• Vor 25 Jahren hielt Basel den Atem an

    Ich wohnte damals in Ettingen. In dieser Nacht vertrug ich die BaZ wie immer. Zu Beginn war alles wie immer. Bald fiel mir auf: Kein Tram fährt mehr - komisch. Ich ging weiter von Briefkasten zu Briefkasten und warf die Zeigung ein. Plötzlich sah ich immer mehr Lichter in den Wohnungen und Häusern - sehr ungewöhnlich für einen Samstag. Ich schaute zurück und stellte fest, dass Menschen herausrannten, sich die Zeitung schnappten und wieder verschwanden. Einige hatten einen Schutz vor dem Mund - sehr ungewöhnlich - noch mehr - sehr beunruhigend. Ich machte weiter. Da hörte ich eine Sirene in einem Nachbardorf. Was ist da wohl passiert. Dann von einem anderen Dorf - dann noch von einem weiteren - dann von überall her. Nur in Ettingen bleiben die Sirenen still. Jetzt bekam ich echt angst. Ich versuchte jemand zu erwischen, der die Zeitung am Briefkasten holte - ohne Erfolg. Es wurde immer unheimlicher. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Ich überlegte hin und her: Nach hause gehen oder weitermachen. Ich entschloss mich für's Weitermachen. Mir zitterten die Knie und der Atem stockte immer mehr. Die Hände gehorchten mir schlechter beim Einwerfen der Zeitungen. Endlich war ich fertig. Ich ging nach hause. Im Treppenaus öffnete eine Nachbarin die Türe. Entzetzt fragte sie mich: "Haben Sie die Zeitung vertragen?" - Ich: "Na klar! Wie immer!" Sie: "Jetzt sind sie wahrscheinlich vergiftet!" Ich schaute sie fragend an und dachte bei mir: Die ist nicht ganz bei Trost. Dann erzählte sie mir kurz, was sie wusste. Ich: "Ja dann hole ich noch schnell meine Rüelbi auf der Terasse." Sie: "Zu spät, die sind jetzt schon vergiftet." Ich ging in meine Wohnung und stellte den Radio an und hörte nun die Geschichte von offizieller Seite. Für mich dachte ich: So schlimm kann es bis jetzt nicht gewesen sein. Ich lebe ja noch. Vorsichtshalber stellte ich das Nachttischlämpli ins Badzimmer, weil die Ventilation immer einschaltete, wenn man das Licht anzündete, weil ich in den Nachrichten hörte man sollte die Ventilationen ausschalten. Dann weckte ich die Kinder. Und weil ich am Radio nicht hörte, die Kinder zuhause zu lassen, schickte ich sie in die Schule. Dann legte ich mich hin, um mich vom Schrecken der Nacht zu erholen.

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  • Vor 25 Jahren hielt Basel den Atem an

