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  • Die Entfesselung des Anton Kohler

    Abgesehen von der Entfesselung des Anton Kohler bleibt doch noch einmal, wie bereits letztes Jahr festzuhalten, welcher Wahnwitz die "Break the chain" Kampagne eigentlich ist. Rein theoretisch, könnte man meinen, klingt das alles absolut plausibel und intelligent: Alle vögeln einen Monat safe, und dann machen Alle schön einen Test, die dann immer noch krank sind, dürfen nicht mehr und die Anderen können dann ohne Gummi draufloslegen. Soweitsogut, das Problem ist bloss, das die Schweiz eben doch kein Bergdorf ist und der Hans-Peter nicht nur mit dem Ueli und ab und an mal an den Rudi rangeht, nein HIV ist und bleibt ein globales Phänomen, und die Schweiz ist, so sehr sich auch ein mancher Politiker nach dem Gegenteil sehnt, ein globalisiertes Land. HIV kann sich also niemals auf dem "Binnenmarkt" stoppen lassen. In diesem Verständnis ist keinem geholfen, einen Monat bewusst zu vögeln und danach einfach wieder unbedarft loszulegen. Der einzige wirksame Schutz ist ein bewusster und kontrollierter Umgang mit der eigenen Sexualität und all ihrer Risiken. Ich bin dieses Jahr vom Neuen erstaunt, wie viele homosexuelle Männer sich von der "Break the chain" Erscheinung anstecken lassen. Mit Maskottchen wie die eines Herrn Kohler werden homosexuelle Männer in eine Ecke gedrängt, derer sie durch gelebte Normalität in Freundeskreis und Beruf versucht haben zu entkommen, und für eine gesellschaftliche Akzeptanz zu werben. HIV ist zudem auch längst kein reines "Schwules" Thema mehr, die Entfesselung der Gesellschaft hat in einem beängstigenden Prozentsatz auch junge Frauen erreicht, die längst die am stärksten steigende Infizierungsrate aufweisen. Wieso aber das Bundesamt für Gesundheit eine Kampagne finanziert, die zu weiten Teilen homosexuelle Männer diskriminiert, vor allem unbedarften Jugendlichen falsche Sicherheiten vorgaukelt und HIV nachwievor auf die schwule Szene reduziert entzieht sich meinem Verständnis. Dass die Tageswoche dermassen unreflektiert über so eine, im Kern homophobe Kampagne berichtet, schockiert mich. Wie viele zahlreiche andere homosexuelle Männer stehe ich zu meiner Sexualität wie auch all die ganzen heterosexuellen Männer dort draussen, die nicht entfesselt über die letzte Nacht schwadronieren müssen, sie ist ein Stück Normalität & und ich bin froh und dankbar so leben zu dürfen. Kampagnen wie "Break the chain" fördern Vorurteile und versprechen falsche Sicherheiten. Artikel wie dieser erweisen der über Jahre erkämpften & gewachsenen gesellschaftlichen Akzeptanz einen Bärendienst.

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