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  • Ausländer der dritten Generation kommen leichter zum Schweizer Pass

    Hans "Ich stelle eine Asylbewerberin billig als Putzfrau ein" Fehr verrät sich in seinem unsäglichen Votum selber, wenn er hinter der Einbürgerung von hier längst heimischen Menschen einen fiesen Trick vermutet. Umgekehrt wird für seine Partei ein Schuh draus. Die SVP beklagt gebetsmühlenartig den einzigartig hohen Ausländeranteil der Schweiz, um sich gegen weitere, angeblich "ungebremste", Immigration zu sträuben. Dazu passen auch die ständig höheren Forderungen nach "Integration", sprich, Hürden, die man hier ansässigen Ausländern in den Weg stellt, damit sie sich möglichst lange nicht dazugehörig fühlen - und damit man sie rechtlich weiterhin mit Sonderregelungen diskriminieren darf. Die SVP lebt von der ständig bemühten Überfremdungsdiskussion. Auch wenn die Menschen nur noch Grosseltern haben, die mal woanders aufwuchsen.

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  • Basler Professoren müssen Nebenbeschäftigungen offenlegen

    Nachdem die ProfessorInnen öffentlich dargelegt haben, wo sie anderweitig noch engagiert sind, könnte man in der nächsten Konsequenz auch die Interessenbindungen der Uniratsmitglieder veröffentlichen. Denn während die Profs in ihren Departementen und Fakultäten vieles bestimmen dürfen, werden die grossen Rahmenbedingungen (Budgets) weiter oben, auf Stufe Rektorat + Unirat gesteckt. Und gerade dort, wo die Uni sich mit "Wirtschaft, Politik und Gesellschaft" zu verknüpfen sucht, wird's interessant, wer eigentlich das Sagen hat, und wessen Brot diese essen.

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  • Die vorlauten Forderer hinter der Integrationsinitiative

    Mit der Forderung nach "Integration" wird ein Begriff ständig bemüht, den niemand so ganz klar definieren mag. Offenbar ist sie etwas, das man mit Ausrufezeichen von den Neuzuzügern fordern kann. Mit diesen Plakat gewordenen Fäusten auf dem Stammtisch. Die sollen sich mal integrieren, gopferglemmi. Gut, zumindest jene, denen man nicht ungestraft auf den Zehen herumtrampeln kann, also nicht den "Expats", Kader, Forscherinnen, Millionäre, die eine Lobby haben (zum Beispiel bei der SVP.) Sondern nur dieser Minderheit, die übrig bleibt. Dass man NeuzuzügerInnen nahelegt, wie wichtig Deutschkenntnisse im Alltag sind, um sich im Beruf hervorzutun, den Nachbarn und neuen Bekanntschaften näher zu kommen und sich mit den Behörden zu verständigen - im Äussersten Fall auch für seine Rechte einzustehen, das kann man allen auch auf anständige Art sagen. Ja, und zwar allen. Aber wenn es nach einer Weile nicht verfängt, was machen wir dann? Leute ausweisen? Schicken wir den Tessiner Maurer zurück, der immer noch nur radebrecht, die Genfer Bankangestellte, die im Alltag nunmal fast kein Deutsch braucht? Nein, das geht schon, oder? Wenn wir ehrlich sind, vor allem wenn die SVP ehrlich ist, interessiert es niemanden, wer wie gut Deutsch kann, oder wie wohl sich jemand hier fühlt. Solange er uns nicht auffällt oder - schlimmer noch - anfängt uns etwas zu kosten, sind sie manchen allesamt herzlich Wurst. Insofern dient die Vorlage einmal mehr nur dazu, das Machtgefälle zwischen ansässigen Baslern und (unerwünschten) Ausländern zu zementieren. Wir sollen von ihnen fordern dürfen. Schliesslich müssen sie uns etwas bringen. Bieten wollen wir ihnen möglichst wenig. - Sonst fühlen sie sich hier am Ende noch willkommen, schlagen Wurzeln und dann werden wir sie in vermeintlich harten Zeiten nicht mehr los.

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  • Abschied von der TagesWoche

    Ein kurzes Gastspiel in einer Zeit des ewigen Umbruchs. Ich hoffe, dass es dir bei der Welt immer noch gut gefällt. Alles Gute!

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  • Neue Wemf-Zahlen: Erläuterungen zur Auflage der TagesWoche

    Warum erstreckt sich die Erhebungsperiode nur von Juni bis August 2014? (Tippfehler?) Ansonsten wär ein Durchschnitt von März bis August 2014 sicher etwas aussagekräftiger gewesen.

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  • Warum die Basler Rivella-Grün-Studie mit Vorsicht zu geniessen ist

    Wer sich schonmal getraut hat, Grüntee nicht nur in heillos überzuckerten Fertiggetränken, sondern effektiv als selber gebrauten Tee zu sich zu nehmen, weiss, dass dieser mindestens genau so wach macht, wie Koffein aus Kaffee oder Schwarztee. Und dabei noch gesund (herzschützende Funktion). Und selbst bei teureren Sorten immer noch billiger als das Milchserumgetränk aus Rothrist. Das habe ich in einem weitgehend repräsentativen Selbstversuch an mir selber, gänzlich ohne Product Placement, herausgefunden.

