«Die Gegner haben keine substanziellen Argumente gegen den Park»

In wenigen Tagen weiss Donald Jacob, ob er seinen Central Park beim Bahnhof SBB aufgeben muss oder nicht. Der Initiant des Projektes hatte es nicht einfach im Abstimmungskampf. Im Interview kritisiert er seine Gegner und Berufskollegen.

Die Vision von Donald Jacob: Der Landschaftsarchitekt kämpft seit Jahren für eine Überdachung der Gleise beim Bahnhof SBB. (Bild: ZVG)

In wenigen Tagen weiss Donald Jacob, ob er seinen Central Park beim Bahnhof SBB aufgeben muss oder nicht. Der Initiant des Projektes hatte es nicht einfach im Abstimmungskampf. Im Interview kritisiert er seine Gegner und Berufskollegen.

Der Abstimmungskampf um den Central Park Basel scheint seine Spuren bei Donald Jacob hinterlassen zu haben. Der Landschaftsarchitekt wirkt müde, der Kampf gegen die vielen Gegner des Central Park hat an seinen Kräften gezerrt. Im Interview erklärt Jacob, wie er den Abstimmungskampf erlebt hat – und er übt harte Kritik an der Verwaltung und seinen Berufskollegen.

Herr Jacob, am Sonntag wissen Sie, ob das Volk den Central Park will oder nicht. Sind Sie nervös?

Ein bisschen schon. Der Abstimmungskampf war ja auch wie ein Krimi – ein auf und ab.

Hatten Sie es sich einfacher vorgestellt?

Nein, zumal die Verwaltung das Projekt schon seit acht Jahren torpediert. Es stammt schliesslich nicht aus ihrer Küche. Ich fand es bedenklich, wie falsch die Bevölkerung über das Projekt informiert wurde. Es gab keine ausgewogene Berichterstattung. Die Sachlichkeit fehlte. Ein paar Menschen sagten mir, als sie unser Modell gesehen hatten: «Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich Ja gestimmt. Jetzt hab ich aber bereits ein Nein in die Urne gelegt.» Das finde ich eine Katastrophe. Da muss ich die Informationspolitik des Abstimmungsbüchleins schon hinterfragen.

Es wäre an Ihnen gewesen, die Bevölkerung richtig zu informieren.

Wir haben transparent informiert mit unserem Modell. Wir hatten aber nicht grosse finanzielle Mittel für Plakate. Es standen uns nur etwa 10 000 Franken zur Verfügung. Damit konnten wir nur 100 Plakate drucken. Aber wenn in der BaZ eine Gegenkampagne gegen das Projekt läuft, dann hat das schon Gewicht. Das verunsichert die Leute. Und es ist stossend, dass im Abstimmungsbüchlein mit keinem Wort erwähnt wird, dass die SBB eine Unterführung planen. Wir wissen aus gut unterrichteter Quelle, dass die Planungsgrundlage für die Unterführung mit Shoppville bereit liegt und man bei den SBB nur darauf wartet, bis die Abstimmung vorbei ist. Die Bevölkerung sollte doch wissen, was die Alternative zum Central Park ist. Dass man diese Informationen bei der Verwaltung zurückhält, finde ich schon eigenartig in einer Demokratie.

«Der Abstimmungskampf war wie ein Krimi – ein auf und ab.»

Sie mussten im Abstimmungskampf permanent die Fakten der Gegner widerlegen. Ihre Idee konnten Sie kaum vorstellen. War dies frustrierend?

Ich kenne es gar nicht anders. Das ist seit acht Jahren schon so. Die Kampagne gegen den Central Park war polemisch. Die Gegner hatten keine Fakten. Sie argumentierten nur mit Behauptungen, die haltlos sind. So meinten sie, dass das Projekt 300 bis 500 Millionen Franken koste, obwohl sie unsere Kostenschätzung seit Monaten im Besitz hatten. Diese Zahl ist aus der Luft gegriffen. Wir haben eine grobe Kostenschätzung von einem unabhängigen externen Büro erstellen lassen, wie man es bei Vorprojekten üblicherweise macht: Das Projekt kostet zwischen 80 bis 120 Millionen für den Parkbereich.

Erschwerend kommt wohl hinzu, dass sich auch Ihre Berufskollegen öffentlich gegen das Projekt wehrten.

Die Kritik einiger Architekten habe ich lächerlich gefunden. Es war unglaublich, was Christoph Gantenbein oder Jacques Herzog behaupteten. Das kann ich nicht ernst nehmen, zumal ihre Behauptungen ohne Hand und Fuss sind und sie Partikularinteressen haben.

