CJM
  • Wie Verführer unser Gehirn manipulieren

    Wir dürfen uns ruhig mehr Wachstum, Wandel und Wertschätzung zusprechen. Beschränken wir uns auf die von Beate Kittl beschriebene Betrachtungsweise, wir seien ausgestattet mit einem manipulierbaren Gehirn, übernehmen wir ein Selbstbild, welches uns Menschen bei der Entfaltung der Persönlichkeit enge Grenzen setzt. Als Manipulierte sind wir Opfer von Verführern, ausser wir schlüpfen selber in die Rolle des Verführers und manipulieren mit unserem manipulierten Gehirn das Gehirn Anderer. Das Gehirn stufen wir ein als physisches Organ, welches im Menschen die Empfindung eines subjektiven Erleben auslösen kann. Die Verfasserin des Artikels verweist auf Claude Messner, Professor für Marketing an der Universität Bern, welcher als Beispiel einer gelungenen Gehirnmanipulation die Anti-Aids-Kampagne anspricht. Seine Auffassung kann ich nicht teilen. Meines Erachtens wird mit der präventiven Initiative der Aids-Hilfe Schweiz das innere Wissen von Wachstum, Wandel und Wertschätzung umgesetzt und angesprochen: Das Bild eines zerwühlten Bettes beispielsweise weckt unsere natürliche Veranlagung zur Sinnlichkeit und der Slogan »Machs mit« ruft uns auf zur Vernunft beim Sinnlichsein. Unsere Phantasie wird angeregt. Dabei verbinden sich in uns Sinneswahrnehmung, Vernunft und Phantasie. Eigene Bilder erscheinen und wir können durch diese uns aufgefordert fühlen, unser Verhalten zu ändern. In unseren Vorstellungen entdecken wir die Möglichkeit inneren Wachstums. Dabei stossen wir dank der Logik im höheren Denkvermögen auf unsere eingeschliffenen Muster und Glaubenssätze. Wir stellen fest, dass diese in der Phantasie aufgeweicht oder aufgelöst werden können und erkennen die Aussicht auf inneren Wandel, sollten sich Vernunft, Logik und Phantasie zu einer Kraft verbinden. Geschieht dies, entsteht Selbst-Wertschätzung. Wir öffnen uns und sind bereit, uns neue Verhaltensweisen anzueignen. Nicht alle Menschen erfahren dieses reichhaltige Innenleben. Seine Existenz wird deshalb auch in Frage gestellt oder gar verneint. Ist es jedoch da, kann der Mensch sein individuelles Entwicklungspotential in sich entdecken, nämlich im Spannungsfeld zweier Welten, der materiellen und der geistigen Welt. In meinem jüngst erschienen Sachbuch »wunderseltsam - der Selbst-Ich-Mensch« definiere ich den Menschen als subjektives Wesen, lebend in der Polarität von Körper und Geist. Für den individuellen Bezug zu diesen gegensätzlichen Kräften stehen ihm zwei Gestaltungsräume zur Verfügung: Für das Bezogensein zur Materie ist es die Psyche und für das Bezogensein zum Geist ist es die Seele. Damit sich das individuell Psychische und individuell Seelische verbinden können, ist das Heranbilden von innerer Autonomie und innerer Autorität zwingend erforderlich. Durch innere Autonomie bewahrt der Mensch sich das Anrecht auf Selbsterfahrung, Selbständigkeit und Selbstverwirklichung und durch innere Autorität gibt er sich seine Berechtigung auf Ich-Ideen, Ich-Ideale und Ich-Identität. Der persönliche Reifegrad der inneren Autonomie und inneren Autorität spiegelt sich im individuellen Menschenbild. Der Mensch kann in sich nur das sehen, was sich in ihm bereits ausbilden konnte, seine individuell subjektive Welt.

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