«Ich weiss jetzt, dass mein Körper nicht unzerstörbar ist»

Vor knapp einem Jahr reisst bei Manuel Akanji das Kreuzband, weil er von einem Ball im Gesicht getroffen nicht richtig in den Zweikampf geht. Am Samstag könnte der Innenverteidiger gegen den FC Thun sein Comeback feiern. In der Zeit dazwischen hat der 21-Jährige seinen Körper kennengelernt, viel American Football und NBA-Basketball konsumiert. Und er ist zum Experten für eSports geworden – was ihn für den Posten eines Botschafters qualifiziert.

06.12.2016; Basel; Fussball Champions League - Gruppenspiele ; FC Basel - FC Arsenal; Manuel Akanji (Basel) auf der Tribuene (Daniela Frutiger/freshfocus)

(Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Vor knapp einem Jahr reisst bei Manuel Akanji das Kreuzband, weil er von einem Ball im Gesicht getroffen nicht richtig in den Zweikampf geht. Am Samstag könnte der Innenverteidiger gegen den FC Thun sein Comeback feiern. In der Zeit dazwischen hat der 21-Jährige seinen Körper kennengelernt, viel American Football und NBA-Basketball konsumiert. Und er ist zum Experten für eSports geworden – was ihn für den Posten eines Botschafters qualifiziert.

Manuel Akanji, Sie haben im März 2016 das Kreuzband gerissen und fast ein Jahr aussetzen müssen. Glauben Sie, dass der Fussball ein ungesunder Beruf ist?

Manchmal glaube ich das. Aber in meiner Freizeit verfolge ich American Football. In der NFL verletzen sich pro Spiel zwei Akteure. Und wenn ich sehe, wie es diesen Sportlern nach der Karriere teilweise geht, dann ist der Fussball dagegen eine Gesundheitsoase.

Manuel Akanji ist 21 Jahre alt und spielt als Innenverteidiger beim FC Basel. Mit Fussball begann der schweizerisch-nigerianische Doppelbürger als Sechsjähriger beim FC Wiesendangen, beim FC Winterthur wurde der Rechtsfuss zum Profi. In Basel hat er bisher zwölf Partien absolviert. » Leistungsdaten
 

Was reizt Sie an NFL-Spielen? Da gibt es doch für unser europäisches Verständnis von Sportübertragungen vor allem Unterbrüche.

Ich finde Football beeindruckend. Diese Spielzüge, da geht im Bereich der Taktik so unglaublich viel. Der Quarterback, dieser Spieler mit diversen Optionen, muss immer die richtige Entscheidung treffen. Klar, da ist jede Menge Show dabei. Aber das gefällt mir auch. Und schauen Sie sich den Super-Bowl an: Ich war für die Falcons: Die liegen 25 Punkte im Vorsprung und verlieren am Ende noch in der Verlängerung.Deswegen schaue ich diesen Sport.

Was kann der Fussball in Europa von diesen Anlässen in Amerika lernen?

Das habe ich mir nie überlegt. Ich war live noch bei keinem dieser Spiele. Aber viele Leute gehen dahin wegen der Shows. Im Super Bowl ist sie derart wichtig, dieses Jahr mit Lady Gaga in der Pause beispielsweise. Aber hier in der Schweiz, ich weiss ja nicht. Ich glaube kaum, dass die Fans in den St.-Jakob-Park kommen, um irgendwelche Shows zu sehen.



FC Basel-Spieler Manuel Akanji beim Trainingsauftakt auf dem Nachwuchs-Campus der Sportanlagen St. Jakob in Basel, am Mittwoch, 4. Januar 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

«Vor Mitternacht schlafe ich selten. Und weil dann in Amerika die NBA- und NFL-Spiele beginnen, schlafe ich oft damit ein.» Manuel Akanji, der Fan des US-amerikanischen Sports. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Konsumieren Sie noch anderen US-Sport?

Basketball. Ich war in der Winterpause in Mexiko im Urlaub, da liefen immer und überall NBA-Spiele. Hier in der Schweiz muss ich wegen der Zeitverschiebung zu Unzeiten den Fernseher anmachen, wenn ich live mit dabei sein will. Aber glücklicherweise habe ich ein Abo, mit dem ich die Spiele auch zu jeder Zeit schauen kann.

