• Ehemaliger BaZ-Lokalchef lanciert ein neues Onlinemagazin

    «Vertieft über politische, gesellschaftliche wie kulturelle Begebenheiten in der Region Basel» berichten will Christian Keller mit Prime News. Ein durchaus ambitionierter Ansatz. Die Hintergrundgeschichten sollen aber 4’000 bis 6’000 Zeichen nicht überschreiten. Also doch eher Kurzfutter für gelangweilte LeserInnen. Wie man Christian Keller’s Schreibkunst von der BaZ her kennt, skandalisierend aufgepeppt. Nach 20 Minuten, Blick und Baz besteht ein echter zusätzlicher Bedarf nach Informationen für Dünnbrettbohrer mit adäquate Blog-Gefolgschaft. Mit Peter Knechtli und seinem One-Man-Unternehmen «Onlinereports« wird Christian Keller einen Journalisten-Champion vor sich haben, dem er das Wasser nie wird reichen können. Aber klar, versuchen darf man’s. Als Leser frage ich mich, wie weit die Medienlandschaft sich ausdünnen kann, um noch relevant reagieren und robust und nachhaltig schreibend agieren zu können. Irgendwie habe ich mir das mit einer vielfältigen Medienlandschaft anders vorgestellt. Dass jetzt jeder sein eigenes Ding dreht und seine private Ich-AG mit eigener Website und privatem Blog postuliert, stellt eine Schwächung des Journalismus dar. Als Miniunternehmen kann man unsere Region journalistisch nicht mehr darstellen. Auch wenn Keller & seine Mannschaft jede Medienmitteilung aufpumpt und skandalisiert, wird ihn über kurz oder lang das gleiche Schicksal ereilen, wie Christian Heeb. Aus der Traum! Fertig lustig.

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  • «Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück» – Polizei über umstrittene Kontrolle

    Der alles entlarvende Satz von Toprak Yerguz, Mediensprecher der Basler Schugger, klingt vernünftig und extrem plausibel: «Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück«. Klar doch! Die Frage ist nur, wo war der Wald? Wie besoffen waren die besagten Schugger, dass sie neben den beiden Grafikerinnen auch noch einen Wald wahrnehmen konnten? Was für Stimmen haben sie gehört? Ihr eigenes Echo? Der Erkenntnisgewinn durch Toprak Yerguz ist gewaltig. Frappant auch: Darf man in dieser Stadt jetzt keinen Suff mehr haben? Ist das neuerdings ein Tatbestand? Macht man sich betrunken a priori verdächtig? Zwei betrunkene Grafikerinnen sind offensichtlich bereits ein Offizialdelikt. Da muss man von Amts wegen einschreiten. Das ist klar. Der Rest ist Erfindung. Vermutlich hatten die beiden angeturnten Frauen auch keine Bewilligung. Das ist ein verschärfendes Delikt. Saufen ist in Basel jetzt neuerdings bewilligungspflichtig. Saufen nur mit einer gut erkenntlichen Vignette. Ordnung muss sein. Blau für Saufen und Grün für Kiffen.

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  • Die Print-Ausgabe der TagesWoche erscheint neu alle zwei Wochen

