• Siri, Alexa und der Mann, der wissen will, wie wir mit Automaten reden

    Virtuelle Sprachassistenten wie Siri von Apple oder Alexa von Amazon sind unsere Butler 2.0. Möglicherweise sind diese Sprachassistenten auch die JournalistInnen von Morgen. Wer weiss es? Sie produzieren die News und Aufreger der Woche. Sie machen Zeitung. Seit Tagen führt uns die Tageswoche vor, wie wir uns das live vorstellen müssen. Wir sind mitten in einem Echtzeit-Experiment. Die Tawo-JournalistInnen sind offensichtlich in den Ferien, derweilen die LeserInnen mit Recycling-Beiträgen, sda-Meldungen und sonstigem Schischi rundum versorgt. Sind wir doch froh, dass es den FCB gibt, mit all seinen Boböchen und Transfer-Wichtigkeiten… Zwischen Weihnachten und Neujahr macht offensichtlich auch das Weltgeschehen Pause. Die Politik am Skifahren. Nicht einmal die Abstimmung über No-Billag ist hier Tagesgespräch. Die geneigte LeserIn darf sich aber zwischenzeitlich mit der existentiellen Frage beschäftigen »warum der Schlangenstern zum Tier des Jahres 2018 gekürt werden soll«. Ich sag’s ungern: Aber solchen Info-Mist geht mir am A**** vorbei. Leiste ich mir dafür ein Abo? Ich muss Masochist sein…

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  • Kommunen, AJZ und Pfarrer Kunz – Wohnraum-Kämpfe in Basel

    Das gefällt mir, dass mit dem vorliegenden Buch: »Wohnungsnot als gesellschaftlicher Konflikt. Alfred Kunz - Wohnraum-Kämpfe in Basel« ein wichtiges Stück Zeitgeschichte aufgearbeitet und dokumentiert wurde. In den 1970ern bis hin zu den 1990er Jahren ist viel passiert. AJZ’s waren die Initialzündungen für wichtige gesellschaftliche und kulturpolitische Veränderungen. Die Protestbewegungen waren auch Katalysatoren für die Alternative Kultur in Basel. In den letzten 40 Jahren ist im Kulturbereich entsprechend viel passiert. Ein eigentlicher kultureller Aufbruch. Eine äusserst produktive Szene hat sich im Kunstbereich entwickelt und sich tatkräftig und kühn in die Kulturpolitik eingemischt und irreversible neue Perspektiven hinterlassen. Der Aufbruch hat unmittelbar neue künstlerischen Felder geschaffen, neue Produktionsmöglichkeiten, neue Kulturzentren, neue Rezeptionsmöglichkeiten. Auch eine neue Kultur- und Kunstwahrnehmung. Ein grosses, äusserst aufgeschlossenes und waches Publikum hat sich diesen neu entstehenden Kunstrichtungen und kulturellen Entwicklungen zugewendet. In der Musik sind die Genres und Stilrichtung faktisch explodiert. Von der Noise-Musik zur E-Musik, von Punk, Rock zu Hip-Hop, mit allen möglichen Untergruppen und Schattierungen. In hoher Geschwindigkeit und grosser Offenheit haben sich MusikerInnen aller Couleur neuen musikalischen Entwicklungen und neuen Realitäten zugewandt und ihre Kunst kontinuierlich weiterentwickelt. Das gilt aber auch für alle anderen Kunstrichtungen: Theater, Tanz, Performance, Medienkunst, Film, bildende Kunst. Diversität, Simultanität und Pluralität sind die Schlüsselbegriffe. Eine eigentliche Subkultur entwickelt sich kontinuierlich in die Breite und erfasst ein waches und aufgeschlossenes Publikum. Kontinuierlich wurden künstlerische Grenzbereiche und Ausdrucksformen ausgelotet und lustvoll interpretiert. Künstlerische Grenzüberschreitungen wurden zur Normalität und schufen immer neue künstlerische Felder. Neue individuelle, gruppen- oder szenenspezifisch geprägte Erzählweisen finden Eingang in die Kunst. Die Kunst sucht sich, durch die Stadt mäandernd, alternative Kultur- und Kunsträume: Alte Stadtgärtnerei, Kulturwerkstatt Kasernen, Gare Du Nord, Theater- und Aktionshaus Stückfärberei, Bimbotown, Bell Areal, Schlotterbeck, Werkraum Warteck, Unternehmen Mitte, Walzwerk, Neues Kino, usw. Oder Projekte und Festivals wie das Theaterfestival, Wildwuchs, Culturescapes, Taktlos, Treibstoff/Theatertage, Tanztage/Tanzfest, die Programmzeitung, usw. entstehen und avancieren zu neuen kulturellen Hotspots und Orientierungspunkten. Die Kunst wird aber auch international. KünstlerInnen aus der ganzen Welt treten in Basel auf. Diese kulturell und künstlerisch äusserst produktive und kreative Zeit sollte (solange die Zeitzeugen noch greifbar sind) aufgearbeitet und dokumentiert werden. Ich habe dies unlängst der Programmzeitung vorgeschlagen und ein entsprechendes Projekt mit Statements & Interviews der aktiven ProtagonistInnen skizziert. Fehlende Leidenschaft und erschlaffte personelle Ressourcen haben dem Projekt den Garaus gemacht. Schade! Viele kreative Geister, viele KünstlerInnen, aber auch BesucherInnen, sind in dieser Zeit künstlerisch und politisch sozialisiert worden. Sie haben nicht nur die Politik, sie haben auch die Kunst geprägt. Das sollte man würdigen und adäquat dokumentieren.