Das gabs früher noch nicht. Wir mussten in den 1990er-Jahren noch in der Nacht aufstehen, um die Bulls zu erleben, und dann gings im Anschluss halt direkt zur Schule.

Das habe ich auch schon gemacht (lacht).

Als Berufsfussballer können Sie sich das kaum mehr leisten.

Ich schaue nie die ganzen Spiele. Und ich schlafe oft zwei bis drei Stunden am Nachmittag. Am Abend bin ich entsprechend nicht sehr müde. Vor Mitternacht schlafe ich selten und weil in Amerika die Spiele erst dann beginnen, schlafe ich oft damit ein.

Können Sie auch mit Fussball einschlafen? Interessant ist Ihr eigener Sport nun wirklich nicht immer am Fernsehen.

Gerade am Dienstag habe ich das Halbfinalrückspiel der Copa del Rey zwischen Barcelona und Atletico Madrid geschaut. Nach der ersten Halbzeit hab ich aufgegeben – und auf der Konsole selbst zu spielen begonnen. Es war einfach nicht mehr spannend.

Botschafter des FC Basel im Bereich eSports? «Doch, das könnte ich mir theoretisch vorstellen», sagt Gamer Akanji.

Sie spielen oft Fussball auf der Konsole, richtig?

Ja.

Ihr Arbeitgeber ist dran, sich in Sachen eSports beraten zu lassen, und plant, möglicherweise in diese neue Sparte einzusteigen. Wären Sie nicht der beste Botschafter?

Doch, das könnte ich mir theoretisch vorstellen (lacht). Ich mach das schliesslich sehr gerne, auch wenn Fussball nicht das einzige ist, was ich auf der Konsole spiele.

Als Fussballer haben Sie Zeit für die Konsole – oder den Fernseher. Schauen Sie sich zurzeit die Ski-Weltmeisterschaft an?

Nicht so wirklich. Das interessiert bei uns eher die Trainer, zumal einer auch noch Österreicher ist (lacht).

Aber Sie können Skifahren?

Ski und Snowboard sogar. Aber das darf ich vertraglich nicht mehr.

Wegen der Verletzungsgefahr. Nur: Schaut man auf Ihre letzten Monate zurück, kommt man zum Schluss, dass Fussball für Sie gefährlicher ist als Skifahren. Erzählen Sie mal von der Szene, in der Sie sich verletzt haben.

Es war im Abschlusstraining, beim Vier-gegen-Vier, am Abend hätte ich mit der Mannschaft nach Lugano fahren sollen. Ich wollte einen Schuss blocken, der Ball flog mir ins Gesicht, ich war deswegen ein wenig beduselt; nicht ganz weg, aber ich war verwirrt im Kopf. Danach hab ich mich gefasst und ging in ein Laufduell. Wir waren beide gleichzeitig beim Ball, und ich war mir etwas zu sicher, dass ich den Ball haben werde. Deswegen bin ich nicht hundertprozentig in den Zweikampf. Und so ist das Knie kaputtgegangen. 



Manuel Akanji of Switzerland's FC Basel 1893 during a training session in the Estadio do Restelo in Lisbon, Portugal, on Wednesday, November 4, 2015. Switzerland's FC Basel 1893 is scheduled to play against Portugal's C.F. Os Belenenses in an UEFA Europa League group I group stage matchday 4 soccer match on Thursday, November 5, 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Der lange Weg zurück: Bodenübungen und nicht enden wollende Stunden im Fitnessraum sind Manuel Akanjis Arbeit seit dem Kreuzbandriss. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Haben Sie sofort gemerkt, dass etwas kaputt ist?

Ja. Ich habe es gehört und gespürt, wie das ganze Knie von links nach rechts durch war.

Was ging Ihnen durch den Kopf?

Ich hoffte nur, dass es nicht so schlimm sein möge. Aber die Schmerzen waren so stark, weil es auch noch den Meniskus in Mitleidenschaft gezogen hat. Da wusste ich: Irgendetwas Schlimmes ist passiert. Beim ersten medizinischen Check war noch nicht sicher, ob es das Kreuzband betrifft, weil meine Knie ohnehin ziemlich locker sind. Aber nach dem MRI war der Fall klar.

