HJM
  • Das «Mosaik der Demokratie» ist vorerst fertig – eine Zwischenbilanz

    "Der neue Chefredaktor der TaWo möchte nicht, dass dieses Projekt in der TaWo fortgesetzt werden soll. " (schreibt Andreas Gross auf seiner Website) Sehr geehrter Herr Gross, da ich in letzer Zeit sehr beschäftigt war, konnte ich Ihr letztes "Mosaik" in der gedruckten TagesWoche erst jetzt lesen. Ich bin schlicht entsetzt darüber, dass nun keine Schweizer Zeitung mehr ernsthaft am Verständnis und der Entwicklung der Demokratie arbeitet! Überlassen wir es doch der Weltwoche, der BAZ und der NZZ. Unsere nationale Identität war nie besonders einfach, das muss ich gerade Ihnen nicht erklären. Gerade heute, wo uns grosse, ja grundlegende Veränderungen bevorstehen, wie Sie in Ihrer "Zwischenbilanz" in hervorragender Weise und leider sehr abgekürzt skizzieren, wird diese Grunddebatte abgewürgt. Gewiss ist der Kreis von engagierten Lesern, die sich auf die grossen Fragen einlassen, in der TaWo klein. Allerdings ist das Forum der Kommentaristen "Blogger" für die Leserschaft nicht repräsentativ. Vielen gebildeten Lesern ist es ganz einfach zu blöd, soviel Zeit für Geistreicheleien und reflexartiger Empörung über das lokale Kleinklein aufzuwenden. Eine "Leserzeitung" mit aktiv mitarbeitenden Lesern ist leider kaum zu realisieren: Wer in der aktiven Phase II des Lebens steht ist, wie ich das zusammenfasse, mit  dem Hamsterrad des Alltags und dem Rattenrennen der Karriere bereits voll ausgelastet. Andererseits ist das Thema zu wichtig, als dass man es den Populisten in den Niederungen der Parteipolitik überlassen kann. Meine Frustration: Wie in aller Welt kann in unserer saturierten und verwirrten Gesellschaft eine intelligente politische Debatte zur Sache stattfinden? Demokratie, und das ist in der Schweiz kein Thema, verkommt ohne die Leadership einer Elite. Hierzulande lässt sich die Elite aber kleinmütig beschimpfen, hassen und verachten. Ihre Beiträge waren jedenfalls sehr wertvoll! Der erste Ruf bei jeder echten Problemdebatten bei uns lautet jeweils „mehr Bildung und Aufklärung!“. Genau was Sie machen [wollten], bis eine engstirnige Redaktion dieses gute Vorhaben weggespart hatte oder aus noch schlimmeren Motiven(!) abgemurkst hatte. Ein Freund in Bremen machte mich auf die „Bundeszentrale für Politische Bildung“ aufmerksam (https://www.bpb.de/). Worauf ich ihn und Deutschlad beneidete: Man nimmt die Bildung dort sehr ernst. Auf hohem Niveau, wie die Kostprobe zum Thema Multikultur und Europäische Leitkultur illustrieren mag: http://www.bpb.de/apuz/26535/leitkultur-als-wertekonsens. Sehr klar und konstruktiv, darf ich sagen, und für mich eine gültige Antwort auf Helmut Schmidts Vermutung, dass Demokratie und Multikultur nicht vereinbar seien. Tragisch nur, dass der von Bassam Tibi geschaffene Begriff der Europäischen Leitkultur weder in Deutschland noch hier thematisiert wird. Er könnte den Populisten von der SVP bis zu AUNS und Pegida den Wind aus den Segel nehmen helfen und dem „Normalo“ ein paar solide Leitplanken verschaffen, Ein erster Ansatz zur Demokratie V2.0. oder V3.0 -- jedenfalls tauglich für die globalisierte, multkulturelle Welt. DAS ist die grosse Baustelle aller Staaten, die sich demokratisch nennen. Aber keine politische Bildung mehr in der TaWo! -  Der Grund für mich, mich von der TaWo endgültig zu verabschieden. Ich war Leser und Abonnent der ersten Stunde und habe lange ernsthaft mitdiskutiert, bis es mir zu blöd 0wurde (s.oben). Dabei bin ich Ihnen, Herr Gross gelegentlich an die Karre gefahren, hoffentlich nicht unnötig hart oder unfair! Das bedauere ich jetzt umso mehr, wo ich den grossen Plan Ihres Mosaiks besser überblicken kann. Ich wünsche Ihnen dabei jedenfalls viel Erfolg, und nehme doch an, dass Sie daraus ein schönes und wichtiges Buch machen werden. Ich grüsse Sie herzlich und wünsche Ihnen viel Erfolg im Neuen Jahr – bei bester Gesundheit, Hans Jörg Martens PS. Besonders schäbig fand ich es, dass ich in der Druckausgabe der TaWo vom 18.12.2015 nur den Hinweis fand: „Gastautoren - Zum letzten Mal Vania Alleva und Andreas Gross“. Der Leser braucht ja nicht zu erfahren warum. Und verdanken kann man die Leistung der Autoren auch nicht. Und die zwei Autoren grad im gleichen, dürren Satz abfertigen; sind halt beide links. Oh dear!

