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  • Mobile Studenten machen noch lange keine Spitzenforschung

    Wie so oft in der Berichterstattung rund um die Probleme, welche die Annahme der MEI für die Schweizer Beteiligung an verschiedenen EU-Programmen gebracht hat, wird nur auf die universitäre Bildung eingegangen. Das ist zwar sicher der prestigeträchtigste Bereich unter den Betroffenen (zu denen neben dem Bildungs- und Forschungsbereich auch Kulturschaffende gehören, die am MEDIA-Programm beteiligt sind/waren) - aber eben inzwischen auch derjenige, der mehr oder weniger "gerettet" werden konnte. Keine Frage, Spitzenforschung und Studentenaustausch sind wichtig und es ist eine Schande für das Schweizer Bildungssystem, dass wir bei Erasmus (dessen Angebot im Übrigen auch über den klassischen "Studentenaustausch" weit hinausgeht) nicht mehr als Vollmitglied dabei sind. Ganz abgesehen davon, dass die Schweiz durch die fehlende Assoziierung jetzt nicht nur die "Outgoings" finanzieren muss, also die Schweizer Studierenden, die ins Ausland gehen, sondern zusätzlich die "Incomings" - europäische Studierende, die in die Schweiz kommen. Denn deren Herkunftsländer können einen Aufenthalt in der Schweiz aufgrund unseres Status als "Drittland" nicht über die EU-Gelder abrechnen. Das "Schweizer Geld" der Übergangslösung geht also überhaupt nicht, wie hier und da behauptet wurde, "wenigstens" vollumfänglich an Schweizer Studierende. Zurück zu den Bildungsstufen: Erasmus+ ist ein Programm, welches sich an alle Bildungsstufen richtet (wie man hier nachlesen kann: http://ec.europa.eu/programmes/erasmus-plus/index_de.htm). Es gibt Angebote für den tertiären Bereich, dazu zählt Erasmus; dazu kommen Programme für die Erwachsenenbildung, die Berufsbildung, die Schulbildung, den non-formalen Jugendbereich sowie für Sport. In all diesen Bereichen konnten Institutionen ab 2011 (seit die Schweiz Vollmitglied im Vorgängerprogramm "für lebenslanges Lernen" war) Fördergelder erhalten. All diese Bereiche sind genauso - in vielen Fällen wesentlich gravierender - vom Ausschluss der Schweiz aus Erasmus+ betroffen wie der tertiäre Bereich. In der ganzen Schweiz haben sich Bildungsinstitutionen aller Stufen in den vergangenen Jahren an europäischen Projekten beteiligt. Lehrende haben sich im Ausland weitergebildet, Schulen und Lehrbetriebe haben mit Partnern aus verschiedenen Ländern langfristige Projekte durchgeführt, haben sich gegenseitig besucht, Lehrlinge konnten sehen, wie ihre Berufsausbildung anderswo abläuft, Jugendorganisationen haben an internationalen Veranstaltungen teilgenommen, Ausbildner in der Erwachsenenbildung im Ausland ihre Kompetenzen ausgebaut. Das alles ist immernoch möglich, dank der Übergangslösung des Bundes. Aber die Schweiz kann nicht gleichberechtigt teilnehmen, und für die interessierten Institutionen ist die nötige Bürokratie noch komplizierter, die Anforderungen sind noch höher und die Bedingungen für eine Teilnahme noch zahlreicher geworden. 2011-13: drei Jahre, in denen alles getan wurde, um diese Programme in der Schweiz zu etablieren, es wurde Geld investiert und es wurde Knowhow aufgebaut, die Koordinationsteams haben sich mit den europäischen Kollegen vernetzt und immer stärker auch an der europaweiten Weiterentwicklung der Programme beteiligt. Als Erasmus+ vor der Tür stand, waren die Schweizer Projektträger als Partner sehr begehrt, weil sie als zuverlässig und gut organisiert gelten. Alle Beteiligten haben hart dafür gearbeitet, die Schweiz als Programmland so zu etablieren. Mit der Ausschluss aus Erasmus+ war diese Arbeit ein für alle Mal verloren, auch wenn es eine Übergangslösung gibt, denn diese funktioniert anders und die unglaublich wichtige Vernetzung der Teams mit den europäischen KollegInnen fällt weg, weil wir als Drittstaat nun einmal nicht dieselben Rechte haben wie als Vollmitglied. Der Ausschluss aus Erasmus+ hat in der Schweiz Dutzende Schulen, Lehrbetriebe, Erwachsenenbildungs-Institutionen, Jugendorganisationen und Berufsschulen genau so getroffen wie die Unis. Nur haben diese Bereiche keine so starke Lobby - statt dessen wurden die durchgeführten Projekte beanstandet, weil sie angeblich zu Erasmus gehören (was nie der Fall war und auf die Ähnlichkeit der Namen des Uni-Programms mit dem übergeordneten Programm Erasmus+ zurückzuführen ist), mit "Studentenaustausch" aber nichts zu tun haben. Die BaZ hat hier an vorderster Front mitgemischt und bis zum Schluss nicht locker gelassen, wie man hier nachlesen kann: http://bazonline.ch/schweiz/standard/ErasmusMillionen-fuer-kuriose-und-absurde-Projekte/story/30517182 - keines der in diesem Schmähstück erwähnten Projekte hat mit Erasmus, dem Uni-Programm, etwas zu tun. Es bleibt ein grosser Scherbenhaufen, viel verlorenes Geld, verlorene Jobs und verlorenes Knowhow, Projekte, die jetzt nicht zustande kommen können, weil der Löwenanteil des Geldes dafür verwendet wird, Erasmus zu retten. Es ist ein Trauerspiel.

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