    Der Handlungsbedarf zur «Gesundschrumpfung« war seit geraumer Zeit offensichtlich und der Entscheid bei der Printausgabe zu sparen ist nachvollziehbar. Weiterhin aber trotzdem auf einer Printausgabe zu bestehen, scheint mir fragwürdig. Ich brauche seit langem keine Printversion mehr. Online reicht und biete viel mehr Möglichkeiten. Die JournalistInnen sind dabei nicht an eine Zeilenvorgabe gebunden, können also Artikel ausufern, oder mäandern lassen, man ist viel flexibel in alle Richtungen und kann unmittelbar reagieren, auch ergänzen und korrigieren, zudem kann man als Diskussionsforum agieren und Schreiberlinge aller Art daran partizipieren lassen. Ein Mehrwert ist die Printausgabe lediglich für die Finanzierung durch Werbung, also die Inserenten. Manfred Messmer hat die Problematik in seinem Blog kürzlich ebenfalls thematisiert (am Beispiel der BaZ). Der Niedergang der gedruckten Presse scheint unaufhaltsam. Mein damaliger Kommentar zu MM: «Eine gesunde und robuste Demokratie ist auf adäquate Kommunikationsmittel, Informationsplattformen und Diskussionsforen angewiesen. Nicht nur die Zivilgesellschaft muss sich darstellen können, sondern auch die PolitikerInnen, die Politik, Interessenverbände, usw. MM ist nicht der erste Experte, welcher uns den schleichenden Niedergang der gedruckten Presse erläutert. Die Vielfalt der Szenarien und die differenzierten Analysen bestätigen nur, was wir alle bereits wissen. Die Suche gilt den Alternativen. Oder kann die Demokratie ohne Presse auskommen? Werden zukünftige Wahlen sich auf die sozialen Netzwerke fokussieren? (und damit wiederum Viele ausschliessen). Oder kommunizieren und politisieren wir weiterhin auf einem Mix von Rumpfpresse, Twitter, Facebook, etc.? Oder wird es zum Zeitpunkt X Aufgabe des Staates sein, die Kommunikation zu seinem Volk sicherzustellen? Die Tageszeitung als Service public? Oder lassen wir die Demokratie schlittern? Und überlassen die Meinungsbildung dem Zufall oder den mächtigen Geldgebern und ihren rechtsnationalen Gefolgschaften?« Die Tageswoche rettet ihr wankendes Geschäftsmodell notdürftig und hat entsprechende finanzielle Entscheide getroffen. Damit ist die Tageswoche als Printmedium und als Kommunikationsplattform aber fürwahr nicht aus dem Schneider. Die nötige Diskussion ist vertagt worden. Es wird Zeit, dass die Politik sich um die serbelnde Presselandschaft kümmert. Ohne breit abgestützte und funktionierende Medien, kommt die Meinungsbildung und der Informationsaustausch als Grundlage der Demokratie ins Wanken. Wo die Alternativen zu finden sind und wie sie aussehen, weiss ich auch nicht. Welche Synergien mit Zusammenschlüssen und Kooperationen zu erzielen sind, ist offen, aber ich würde hier mit der Suche starten. Es gibt viele kleine Publikationen, bis hin zu Parteizeitungen, Vereinsblättern, Kulturzeitschriften und privat betriebenen Onlineportalen und Blogs, Privatradios und Fernsehsender welche am Serbeln sind und sich nur mit Sponsoring, Spendengeldern oder Mäzenatentum am Leben halten können. Als Konsument bin ich mit dieser verzettelten Medien- respektive Informationslandschaft aber sowieso permanent überfordert. Ich muss meine Informationen über zu viele Kanäle zusammenklauben. Ein Zusammengehen gäbe aus meiner Sicht Sinn. Als zufälliges Beispiel: Warum braucht es die Alleingänge zwischen der Programmzeitung (Monatsmagazin zum Kulturleben im Raum Basel) und der Tageswoche? Die Inhalte könnten in jedem Fall problemlos zusammengeführt werden (es sind deckungsgleich die gleichen KonsumentInnen). Bei den Strukturen und Infrastrukturaufwänden, dito Verwaltung und Distribution, wären substantielle Einsparungen möglich. Aber klar! Man müsste über den eigenen Schatten springen. Neues riskieren.

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  • 120-Millionen-Geldsegen für die CMS

