehen, sich zu respektieren, sich zu lieben, sich mitzutragen, ja auch sich herauszufordern […] sind Werte, die gerade in der heutigen Zeit unbedingt wieder gestärkt werden sollten. Fairness statt Gleichgültigkeit, das mag jetzt etwas plakativ daherkommen, aber es macht als ehrliche Grundhaltung eben doch sehr viel Sinn.“ Christian Lohr leitet in seinem Artikel über zur Haltung der inneren Autonomie.

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  • Und plötzlich stellt sich dann diese Frage …

    Das Thema Sinn des Lebens ist gut gewählt. Die Möglichkeit zu kommentieren und sich einzubringen möchte ich hiermit gerne nutzen, etwas breiter und tiefer als herkömmlich. Ich bin Systemiker und beziehe mich auf meine zwei Publikationen: Der Selbst-Ich-Mensch und der Neue Adam. Betrachten wir die 14 Einzelbeiträge zur Sinnfrage zusammenhängend, ergibt sich ein fragmentarisches Bild über den Menschen mit seinen sieben Bewusstseinsstufen, seinem übergeordneten Stimmungsbewusstsein und seinen drei äusseren und drei inneren Haltungen, die er beginnt schrittweise einzunehmen, sobald er beabsichtigt gemäss seiner einzigartigen irdisch-geistigen Individualität zu leben. Meine Kommentare sind bei den Beiträgen einzusehen. Eine Zusammenfassung kann bei mir bestellt werden unter: info@cjmeyer.ch. Die acht Bewusstseinsstufen: 1. Das Trancebewusstsein «Das Mami hat eben mehr gedruckt, als ich» http://www.tageswoche.ch/+bcbha 2. Das Schlafbewusstsein «Weniger böse Menschen» http://www.tageswoche.ch/+bcbxr 3. Das Traumbewusstsein «Ich warte jeden Tag auf das Ableben» http://www.tageswoche.ch/+bcbhk 4. Das Wachbewusstsein «Ich halte das Leben manchmal für sehr anstrengend» http://www.tageswoche.ch/+bccsc 5. Das imaginative Bewusstsein «Jähes Ende einer Reise ins Glück» http://www.tageswoche.ch/+bcbhj 6. Das inspirative Bewusstsein «Immun gegen modische Werte» http://www.tageswoche.ch/+bcbhi 7. Das intuitive Bewusstsein «Ich denke nicht an Anfang und Ende» http://www.tageswoche.ch/+bcbhd 8. Das übergeordnete Stimmungsbewusstsein «Versteckt in den Nischen der Poesie» http://www.tageswoche.ch/+bcbgw Die sechs Haltungen im Wachbewusstsein: 1. Die äussere Autonomie «Ich atme, ich sehe, ich höre, ich fühle, ich denke» http://www.tageswoche.ch/+bccro 2. Die äussere Autorität «Im Darkroom der exklusiven Liebe» http://www.tageswoche.ch/+bcebw 3. Die äussere Bestimmung «Alle träumen von Freiheit» http://www.tageswoche.ch/+bcbgq 4. Die innere Autonomie «Mit Kant gegen den Liebeskummer» http://www.tageswoche.ch/+bcbyl 5. Die innere Autorität «Vom Wurm in der Lebensursache und dem Tod der Sinnfrage» http://www.tageswoche.ch/+bccqe 6. Die innere Bestimmung «Nichts zwischen mir und dem Berg» http://www.tageswoche.ch/+bcbhc

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  • «Wir sind alles arme Sünder»