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  • Liebe Grüne, Politik ist kein Lifestyle

    Viele der Anliegen der Grünen sind auf den ersten Blick sympathisch, aber letztlich oberflächlich und kurzatmig. Zur Wohnungsnot in Basel: Basel-Stadt ist der Kanton mit den meisten Einzelhaushalten. 47% der Menschen wohnen in Einzelhaushalten. In der Schweiz beträgt die durchschnittliche Wohnfläche 45,2 Quadratmeter pro Person; in einem Einzelhaushalt jedoch 79,4 Quadratmeter. Damit verbrauchen die Basler Einzelhaushalte nicht nur sehr viel Wohnfläche pro Person, sondern auch entsprechend sehr viel mehr Energie als in einem Mehrpersonenhaushalt. Wenn man den Wohnflächenanteil pro Person in vertretbaren Grenzen halten will und gleichzeitig den Energieverbrauch drosseln möchte, muss man mehr tun, als pro Wohnung einen neu zu pflanzenden Baum, fordern. Neue Wohnformen und Wohnprojekte müssen sich in den Köpfen der Menschen verankern. Da steht die Politik noch ziemlich am Anfang einer Entwicklungsphase. Grüne Wohnbaupolitik muss daher weitergehen, als vermehrt Grünflächen einzufordern. Man muss von Grünräumen reden und Projekte entwickeln, welche Flächen für Stadtpärke zur Verfügung stellen. Orte, welche als grüne Lungen und Naherholungszonen funktionieren. Grünräume sind Lebensräume und keine stadtplanerische Dekoelemente. Verdichtung ist das neue Zauberwort - auch bei den Grünen. Die Wohntürme von Herzog und de Meuron im Dreispitzareal sind Sinnbild für solche Verdichtungen. Aber! Die Prognosen zeigen, dass bis zum Jahr 2045 die Zahl der Alleinlebenden in der Schweiz um ein Drittel ansteigt - von aktuell 1,3 auf 1,7 Millionen (BFS). Solange man diesen Trend nicht aufhalten kann und keine Alternativen zu dieser Wohnform findet, wird der Wohnungsmarkt nach immer mehr und grösseren Wohnungen verlangen, die Wohntürme werden zur ultimativen Wohnnutzungsform und sie werden unaufhörlich in die Höhe wachsen. Parallel dazu wird der Energieaufwand stetig und explosionsartig steigen. Es wird auch der Politik nichts anderes übrig bleiben, als die Stadt grösser zu denken. Neue Wohnformen offensiv zu initiieren. Also fertig lustig mit grünem Lifestyle. Da sind auch die Youngsters in der grünen Politik gefordert.

