Jeder Kunde trägt Verantwortung

Es ist zu einfach, mit dem Finger auf Unternehmen wie Uber zu zeigen. Wer immer alles günstig will, untergräbt die Rechte der Angestellten.

Handsome man on bicycle using smartphone

(Bild: istock/Montage: Nils Fisch)

Es ist zu einfach, mit dem Finger auf Unternehmen wie Uber zu zeigen. Wer immer alles günstig will, untergräbt die Rechte der Angestellten.

Die Arbeitswelt verändert sich gerade massiv. Sichtbar wird der Kampf zwischen Arbeitnehmerschutz und Arbeitgeberfreiheit aktuell auf der politischen Bühne: Gewerkschaften fordern einen Stopp von Geschäfts-E-Mails in der Freizeit, während 104 Parlamentarier das Arbeitsgesetz aufweichen und etwa Sonntagsarbeit daheim von der Bewilligungspflicht befreien wollen.

Weniger sichtbar ist eine Entwicklung, die von der Digitalisierung befördert wird. Sie manifestiert sich in Angeboten wie demjenigen des Fahrdienstes Uber. Statt wie bisher Menschen anzustellen, ihnen regelmässig Lohn zu bezahlen und ihnen klare Aufgaben und Rechte zuzugestehen, gibt Uber den Leuten nur die Möglichkeit, als Selbstständige ein kleines Einkommen zu generieren, das etwa die persönlichen Kosten deckt. Das behauptet jedenfalls Uber. Die Verurteilungen der Fahrer wegen gewerbsmässigen Personentransports ohne Bewilligung zeigen ein anderes Bild.

Wir können nicht nach dem «immer günstig»-Prinzip Leistungen verlangen und dann über die Methoden von Uber & Co. schimpfen.

Auch wenn Uber nun zurückgepfiffen wird, ist die Entwicklung doch eingeleitet. Sie geht weg vom traditionellen und festen Anstellungsverhältnis zu einer flexiblen, eigenständigen und den Bedürfnissen der Kunden angepassten Dienstleistungsbereitschaft. Uns Kunden kommt dabei – neben den Unternehmen und der Politik – eine besondere Verantwortung zu. Wir können nicht nach dem «immer günstig, Hauptsache ich profitiere»-Prinzip Leistungen verlangen, konsumieren und uns danach über die Vorgehensweise von Uber & Co. beschweren. 

Wenn wir nicht bereit sind, für eine Leistung einen adäquaten Preis zu bezahlen, wird die Leistung entweder schlechter oder der Leistungserbringer schlechter bezahlt und behandelt. Wenn wir als Arbeitnehmende also geschützt bleiben wollen, dann müssen wir als Kunden unsere Verantwortung wahrnehmen und nicht jedem Angebot und Schnäppchen nachrennen.

Konversation

  1. @Christian Degen
    wie recht Sie haben, aber wie Sie wahrscheinlich selber besser wissen ist das illusorisch.

    Geiz ist geil ist leider nicht ein Spruch aus vergangenen Zeiten, er begleitet uns auf Schritt und Tritt.

    Uber Passagiere schwärmen von diesem Service, Einkaufstouristen die sich scharenweise nach Weil kutschieren lassen, erzählen voller Stolz von den Schnäppchen die sie gemacht haben.

    Die Ego Mentalität hat uns alle fest im Griff, ob der Nachbar der bei der Post arbeitet oder ein Taxi fährt, oder in der Migros an der Kasse sitzt… etc. ja ob der genug verdient um sein Leben zu bestreiten interessiert uns nicht, na ja vielleicht erst dann wenn man selber die Erfahrung machen muss dass man den Job verliert oder immer weniger verdient…

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