    Der Rektor der Basler Universität Antonio Loprieno vertritt die Ansicht, »den Geisteswissenschaften komme die Aufgabe zu, Realität zu beschreiben, so wie sie ist und Fragen zu beantworten, wie beispielsweise: Was für eine Uni brauchen wir? Wie soll sie aussehen?« Nach seinem Ermessen »sollten die Geisteswissenschaften diese Fragen nicht der Wirtschaft, der Politik, der Presse, der Kultur überlassen«. Ich bin der Meinung, dass die Geisteswissenschaften diesem Anspruch gerecht werden könnten, wenn die Gelehrten bereit sind, theoretisches Wissen mit praktischem Wissen zu ergänzen. Das theoretische Wissen kommt aus dem Bestimmungsbewusstsein und das praktische Wissen kommt aus dem Stimmungsbewusstsein. Der Philosoph und Systemiker Aristoteles war sich seines Stimmungsbewusstseins gewiss und hat gelehrt: »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile«. Damit dieses praktische Wissen aus der Stimmung vermittelt werden kann, bedarf es der formalwissenschaftlich systemischen Aufarbeitung. Ist dies geschehen, könnte das Stimmungsbewusstsein fakultätsübergreifend wirksam werden und zur bewussten Vernetzung zwischen den Geisteswissenschaften, den Naturwissenschaften und den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften führen. Dies wäre der Beginn einer erklärten Gesamtwissenschaft. Die systemische Aufarbeitung geisteswissenschaftlich praktischen Wissens ist möglich. Mit den zwei ersten Teilen meines Sachbuches »wunderseltsam - Der Selbst-Ich-Mensch« habe ich damit begonnen.

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  • Der Narzissmus breitet sich aus wie ein Virus

    Beim Artikel »Traurig schöne Kinderwelten« habe ich darauf hingewiesen, wie die Elternliebe sich als Selbstliebe, als Narzissmus entpuppt. Das Kind übernimmt die narzisstische Persönlichkeitsstruktur der Eltern. Diese kann sich im Kind durch das geminderte Selbst-Bewusstsein noch verstärken. Eltern können so im Selbst des Kindes ihre eigene Komödie der Eitelkeit erleben und ausleben. Im Artikel von Peter Sennhauser wird aufgezeigt, wie die überlieferte Anlage zum Narzissmus im Kind zusätzlich bewusst konditioniert werden kann, beispielsweise mit dem Refrain eines Kinderliedes: »Ich bin etwas ganz Spezielles, ich bin aussergewöhnlich, schaut mich alle an«. Hier wird eingebildetes Selbst zum Liebesobjekt erklärt. Das Kind wird gezielt dazu bewegt, seinen Schein von einem Selbst zu lieben. Wird das Kind in seiner Scheinliebe gestört oder gar gehindert, kann dies zu unkontrollierten aggressiven Ausbrüchen führen, die, wie dies im Artikel zutreffend beschrieben ist, im Extremfall bis zum Amok entarten können. Es stellt sich uns die Frage, was das Kind und später auch das erwachsene Kind benötigt, um aus seinem geliebten Selbstschein heraustreten zu können und zu gesunden. Ich bin der Auffassung, dass das Kind ein polares Gegenüber braucht, welches ein Extrem auszugleichen vermag. Bei der ausschliessenden Selbstliebe wäre dies die umfassende Liebe. Je grösser die Selbstliebe, umso mehr Liebe wäre notwendig.

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  • Traurig schöne Kinderwelt

    Zwei Artikel dieser Freitagsausgabe gehören für mich zusammen: »Traurig schöne Kinderwelt« und »Der Narzissmus breitet sich aus wie ein Virus«. Im ersten Artikel werden soziale Zustände beschrieben und im zweiten Artikel mögliche Auswirkungen angesprochen. Ich möchte mich an dieser Stelle zum skizzierten Bild des »perfekten Wunschkindes« äussern und beim Artikel zum Thema Narzissmus meine Gedanken fortsetzen. - Bei meinen Betrachtungen gehe ich davon aus, dass wir als Menschen mit einem Selbst und einem Ich ausgestattet sind. Das Selbst beinhaltet Selbsterfahrung, Selbständigkeit und Selbstverwirklichung und das Ich umfasst Ich-Gedanken, Ich-Ideale und Ich-Identität. - Die Journalistin Monika Zech zeigt auf, wie Eltern ihre Ich-Identität auf das Selbst des Kindes übertragen und weist darauf hin, dass das Kind sich deswegen seines eigenen Selbsts nur ansatzweise bewusst werden kann. Das Ich der Eltern nimmt beim Kind überhand und sein eigenes Selbst-Bewusstsein kann sich deshalb nur am Rande ausbilden. Es entsteht ein Defizit an Sichselbstbewusstwerden und das Fundament für ein individuelles Ich im Kind ist nicht geschaffen. Für den aufmerksamen Leser entpuppt sich die Elternliebe als Selbstliebe. Das Selbst in Liebe ist verborgener Narzissmus.

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