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  • Museumsstrategie ohne Heilsversprechen

    Eine erste Sicht zeigt, dass in dem vorliegenden Strategiepapier viele Probleme aufgegriffen wurden und man versucht ist Lösungen aufzuzeigen. Es ist begrüssenswert, dass das Präsidialdepartement die Verantwortung wahrnimmt und auch klar deklariert, dass eine Privatisierung der Museen für das PD nicht in Frage kommt. Die Begründung dürfen sich Befürworter einer Auslagerung durchaus hinter die Ohren schreiben: »…denn sie (die Museen) beherbergen mit den Sammlungen enorme Werte, die von Bürgerinnen und Bürgern, sowie der Stadt zusammengetragen worden sind und heute Vermögen des Gemeinwesens darstellen«. Dieses Volksvermögen gilt es in seiner Vielfalt zu bewahren. Das grosse kulturelle Mäzenatentum wird umfangreich gewürdigt. Das ist auch richtig so. Allerdings wird die Rolle der MäzenInnen wenig differenziert dargestellt. Sie sind ja nicht nur die GeldgeberInnen ausserordentlicher Kunstwerke, sondern sie nehmen eine aktive, ja, auch oft eine treibende Rolle war. Eine Rolle auch, welche ausserhalb der Politik agiert. Damit schaffen sie vollende Tatsachen, oder zumindest Sachzwänge. Über diesen mäzenatischen Einfluss muss nachgedacht werden. Der Vorschlag inskünftig mit 4-jährigen Globalbudgets zu agieren und den Museen damit mehr Eigenverantwortung zuzugestehen ist nachvollziehbar, aber löst das Problem der Budgetüberschreitungen nicht. Die Museen haben es immer noch in der Hand Budgets sanktionslos zu überschreiten und das Parlament mit Nachforderungen unter Zugzwang zu bringen. Auch die verschärften Kontrollen von Seiten des PD’s werden dies nicht verhindern können. Eine Klärung der Zuständigkeiten und Kompetenzen der verschiedenen Aufsichtsgremien, scheint nach den jüngsten Debakeln dringend. Es bleibt aber fraglich, ob die Änderungsvorschläge im Strategiepapier nur Lippenbekenntnisse sind. Fakt ist, dass im Fall des Historischen Museum alle involvierten Instanzen versagt haben. Fakt ist aber auch, dass dies personell keine Konsequenzen hatte. Es ist daher müssig, wenn die Gremien lediglich aufgefordert werden, besser zu kontrollieren, man müsste endlich von Verantwortung und entsprechenden personellen Konsequenzen reden. Nachwievor sind die Kontrollinstanzen Schönwettergremien, welche sich in der Rolle der Königsmacherei und allfälligen repräsentativen Verpflichtungen gefallen, aber von echtem Controlling wenig Ahnung zu haben scheinen. Eine weitere Krux im Rahmen der vorliegenden Strategie ist die unspezifische Formulierung, dass es Aufgabe der Museen ist zu sammeln und ihre Sammlungen laufend zu ergänzen. Man kann natürlich alles auf dieser Welt sammeln. Auch wenn man sich auf die Kunst fokussiert. Aber irgendwann kommen wir ja nicht umhin über Beschränkungen zu reden. Museen müssen in Zukunft auch lernen sich weniger in der Breite, sondern eher in der Tiefe zu spezialisieren und auch einmal ein Legat, oder eine Spende, abzulehnen. Bereits jetzt platzen die 5 Museen aus allen Nähten und können das über Jahrzehnte gesammelte Gut gar nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich machen. Vieles bleibt im Verborgenen. Man wird über das Ausmass der Sammelwut diskutieren müssen. Die Sammeltätigkeit der jeweiligen Direktion zu überlassen scheint mir etwas kurzatmig.