Besonders für einen jungen Fussballer ist das ein dramatischer Einschnitt. Hatten Sie etwas Vergleichbares schon einmal erlebt?

Nein. Bis auf einen Bündelriss hatte ich noch nie eine Verletzung gehabt.

Dann hat Ihnen der Kreuzbandriss erstmals auch Ihre eigene Verletzbarkeit vor Augen geführt?

Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passieren könnte. Ich realisierte, dass auch mein Körper nicht unfehlbar ist.



Basel's Mohamed Elneny, Birkir Bjarnason, Marc Janko and Manuel Akanji, from left, enter the pitch for the second half during the UEFA Europa League group I group stage matchday 4 soccer match between Portugal's C.F. Os Belenenses and Switzerland's FC Basel 1893 at the Estadio do Restelo in Lisbon, Portugal, on Thursday, November 5, 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Bis zum Kreuzbandriss absolviert Manuel Akanji (rechts) zwölf Spiele für den FC Basel: eines davon in der Europa League, als er zusammen mit Marc Janko in der Startformation steht. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Der Körper ist Ihr Arbeitsgerät. Was löst eine Verletzung dieses Geräts im Kopf eines Fussballers aus?

Mental geht es einem schrecklich. Man merkt, dass es nicht ohne Operation gehen wird. Dieses Gefühl ist unfassbar. Aber schnell versucht man, nach vorne zu schauen, daran zu arbeiten, was in Zukunft sein wird. Das Schöne sind die Erfolgserlebnisse, die man hat, wenn man alles wieder von Grund auf neu erlernt: die ersten Schritte, die ersten Schritte ohne Stöcke, die ersten Sprünge, der Einstieg ins Training. Das gibt einem enorm viel Selbstvertrauen.

Sie erlebten eine Art Wiedergeburt Ihres Bewegungsapparates?

Ja. Man kann das so sagen. Du musst alles wieder zurückgewinnen. Man arbeitet an Dingen, die man eigentlich kann, um auf ein Level zu kommen, das man bereits hatte. Diese Zeit hat mir viel gegeben für meinen Beruf: Ich habe realisiert, was mein Körper braucht und was nicht.

Haben Sie in diesem Jahr persönlich einen grösseren Schritt gemacht, als das ohne Verletzung möglich gewesen wäre?

Ganz bestimmt. Ich dachte bei vielen Trainingselementen, dass ich sie nicht brauche. Heute gehe ich lieber einmal mehr in die Physiotherapie, um etwas prüfen zu lassen. Bei kleinen Schmerzen lasse ich mich prüfen. Ich habe gelernt, mit meinem Körper umzugehen.

«Ich kenne mich in Nigeria, dem Land meines Vaters, nicht gut aus. Wenn ich dorthin gehe, gehe ich mit meinem Vater, weil ich mich dann wohler fühle. Es ist, als würde ich in ein fremdes Land gehen.»

Die Verletzung hat Ihnen einen Lernprozess erlaubt…

… dafür habe ich aber sportlich einen Rückschritt gemacht. Weil ich fast ein Jahr kein Pflichtspiel mehr absolviert habe mit der ersten Mannschaft.

Haben Sie fussballerisch etwas verlernt?

Anfangs hatte ich bei einzelnen Übungen im Training noch ein unsicheres Gefühl. Bei den Kopfballduellen beispielsweise, oder bei weiten Bällen, da fehlte mir die Präzision. Mittlerweile, auch nach dem Trainingslager in Marbella, fühle ich mich wieder wie zuvor. Ich spüre im Knie keine Reaktion mehr und kann im Kopf frei spielen.

Haben Sie sich während Ihrer Verletzungszeit intensiver mit anderen Fussballern ausgetauscht? Gibt es da eine Art Selbsthilfegruppen?

Die Mannschaft hat sich täglich nach mir erkundigt, immer wieder andere Spieler, die Trainer, die Physiotherapeuten. Und sehr geholfen hat mir mein Umfeld, meine Familie, meine Freundin, meine Kollegen. Professionelle mentale Unterstützung habe ich aber keine in Anspruch genommen. Ich verliere ohnehin nicht so schnell mein Selbstvertrauen. 