    Super! Denk man. Und überlegt sich, wie man partizipieren könnte. Also Blick in die Schublade: Irgendein verstaubtes Projekt, welches aufmotzt in den Wettbewerb eingeschleust werden könnte? Irgendwo im Bereich Kulturelles und Soziales. 120 Millionen kann man doch nicht einfach vorbeiziehen lassen, da muss man sich doch ein Scheibchen abschneiden… Mich laust der Affe! Gerne wäre man natürlich auch so edel und altruistisch und würde der Stadt, der Allgemeinheit, einfach mal so, mir nichts dir nichts, aus der Gruft heraus, 120 Milliönchen schenken. Aber hallo! Ein Denkmal für die Ewigkeit. Aber die Sache hat ein Haken, oder vielleicht mehrere Häkchen. Dazu gehört zuerst eine eigentliche Omertà: Es ist nicht erlaubt nachzufragen, woher das Geld kommt und wie es sich gebildet hat. Ob ehrlich erworben, oder clever gewaschen, vererbt, oder durch eigene Arbeit erschaffen, ist zweitrangig. Zweitens: April, April! Der Geldsegen wird nicht ausgegeben. Ein Haufen bleibt ein Geldhaufen. Die CMS ist offizieller Wachhund und Gralshüter des Schatzes. Die CMS wird sich die 120 Millionen quasi «einverleiben«. Fixiert in Form von Immobilien, Wertschriften, Kunst, etc. generiert das Vermögen weiterhin eine Dividende, einen kleinen jährlichen Geldstrom. Also, alles wie gehabt. Drittens: Das Geld und der ganze Geldanlage-Plunder muss logischerweise verwaltet, gemänätscht, werden. Viertens: Das ist ein lukrativer Job (inbegriffen eine AssistentIn und eine PressesprecherIn). Aber nein, wird reden ja jetzt über den Geldsegen danach. Netto, nach Brutto. Der Rest, der häppchenweise und unter Beizug eines erlauchten & handverlesenen Gremiums (Who's who?) unter den regional Auserwählten verteilt wird, gilt als CMS-Mäzenatentum. Natürlich erst, wenn die potentiellen NutzniesserInnen sich demutsvoll und adäquat prostituiert haben. Sofern es ihre Hirnwindungen erlaubt haben und sie ein sinnvolles, ordinäres, originelles, nachhaltiges, gehaltvolles Etwas generieren konnten, dürfen sie am Manna des Ehepaars Probst-Lauber, Gott habe sie selig, teilhaben. Also am Nettoertrag des 120-Millionen-Mannas. Nach Abzug der Spesen und dem ganzen Verwaltungsdrumherum. Das ist natürlich alleweil ein geldwertes Geschenk und ein Esel wer diese Möglichkeit verschmähen würde. Scheu sei allerdings die Frage erlaubt: Warum sollen die 120 Millionen nicht mit vollen Händen ausgegeben werden? Warum muss der Ertrag aus solchen geschenkten Vermögen immer ein monetärer, quasi redlich erwirtschafteter, Ertrag sein. Der Ertrag könnte doch auch ein immaterieller Mehrwert sein, der durch eine eruptive Ausgabe geschaffen wird. 120 Millionen auf einen Chlapf in soziale, kulturelle, oder Bildungsprojekte investiert, wäre ein hedonistisches Feuerwerk. Da würde etwas Grossartiges passieren. Lieber klotzen statt kleckern. Das hätte Grandezza. Kleiner Nebeneffekt, wir könnten auf das Geschäftsmodell der CMS verzichten, oder zumindest den Apparat namhaft reduzieren. Das Geld von der Geldverwaltung & Häppchenaufteilung hin zur Produktion von Bildung, Kunst & Kultur und sozialen Projekten verschieben. Reduce to the max. Ein echter und nachhaltiger Mehrwert. Eine Bruttoausschöpfung als STARTUP für die ganze Stadt (und ihre schmarotzenden Nachbarn). Aber genug gequatscht. Wir wollen nicht am Lack der CMS kratzen. Ihr Tun ist und bleibt edel. Das ist ein Axiom. Man will sich in dieser Stadt ja nicht gänzlich unbeliebt machen...

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  • Kein Urlaub von der Politik

    Mission impossible, Herr Kreis. Völliger falscher Zeitpunkt um über Politik nachzudenken. In Basel geht diesbezüglich jetzt gar nichts mehr. Die PolitikerInnen sind in den Ferien und tout Bâle ist damit beschäftigt den FCB wieder neu aufzustellen. Die JournalistInnen aller einschlägigen Blätter sitzen mit rauchenden Köpfen am Rheinufer (Füsse im Wasser) und analysieren zum x-ten Mal die vertrackte Lage. Sollen wir jetzt alle Spieler entlassen und uns wieder ein Winner-Team suchen, oder reichts, wenn wir einen richtigen (einen internationalen) Trainer finden, muss Streller weg, oder gar Burgener («ich mag Herr Burgener nicht«, findet geistreich eine fussballaffine Politikerin)? Sogar Gigi Oeri macht sich Sorgen und ExpertInnen aller Schattierungen (ein paar Tausend dürften es sein) wollen klärend eingreifen. Kurz: Wir sind absorbiert. Da kann Frau Merkel getrost in die Ferien fahren. Das ändert nichts an unserer misslichen Lage. Wir haben die Weltpolitik sowieso schon lange auf Eis gelegt. Es besteht ja auch keine Dringlichkeit. Deutschland hat ein Flüchtlingsproblem, wir nicht. Deutschland muss sich mit Rechtsnationalen, mit der AfD, mit CDU & CSU, sogar mit Reichsbürgern herumschlagen, kennen wir alles nicht. Deutschland hat ein Problem mit Donald Trump, wir nicht. Freihandel und all die Handelsschweinereien mit Trump und Putin, oder Putin und Assad, oder Erdogan und Trump gehen uns am Allerwertesten vorbei. Wir müssen den FCB retten. Das ist unsere Mission. Sorry!