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  • CMS-Direktor Beat von Wartburg: «Die Nordspitze soll allen offenstehen»

    Die Erläuterungen von CMS-Direktor Beat von Wartburg machen Hoffnung. Hier wird bereits bei der Planung an die entsprechenden Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt gedacht. Interessant die Aussage von Beat on Wartburg: »Wir prüfen derzeit, ob wir Sanierungen von unseren Liegenschaften, die in die Jahre gekommen sind, hinauszögern und somit günstigen Wohnraum erhalten können«. Das klingt jetzt noch vage, aber es wäre lohnenswert, wenn die CMS hier vertieft recherchieren und eine entsprechende Strategie liefern könnte. Ein solches Vorgehen könnte Modellcharakter haben, auch für die Liegenschaften von Immobilien Basel und sämtliche Liegenschaften der bestehenden Wohnbaugenossenschaften. Würden die verschiedenen Bauträger an den neuen Hotspots (Rosental und Klybeck) im Baurecht Land erwerben (respektive von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen) und hier neuen Wohnraum erstellen, könnten die angestammten Liegenschaften sanft renoviert im Wohnungsmarkt verbleiben und das Segment der günstigen Wohnungen erweitern. D.h. die Bauträger überspringen eine Sanierungs-Dekade und verzichten bei ihren bisherigen Wohnungen auf Totalsanierungen oder Abbruch. Mit dieser Strategie könnte die Lebensdauer von Liegenschaften markant verlängert werden. Die CMS hat es in der Hand hier ein brauchbares Modell zu liefern. Innovation mal pragmatisch gedacht.

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  • Christoph Busers patente Meinung zur Patentbox: «Brauchen eh nur Basler»