Das hat mit Ihrer Persönlichkeit zu tun. Andere Spieler kommen damit nicht so gut zurecht, sehen Sie das auch so?

Das kann sein. Deswegen sage ich, dass das Umfeld sehr wichtig ist. Dahin kann man zurückkehren, dort findet man aufbauende Momente.



Manuel Akanji, left, and Breel Embolo, right, of Switzerland's soccer team FC Basel 1893 upon their arrival at the airport in Florence, Italy, on Wednesday, September 16, 2015. Switzerland's FC Basel 1893 is scheduled to play against Italy's ACF Fiorentina in an UEFA Europa League group I group stage matchday 1 soccer match on Thursday, September 17, 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

«Als ich nach Basel kam, lernte ich viele Freunde von Breel kennen. Inzwischen sind sie auch zu meinem Umfeld geworden». Manuel Akanji (links) auf einer Europacupreise mit seinem Freund Breel Embolo. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Haben Sie denn nach eineinhalb Jahren in Basel bereits ein Umfeld in der Stadt?

Als ich nach Basel kam, lernte ich viele Freunde von Breel Embolo kennen. Inzwischen sind sie auch zu meinem Umfeld geworden.

Sie haben nach Embolos Wechsel zu Schalke also nicht nur seiner Rückennummer 36 übernommen, sondern auch seine Freunde?

Früher waren wir alle zusammen. Inzwischen ist Breel halt nicht mehr in Basel.

Embolo hat den Schritt von Basel in die Bundesliga gemacht. Sie von Winterthur nach Basel.

Viele sagten, dass dieser Schritt für mich ein zu grosser sei.

Wer hat das gesagt?

Ich hatte das gehört. Nicht von meinem Umfeld. Aber auf Facebook und Instagram wird viel geschrieben. Ich wusste jedoch, dass ich das packen kann. Und inzwischen habe ich mich eingelebt, auch wenn es zwischen Winterthur und dem FCB einen grossen Unterschied gibt.

Bringen Sie solche Fremdeinschätzungen auf den Sozialen Medien zum Nachdenken?

Ich kann nicht sagen, dass mich das überhaupt nicht tangiert. Man will schliesslich jeden beeindrucken. Aber am Ende zählen diese Einschätzungen nicht. Am Ende zählt, dass ich für die Mannschaft arbeite und selbst mit mir zufrieden sein muss. Die Kritik auf den Sozialen Medien oder in der klassischen Presse darf mich nicht aus der Bahn werfen. Ich nehme diese wahr und ich mache mir Gedanken, was ich hätte besser machen können. Aber was zählt, ist die Meinung des Trainers und meine eigene. Zudem schenkt mir mein nahes Umfeld viel Selbstvertrauen. Sie sagen mir nicht: «Du bist der beste Spieler der Welt.» Aber diese Menschen sagen mir, was sie denken. Und auf diese Meinung lege ich sehr viel Wert.

«Ich poste in den Sozialen Medien keine Sachen, die ich bereuen könnte. Diese Situationen will ich nicht provozieren, das führt nur zu Unannehmlichkeiten.»

Sind Sie denn eigentlich sehr aktiv auf den Sozialen Medien?

Auf Facebook nicht sonderlich. Aber auf Instagram schon.

Wie weit gehen Sie in Ihrer Aussendarstellung auf dem Netz?

Ich poste keine Sachen, die ich bereuen könnte. Diese Situationen will ich nicht provozieren, das führt nur zu Unannehmlichkeiten.

Sie scheinen auch sonst nicht der Typ zu sein, der versucht, im Leben Grenzen zu überschreiten.

Das kommt ganz drauf an. Wenn es um eine Grenze im Sport geht, dann versuche ich, diese zu verschieben. Aber neben dem Platz will ich nichts riskieren. Das bringt mir nur Probleme ein.

Da gibt es Fussballer in Ihrem Alter, die das Leben als Fussballer ausufernder zelebrieren.

So bin ich von meinen Eltern erzogen worden.

«Mein nigerianischer Pass ist abgelaufen. Ich könnte den mal verlängern.»

Ihre Mutter ist Schweizerin, Ihr Vater Nigerianer. Kennen Sie das Land Ihres Vaters?