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  • Der 92-Jährige und sein verzweifelter Kampf um 16 Bäume

    @Fabienne Moerik Vorher: Eine Villa mit 3000 Umschwung und 21 Bäumen für eine ältere reiche Dame. In Zukunft: 18 Eigentumswohnungen für mindestens 34 GutverdienerInnen plus ein paar Kinder. Fazit: Optimierte Nutzung und gute Verdichtung. Negativ: Minus 16 Bäume. Auch Heinrich Gohl schätzt die privilegierte und unverbaute Wohnlage auf dem Bruderholz. Ist okay. Jetzt rücken im neue NachbarInnen auf die Pelle. So ist das halt im Leben. Der Rest ist gutschweizerische Usanz. Alle Bauprojekte generieren Einsprachen der NachbarInnen: Schattenwurf, Grenzabstände, Übernutzung, Abbruch wertvoller Bausubstanz, etc. Jetzt: «wertvoller Baumbestand«. Andernorts: Glögglifrosch. Also: Kein Grund zu Panik. Sommerlochthema. Aber sympathisch.

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  • Der 92-Jährige und sein verzweifelter Kampf um 16 Bäume

    @Tee Eigentlich kommuniziere ich nicht mit Pseudonymen. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Offensichtlich hat Gohl oder/und andere AnwohnerInnen, sowohl beim Besitzer, wie auch beim Architekten interveniert. Auch eine Einsprache gemacht. Soweit ist das alles gutes Recht. Die Baumschutzkommission hat die Einsprache aber abgelehnt und das Baugesuch wurde bewilligt. «Die BSK bedauert, dass so ein grosses Baumvolumen zugunsten der drei Wohnhäuser beseitigt werden soll, erkennt aber auch die Bestrebungen der Planer, wieder einen bedeutenden Baumbestand aufzubauen und das Areal auch ökologisch aufzuwerten. Beim vorliegenden Projekt hat die BSK den Eindruck, dass zwar der Baumbestand verloren geht, die Projektverantwortlichen jedoch adäquate Vorschläge für den Baumersatz gemacht haben. Um mehr Bäume zu erhalten, müsste das Bauprojekt deutlich redimensioniert werden, was nach Meinung der BSK unverhältnismässig wäre.» Gohl gibt sich damit nicht zufrieden, droht mit dem Bundesgericht und geht jetzt an die Presse. Das ist grenzwertig, zumal eine offensichtliche Not nicht zu erkennen ist. Es geht Gohl aber um’s Prinzip und da fängt seine Mission doch an. Er kämpft für den Erhalt der Bäume generell und weltweit. Soweit okay, aber der monierte Baumbestand liegt nicht in Gohl’s Garten, oder in der Öffentlichkeit. Er gehört einer Firma, der Batiba AG. Da die Firma die notwendigen Bewilligungen hat, ist sie legitimiert eine bestimmte Anzahl Bäume zu fällen und ihr Bauprojekt umzusetzen. Gohl’s Kampf ist übergriffig, weil er seinen Kampf auf fremden Terrain führen will, er zudem mit dem Gang an die Presse seinen Druck öffentlich relevant erhöht. Nochmals: Der Entscheid der Baumschutzkommission liegt vor und ist eindeutig.

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  • Der 92-Jährige und sein verzweifelter Kampf um 16 Bäume