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  • Das «Mosaik der Demokratie» ist vorerst fertig – eine Zwischenbilanz

    Richtigstellung und Nachtrag 1 Herr Christian Degen wird erst ab 1.1. 2016 als verantwortlicher Chefredaktor arbeiten und hat den Rauswurf von Andreas Gross nicht mitgetragen. Keineswegs wollte ich den falschen Entscheidungsträger angreifen! Auf der Website www.andigross.ch fand ich halt das Zitat: "Der neue Chefredaktor der TaWo möchte nicht, dass dieses Projekt in der TaWo fortgesetzt werden soll. " Daraus war für mich klar, dass Herr Degen den Entscheid mitgetragen hatte. Ich konnte mir schwer vorstellen, dass ein so wichtiger Entscheid eines ad interim besetzten Gremiums ohne Rücksprache mit dem neuen Verantwortlichen erfolgen konnte. Warum das in diesem Fall so wichtig ist, habe ich bereits ausgeführt. 2 Die Verdankung von Andi Gross auf Seite 30 der Printausgabe hatte ich übersehen. Ich entschuldige mich dafür! Allerdings hätte uns als Leser ein Hinweis zur Begründung des Entscheids mehr geholfen als die paar Textbausteine von Andreas Schwald. 3 Ich habe heute Herrn Degen eindringlich gebeten, das Mosaik von Andi Gross weiterzuführen. Sein Buch wird wichtig werden, wenn sich die Schweiz mit den Gefahren und den Bedrohungen der Globalisierung, der Multikultur und der Migration intelligent orientieren will. Aber Bücher dienen oft dazu, Regale zu schmücken und das Tablar auf Biegung zu belasten. Gelesen werden sie nur von einer Art von Elite. Unterstützen Sie als Leser diesen Wunsch! 4 (@Esther) Ich kenne Vor-, Mit-, Nach- und Nichtdenker. Die Vordenker zähle ich zu den Eliten, ohne die eine Demokratie orientierungslos ist wie ein Schiff ohne Kompass. Die sonstwo als Eliten bezeichneten Figuren der Macht und der Wirtschaft sehe ich meistens eher als Opportunisten, die halt ein Geschäftsmodell gefunden haben, um Geld und Macht anzuhäufen, leider meist sinnfrei. Dabei denke ich, dass das schwierige Wort des Sinns wenigstens das Gemeinwohl, so diffus es definiert ist, enthält. Eben mit Soft-values wie Respekt, Anstand, Empathie und Kommunikation u.s.w. welche dem Zusammenleben etwas wie Fairness verleiht. Ein höchst aktueller Vordenker war gewiss der unten zitierte Bassam Tibi, der mit grösster Klarheit und Differenzierung illustriert hat, wie eine Europäische Leitkultur aussehen könnte. Leitplanken für die Multikultur in der Demokratie! Man vergleiche dies mit der Polemik der Seehofers, der Exponenten der SVP u.v.a.m. Das meine ich mit "Elite", ohne die unsere Demokratie vor die Hunde geht. 5 Herzlichen Dank für die Rosen, Chröttli und Esther. Ich wünsche allen einen guten Rutsch! Mal sehen, was und das Neue Jahr bringen wird.