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  • Basel lehnt längere Ladenöffnungszeiten ab

    Ich war letzten Freitag Abend im Coop einkaufen. Der Kunde vor mir an der Kasse wünschte der Kassiererin "noch ein schönes Wochenende". Darauf konnte sich die Kassiererin zu mir eine spitze Bemerkung nicht verkneifen, für wen hier das Wochenende anfange. Sie fügte an "ich hab noch den ganzen Samstag und komm erst um 19h hier raus. Dann ist nicht mehr viel vom Wochenende übrig." Wenn die Debatte zu den Ladenöffnungszeiten mal nur von jenen geführt würde, die selber bereits freiwillig bis Samstag Abend bis 20h zum Lohn einer Kassiererin schuften, hätte man sich viel heisse Luft ersparen können. Während die Verbandspräsis, die sich diesen Sonntag ins Hemd weinten, am Samstag Abend zuhause schon den feinen Rotwein dekantieren, moppt noch jemand im Supermarkt die Gänge und kriecht den verlorenen Kassenzetteln hintendrein. Wenn das Detailgeschäft vielleicht bereit ist, auch mal die Perspektive der Angestellten zu berücksichtigen und nicht nur mehr zu fordern, für gleich viel, oder weniger, kommt man bestimmt auf eine Lösung, die für alle Beteiligten funktioniert.

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  • Die Heldin, die sitzen blieb

    Ein kleiner, aber durchaus wesentlicher Fehler hat sich in diesen schönen Artikel eingeschlichen. Im letzten Satz setzen Sie die Sklaverei und die Reconstruction insofern gleich, als dass beide für die Unterdrückung der Schwarzen in den USA stünden. Dies ist nicht so. Die Reconstruction war die knapp 10-jährige Phase nach Ende des Bürgerkriegs, wo die Schwarzen ihre neuen Rechte (13., 14. und 15. Verfassungszusätze) genossen, als freie Bürger mit Stimm- und Wahlrecht. Erst danach, ab 1877 setzte sich national wieder die "demokratische" Partei durch und liess es zu, dass auf Staatsebene neu wieder "black codes", also spezielle Schwarzengesetze, eingeführt wurden, die, zusammen mit der anschliessenden Jim Crow-Ära, bis in die 1960er die rechtliche Diskriminierung der Schwarzen fortsetzte. Deren "Ende" verdanken wir solchen öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie der von Rosa Parks, Martin Luther King Jr. und der ganzen Bewegung, die die Repression der Polizei gegenüber pazifistischen Protestierenden sehr bewusst medial zu nutzen wussten, um Amerika und der Welt unmissverständlich vor Augen zu führen, wie die fortschrittlichen, "freien" USA mit Gewalt an der Rassensegregation festhielt.

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  • Bundespräsident Ueli Maurer erinnert an 1291

    Wenn man als volkstümelnde Partei einen Weg findet, den Bundesbrief von 1291 irgendwo reinzuflechten, hört sich das immer toll an. Die Botschaft dabei soll sein: Wir liegen voll auf dem Kurs unserer Urahnen. Wer den Bundesbrief aber liest, muss sich schon fragen, ob die aktuelle SVP-Politik dem entspricht, was die drei Waldstätten sich untereinander versprachen. Zum einen waren sie, ob man das anerkennt oder nicht, immernoch Teil des Deutschen Reiches (fremde Vögte!), zum anderen sprechen sie im Bundesbrief von gegenseitiger Unterstützung, vor allem rechtlich, und wenn miltitärisch, dann zum Schutze des Geschädigten. Wollte die SVP denselben Geist 2012 wieder auferstehen lassen, müsste sie eine der feurigsten Verfechterinnen der UNO sein, samt des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, den Menschenrechtskonventionen - und ziemlich sicher - auch der EU als eines der erfolgreichsten Mittel seit dem 2. Weltkrieg, um den Frieden in Europa zu sichern. Wer die Ironie von Maurers isolationistischer, schönfärberischer Rede vor diesem Hintergrund nicht sieht, ja, der wählt wahrscheinlich SVP.

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  • Anwohner leisten Widerstand gegen Asylunterkunft

    Solches hysterisches Getue würde ich vielleicht von einem Dorf in Hinterpfupfingen erwarten, wo man sich nicht gewohnt ist, dass plötzlich unbekannte Menschen die Dorfstrasse hinunter gehen. Aber in Basel? Etwas Optimismus, Geduld und, Gott bewahre, ein freundliches Lächeln unter Nachbarn tut den Nerven gut und sorgt für eine angenehme Atmosphäre. Versetzen Sie sich einfach in die Lage der Kinder, die dort wohnen werden. Jeder liebt die Geschichten von Flüchtlingen des 2. Weltkriegs, die 50 Jahre später "der Schweiz" danken, dass man ihr Leben gerettet hat, dass sie so grosszügig aufgenommen wurden. Ich fürchte von dieser Epoche wird es wohl kaum solche Erinnerungen geben. Woran werden sich diese Kinder erinnern? An fiese Blicke und Gezische? Sie diese Schildbürger unser Aushängeschild? (Und noch was: Wenn ein Copyshop gegenüber einer AsylbewerberInnen-Unterkunft nicht weiss, wie man aus der Lage ein Geschäft macht, dann ist dem Herrn auch nicht mehr zu helfen.)

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