SK
  • Urs Fischer – besser als sein Ruf

    Der FCB ist seit einem gefühlten Jahrhundert der dominierende Fussballverein der Schweiz - und gleichzeitig der mit den meisten Trainerwechseln. Der Trainerwechsel selbst ist zum wichtigsten Unterhaltungsfaktor geworden, wo doch die Meisterschaft meist schon nach den ersten 90 Minuten der Saison entschieden ist. Da ist doch wesentlich spannender die alljährliche Frage, wen die Clubleitung wohl als nächstes verheizt.

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  • Claude Pierre Salmony: Ein antiautoritärer Hörspielmacher geht in Pension

    Danke für diesen langen Einsatz für ein Medium, das leider immer weniger Gehör findet. Was mir bei Salmony gefällt, ist, dass seine Herangehensweise weniger studiert und weniger germanistisch wirkt, als dies bei der jüngeren Generation von Hörspielmachern der Fall ist. Zumindest eine Zeitlang hörte sich ein Hörspiel an wie die Vertonung eines Uni-Seminars über die Methodik der Dekonstruktion: Ineinandergeschobene und übereinandergestapelte Satzfetzen im Wechsel mit experimenteller Musik à la Heiner Goebbels. Bloss keine Narration, ja keine leicht verständliche Kost, Kunstform für Intellektuelle. Sinnliche und naturalistische auditive Elemente oder der (an Kino erinnernde) Einsatz von Musik sind (oder waren) verpönt. Ich glaube, dass das Hörspiel damit den Grossteil seiner Hörerinnen und Hörer mit Erfolg abgehängt hat. Vielleicht erfüllt sich ja die Hoffnung von Salmony und das Hörspiel findet wieder einen Weg zurück - möglicherweise aber über andere Kanäle als SRF 2.

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  • Das Kabarett-Duo Birkenmeier im Interview ohne Worte

    Ich würde diese überaus gelungene Idee mit dem sprachlosen Interview eher als Ergänzung zu, nicht als Konkurrenzierung von Birkenmeiers eigentlichem Programm werten. Insofern werden Birkenmeiers damit nicht reduziert, sondern erweitert!

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  • Heiliger Bimbam, was essen die Jungen gesund heute

    Sie sehen aus wie die wohlgeratenen Vorzeigekinder durchschnittlicher Tageswoche lesender Eltern. Ziemlich schweizerisch zudem. Wissenschaft geht anders. Aber beim Journalismus drückt man zwischen Weihnachten und Neujahr gerne mal beide Augen zu. Und Essen zieht immer. Aber ehrlich, wenn die Journalistin sich etwas mehr Mühe gemacht und nicht nur die Freundinnen und Freunde ihrer Tochter (unterstelle ich jetzt mal) befragt hätte, wäre das Buffet wohl etwas reichhaltiger ausgefallen - und es hätte auch dem Titel um einiges mehr entsprochen. Dass sich in diesem Alter fast alle mit veganem Lifestyle beschäftigen, ist zwar schön. Aber etwa so aussagekräftig, wie wenn man im Hirscheneck eine Umfrage gemacht hätte zum Thema "Was wählen die Jugendlichen heute?" Interessant ist trotzdem, wie sie argumentieren. Es muss nicht immer alles statistisch in Tabellen und Kuchengrafiken abgefüllt sein. Es zeigt doch immerhin, dass sich ein neues Bewusstsein ausbildet und Fragen des Essens gewisse ethische, eher noch als gesundheitliche Fragen aufwerfen, zumindest in einer gewissen Schicht.

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  • «Telebasel» schraubt am Programm: Der Sender talkt länger und zeigt mehr News

    Ich persönlich schaue oder höre nichts, dass unter 40 Minuten dauert. Denn darunter gibt es nur Information, darüber aber kann sich so etwas wie eine Erkenntnis einstellen. Sofern der Fragende nicht völlig ahnungslos und der Befragte komplett debil ist - was in der hiesigen Promi- und Journalistenszene allerdings durchaus vorkommen kann. Hey, Telebasel: Wollt ihr nur Fernsehen für Bettlägrige machen? Denn alle anderen haben sich, wenn sie am Abend nach Hause kommen und sich vor die Glotze oder den Computer schmeissen, den 20-Minuten-Newsjunkfood des Tages schon längst hinter sich. Die wollen sich entspannen bei einem langweiligen 45-minütigen Geplauder über die Verlegung von Tramschienen am Karl Barth-Platz, den neuen Katzenbaum im Tierheim oder das Bestuhlungskonzept beim Basel Tattoo. 11 Minuten reichen doch im Leben nicht aus, um den unermesslichen Schwachsinn der "Lex Therwil" zu ergründen! Macht endlich was Anständiges aus eurem lokalen Vorteil. Nichts interessiert die Menschen so sehr wie das, was bei ihnen um die Ecke passiert. Der Hundehaufen vor der Tür ist hundertmal interessanter als die Stadtpräsidentenwahl in Bern. Macht von mir aus ein Interview mit dem Hundehaufen, egal, aber lasst euch Zeit.

