Migration: eine Riesenchance für die Schweiz

Die SVP sorgt sich mal wieder um den Erhalt von Schweizer Traditionen. Doch wie wir unsere Werte wirklich erfolgreich leben können, zeigt unsere Nationalmannschaft mit Eingeborenen und Eingebürgerten.

(140615) -- BRASILIA, June 15, 2014 (Xinhua) -- Switzerland's Xherdan Shaqiri (1st R) runs with the ball during a Group E match between Switzerland and Ecuador of 2014 FIFA World Cup at the Estadio Nacional Stadium in Brasilia, capital of Brazil, June 15, 2014. Switzerland won 2-1 over Ecuador on Sunday. (Xinhua/Li Ming)(rh)

(Bild: LI MING)

Die SVP sorgt sich mal wieder um den Erhalt von Schweizer Traditionen. Doch wie wir unsere Werte wirklich erfolgreich leben können, zeigt unsere Nationalmannschaft mit Eingeborenen und Eingebürgerten.

Die SVP ist nach der deftigen Abstimmungsniederlage im Zugzwang. Ihre Mitglieder überbieten sich deshalb mit Vorstössen und Forderungen. An vorderster Front dabei sind zwei SVP-Nationalrätinnen:

Mit ihrer Anfrage an den Bundesrat, hat die Aargauerin Sylvia Flückiger ihre Sorge um die Bedrohung der Schweiz durch vermeintlich fremde (weil muslimische) Derwisch-Tänze bei der Gotthard-Eröffnung ausgedrückt. Und die Baselbieterin Sandra Sollberger möchte die Tradition des Handschlags in der Schule vom Bund absichern lassen.

Diese Anliegen, aus Angst um die nationale Kultur und dem Verlust des landestypischen sozialen Verhaltens vorgebracht, sind anscheinend sinnstiftend für die SVP als Ganzes. Und die nächsten Ideen, wie man die Ängste vor dem Ausverkauf der Heimat schüren kann, sind vermutlich schon in der Pipeline. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Pflicht zum Absingen der Nationalhymne im Kindergarten, zwangsweise Namensänderungen auf Meier, Brunner oder Müller bei Einbürgerungen oder für den Vorrang von Schweizer Produkten in den Regalen von Coop und Migros? Wichtig wäre auch die Unterscheidung zwischen echten Schweizern und bloss eingebürgerten – vor allem bei denjenigen, die sich nicht dauernd und deutlich zur Schweiz bekennen?

An der Fussball-Europameisterschaft werden wir unsere Landesauswahl mit eingebürgerten Migranten, Secondos oder Drittgeneratiönlern anfeuern. Und wir werden die Schweizer im Team Albaniens am Samstag verbal ausbürgern, weil sie sich ja gegen uns entschieden haben.

Das ist natürlich alles Quatsch, und das weiss auch die SVP: Migration ist eine Riesenchance für eine Schweiz, deren Gesellschaft zunehmend überaltert. Und nichts anderes zeigt unser Nationalteam: Wenn man Menschen konsequent fördert, statt an ihrer Bildung zu sparen, werden sie zu Hoffnungsträgern für ein ganzes Land. 

Konversation

  1. Kurz bevor die Schweiz sich in eine fundamentalistische Sekte verwandelt, ziehe ich hier aus!
    Solche Fundamentalismen haben oft eine Paradiesphantasie (wie schon damals bei den alten Helvetiern, die Cäsar (nein, nicht der Hund!) deswegen wieder heimschicken musste. Das ist dann meist irgendwie letal.
    (Auch das „Reduit“ wäre letal gewesen auf Dauer.)

    Frage: Könnte es sein, dass die Bezeichnung „Schweizer“ für den Betreffenden heute eher schädliche Auswirkungen hat auf seinen Geist?
    (Früher war es ja eine Berufsbezeichnung.)

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  2. Gegend en erfolgreich integrierten und erfolgreichen Fussballer hat ja niemand was. Auch nicht gegen die Albanische Familie an der Hauptstrasse, deren Kinder zur Schule gehen und die kaum auffällt. Wenn man aber die vielen sinnlosen Gewalttaten und Überfälle anschaut, alleine die letzten Tage in Basel – dann sieht man eben auch die andere Seite von Brutalität und Skrupellosigkeit. Leider sind bei vielen dieser Taten Kriminaltouristen oder Solche mit Migrationshintergrund beteiligt- Und darauf können wir getrost verzichten.

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  3. Offenbar scheint es der SVP-Führung nur recht zu sein, wenn sich einzelne Lakaien wie Flückiger, Sollberger oder Köppel für die Partei lächerlich machen. Alle 3 sind Besitzer ihrer eigenen Firma, also geniessen sie schon alleine deshalb – niemand kann sie feuern – Narrenfreiheit. Und jemand muss schliesslich die dumbe und bildungsferne Klientel mit populistischem und hirnlosem Gehabe bei Laune halten. Sollberger trat gar im SVP-Klamuauk-Video zur Asyldebatte mit blonder Perücke auf. Dieses Video scheint der SVP im Nachhinein allerdings so peinlich zu sein, dass es aus allen Kanälen entfernt oder als Privat dekalariert wurde.

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  4. Ach herrjeh. Niemand bezweifelt, was Sie hier anhand von Fussballern ausführen. Aber es geht um die schiere Menge, in kürzester Zeit, und für die allermeisten Neu-Migranten wird das ein Leben in Perspektive- und Trostlosigkeit. Das sollte in Ihrem verfrühten Torjubel nicht untergehen.

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