«Ich lasse mich nicht zum Sklaven machen»

Gemäss Regierungsrat sollen in Basel künftig drei Sonntagsverkäufe pro Jahr bewilligungsfrei durchgeführt werden können. Beat Lehmann, Goldschmied am Spalenberg, hält nichts davon.

Das Schaufenster von Beat Lehmanns Geschäft am Spalenberg. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Gemäss Regierungsrat sollen in Basel künftig drei Sonntagsverkäufe pro Jahr bewilligungsfrei durchgeführt werden können. Beat Lehmann, Goldschmied am Spalenberg, hält nichts davon.

Beat Lehmann, werden Sie am Sonntag Ihr Geschäft öffnen?

Nein. Von der Vereinigung «Projekt Spalenberg» wurden zwar alle hier ansässigen Ladeninhaber schriftlich gebeten, mitzumachen und «die pinken Teppiche vor die Geschäfte» zu legen. Aber in diesem Fall bleibe ich stur, am Sonntag ist bei uns geschlossen.

Weshalb? Lassen Sie sich so nicht gute Umsätze entgehen?

Das mag sein. Aber ich finde einfach, wir brauchen die freien Tage. Erholung ist mir wichtig, ich will nicht eines ­Tages an Burn-out erkranken. Ich lasse mich nicht versklaven.

Ist Ihre Haltung noch zeitgemäss? Das Gedränge an den bisherigen Sonntagsverkäufen zeigt, dass das Bedürfnis danach gross ist.

Ob das nun zeitgemäss ist oder nicht, den Konsumenten würde eine Kaufpause ebenfalls gut tun. Dass Shopping für immer mehr Menschen das einzige Erlebnis ist, kann ich nicht nachvollziehen. Das ist doch traurig.

Machen Sie sich keine Sorgen, in Ihrer Nachbarschaft als Querulant zu gelten?

Doch, was unseren Zusammenhalt ­betrifft, fällt mir die Entscheidung nicht so leicht. Besonders nach diesem Brief. Aber ich beteilige mich lieber an den Kosten für eine schöne Weihnachts­beleuchtung, das finde ich wichtiger als Sonntagsverkäufe. Die Dienstleistung am Kunden können wir auch anders pflegen, besonders wir Kleinen. Wenn ein Kunde nur ausserhalb der Öffnungszeiten kommen kann, bin ich selbstverständlich flexibel.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 09/12/11

Konversation

  1. @Kulturbetrachter: vermutlich stimmt es eben nicht, dass die vielen Sonntags-Käufer ihr Geld sonst ganz einfach an anderen Tagen ausgeben würden. Der kollektive sonntägliche Konsumrausch, ohne Zeitdruck zwischen Feierabend und Ladenschluss, (ver-)führt ganz offensichtlich zu mehr Umsatz. Dass nicht wirklich mehr Geld zur Verfügung steht, scheint niemand zu stören: „heute kaufen, in 6 Monaten bezahlen“ macht’s möglich …

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. Nur weil die Woche auf sieben Einkaufstage aufgebläht wird, bedeutet es noch lange nicht, dass den Kunden mehr Geld zur Verfügung steht. Gerade die kleinen Fachgeschäfte haben ihre Stammkundschaft, welche den Geschäftsinhabern oft persönlich bekannt ist. Dieser Kunde, benötigt bestimmt nicht den Sonntag um seine Einkäufe dort zu erledigen. Besinnlich nennt man die Zeit vor Weihnachten. Eine Phrase, wenn man sieht, wie gehetzt die Menschen über Weihnachtsmärkte laufen. Ungeduldige Blicke schweifen schnell über die Auslage, von Weihnachtsstimmung keine Rede, aber man war noch einen Tag länger auf Achse um die innere Leere zu betäuben. Frohes Fest!

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  3. Es zwingt den Herrn Lehmann niemand, am Sonntag zu öffnen. Offensichtlich besteht jedoch ein Bedürfnis und will er dieses als Unternehmer nicht befriedigen, soll er nicht lamentieren und das Konsumverhalten der Leute respektieren. Ich stimme zwar mit ihm überein, dass eine Kaufpause den meisten Leuten gut tut, finde es jedoch bedenklich, ihnen vorzuschreiben wann diese zu sein hat. Es sei zudem angemerkt, dass es hier um drei (!) Sonntagsverkäufe geht, wovon zwei vor Weihnachten stattfinden, was den meisten Läden wohl gute Umsätze generiert (und wiederum ermöglicht, an verkaufsschwachen Tagen zu ruhen).

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (7)

Nächster Artikel