Pano Corrupt

Panorama-Fotografie war einst sehr aufwändig und ist durch die Digitaltechnik, komplexe Berechnungsprogramme und jederzeit verfügbare Handy-Kameras Alltag geworden. Wirklich spannende Bilder entstehen aber, wenn bewusst Fehler eingebaut werden.

BMX-Radveranstaltung auf dem Schänzli-Areal, Muttenz. Innen wird aussen, gerade wird gebogen. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Kannenfeldpark, neue Spielanlage. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Pressekonferenz zu den Jugendunruhen ReVolta. (Bild: Peter Sennhauser)

Mit einer Spezialkamera mit auf Trommel aufgespanntem Film und einem Motor, welcher den Verschlussschlitz einmal 360 Grad im Kreis um den Filmhalter rotieren liess, wurden noch vor 15 Jahren Panoramaaufnahmen fotografiert. Hans-Jörg Walter hat solche aufwändigen Prozesse für «Multimedia-CDs» damals noch abgewickelt – in tagelanger Arbeit und nächtelangen Rendering-Prozessen an den Computern.

Heute lässt sich mit der Gratis-App Photosynth von Microsoft und mit jedem iPhone binnen Minuten ein Kugel-Panorama anfertigen: Lagesensoren und Leistungsfähige Prozessoren in solchen Kleingeräten machen es möglich. Dazu wird einfach an einem Standort eine ganze Serie von Fotos aufgenommen, die Photosynth danach zu einem Pano zusammenrechnet.

Nach dem dritten Pano werden diese Ansichten aber mehr oder weniger langweilig. Und nachdem er festgestellt hat, dass das Programm beim «Stitching», dem Zusammenfügen der Bilder im iPhone, gelegentlich Fehler macht und dabei recht spannende Effekte entstehen, hat Hans-Jörg Walter angefangen, diesen Effekt zu provozieren. Zum Beispiel, indem er ein Panorama in einem Gebäude angefangen, dann aber draussen im Garten fortgesetzt hat: Die Software versucht, dasraus eine Rundum-Ansicht herzustellen und kann dabei den Standortwechsel des Fotografen nicht erkennen.

Es entstehen Fotografien, die eines MC Escher wüdig wären: Vexierbilder, in denen drinnen nicht mehr von draussen zu unterscheiden ist; Lücken und Löcher im Raum, als ob die grauen Männer aus der Unendlichen Geschichte am Werk gewesen wären und Flächen, die in sich selber verbogen sind.

Konversation

  1. Kalite, die Bildgrösse ist hier auf die Breite der Spalten optimiert, die Bilder moderat komprimiert. Wir haben ein Interesse daran,
    a) die Bilder so leicht wie möglich zu halten, um den Seitenaufbau nicht zu bremsen. Die Bildqualität ist demgemäss nicht schlecht, solange Du die Bilder nicht über die gezeigte Grösse hinaus aufblasen willst.

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  2. Finde ich immer grossartig, wenn die Profis nicht einfach aufgeben, wenn ihr Handwerk technologisch zum Volkssport gemacht wird, sondern weiter tüfteln. Am Anfang war WYSIWYG und all die Speisekarten mit sieben verschiedenen Fonts und falschem Kerning. Und heute eben die Effektfotografie. Dass dabei jedes Gestaltungsmittel auch wieder neue Wege erschliesst, ist spannend. Tolle Bilder. Jetzt warte ich darauf, dass jemand mit Tilt Shift was ähnlich geniales anstellt.

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  3. Sehr schade, dass die Qualität (d.h. die Auflösung oder was es auch immer ist, was dafür verantwortlich ist) der Bilder hier auf tageswoche.ch so schlecht ist. Habt ihr zuwenig Speicherplatz zur Verfügung oder was ist der Grund??

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