Ich war sechs Mal dort, zum letzten Mal vor ungefähr sechs Jahren.

Was bedeutet Nigeria für Sie?

Nigeria ist für mich ein Heimatland. Aber weil ich in der Schweiz aufgewachsen bin, habe ich keinen grossen Bezug zum Land. Ich kenne mich nicht gut aus, und wenn ich dorthin gehe, gehe ich mit meinem Vater, weil ich mich dann wohler fühle. Es ist, als würde ich in ein fremdes Land gehen. Auf eine gewisse Art fühle ich mich in Nigeria den Menschen zugehörig, denn ich spreche die Hauptsprache Englisch. Aber es gibt noch so viele andere Sprachen in diesem Land, und wenn man diese nicht spricht, fühlt man sich trotzdem irgendwie fremd.

Welche Sprache spricht Ihr Vater?

Yoruba. Aber er hat mit uns vor allem Englisch gesprochen. Weder meine Mutter noch ich oder meine älteren Schwestern sprechen Yoruba.

Manuel Akanji (zweiter von links) mit seinen älteren Schwestern (links und rechts) seinem nigerianischen Vater und seiner Schweizer Mutter. 

Familientreffen in Wiesendangen, wo der Fussballer aufgewachsen ist: Manuel Akanji (zweiter von links) mit seinen älteren Schwestern (links und rechts), seinem nigerianischen Vater und seiner Schweizer Mutter.  (Bild: Instagram Manuel Akanji (@obafemi_36))

Das Englisch kommt Ihnen im internationalen Kader des FCB zugute. Und möglicherweise organisieren Sie am Samstag gegen den FC Thun zusammen mit Marek Suchy auf Englisch die Basler Abwehr. Schliesslich fehlt Eder Balanta in der Innenverteidigung gesperrt.

Das habe ich auch so mitbekommen.

Sie wissen aber nicht, ob Sie nach der langen Verletzungspause in der Stockhornarena Ihr Comeback geben?

Nein. Aber ich gebe alles dafür, dass ich spiele.

Daniel Hoegh, Ihr Konkurrent in der Innenverteidigung, stand gegen Lugano nicht auf dem Matchblatt. Das könnte man so interpretieren, dass Urs Fischer sich eher für Sie entscheiden wird.

Das könnte man. Aber in jeder Woche kann man sich wieder neu zeigen. Und es ist auch nicht so, dass die Aufgebote sich wiederholen müssen.

Zum ersten Mal für den FCB gespielt haben Sie im August 2015, in Meyrin im Cup, an der Seite des grossen Walter Samuel.

(lacht) Genau! Es war nicht sehr einfach, mit ihm zu kommunizieren, er sprach ja kaum Englisch. Aber mit seiner Ausstrahlung auf dem Feld hat mir Walter sehr viel Sicherheit gegeben. So kam ich selbst besser ins Spiel. Und in den Trainings habe ich sehr viel von ihm profitiert.



18.10.2015; Sion; Fussball Super League - FC Sion - FC Basel; Auswechslung Manuel Akanji (Basel) kommt fuer Walter Samuel (Basel) (Urs Lindt/freshfocus)

Manuel Akanjis erster längerer Einsatz in der Super League für den FC Basel: gegen Sion wird er im Oktober 2015 in der siebten Minute für den verletzten Walter Samuel (Mitte) eingewechselt. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Wie ist das, wenn man eine Saison auf der Schützenwiese in der Challenge League spielt und dann an der Seite eines Champions-League-Siegers sein Debüt beim FC Basel gibt?

Das ist heftig (lacht). Man schmunzelt drüber. Als ich ihm in der Garderobe zum ersten Mal die Hand gab, hatte ich sehr viel Respekt vor ihm. Aber er war immer derart bescheiden, hat sich nie in den Vordergrund gestellt. Und ich dachte: Ein Spieler wie er könnte sich auch anders benehmen.

Glauben Sie das wirklich?

Ich sage nicht, er sollte sich anders benehmen. Aber es gibt derart viele Schlagzeilen von gestandenen Spielern, die sich Ausraster erlauben. Die beispielsweise vor den Spielen nächtelang ausgehen oder ihrem Ärger freien Lauf lassen, wenn sie ausgewechselt werden. Walter hat sich immer korrekt verhalten.