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  • Christian Degen wird neuer Chefredaktor der TagesWoche

    Sehr geehrter Herr Leupin, sicher muss man das schöne Projekt der TaWo auch nach vier Jahren immer noch als Start-up betrachten. Ebenso sicher haben gerade Sie das Vertrauen von uns Lesern verdient, sozusagen von der Picke her und nachhaltig! Die Sache mit dem Vertrauen ist aber so eine Sache. Man kann es innert Minuten verlieren, und nicht, wie gewisse stromlinienförmige Turbos glauben, wie Ravioli herstellen oder nach einem Verlust einfach vom PR-Schnuuri wieder flicken lassen. Man muss es sich verdienen. Schritt für Schritt. Natürlich erwarten wir kein 30-seitiges Grundsatzpapier der Geschäftsleitung. Aber Köpfe tauschen und einfach Vertrauen erwarten, obwohl man uns nicht hilft, nachzuvollziehen, warum das geschehen musste? Das könnt Ihr besser. Kommunizieren ist Euer Beruf! Es gibt in jeder Geschäftsleitung, auch die einer Zeitung Interna, die nicht in der Öffentlichkeit breitgeschlagen werden müssen, und dies auch nicht sollen. Umgekehrt aber will ein Leser gerne eine Ahnung davon haben, welche Kräfte im Hintergrund wirken und zu welchen Werten sie, hoffentlich engagiert, einstehen. Es geht doch nicht an, sich lang und breit in den Fällen Weltwoche-Blocher-Köppel oder BAZ-Blocher-Somm genüsslich über die Buebetrickli und Intransparenz zu empören, und jetzt selber nicht proaktiv zu kommunizieren. Nein, ich vergleiche die TaWo keineswegs mit der WeWo oder der BAZ. Schon gar nicht die jeweiligen Macher und Machthaber im Hintergrund! Mir geht es ausschliesslich um das Vertrauen und eine angemessene Transparenz. Jeder Leser wird verstehen, wie schwierig die Gratwanderung gerade der TaWo zwischen solider Information und Entertainment im Kampf(!) um die nötige Aufmerksamkeit (= genügende Zahl von bezahlenden Lesern) geworden ist. Wobei sich die TaWo in diesem verstörenden Chaos von unqualifizierten Meinungen, Hypes, Fakten, Wissen, Verstehen, Manipulation etc. bisher so gut geschlagen hatte. Dass genau diese Leistung nicht gratis sein kann, wird jeder denkende Leser verstehen und auch dafür bezahlen. Also helft uns zu verstehen, wohin die Reise geht. Und ja, man muss den Neuen eine Chance geben. Aber das Vertrauen müssen sie sich noch verdienen. Oben und unten.

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  • Christian Degen wird neuer Chefredaktor der TagesWoche

    @Roland Stucki: Sie zäumen das Pferd am Schwanz auf wenn Sie sagen: "Da bin ich absolut neutral." Als Leser eines Intelligenzblattes bin ich eben gerade nicht neutral! Und wo Sie sagen "Aber es gibt mir auch nicht das Recht alles zum vornherein in Frage zu stellen", haben Sie nur teilweise recht: Die Leitung wird also ausgewechselt. Das kann nötig sein oder auch nicht, nachvollziehbar oder nicht. Wenn der Hersteller von Pasta dies tut, muss ich nicht so genau wissen wieso. Als engagierter und zahlender Leser steht es mir aber zu, zu fragen, wohin der neue Kurs denn gehen soll. Für den gleichen Kurs hätte die bestehende Crew ja genügt, also hat man befunden, diesen zu ändern, Aber genau diese Info kommt nicht. Wird nicht einmal ganz leise "verlautbart". Und dann soll ich der neuen Crew mein Vertrauen schenken? Ohne mich, sorry. Alle, die eine Zeitung machen, wissen ganz genau, dass Transparenz DAS Mittel der Macht ist, genau genommen des Machtmissbrauchs und der Feigheit oder Unfähigkeit Stellung zu beziehen. Die dümmste AG schreibt heute eine Vsion und eine Mission auf die Fahnen, vor allem wenn sie geändert haben. Sendepause. Für Wischiwaschi genügt 20 Minuten, und die ist dafür gratis. Kommunikation ist doch die zentrale Fähigkeit einer Zeitung. Leider aber auch die Nicht-Kommunikation. Ich warte nch ein bisschen, aber nicht 100 Tage, vielleicht kommt noch was.