    Der Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer hat natürlich recht, wenn er das neue Steuerersparnis-Tool, alias »Patentbox« kritisiert. Seine Klienten sind ja eher nicht in der Position, dass sie Patente anmelden können und ergo von der Patenbox nich, oder nur am Rande profitieren. Seine Sicht reicht jedoch nur bis zur Hülftenschanze. In Allschwil gibt es schon ein paar Firmen: u.a. Actelion Pharma Schweiz AG. Aber klar, man kann ja nicht über alles Bescheid wissen. Auch vergisst Christoph Buser, dass er mit seinen Wirtschaftsgspänli direkt und indirekt davon profitiert, wenn es Basel-Stadt gut geht. Die prosperierende Pharmaindustrie lässt auch die Baselbieter ArbeitnehmerInnen an ihrem Erfolg teilhaben. Gut bezahlte Arbeitsplätze und ergo gute SteuerzahlerInnen, auch für das Baselbiet, sind die Folge. Von den guten Zentrumsleistungen in Kultur & Bildung profitieren die Baselbieter seit Jahren überproportional und beteiligen sich nachwievor an den Kosten marginal. Nein, sie wollen diese Kosten laufend weiter senken, ohne auf das Angebot zu verzichten. Die Baselbieter profitieren auch über den kantonalen Finanzausgleich in erhöhtem Masse. Basel-Stadt ist - dank der guten Finanzlage - seit Jahren einer der sechs Geberkantone. Über 120 Millionen kostet die BaslerInnen diese schweizweite Solidarität. Die Baselbieter hingegen zählen seit Jahren zu den Nehmerkantonen und kassieren davon 13,4 Millionen Franken (2018). Da kann man doch nicht meckern! Hindert aber die Baselbieter Rädelsführer unter Buser nicht auf dicke Hose zu machen. Die Standortförderung Baselland brüstet sich auf ihrer Website: »Der Kanton Basel-Landschaft ist ein starker, prosperierender Wirtschafts- und Forschungsstandort. Als Teil der Nordwestschweiz zählt er zu den erfolgreichsten Wirtschaftsregionen der Welt und zu den finanzstärksten Gebieten der Schweiz. Innovative Unternehmen in den starken Wirtschaftszweigen Life Sciences, Präzision und Logistik agieren von hier aus rund um den Globus. Hochschulen und Forschungsinstitute locken herausragende Wissenschafterinnen und Wissenschafter an. Ein pulsierender, breit abgestützter Branchenmix von KMU und Weltkonzernen steht für zukunftsgerichtete Stabilität. Die Baselbieter Politik fördert diese Entwicklung mit hoher Priorität.« Offensichtlich schmückt man sich gerne und wortreich mit fremden Federn. Christoph Buser wäre gefordert hier etwas mehr Eigenleistung in den eigenen Reihen und auf dem angestammten Terrain zu generieren. Sein Leistungsausweis ist in dieser Hinsicht aber eher mager. Aber vielleicht ist die vornehme Zurückhaltung von Buser & Co. gegenüber den Leistungen der Stadt auch einfach Neid. Der Erfolg der Nachbarn wirft eine Schatten auf den eigenen Misserfolg. Die Baselbieter Wirtschaftskammer kann zur Zeit weniger mit geschäftlichen Erfolgen, als mit einer Klüngelwirtschaft und miserabler Presse brillieren. Ihre diversen Nebengeschäfte, wie die Zentrale Arbeitsmarktkontrolle, die verunglückte Energiesteuer BL (als neue Einnahmequelle), usw. sind allesamt kein Ruhmesblatt. Ja, man hat zur Zeit keine glückliche Hand. Da ist es allweil gut, wenn man sich spöttisch über die Bemühungen der NachbarInnen hermacht.

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  • «Nicht visionär» – ein Zürcher Stadtforscher über die Dreispitz-Leuchttürme

    @Buschweiler Wo ER diese ungebremste Zuversicht hernimmt? Bis dato hat ER nur ein paar animierte Bildchen, ein hübsches Modell und ein bisschen PR-Text gelesen. ER wird dies doch nicht schon für die gebaute Realität halten? Kann sein, dass dies ein tolles Projekt wird. Kann sein, dass dies der eher unattraktiven Dreispitz-Ecke Schwung für die Zukunft gibt? Das ist alles nicht auszuschliessen, aber wir bewegen uns dabei im geduldigen Konjunktiv. Noch ist die Wirklichkeit Lichtjahre entfernt. Noch ist dem Projekt kein Leben eingehaucht. Was wir sehen ist ein Appetizer für Grossinvestoren. Mehr nicht.

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  • «Nicht visionär» – ein Zürcher Stadtforscher über die Dreispitz-Leuchttürme