    Es ist sicher löblich, wenn Heinrich Gohl sich um die Bäume seines Nachbarn kümmert und ihn bittet sorgsam mit dem Baumbestand umzugehen. Damit hat es sich aber. Daraus jetzt einen grösseren Handlungsbedarf abzuleiten, wirkt etwas missionarisch. Es ist ein Unterschied, ob man sich für den Erhalt des Regenwaldes im Amazonas oder den Wildwuchs in den Tessiner Seitentälern einsetzt. Man kann die Fetischisierung des Baumes im urbanen Raum auch übertreiben. Wenige Meter neben dem Wohnort von Gohl beginnt die Wirklichkeit des Waldes, der Wald- und Holzbewirtschaftung. Dazu ein paar Fakten: Ein Drittel der Schweiz ist mit Wald bedeckt. Das ergibt 1,26 Mio. Hektar Wald oder knapp 1’800 m2 je EinwohnerIn. Die Waldfläche nimmt jährlich zu. Jedes Jahr wachsen in der Schweiz 10 Mio. m3 Holz nach. Zirka 535 Mio. Bäume stehen im Schweizer Wald. D.h. pro EinwohnerIn rund 66 Waldbäume. Das sind u.a. Fichten, Weiss- und Rotbuchen, Eichen und Rottannen. Es gibt über 130 Baum- und Straucharten, die im Wald heimisch sind. Heisst, einfach ausgedrückt: Der Baum ist in der Schweiz keine Mangelware. Es gibt eine Holzwirtschaft, welche vom Wald lebt und darauf bedacht ist, dass der Wald sorgfältig bewirtschaftet wird. Unmittelbar an unsere Siedlungsgrenzen anstossend stehen grosse und vielfältige Wälder. Heinrich Gohl muss sich also keine Sorgen machen. Die Bäume sterben nicht aus. Natürlich soll man mit den Bäumen im städtischen Raum behutsam umgehen. Es ist aber ein Unterschied, ob wir dies in öffentlichen Parkanlagen machen, oder auf privaten Arealen. Gohl moniert die Fällung von Bäumen auf privatem Boden. Da wird sein Kampf übergriffig und missionarisch. Vielleicht noch: Die Stadtgärtnerei sieht die Bewirtschaftung des öffentlichen Raumes auch eher pragmatisch. Die Bäume im Strassenraum müssen robust sein, werden sorgfältig gepflegt, aber auch regelmässig ersetzt. Der Stadtbevölkerung stehen in Basel rund 210 Hektar öffentliche Grün- und Freiflächen zur Verfügung. Von einem Mangel kann also nicht die Rede sein. Wir sollten nicht vergessen, dass wir uns in einem urbanen Umfeld bewegen und hier nur bedingt ein rurales Ambiente herstellen können. Die Rettungsversuche um einzelne Bäume ignoriert in der Dringlichkeit die Faktenlage. Bäume, auch wertvolle Bäume, sind bei uns keine Mangelware. Fakt ist, hin und wieder muss ein Baum gefällt werden. Meistens bekommt er ein zweites Leben und darf als Möbelstück, oder Cheminéeholz nochmals in Erscheinung treten. Das widerspiegelt unsere nackte Wirklichkeit.

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  • Kulturhauptstadt bei den Pro-Kopf-Ausgaben

    Obwohl alle den hohen Stellenwert der Kultur betonen, wird die Kulturförderung sehr unterschiedlich gewichtet. Vor allem, wenn es um finanzielle Beiträge geht. Die Kulturausgaben des Kantons Baselland fallen mit 214 Franken pro Kopf sehr bescheiden aus. Widerspiegelt aber nicht nur die Steuerkraft der BaselbieterInnen, sondern auch die Geiz-ist-geil-Politik des Kantons (vornehmer könnte man auch sagen: Wertschätzung gegenüber der Kultur). Für die wenigen Kulturfranken bekommen die Baselbieter trotzdem ein Vielfaches, ohne sich finanzielle zum Fenster hinauslehnen zu müssen. Die Nähe zur Stadt beschert den BaselbieterInnen ein Füllhorn an kulturellen Aktivitäten. Gratis! oder zumindest fast (10 Mio. könnte man sich vorstellen zu investieren...). Die Stadt stemmt die ganzen Kulturausgaben praktisch im Alleingang. 1’258 pro Kopf lässt sich die Stadt den Spass kosten. Es ist aber nicht so, dass die BaselbieterInnen Kostverächter sind. Sie konsumieren die städtischen Kulturleistungen ausgiebig. Die Besucherstatistiken des Präsidialdepartementes zeigen, dass die Basler Kulturinstitutionen von den BaselbieterInnen regelmässig besucht werden (zwischen 30 bis 50% Baselbieter BesucherInnen). Das ist im Grundsatz positiv zu werten. Die BaselbieterInnen schätzen das Angebot. Die Politik jedoch verweigert sich. Man möchte einen Mercedes der Luxusklasse, will aber nur einen ruralen Subaru bezahlen. Bauernschlau, denkt man. Gut, die Agglogemeinden leisten (auf Druck ihrer kulturaffinen EinwohnerInnen) einen zusätzlichen Zustupf. Mit rund 26 Franken pro EinwohnerIn ist aber auch dies nur eine Minimalabgeltung der bezogenen Kulturleistungen (zwischen 0,2 bis 0,8% des jeweiligen Rechnungsaufwandes). Eine symbolische Geste! Die Unterbaselbieter Gemeinden könnten mehr leisten. Zumal sie von der Standortattraktivität durch ein reichhaltiges städtisches Kulturangebot überproportional und direkt profitieren (wird auch in allen Verkaufsprospekten angemerkt). Diese vornehme Zurückhaltung ist paradox. Dies auch, wenn man bedenkt, dass die Unterbaselbieter die Oberbaselbieter via Finanzausgleich jährlich mit 76 Mio. Franken alimentieren (2018). Geld, das den stadtnahen Gemeinden natürlich fehlt und der urbanen Community verloren geht. Kurzum: Es ist ist absurd, dass wir uns zwar als Regio verstehen, die EinwohnerInnen im Alltag mehrfach und frei die Grenzen überschreiten, die Regierungen im Elsass, im Badischen und im Baselbiet (bis hin ins Fricktal) aber kategorisch weigern sich an den Zentrumsleistungen adäquat zu beteiligen. Die Differenz zwischen dem Baselbieter-pro-Kopf-Beitrag von 214 Franken und dem Basler Beitrag von 1’258 Franken ist erheblich und kaum zu rechtfertigen.