Manul Akanji, Taulant Xhaka, Naser Aliji, Breel Embolo, Spieler des FC Basel, und die Physiotherapeuten Dirk Wuest und Nicolas Unternaehrer, von links nach rechts, vor dem Abflug zum Europa-League Hinspiel gegen AS St. Etienne am Mittwoch, 17. Februar 2016, auf dem Flughafen in Basel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Manuel Akanji (links) und die neue Welt in einer Reisegruppe, die sich aufmacht zu Europacup-Spielen. Ebenfalls mit dabei: Taulant Xhaka, Naser Aliji, Breel Embolo (rechts neben Akanji). (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Was halten Sie von solchen Fussballern, die sich gewisse Privilegien herausnehmen?

Schauen Sie sich beispielsweise die Interviews von Zlatan Ibrahimovic an. Für mich sind die zuweilen witzig. Aber ich weiss nicht, wie er als Mitspieler ist. Ich hatte nie mit einem Spieler zu tun, der sich nicht korrekt verhalten hätte. Ich war bisher schliesslich nur in zwei Vereinen…

… und bei einer Nationalmannschaft: bei den Schweizer Junioren. Sie haben auch den nigerianischen Pass, oder?

Der ist abgelaufen, ich könnte den mal verlängern.

Gut. Aber deswegen sind Sie noch immer nigerianischer Staatsbürger. Sie könnten also auch für die nigerianischen Auswahlen spielen. Hatten Sie jemals Kontakt mit dem Verband?

Nein.



16.11.2015; Brighton; Fussball U21 EM Quali - England - Schweiz; Manuel Akanji (SUI) (Catherine Ivill/AMA/freshfocus)

Manuel Akanji im Dress der Schweizer U21-Nationalmannschaft: im EM-Qualifikationsspiel gegen England im November 2015. (Bild: Catherine Ivill/freshfocus)

Ein Qualitätsmerkmal, warum Sie von der Schweizer Juniorenauswahl aufgeboten werden, ist Ihre Schnelligkeit. Stimmt es, dass Sie der Schnellste sind beim FCB?

Ich kann das nicht bestätigen. Aber im letzten Winter war ich bei einem Sprinttest der zweitschnellste Spieler. Hinter Jean-Paul Boëtius.

Mit Boëtius’ Abgang nach Genk sind Sie jetzt also der Schnellste.

(lacht) Laut dem Test vom letzten Jahr stimmt das. Aber da liegt jetzt ein ganzer Kreuzbandriss dazwischen.

Woher kommt diese Geschwindigkeit? Waren Sie mal Leichtathlet?

Ja. Bis ich nach Winterthur wechselte, trainierte ich neben Fussball auch Leichtathletik. Und Tennis spielte ich übrigens auch. Mit Leichtathletik habe ich zuerst aufgehört. Bei Winterthur kam ich in jungen Jahren auf dem Flügel zum Einsatz und war einer der schnellsten Spieler. Wahrscheinlich liegt das an meinen afrikanischen Genen.



Luganos Patrick Rossini, links, gegegen den Winterthurer Manuel Akanji, rechts, beim Meisterschaftsspiel der Challenge League zwischen dem FC Lugano und dem FC Winterthur am Sonntag, 22. Maerz 2015, im Cornaredo-Stadion in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Vergangene Tage beim FC Winterthur, wo Manuel Akanji einst der Schnellste war: im Duell gegen Luganos Patrick Rossini, als die Challenge League Akanjis Alltag war. (Bild: Keystone/SAMUEL GOLAY)

Konversation

  1. Wer erstaunts, dass die Bänder nicht halten, was Spitzensportler von ihnen erwarten sollen.
    Eine Statistik dazu wäre aufklärend, was diese Menschen mit ihrem Körper tun. Schauen wir bei den SkirennfahrerInnen, da sieht die Statistik noch viel trüber aus! Ein Kreuzbandriss bei einer Abfahrt kann den Fahrer oder die Fahrerin in den Rollstuhl schleudern oder in den Sarg, was nicht das erste mal wäre! Hier über Kosten zu sprechen wäre hier pietätlos!

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