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  • Tausend Blätter und kein Ende: Die Hysterie um das Lehrmittel «Mille feuilles»

    Es ist nichts Neues, dass ein Lehrmittel Anhänger und Gegner hat. Nur hat man damit bisher immer einen pragmatischen Umgang gepflegt: Wer mit einem Lehrmittel nichts anfangen konnte, hat es im Unterricht schlicht nicht verwendet, und niemand hat sich darüber aufgeregt. Nicht selten sind ganze Schulhausbestände von obligatorischen Lehrmitteln ungenutzt in den Materiallagern der Schulen verrottet. Entscheidend war am Schluss immer, ob die Kinder die Lernziele erreicht hatten. Das ist mit den neuen Fremdsprachenlehrmitteln plötzlich anders geworden: Zum ersten Mal überhaupt wurde in unserem Land auch von Schulleitungen massiver Druck auf Lehrpersonen ausgeübt, sich ohne Wenn und Aber der neue Didaktik zu unterwerfen - wer sich weigerte, dem drohte (und droht noch heute) der Entzug der Lehrberechtigung. Es kommt nicht von ungefähr, dass gerade in Baselland, das auch 1833 schon gezeigt hat, dass man sich nicht alles gefallen lässt, der Widerstand gegen diese autoritäre Bevormundung besonders gross ist. Dass im Zuge von Passepartout sämtliche früheren Fremdsprachenlehrmittel für untauglich und verboten erklärt wurden, entspricht einem Totalitarismus, wie man ihn historisch beispielsweise an der chinesischen Kulturrevolution studieren kann, den sich freiheitsliebende Menschen aber schlicht nicht bieten lassen dürfen. Es wäre selbst dann abzulehnen, wenn tatsächlich eine Mehrheit der damit unterrichtenden Lehrpersonen an diesen Lehrmitteln Gefallen fände (was weiterhin bestenfalls Spekulation ist). Was wir daher dringend brauchen, ist eine Ent-Dogmatisierung. Wer mit Mille feuilles unterrichten möchte, soll dies tun, aber wer dies nicht will, soll die Möglichkeit erhalten, andere Lehrmittel zu verwenden. Fremdsprachenunterricht hatte immer schon vier Ziele: Verstehen, sprechen, lesen und schreiben. Am Erreichen dieser Ziele ist jeder Fremdsprachenunterricht zu messen, und nicht daran, welche Lehrmittel zum Einsatz kommen. Wer hingegen die Passepartout-Lehrmittel weiterhin für alternativlos erklärt, spielt letztlich den Initiativen, die deren Verbot fordern, direkt in die Hände. Apropos: Ich selbst habe in den 1980er-Jahren Französisch gelernt, und zwar ausschliesslich in der Schule. Und obwohl das nun etliche Jahrzehnte her ist, ich nicht sonderlich sprachbegabt bin (innerhalb meiner Schulklasse war ich immer einer der schwächeren Französischschüler) und ich seither nie im französischsprachigen Raum gelebt habe, konnte ich letzte Woche feststellen, dass ich mich im französischen Jura ausgezeichnet mit den Einheimischen unterhalten konnte, obwohl mein Französischunterricht, glaubt man den Passepartout-Jüngern, ja damals katastrophal gewesen sein *muss*. Allerdings hatte ich im 6. Schuljahr 6 Lektionen Französisch pro Woche, und zumindest bis ins 9. Schuljahr ging es mit einer ähnlich hohen Intensität weiter. Vielleicht war dieses "Steinzeit-Rezept" (das in Osteuropa übrigens mit grossem Erfolg auch heute noch praktiziert wird) ja vielleicht sogar erfolgreicher als die heutige Frühfremd-Methode mit 2-3 Wochenlektionen, verteilt auf 6 Jahre.

