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  • «Statt Armut bekämpft man heute die Armen»

    @ M.Müller Da muss ich Ihnen widersprechen! Es liegt nicht daran, dass "kapitalistisch aufs falsche Pferd" gesetzt wird, wenn keine (oder nur minimale) Rücklagen gebildet werden können (die dann in Krisenfällen auch schnell aufgebraucht sind), sondern vielmehr an der Höhe des Einkommens in vielen (handwerklichen und nicht akademischen) Berufsgruppen. Und ich schreibe nicht über Wirtschaft, ich beleuchte lediglich den Umgang der Wirtschaft mit seinen ArbeitnehmerInnen, die älter werden und allenfalls auch mal krank.

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  • «Statt Armut bekämpft man heute die Armen»

    Es spricht nichts dagegen, sogenannte „Sozialfirmen“ zu hinterfragen und deren Tätigkeiten und Finanzen kritisch zu beleuchten und zu diskutieren. Es ist auch nicht falsch, den Umgang mit den ihnen anvertrauten Menschen zu thematisieren und die Sinnhaftigkeit von arbeitsagogischen Massnahmen und Arbeitsabläufen in solchen Institutionen in Frage zu stellen. Aber es ist definitiv ein Fehler, dort stehen zu bleiben. Denn „Sozialfirmen“ sind nicht das eigentliche Problem, sondern lediglich der Versuch, viel gewichtigeren Fehlentwicklungen, die nicht nur in der Schweiz statt finden, etwas entgegen zu setzen. Eine dieser Fehlentwicklungen wurde in dieser Diskussion auch schon angesprochen: der erste Arbeitsmarkt spuckt „alte“ (ab 45 Jahren), kranke und nicht „ausreichend produktive“ ArbeitnehmerInnnen einfach aus, wenn er keine Verwendung mehr für sie hat. Im besseren Fall landen die Ausgespuckten im sozialen Netz, im schlechteren Fall müssen sie halt selber schauen (denn es werden bei weitem nicht alle von diesem Netz aufgefangen). Vielfach bedeutet das Ausgespuckt werden für die Betroffenen einen sozialen Abstieg und eine Gefährdung ihrer existentiellen Sicherheit. Und sie sind nun ArbeitnehmerInnen mit „erschwertem Zugang“ zum Arbeitsmarkt. Ein Ziel von Institutionen, die sich um diese Menschen bemühen, ist, diese wieder in diesen sogenannten ersten Markt zurück zu führen. Dass es dafür wiederum ein Netz von Institutionen und Firmen braucht, zeigt, wie krank das System an sich ist.

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  • «Die Unterschiede zwischen den IV-Gutachtern müssen kleiner werden»

    Danke Herr Nordmann! Die Ergebnisse der Studie bestätigen das Empfinden vieler Betroffenen, die eine stark divergierende Einschätzung ihrer Arbeitsfähigkeit als willkürlich emfinden und sich dadurch diskreditiert fühlen. Nicht selten wird eine solche Erfahrung zur Belastungsprobe und trägt zur Verschlechterung des Gesundheitszustands bei. Im Interview verorten Sie die Verantwortung für die Diskrepanz von Gutachten dort, wo sie hingehört, nämlich bei der Ausbildung von Ärzten, beim Fehlen von gültigen Kriterien für die Auslotung einer Arbeitsunfähigkeit für gewisse Krankheitsbilder sowie bei den Interessenkonflikten, die durch die direkte Vergütung der von der IV beauftragten Gutachter durch die IV bestehen.

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  • Fallpauschalen bescheren Spitälern wie befürchtet mehr Büroarbeit

    Nicht nur Ärzte und Ärztinnen realisieren die zunehmende Einflussnahme der Krankenkassen auf den Behandlungsverlauf ihrer PatientInnen - von Krankheit betroffene VersicherungsnehmerInnen sind seit Jahren mit den erwähnten Methoden der "restriktiven und schleppenden" Bearbeitung durch die Kassen konfrontiert. Natürlich ist es grundsätzlich nicht falsch, Behandlungsmethoden zu hinterfragen, aber es ist definitiv falsch, wenn die Versicherer dies tun! Für betroffene PatientInnen bedeutet die Einmischung der Krankenkassen in die Behandlungsfreiheit der Ärzte tatsächlich nicht selten eine Einschränkung ihrer Behandlung. Die Krankenkassen wissen genau, dass sowohl die Spital- als auch die HausärztInnen mit Pflichten überlastet sind und vertrauen darauf, dass die Hochschwelligkeit für ihre Dienstleistungen die Ärzteschaft an ihre Grenzen bringt. Anbetracht der astronomischen Kostensteigerung der Krankenkassen-prämien in den letzten 20 Jahren, sind sowohl die schikanösen Praktiken als auch Behandlungseinschränkungen durch die Kassen absolut verfehlt und inakzeptabel. Es besteht Handlungsbedarf.

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