Sie boten Ihren Gegnern mit den Visualisierungen vom Central Park viel Angriffsfläche. Diese behaupteten immer wieder, so könne man das nicht machen. Haben Sie sich mit den Visualisierungen selber ein Ei gelegt?

Im Gegenteil. Die Leute müssen sich doch vorstellen können, wie das Projekt in etwa aussehen könnte. Ausserdem sind wir planerisch erst auf Stufe Vorprojekt. Details folgen später. Es geht jetzt um den Grundsatzentscheid, ob man einen Park will oder eine Unterführung, die mehr kosten wird. Es geht um den öffentlichen Raum und wie wir ihn nutzen wollen. Es ist unglaublich, wie extrem die Gegner bereits auf den Details herumreiten – diese regelrecht suchen. Es scheint, als hätten sie sonst keine substanziellen Argumente gegen den Park.

Aber mit einer Überführung würde man sich doch langfristig alle Optionen verbauen. Mit einer Unterführung hingegen nicht.

Es wird dadurch nichts verhindert. Unser Projekt ist einfach zu realisieren und schafft einen Mehrwert. In einem Planungsprozess arbeitet man ja mit den verschiedenen Partnern zusammen. Unser Projekt würde sich denn auch den Entwicklungen der SBB anpassen. Deshalb ist das Argument falsch. Und die Behauptung, das Projekt würde das Herzstück verhindern, ist schlicht unwahr. Dann hätte man zum Beispiel kein Shopville in Zürich bauen können. Zudem ist unklar, ob das Herzstück kommt – und wenn, dann ist dies erst in 20 oder 30 Jahren der Fall. Ich sehe keinen Grund, weshalb man so lange auf ein Projekt warten sollte, das noch in den Sternen steht.

«Es ist unglaublich, wie extrem die Gegner auf den Details herumreiten – diese regelrecht suchen.»

Wäre es nicht besser gewesen, wenn man im Vorhinein abgeklärt hätte, ob das Projekt überhaupt umsetzbar ist?

Die Initiative wurde von der Staatskanzlei und vom Grossen Rat für gültig erklärt. Wäre das Projekt nicht umsetzbar, hätte man die Initiative für ungültig erklären müssen. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass die SBB ein Staatsbetrieb sind und primär die Aufgabe haben, eine gute Dienstleistung für das Volk zu erbringen. Und schlussendlich gehören die SBB der Bevölkerung. Wenn die Bevölkerung das Projekt will, sollte dem nichts im Wege stehen.

Wie lautet Ihre Prognose für den Sonntag?

Ich habe ein gutes Gefühl. Auch wenn die Kampagne der Gegner einige Leute verunsichert und somit ihr Ziel erreicht hat. Doch die Leute, die das Projekt gut finden, müssen einfach wirklich abstimmen gehen. 

Und wenn es ein Nein gibt: Was machen Sie dann? Sie haben immerhin jahrelang für das Projekt gekämpft.

Der Central Park ist meine grosse Leidenschaft, aber nicht mein einziges Projekt. Und es wird weitergehen damit. Die Vision würde bei einem Nein nicht vernichtet, die Idee würde bestehen bleiben. So wurden wir als Gastredner nach München eingeladen, um das Projekt vorzustellen. Der Central Park weckt grosses Interesse ausserhalb – und es wäre schade, wenn er nicht realisiert werden könnte in Basel. 

Konversation

  1. Mag ja sein, dass die Informationspolitik nicht gut war, mag auch sein, dass dieses Projekt ästhetisch und einen Mehrwert für die Quartieranbindung bedeutet. Aber wenn sich die Grundeigentümerin, die SBB, gegen ein solches Projekt ausspricht, bliebe als Mittel zur Umsetzung nur die Enteignung durch den Staat. Die Initianten sind also vielleicht jene, die Menschen in die Irre führen, weil sie einen verfassungsrechtlichen Umstand negieren,nämlich jenen des Eigentumsschutz.

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  2. Ja, die Idee an sich wirkt auf den ersten Blick sympatisch: es könnte ein Erholungsraum mitten in der Stadt enstehen. Wer wäre da nicht dafür…
    Aber, Beispiele von überdachten Bahnflächen, die nicht erst in netten Visualisierungen dastehen, sehen meiner Ansicht nach gar nicht mehr so attrativ aus. Ein ein eindrückliches Beispiel ist der längst gebaute Bahnhof von Oviedo (Asturien); ein gewaltiges Gleisfeld überdacht mit einer Plaza, man fühlt sich auf dem grossen, leeren, wenig attrakiven Platz, als Fussgämger verloren, trotz einiger Rabatten und Bäume. Darunter ein dunkler Bahnhof den man schnell wieder verlassen will. Die ganze hallenartige Konstruktion zerschneidet die Stand wohl mehr, als das ursprüngliche Geleisfeld.

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