• Wie ein IV-Bezüger wegen eines Lächelns seine Rente verlor

    Es geht ja nicht darum, dass es gut ist, wenn Leute die Sozialversicherungen betrügen. Das ist natürlich schlecht und sollte im Rahmen eines liberalen Rechtstaates so weit wie möglich verhindert werden. Nun ist es aber eben so, dass es in eben so einem liberalen Rechtstaat niemals möglich ist, alle Vergehen zu verhindern, oder auch nur die allermeisten. Die grösstmögliche Aufklärung von Vergehen und Verbrechen aller Art gibt es in einem Polizeistaat rsp. einer Militärdiktatur. Eine liberale Demokratie muss notgedrungen davon ausgehen, dass eine gewisse Zahl von Vergehen nicht zu verhindern sind. Irgendjemand wird immer die Steuern hinterziehen, schwarzfahren, auf der Strasse gefährlich rasen, oder eben Sozialversicherungen u.ä. betrügen. Damit müssen wir leben, wenn wir keinen Polizeistaat wollen. Spannend nun einfach, und leider auch typisch für die Zeit, dass gerade gegen die Schwächsten der Gesellschaft Massnahmen ergriffen werden sollen, die so einen Polizeistaat partiell vorweg nehmen. Nicht dass die IV-Bezüger und Langzeitkranken das grösste Problem wären. Wieviel mehr Kosten verursachen da zu Beispiel Steuerhinterzieher oder Verkehrssünder (mit den zahlreichen und äusserst kostspieligen schweren Unfällen). Aber die echten oder vermeintlichen Sozialhilfebetrüger geben wunderbare Sündenböcke für unsere lieben Populisten ab. Man stelle sich doch mal vor, es würden ähnliche Überwachungsmassnahmen vorgeschlagen gegen Steuerhinterzieher oder Raser, was da für ein Aufschrei durchs Land ginge, ganz besonders bei unseren lieben "Patrioten" von der SVP und Co. So aber kann man sich wunderbar und ohne jedes Risiko über die Schwächsten der Gesellschaft aufregen und damit erst noch auf Stimmenfang gehen.

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  • Ob der «Mohrenkopf» mal rassistisch gemeint war oder nicht, ist heute völlig schnurz!

    Ich verstehe die Aufregung nicht. Natürlich verändert sich die Sprache, natürlich werden aus positiv oder neutral bewerteten Wörtern abschätzige und diese werden dann vielleicht wieder umgedeutet (wie zum Beispiel beim Wort schwul). Und natürlich passt man den Gebrauch der jeweiligen Bedeutung an, wie erwähnt: Wer würde heute seine Geliebte oder Angebetete oder Tochter als "Dirne" bezeichnen. Und die Umdeutung eines abschätzigen Wortes ist ausschliesslich den Betroffenen vorbehalten (wie wieder beim Wort schwul deutlich geschehen). Also was soll die Aufregung? Sprache ändert sich und wir uns vielleicht ja auch... Was ich hingegen nicht verstehe: Warum setzt sich die Tageswoche in diesem Falle für eine korrekte und auch bewusst angewandte Sprache ein, lässt aber vor kurzem ihren Kolumnisten den Gebrauch des Wortes "Hurensohn" ausführlich verteidigen, obschon dieses Wort einerseits die Angehörigen einer Berufsgruppe, andererseits sexuell aktive Frauen allgemein und vor allem auch deren Kinder beleidigt (insbesondere wenn diese sogar noch mit SVP-Politkern gleichgesetzt werden...)? Wir da mit zwei Ellen gemessen? Dürfen vermeintliche "gansta" politisch unkorrekt und diskriminierend sein, solange es nicht um andere Nationalitäten sondern nur um bestimmte Frauen geht? Der TW würde hier ein konsequentes Auftreten gut anstehen, sonst macht sie sich unglaubwürdig!

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  • Knackeboul und die Hurensöhne

    Was für eine seltsame Argumentation: Nur weil sexuell ausgerichtete Schimpfwörter in gewissen Szenen üblich sind (und oft auch allgemein mainstream), ist es ok, sie zu benützen. Und das schreibt jemand, der die Sprache als sein Medium auserwählt hat. Und eine (vermeintlich gesellschaftskritische) Zeitung lässt es durchgehen. Ich kenne die angesprochene Hip Hop-Szene recht gut und weiss. dass dort nicht nur gerne von Motherfuckern etc gesprochen wird, sondern dass dort auch gerne sexuell aktive Frauen als "Schlampen" oder "bitches" bezeichnet werden. Ist das dann auch ok, wenn es ja in der hip hop-Szene so üblich ist? Und wenn es ein Schimpfwort sozusagen adelt rsp. unbedenklich macht, wenn die meisten es benützen (wie Knackeboul behauptet), dann war es früher nie ein Problem, Schwarze als "Nigger" oder "Neger" zu bezeichnen, da es ja fast alle taten. Fact ist: Hurensohn ist ein extrem diskriminierendes (und sexuelles und sexistisches) Schimpfwort, egal wieviele Leute es oft benützen. Es sagt sehr viel aus über die Einstellung der Benützer zur Sexualität (nicht umsonst ist das vom Autor auch zur Rechtfertigung verwendetet "hueregeil" ganz besonders in der katholischen Innerschweiz so geläufig und gesellschaftsfähig). Vor alles aber diskriminiert es aufs Schlimmste alle Prostituierten und deren Kinder. Wie die sich wohl jedesmal fühlen, wenn sie dieses Schimpfwort hören? Von Knackeboul hatte ich nicht viel mehr erwartet. Seine Kommentare glänzen doch zu oft von grenzenloser Belanglosigkeit und intellektueller Selbstgerechtigkeit und Selbstüberschätzung. Aber ich bin schlichtweg fassungslos, dass die Tageswoche so etwas durchlässt. Sexistische und diskriminierende Schimpfwörter werden in einer linken oder linksliberalen Zeitung geadelt. Ich überlege mir echt, wie lange ich das noch als Abonnent unterstützen soll.

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