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  • Tamara Funiciello: «Ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen»

    Tamaras Kritik tut weh, weil sie wahr ist. Wir alle sehen uns selber lieber als die Gerechten, die Korrekten, die Fehlerfreien (und falls wir Fehler hätten, würden wir Kritik natürlich liebend gerne entgegen nehmen!). Und wenn dann jemand kommt, und etwas anspricht, was falsch läuft und was wir bisher nicht erkannt haben - oder bewusst ignoriert haben - aber woran auch wir mitschuldig sind, im allerinnersten und privatesten Sinn unseres Lebens mitschuldig sind, dann passt das irgendwie so gar nicht zu unserem Selbstbild. Wir machen doch sowas nicht! Wir sind doch keine Sexisten! Darüber nachdenken, ernsthaft erwägen, ob die Person *gasp* Recht haben könnte und auch wir ein klitzekleines bisschen Unterdrückung ausüben? Aua, nein, das tut weh, dazu darf man uns nicht zwingen. Also muss die Kritik falsch sein. Vielleicht ist sie zu laut oder im falschen Medium oder enthält nicht die richtige empirische Quelle? Oder, noch einfacher, die Urheberin ist einfach doof und hässlich (wir alle wissen, dass hässliche Menschen noch nie recht hatten). Es würde sich eigentlich ganz bequem leben lassen, wenn wir unsere kognitive Dissonanz so wegerklären können und uns selber nicht hinterfragen müssten. Nur leider hört die Kritik nicht auf. Irgendwie wird es sogar immer mehr, immer mehr Frauen*, die sich wehren, die politisch etwas ändern wollen und laut sind, und diese unbequeme Selbstkritik anregen wollen. Und irgendwann sind es vielleicht sogar so viele, dass nur noch im Internet themenfremd die Quelle oder das Medium der Kritik belästert werden kann - statt das man sich ernsthaft mit dem Inhalt auseinandersetzt. Ich freue mich darauf.

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