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  • Die Causa Frehner: Ein globaler Stoff als lokale Story

    Herr Hürlimann definiert und illustriert am Beispiel Frehner eindrücklich und präzise, was die abschätzige Bezeichnung "classe politique" meint. Solche Leute sind für die Zerstörung des Respekts und des Vertrauens in Politiker (nebenbei: Man findet sie ausnahmslos in allen Parteien) direkt verantwortlich. Insofern muss man Hern Somm und seiner BAZ dafür danken, dass er diesen sauberen Herrn*) ins Visier genommen hat, obwohl er die SVP treu unterstützt. Ich kann einen anständigen, ehrlichen Politiker, wie es z.B. This Jenny war, respektieren, auch wenn er in der falschen Partei sitzt. *) das besser passende Adjektiv habe ich freiwillig zensuriert.

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  • Athen erhält Milliarden und begleicht damit Schulden

    Es gab einst einen Journalismus, der die Abkürzung “DDR” bewusst in Anführungszeichen setzte, vor allem um den Etikettenschwindel im zweiten D für “demokratisch” zu entlarven. Heute fehlt offensichtlich die Zeit, der Mut oder die Redlichkeit, um die manipulierten Wörthülsen der Politiker und Institutionen zu hinterfragen. Copy-paste geht ja auch einfacher. “Griechenlandhilfe” ist ein Beispiel dafür. Mich nervt ungemein, wenn dieses Wort andauernd nachgeplappert wird, wo der Inhalt zu etwa 90% Bankenhilfe, aka Bail-out heissen müsste. Vorschlag, liebe Journis: Macht mal eine Liste der Unwörter und stellt den Klartext daneben. Schreibt dann z.B. “Europäische Bankenhife (aka “Griechenlandhilfe”) vom Deutschen Parlament bewilligt”. Damit ist man noch lange kein Linker, Kommunist oder Dumm-Sozi! Die Zahlen liegen schliesslich vor, härtere Fakten gibt es wohl kaum ... Mir reicht es, wenn ich von der Werbung der Banken, Versicherung und des ganzen Konsumismus systematisch angelogen werde.

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  • Basel liebt Nietzsche nicht – trotzdem widmet die Stadt ihm nun einen Preis

    @chröttli: Ok, fair enough. Nietzsche halte ich für ein Genie, aber auch für einen komplizierten Menschen. Immerhin hatte er sich nicht angemasst, die Welt in ein vermeintlich ewiggültiges Gedankengebäude zu pressen. Immer lernend und denkend, musste er sich selbst widersprechen, gelgentlich auch zünftig irren, v.a. wenn er die Grenzen neuer Ideen (noch) nicht erkannt hatte. Oder wenn er dem Zeitgeist unterlag. Seine Krankheit brachte ihn obendrein zu fragwürdigen Aussagen und Haltungen. Wie soll man also seine Texte lesen? Sicher nicht wie gewisse Kritiker aus heutiger Sicht einen Satz herausklauben und uns dann “beweisen”, dass er halt ein Rassist, Nazi, Narzisst, Spinner, Wahn-Sinniger etc. war. Check! Fall erledigt. Oder ganz besonders liebe ich den Textbaustein: “Sein Werk ist immer noch sehr umstritten”. Das ist Billigst-Journalismus oder -Feuilletonismus: Aussagenfreies Bla-Bla. Und sowas kommt natürlich gut an: Getrost dürfen wir darauf warten, dass das dereinst letzte Wort gesprochen werde. Sonst droht eben: Eeek! Provokation! Dann muss man ja *selber* , womöglich wohlwollend lesen, nachdenken, sich inspirieren lassen, interpretieren und noch schlimmer: Stellung beziehen zu müssen! So hat jeder seinen Spass dabei.

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  • Angebot an freien Wohnungen in den beiden Basel leicht gestiegen

    Klar, @Cesna, dieser neoliberalen Smartness stehen unsere Meister des Etikettenschwindels vor: - Bürgerlich: klaro, halt Pech gehabt, wer nur als Metöke geboren wurde. - Freisinn: Reich und frei von Sinn ...

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  • Basel liebt Nietzsche nicht – trotzdem widmet die Stadt ihm nun einen Preis

    @Hage: Wer mit Nietzsche heiteren Sinns dem Sinn und dessen notorischer Abwesenheit nachspürt, soll ein Narzisst sein? Kapier' ich nicht. Wenn Sie bei einem so raren Klardenker wie Nietzsche nur einen einzigen brauchbaren Satz gefunden haben, kann Ihnen wohl keiner helfen.

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  • Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Polizeioffizier ein

    findiguät! v.a. wenn man sich dabei nicht hintersinnt, hinter so vielen Bergen.

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