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  • Das Baselbiet ist auf dem Weg zur Bildungsinsel

    Schlecht recherchiert. Die Initiative, die nur eine Fremdsprache auf der Primarstufe forderte, wurde vom Landrat abgelehnt. Somit wird auch zukünftig in Baselland Französisch ab der 3. und Englisch ab der 5. Klasse unterrichtet werden. Was mit dem Ausstieg aus Passepartout enden wird, ist aber die Ära, in der nur noch Fremdsprachenlehrmittel zugelassen sind, die der zumindest höchst fragwürdigen sogenannten «Didaktik der Mehrsprachigkeit» entsprechen. Damit wird es den Lehrerinnen und Lehrern zukünftig wieder erlaubt sein, eine Didaktik zu verwenden, in der Sprachstrukturen systematisch gelehrt und gelernt werden, in der man das Schwierige auf dem Einfachen aufbaut, in der man neues Wissen und neue Fertigkeiten durch Übung festigt, und die sich nicht der Illusion hingibt, man könne mit zwei Lektionen Fremdsprachenunterricht pro Woche, in welchen nur eine einzige Person die Sprache überhaupt sprechen kann, gleich vorgehen wie bei Kindern, welche ihre Muttersprache erlernen. Dies wird übrigens bereits heute mehrheitlich so praktiziert, in Baselland wie in den übrigen Kantonen. Der Landrat hat lediglich seine Zustimmung dazu gegeben, dass dies auch offiziell wieder erlaubt sein soll.

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  • Jetzt muss Gschwind den Marschhalt abbrechen

    Herr Erhard, wenn Sie Interesse haben, diskutiere ich das gerne einmal persönlich mit Ihnen. Da müssten Sie allerdings den ersten Schritt machen, denn wer sich hinter dem Namen Ulrich Erhard verbirgt, ist nicht so offensichtlich. Mich werden Sie finden....

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  • Jetzt muss Gschwind den Marschhalt abbrechen

    Das Nein zur Initiative "Lehrplan 21" (resp. das Bekenntnis zum Lehrplan 21 und zum Bildungsrat) ist allerdings sehr knapp ausgefallen - knapper noch als der Beitritt zu Harmos. Da ist schon eine gehörige Portion Skepsis vorhanden, wobei nicht klar ist, wie viel davon dem Bildungsrat und wie viel davon dem Lehrplan 21 zuzuschreiben ist. Allerdings hat der Bildungsrat ohnehin schon viel getan, um den Lehrplan 21 mit den basellandschaftlichen Verhältnissen kompatibel zu machen. Er wird auf der Sek I nach Niveaus differenziert werden und Jahrgangsziele aufweisen. Und auf der Unterstufe wird es eine Differenzierung zwischen Kindergarten einerseits und 1./2. SJ andererseits geben. Und wohl wegen dieser weitgehenden Anpassungen wurde die Initiative dann auch abgelehnt: Es gibt schlicht keinen Anlass mehr, warum der Landrat noch korrigierend eingreifen sollte. Übrigens: Warum ging die Sache in Basel-Stadt reibungslos über die Bühne? Weil man da von Anfang an alle Kritiker mundtot gemacht hat. Vorbildlich ist das für mich überhaupt nicht.

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  • Baselbieter Schule wird zum Spielball von Interessengruppen

    Frau Gschwind hat während des Wahlkampfs nie ein Hehl daraus gemacht, die Neuerungen der letzten Jahre kritisch hinterfragen zu wollen. Und dafür ist sie auch gewählt worden. Dieser Diskurs ist absolut notwendig. Denn ebenso, wie nicht alles, was "immer schon so war", gut ist, ist auch nicht alles automatisch gut, nur weil es neu ist. Diejenigen, die genau diesen Diskurs führen wollen, pauschal als "schreiende und heulende Bildungsexperten", über die sich "die Hühner vor Lachen" kugeln, zu diffamieren, zeugt nicht von Dialogbereitschaft.