    Ich wohnte damals in Ettingen. In dieser Nacht vertrug ich die BaZ wie immer. Zu Beginn war alles wie immer. Bald fiel mir auf: Kein Tram fährt mehr - komisch. Ich ging weiter von Briefkasten zu Briefkasten und warf die Zeigung ein. Plötzlich sah ich immer mehr Lichter in den Wohnungen und Häusern - sehr ungewöhnlich für einen Samstag. Ich schaute zurück und stellte fest, dass Menschen herausrannten, sich die Zeitung schnappten und wieder verschwanden. Einige hatten einen Schutz vor dem Mund - sehr ungewöhnlich - noch mehr - sehr beunruhigend. Ich machte weiter. Da hörte ich eine Sirene in einem Nachbardorf. Was ist da wohl passiert. Dann von einem anderen Dorf - dann noch von einem weiteren - dann von überall her. Nur in Ettingen bleiben die Sirenen still. Jetzt bekam ich echt angst. Ich versuchte jemand zu erwischen, der die Zeitung am Briefkasten holte - ohne Erfolg. Es wurde immer unheimlicher. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Ich überlegte hin und her: Nach hause gehen oder weitermachen. Ich entschloss mich für's Weitermachen. Mir zitterten die Knie und der Atem stockte immer mehr. Die Hände gehorchten mir schlechter beim Einwerfen der Zeitungen. Endlich war ich fertig. Ich ging nach hause. Im Treppenaus öffnete eine Nachbarin die Türe. Entzetzt fragte sie mich: "Haben Sie die Zeitung vertragen?" - Ich: "Na klar! Wie immer!" Sie: "Jetzt sind sie wahrscheinlich vergiftet!" Ich schaute sie fragend an und dachte bei mir: Die ist nicht ganz bei Trost. Dann erzählte sie mir kurz, was sie wusste. Ich: "Ja dann hole ich noch schnell meine Rüelbi auf der Terasse." Sie: "Zu spät, die sind jetzt schon vergiftet." Ich ging in meine Wohnung und stellte den Radio an und hörte nun die Geschichte von offizieller Seite. Für mich dachte ich: So schlimm kann es bis jetzt nicht gewesen sein. Ich lebe ja noch. Vorsichtshalber stellte ich das Nachttischlämpli ins Badzimmer, weil die Ventilation immer einschaltete, wenn man das Licht anzündete, weil ich in den Nachrichten hörte man sollte die Ventilationen ausschalten. Dann weckte ich die Kinder. Und weil ich am Radio nicht hörte, die Kinder zuhause zu lassen, schickte ich sie in die Schule. Dann legte ich mich hin, um mich vom Schrecken der Nacht zu erholen.

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    Ich wohnte damals in Ettingen. In dieser Nacht vertrug ich die BaZ wie immer. Zu Beginn war alles wie immer. Bald fiel mir auf: Kein Tram fährt mehr - komisch. Ich ging weiter von Briefkasten zu Briefkasten und warf die Zeigung ein. Plötzlich sah ich immer mehr Lichter in den Wohnungen und Häusern - sehr ungewöhnlich für einen Samstag. Ich schaute zurück und stellte fest, dass Menschen herausrannten, sich die Zeitung schnappten und wieder verschwanden. Einige hatten einen Schutz vor dem Mund - sehr ungewöhnlich - noch mehr - sehr beunruhigend. Ich machte weiter. Da hörte ich eine Sirene in einem Nachbardorf. Was ist da wohl passiert. Dann von einem anderen Dorf - dann noch von einem weiteren - dann von überall her. Nur in Ettingen bleiben die Sirenen still. Jetzt bekam ich echt angst. Ich versuchte jemand zu erwischen, der die Zeitung am Briefkasten holte - ohne Erfolg. Es wurde immer unheimlicher. Ich bekam es mit der Angst zu tun. Ich überlegte hin und her: Nach hause gehen oder weitermachen. Ich entschloss mich für's Weitermachen. Mir zitterten die Knie und der Atem stockte immer mehr. Die Hände gehorchten mir schlechter beim Einwerfen der Zeitungen. Endlich war ich fertig. Ich ging nach hause. Im Treppenaus öffnete eine Nachbarin die Türe. Entzetzt fragte sie mich: "Haben Sie die Zeitung vertragen?" - Ich: "Na klar! Wie immer!" Sie: "Jetzt sind sie wahrscheinlich vergiftet!" Ich schaute sie fragend an und dachte bei mir: Die ist nicht ganz bei Trost. Dann erzählte sie mir kurz, was sie wusste. Ich: "Ja dann hole ich noch schnell meine Rüelbi auf der Terasse." Sie: "Zu spät, die sind jetzt schon vergiftet." Ich ging in meine Wohnung und stellte den Radio an und hörte nun die Geschichte von offizieller Seite. Für mich dachte ich: So schlimm kann es bis jetzt nicht gewesen sein. Ich lebe ja noch. Vorsichtshalber stellte ich das Nachttischlämpli ins Badzimmer, weil die Ventilation immer einschaltete, wenn man das Licht anzündete, weil ich in den Nachrichten hörte man sollte die Ventilationen ausschalten. Dann weckte ich die Kinder. Und weil ich am Radio nicht hörte, die Kinder zuhause zu lassen, schickte ich sie in die Schule. Dann legte ich mich hin, um mich vom Schrecken der Nacht zu erholen.

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