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  • Basel und die Flüchtlinge: Angst vor der eigenen Verantwortung

    Sachte und sanft schwenken wir langsam nach rechts und grenzen uns schleichend vom Flüchtlingsproblem ab. WIR haben kein Flüchtlingsproblem. WIR erfüllen die Quoten. Der Bund soll’s richten, Deutschland, Österreich, Italien, die EU. Uns sind die Hände gebunden. Klar doch! Die Libyer sollen die Flüchtlinge zurückhalten. Auffanglager. Grenzen dicht machen. Zuerst ein bisschen, dann immer mehr. Grenzkontrollen verstärken. Mehr Grenzbeamte. Derweilen ertrinken im Mittelmeer laufend Menschen. Im Juni 629. Hilfsorganisationen werden kriminalisiert. Die Rettung wird ihnen verboten. Häfen am Mittelmeer werden geschlossen. Wir schweigen beharrlich. Städte mit einem Restposten an Zivilcourage werden isoliert. Solidarität wird für PolitikerInnen zum No-Go. Die Zivilgesellschaft soll’s richten. Die Humanität ist längstens im Mittelmeer ersoffen. Derweilen wir die Verantwortung ein wenig hin- und herschieben. Erwägen, ob wir eine Initiative oder ein Referendum ergreifen könnten. Ein Zeichen setzen, vielleicht. Symbolisch zwei Flüchtlinge aufnehmen? Widerrechtlich. Bundesrecht in Frage stellen? Heikel. Abwarten. Die Lage wird sich entspannen... Zur Kenntnis nehmen, dass die Basler Regierung noch keine Zeit gefunden hat über das Flüchtlingsproblem und allfällige Hilfen und Interventionen nachzudenken. Stellungnahmen werden sorgfältig abgewogen und wieder verworfen. Schwierig, schwierig! Derweilen Zyniker und Rechtspopulisten wieder das Boot-ist-voll-Bild bemühen. Die Stammtischbrüder und -Schwestern, ungestört poltern und die «Wirtschaftsflüchtlinge« (inkl. Frauen und Kinder) ins Pfefferland wünschen. Wir den Wohlstand definitiv nicht teilen möchten, auch nicht ein kleinbisschen. Und unsere Regierungspräsidentin partout das genüssliche Bad im Rhein nicht mit einer Stippvisite nach Italien unterbrechen möchte. Klar doch, für Flüchtlingsfragen sind wir nicht zuständig. Dafür gibt es ein Bundesamt. Uff! Glück gehabt. Uns interessieren verschwindende Parkflächen, die Aufhübschung der Stadt, das nächste Konzert auf dem Floss… persönliche Dinge eben. Die Restwelt kann uns mal. Ende der Durchsage.

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