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  • Baselbieter Schule wird zum Spielball von Interessengruppen

    Ich unterrichte zwar nicht an einer Sekundarschule, sondern an einem Gymnasium, aber da die Gymnasien ja zur Sek II gehören, wollen wir Sekundarlehrer von mir aus gelten lassen. Wenn Sie den von Ihnen zitierten Artikel zu Ende gelesen haben, haben Sie gesehen, dass wir Reto Furter, dem Gesamtprojektleiter Passepartout, angeboten haben, in der nächsten Ausgabe unseres Hefts im Rahmen einer Carte blanche seine Sicht der Dinge darzulegen. Erfreulicherweise hat Herr Furter das Angebot angenommen und einen Beitrag zugesagt (siehe S. 25, unterer gelber Kasten. Der Windows-PDF-Previewer verdeckt den Text leider schwarz, aber wenn Sie die Datei herunterladen und dann öffnen, können Sie es lesen). Wir sind durchaus an einer ausgewogenen Darstellung interessiert, erlauben uns aber trotzdem, eine eigene Meinung zu haben. Die Replik von Reto Furter werden wir aber auch dann veröffentlichen, wenn er dem, was Sie als Bedingung bezeichnen, von uns aber lediglich als Bitte formuliert wurde, nicht nachkommt und von einem "Sprachbad" oder von "Lernstrategien" redet und die Analyse von Felix Schmutz nicht gelesen hat. Bereits vor eineinhalb Jahren haben wir an unserer Delegiertenversammlung nebst zwei Gegnern auch zwei Befürworter der Mehrsprachendidaktik eingeladen. Dass die Befürworter, beide in höheren Positionen an der PH FHNW beschäftigt, sich nicht gerade überzeugend verkaufen konnten, kann man nicht uns anlasten. Zitiert wird in diesem Artikel übrigens genau einmal die BaZ und genau einmal die Berner Zeitung, und zudem wird erwähnt, dass der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern des Passepartout-Konzepts in der BaZ besonders heftig geführt wurde. Da scheint mir Ihr Vorwurf des einseitigen Zitierens doch etwas hoch gegriffen, zumal (wie gesagt) eine Darstellung aus anderer Sichtweise noch folgen wird. Bereits im ersten Abschnitt es Artikels wird auch erklärt, wer mit Claudine D. gemeint ist: Sie stellt ein Konglomerat aus rund zwei Dutzend Mitgliedern dar, die sich in ihrer Skespsis und Sorge rund um Passepartout an den LVB gewandt haben. Darunter waren ebenso Mitglieder, die an einer Primarschule unterrichten, wie Mitglieder, die an einer Sekundarschule tätig sind, und auch beide Geschlechter waren vertreten. So gesehen repräsentiert die Figur gleichermassen Frauen wie Männer, und letzten Endes mussten sich die Autoren für ein Geschlecht entscheiden. Hätten sie sich für einen Mann entschieden, wäre sicher der Vorwurf aufgekommen, sie würden eine Figur mit einer typischen Männersicht darstellen, obwohl doch die Mehrheit aller Lehrpersonen weiblich ist.

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  • Baselbieter Schule wird zum Spielball von Interessengruppen

    Herr Martinez, Sie werden spätestens nach unserer Delegiertenversammlung kommenden Mittwoch erkennen, dass wir die Sparmassnahmen im Bildungswesen keineswegs gutheissen. Wir vertreten aber gegenüber Frau Gschwind keine Schwarz-Weiss-Position. Ebenso, wie wir die Überprüfung der Reformen der letzten Jahre unterstützen, wenden wir uns gegen die von ihr vorangetriebenen Sparmassnahmen (vgl. Tageswoche-Artikel von Jeremias Schulthess, "Jungen Lehrern droht Entlassung, weil die Baselbieter Regierung spart"). Über die Hälfte unserer Mitglieder sind übrigens Primarlehrerinnen bzw. Primarlehrer, und wir sind uns durchaus bewusst, dass die Reformen der letzten Jahre von Primar- und Sekundarlehrkräften teilweise unterschiedlich beurteilt werden. Die notwendige Annäherung wird ein schwieriger Prozess, den man aber nicht dadurch von Anfang an unterbinden sollte, dass man die Welt in die "Guten" und die "Bösen" einteilt.

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