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  • Jetzt melden sich die Aktivisten zu Wort

    Ist es überraschend, wenn kleine Grillfeste mit 50 Personen, Musik, Bier, einem Abfallkonzept und fern ab von lärmempfindlichen Anwohnern verboten und geräumt werden, sich die Jugend in der Stadt in Massen trifft? Leider ist die Masse als Selbstschutz nötig geworden! Zu verantworten haben dies die repressiven Polizeieinsätze der vergangenen Monate. In der Masse geht die Selbstverantwortung verloren. Am Schluss kämpft jeder wieder für sich selbst. Von der Polizei verlange ich ein objektives Handeln und von der Szene mehr Zusammenhalt. Wenn ein Anlass geräumt wird, müssen alle Besucher verhaftet werden. Dass einzelne Akteure bestraft werden ist inakzeptabel. Besser wäre hingegen, dass die mit grossem Engagement und viel Verantwortung stattfindenden kleinen Veranstaltungen wieder toleriert werden. Barrikaden, vermummte Steinewerfer und ein unkontrollierbares Massenpublikum sind dort überflüssig und es kann unter dem Sternenhimmel friedlich getanzt werden. Was ich an solchen Anlässen mag ist die positive Stimmung und die Gemeinschaft. Dass der Anlass illegal ist spielt keine Rolle. Ich sehe auch gar keinen Grund weshalb dies illegal sein sollte. Warum brauchen 20-30 Jährige eine Ausschankbewilligung um Bier trinken zu können? Und warum muss ich eine Lautsprecherbewilligung bei der Fachstelle für Waffen beantragen bei einem Anlass der niemanden stört? Ein Freiraum benötigt von allen Seiten ein hohes Mass an Selbstverantwortung. Solange diese Verantwortung von Seite des Staates aber kategorisch abgelehnt wird, kann diese auch nicht eingefordert werden. Ich suche seit Jahren den Dialog und beteilige mich aus strategischer Sicht nicht an illegalen Aktionen. Das Resultat ist ernüchternd. Ich habe die Auffassung, dass heute in allen Entscheidungsetagen ehemalige 68er vertreten sind. Die sollten die Anliegen der u35 eigentlich gut nachvollziehen können. Eine auf Dialog ausgerichtete Kulturbewegung müsste meines Erachtens Erfolg haben. Leider machen wir Zurzeit aber einen Rückschritt in die 80er Jahre. Die Bedürfnisse einer ganzen Generation müssen auf der Strasse erkämpft werden. Wollen wir das wirklich? Wenn die Politik und die Behörden nicht endlich klar Stellung beziehen und nach erfolgtem Dialog auch handeln, gefährdet sie die auf Rechtssicherheit und Konsens ausgerichtete Kultur- und Jugendbewegung. Sie gibt den Besetzern Aufwind, weil sie alle anderen Strategien ins Leere laufen lässt.

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  • Eine Stadt braucht das Recht auf Lärm

    Ja es war eine erste laue Sommernacht und unpassend drinnen zu sitzen und ja wir waren uns in vielen Punkten einig. Das Problem: Die Behörden sind ein ausführendes Organ und werden von der Politik beauftragt und kontrolliert. D.h. ohne Lobby für ein zeitgemässes Stadtleben und ohne Rückhalt der Parteien werden die Behörden und somit die Akteure immer wieder zurückgepfiffen. Wer will, dass sich etwas ändert muss sich einbringen. Partizipation ist mühselig, oft langweilig, langwierig, anstrengend und ehrenamtlich. Zu bewältigen oft nur von Senioren und Studenten, wobei diese klar in der Unterzahl sind. Wenn sich etwas ändern soll, dann brauchen wir weniger Partikularinteressen und mehr Engagement. Das neue Allmendgesetz greift nur, wenn bei der Vernehmlassung der Verordnung ein breit abgestützt Team tätig wird, dh. Veranstalter und Nutzer vertreten sind. Das Problem heute ist, dass viele Anwohner die Allmend vor ihrer Haustüre als privaten Raum begreifen. Dabei geht vergessen, dass wenige Anwohner (siehe Münsterplatz) eine unglaublich starke Lobby betreiben und auf einem Platz über Jahre eine Totengräberstimmung verbreiten von der schlussendlich wir alle betroffen sind. Ein Parkplatz mit Cars und Touristen war einladender als die heutige Pflastersteinwüste. Wer übrigens glaubt, dass man mit kulturellen Veranstaltungen reich wird täuscht sich und soll es gerne selber versuchen. Bei den meisten guten Projekten schieben die Initianten Ende Jahr noch das Geld aus dem eigenen Sack nach. Und eine kommerzialisierung der Allmend wünscht sich nun wirklich keiner. Plakatwände sind aufdringlich, unpersönlich und leise. Darum gibt es si schon. Bei lediglich 15% aller genehmigten Nutzungen im öffentlichen Raum handelt es sich tatsächlich um temporäre Nutzungen wie Veranstaltungen und Quartierfeste. 85% aller Nuzungen betreffen Baustellen, Werbung, Namensschilder von Geschäften usw.

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