    Ob das neue Projekt von Herzog & de Meuron visionär ist, wird die Zukunft zeigen. Ist eigentlich auch nicht die matchentscheidende Frage. Das neue Stadtprojekt muss funktionieren und die Menschen müssen die neue Umgebung annehmen & beseelen. Dafür gibt es bis dato kein Erfolgsrezept. Basel bräuchte aber grundsätzlich einen Mentalitätsumschwung. Ein anderes Denken. Die Urbanität ist noch lange nicht in den Köpfen angekommen. Noch ist die Stadt und sind die ganzen Stadtentwicklungen zentrumsfixiert. Auch die Politik funktioniert so. Alles was wichtig und identitätsprägend ist findet im Zentrum - eigentlich in der Altstadt - statt. Sämtliche kulturellen Einrichtungen sind dort domiziliert, Stadtfester, die Fasnacht, Stadtlauf, usw. werden im Zentrum abgehandelt. Alle Verwaltungsabteilungen, die Universität, sind auf’s Zentrum fixiert. Damit fokussiert die Stadt viel zu stark auf ihre historische Altstadt und vernachlässig damit auch die Aussenbezirke und degradiert sie zu Randquartieren. Die Publikumsströme werden entsprechend ins Zentrum kanalisiert. Je weiter weg vom Zentrum, umso unbedeutender sind die entsprechenden Aussenquartiere. Die Stadt gibt ihnen nichts Identitätsstiftendes. Wenn man schon das Beispiel von Zürich bemüht: In Züri-West finden sich auch wichtige kulturelle Einrichtungen u.a. der Schiffsbau (Theater) und das Migrosmuseum für zeitgenössische Kunst, sowie als Folge: zahlreiche Galerien. Damit gibt die Stadt dem neuen Aussenquartier auch eine Bedeutung, eine Möglichkeit zur Identitätsbildung. Das ist für eine urbane Stadtentwicklung eine wichtige Botschaft. Ein paar Cafés, Shops und hippe Restaurants können dies nicht leisten. Die CMS hätte es in der Hand hier am äussersten Zipfel des Dreispitzareals Bedeutendes zu initiieren. Warum übernimmt die CMS beispielsweise nicht das Architekturmuseum (S AM) und gibt ihm hier in dieser Umgebung einen neue Bedeutung, eine neue Wichtigkeit?

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  • Ex-Stadtentwickler und seine neuen Freunde zerpflücken die Basler Stadtentwicklung

    Vielleicht wäre es nicht unklug, wenn Thomas Kessler und seine neuen FDP-Freunde vorgängig ein wenig in Klausur gehen und wasserdichte Alternativen zum kantonalen Richtplan vorlegen würden. Einfach ein bisschen rummäkeln und die alten Kamellen aufwärmen ist wenig zielführend. Klar könnte man auf dem Westfeld (ehem. Felix Platter Areal) höher bauen, aber bevor man nur noch in Hochhaus-Dimenssionen für die Wohnraumentwicklung denkt, wäre es doch angebracht, wenn das Gewerbe grundsätzlich über eine höhere und effizientere Nutzung ihrer Gewerbe- und Industrieareale nachdenken würde. Ich nehme das Beispiel vom Birsfelder Hafen, welches ich gut kenne. Auf 420’479 m2 wertvollstem Industrieland finden wir zur Hauptsache eingeschossige Lagerhallen, dazwischen grosszügige Freiflächen, LKW-Parkplätze, Kohle- und Recyclinghalden, Tanklager, usw. Die Pachtzinsen sind lächerlich und betragen rund 5.- Franken pro Quadratmeter (jährlicher Pachtzins). Mit anderen Worten: Das Gemeinwesen alimentiert die ansässigen Gewerbebetriebe. Da ist es nicht abwegig, wenn eben dieses Gemeinwesen sich Gedanken über einen finanziellen Mehrwert macht. Auch wenn die zukünftigen Mietzinsen der geplanten Wohnungen moderat ausfallen, wird der Mehrwert, welcher auf diesen Landreserven erwirtschaftet werden kann bedeutend höher ausfallen, als bei gewerblicher, oder industrieller Nutzung. Kessler & Co. bezeichnen die neuen Wohnraumentwicklungen als »mutlos« und »mangelhaft«, weil sie und ihr Klientel dereinst aus der Gunst der subventionierten Wirtschaftsentwicklung fallen. Man kann die Kritik der beiden Herren in der Pfeife rauchen. Im Falle von Thomas Kessler ist die Sache sowieso belanglos: Er will nach Bern in den Nationalrat. Da wird er sich in Basel kein Bein mehr ausreissen und Gabriel Barell ist bis anhin nicht als Fürsprecher eines innovativen Gewerbeverbandes aufgefallen. Also kurzum: Viel Lärm um nichts.