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  • Brian Wilson: Ein Schatten seiner selbst

    Das ist ein schönes Statement, vielen Dank! Brüchige Stimme, eingefrorene Mimik, apathisches Gebaren - das ist Brian Wilson 2016. Welcher Ozean an Gefühlen und Erinnerungen in ihm wogt, können wir als Aussenstehende gar nicht erahnen. Seine besten Songs mögen tausend Jahre alt sein - dass sie uns heute noch so berühren, grenzt an ein Wunder. Wollen wir es dem Fossil verübeln, dass es die Bühne nicht mehr rockt? Ich wünschte, ich hätte es gesehen...

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  • Nasser Frühsommer vermieste die Saison

    Ach... Wenn's mal irgendwo nicht läuft, dann liegt's bei gewissen Leuten immer gleich an fehlenden Parkplätzen. Erstens kenne ich im Kleinbasel keinen Strassenzug ohne Parkplätze. Zweitens ist auch das Kleinbasel von Tram und Bus erschlossen. Drittens gilt dasselbe auch für Quartiere und Gegenden ausserhalb Kleinbasels. Viertens darf man die öffentlichen Verkehrsmittel auch besoffen benutzen. Fünftens und sechstens und siebtens.

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  • Super Wetter und ganz schön was los dieses Wochenende in Basel

    Man höre auf, bei Temperaturen über 30° immer gleich hirnlos von Super- oder Traumwetter zu schwärmen. In Wirklichkeit, und für den überwiegenden Teil von Flora und Fauna, ist das ein Horrorwetter. Kreisläufe brechen zusammen, Melanome spriessen, Austrockung droht und die Tier- und Menschenwelt quält sich ozonmüde durch die Gegend. Wer nicht zu befürchten hat, dass auf seiner Festplatte irgendwas verbrutzeln könnte, knallt sich natürlich voll an die Sonne. Für den Rest heisst es: Rein in die gute Stube und ausharren, bis der Herbst kommt.

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  • Adieu patpatpat: Patrik Tschudin ist gestorben

    Das Studieren oder nur schon das aufmerksame Lesen von patpatpats Texten auf dem infamy-blog konnte bzw. könnte einem mindestens ein Jahr Journalistenschule sparen. Denn hier entstand die Recherche quasi exemplarisch vor den Augen der Leserschaft - und sie entwickelte sich stetig weiter. Manchmal, um in einer Sackgasse zu enden. Nicht selten aber wurde daraus eine richtig gute, hintergründige Story mit Tiefe und Humor. Oft dachte ich, dass dieser ausgebildete Geologe auch durch die Frankfurter Schule gegangen sein musste. Denn eine Kritik im aufgeklärtesten Sinn, ein klarer Blick für die Machtstrukturen, für die grossen Zusammenhänge, die sich gerade auch auf kleinstem (Basler) Raum zeigen - auch das war patpatpats Texten eigen. Und gerade diese Schulung bräuchten die Journalisten heute dringend. Ich habe Patrik Tschudin persönlich nicht gekannt. Ich finde es aber schrecklich und schade, dass es nicht mehr dazu kommt, dass er seine seltenen Fähigkeiten als Lehrer vermitteln kann - damit meine ich nicht das (sicher sehr nützliche) Fachwissen, sondern das Aufzeigen, wie man überhaupt zu Wissen kommt; das wiederum Basis für das Hinterfragen des Wissens selber ist. Möge das Netz seine zahlreichen Spuren, die er gelegt hat, noch lange für die Nachwelt bewahren!

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  • Synchronsprecher Elsholtz gestorben – Deutsche Stimme von Tom Hanks

    Meine Schwester erzählte mir einmal, dass sie Tom Hanks nie mochte - bis sie ihn einmal im Original hörte. Das mag jetzt etwas pietätlos sein, zeigt aber, wie wichtig gute Synchronisation ist. Mir persönlich hat die (synchronisierte) Stimme von Tom Hanks auch nicht gefallen, vielleicht aber gerade deshalb, weil sie zu passend war für dieses Cornflake-Gesicht. An der Arbeit von Elsholtz ist nichts auszusetzen, am Zustand der deutschen Synchro hingegen schon. In der letzten Zeit klingt praktisch alles so fürchterlich debil, als hätten dieselben Sprecher auch gleich noch die Auto- und Bier-Werbung, die vor dem Film läuft, gesprochen. Gute Synchronsprecher gehören nicht erst seit dem Ableben von Elsholtz zu einer aussterbenden Gattung. Die Feinheit und Qualität früherer Synchronarbeit (Wolfgang Draeger, Christian Brückner, Wolfgang Hess, Harald Juhnke, Peter Pesetti etc.) wird schon längst nicht mehr erreicht. Eigentlich schade, aber vielleicht auch eine Chance, aufs Original umzusteigen.

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