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  • Kulturvertrag rettet das Haus der elektronischen Künste

    Das Manöver ist geschickt orchestriert. Die PR-Abteilung der Direktion von RR Monica Gschwind hat hier einen cleveren Schachzug lanciert. Ausgedeutscht heisst das jetzt offensichtlich für's Plebs: Die Baselbieter Kulturbeauftragte hat das Haus der elektronischen Künste gerettet. Stimmt aber nicht. Der Beitrag für das HeK stammt aus dem Dispositionsfonds der Kulturvertagspauschale. D.h. der Betrag, welcher dem HeK zugesprochen wurde, fehlt anderweitig. Kurz: Die Baselbieter haben für das HeK kein zusätzliches Geld an die Hand genommen. Fakt ist, dass der Kanton Baselland kontinuierlich und systematisch die Kulturausgaben abbaut. Der Beitrag der Baselbieter an die Kulturpauschale wird ab 2021 halbiert. Von rund 10 Millionen auf fünf Millionen. Basel-Stadt kompensiert die fehlenden 5 Millionen. Auch die Überganssituation wurde von BS bereits mit 80 Millionen kompensiert. Es ist also etwas frivol, wenn man die Verhältnisse umkehrt und sich die Baselbieter als Retter in der Not darstellen. Sie sind Teil des Problems. Sie betreiben den Kulturabbau aktiv. Dem HeK ist es zu gönnen, dass der Ausfall der Bundesgelder jetzt unmittelbar aus dem Dispositionsfonds eingeschossen wird. Die Baselbieter Kulturdirektion unter RR Gschwind ist weiterhin mit dem Abbau von Kulturausgaben beschäftigt. Alleine im Zeitraum von 2016 bis 2019 sind Fördergelder innerhalb des Kantons von mehr als 2,2 Millionen Franken gestrichen worden. Gestrichen worden sind auch sämtliche Eigenproduktionen der Kulturabteilung. Weniger oder kein Geld mehr bekommen: Landkino, Atelier Mondial, Videobasis, arte.tv.ch, Neues Theater, usw. So sicher, wie das Amen in der Kirche werden die zu erwarteten Vorstösse der Baselbieter FDP & SVP sein, wenn es beim Theater Basel um die nächste Subventionsrunde geht. Es ist ja nicht das erste Mal, dass die Baselbieter kneifen, wenn es um Theatersubventionen geht. Da klingt es schon fast wie Hohn, wenn die BL Kulturabteilung eine Kulturkarte Baselland (explizit ohne Basel-Stadt) publiziert, um die restlichen Kulturhotspots im Kanton bekannt zu machen. Ja, wir wissen es: in allen 86 Baselbieter Gemeinden findet irgendwann ein kultureller Anlass statt. Und ist es nur der Turnerabend in Hölstein... Die Kultur visualisieren, war das entsprechende Bonmot. Auf Papier gebannt, darf die Kultur ihr karges Dasein fristen. Würde man Kunst & Kultur jedoch freien Lauf lassen, könnten sich die Protagonisten mit ihrer Kunst live manifestieren. So verkommen sie zur statistischen Grösse und zu einem PR-Gesäusel. Kümmerlich! Hinter den Kulisen ist scheinbar auch die ehemalige eigenständige Vermittlungsabteilung für Schulen - kis.bl - eingedampft worden. Die Eigenaktivitäten hat man sich klammheimlich abgeschminkt und die Vermittlung zu einer reiner administrativen Behörde, welche lediglich finanzielle Beiträge an Schulen genehmigt und auszahlt, degradiert. Ein Rückschritt alleweil. Wir sehen: Die Baselbieter Kulturabteilung versucht mit viel PR-Brimborium vom eigentlichen und substantiellen Kulturabbau abzulenken. Esther Roth, die Baselbieter Kulturbeauftragt, darf dabei in einem bz-Interview gute Mine zu bösem Spiel machen. Eine undankbare Aufgabe.

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