«Man kommt nicht darum herum, sich unterzuordnen»

Katja Reichenstein veranstaltet Musikfestivals, führt Zwischennutzungen durch und darf, zusammen mit ihren Kollegen vom Verein «shift mode», die nächsten sechs Jahre im Hafen das Migrol-Areal verwalten. Eigentlich, sagt sie, geht es ihr bei allen ihren Tätigkeiten nur darum, mit den Leuten zu sprechen.

«Andere würden sagen, ich bin ein Glückskind»: Katja Reichenstein. (Bild: Hans-Joerg Walter)

Katja Reichenstein veranstaltet Musikfestivals, führt Zwischennutzungen durch und darf, zusammen mit ihren Kollegen vom Verein «shift mode», die nächsten sechs Jahre im Hafen das Migrol-Areal verwalten. Eigentlich, sagt sie, geht es ihr bei allen ihren Tätigkeiten nur darum, mit den Leuten zu sprechen.

Für manche sind Katja Reichenstein und ihre Kumpane wie aus dem Nichts aufgetaucht, als die Regierung bekanntgab, dass der Verein «shift mode» die Bewirtschaftung des letzten freien Areals am Klybeckquai übernehmen soll. Dabei ist Reichenstein im kulturellen Basel und in der Ausgangsszene längst etabliert (Stadtmusik-Festival, «Ladybar»). Im Gespräch hat uns die ehemalige Radiojournalistin verraten, weshalb sie so gerne spricht und warum sie dies in fünf Fremdsprachen und acht Schweizer Dialekten tut.

Katja Reichenstein, wie erklären Sie sich, dass ausgerechnet Ihr Verein «shift mode» den Zuschlag am Hafen bekommen hat?

Ich glaube, die Verwaltung hat uns ausgewählt, weil sie uns vertraut. Wir haben in der Vergangenheit mit Projekten wie dem Stadtmusik-Festival im Innenhof des Kunstmusems und der «Ladybar» an der Feldbergstrasse bewiesen, dass wir das gut können und uns an örtliche Bedingungen anpassen.  

Haben Sie sofort und ohne Vorbehalte zugesagt?

Unsere einzige Bedingung an die Verwaltung war, dass wir nicht als Rechtfertigung für eine Räumung des Wagenplatzes vorgeschoben werden wollen.

Wie wird es im Hafen aussehen, wenn man im kommenden September an einem schönen Abend dorthin geht?

Es wird sicherlich bereits einzelne kleine Projekte geben, und zwar solche, die zuvor keinen langen Bewilligungsmarathon durchlaufen müssen. Ich hoffe auch, dass die Erschliessung mit Strom und Wasser dann schon erfolgt sein wird. Mit dem Bauen können wir ja erst nach der Kunstmesse Scope, also ab dem 2. Juli, anfangen. Die grossen Projekte werden also wohl erst im Sommer 2015 eröffnen. Dieses Jahr fangen wir erst einmal klein an.

Steht schon fest, welche Projekte den Anfang machen werden?

Die Bar «Ladybug» wird sicher vor Ort sein. Das ist ein Container, der wie ein Marienkäfer aussieht und von den Machern der «Ladybar» betrieben wird. Voraussichtlich wird sich auch eine Geigenbauerin auf einer kleinen Fläche niederlassen. Aber auch andere, nichtkommerzielle Projekte wie beispielsweise ein Food-Sharing-Projekt, das Leuten ermöglicht, miteinander Essen zu tauschen.

Wie viele Projekte wird es am Hafen insgesamt geben?

Wohl etwa vierzig. Es sind viele kleine Sachen vorgesehen. Unser Ziel ist, dass der Hafen möglichst rasch unkompliziert belegt werden kann und somit belebt wird. Es wird noch viel passieren dort unten.

Das sind grosse Pläne, wie wollen Sie das alles bezahlen?

Die Grundinfrastruktur wie Strom und Wasser erhalten wird von der Verwaltung finanziert, den Rest werden wir durch die Vermietung der Flächen an Einzelprojekte generieren. Es geht uns nicht darum, im Hafen das grosse Geld zu machen. Wir wollen kostendeckend arbeiten können. Klar ist, dass die Höhe des Mietzinses, den unsere Mieter bezahlen müssen, davon abhängt, ob ihr Projekt kommerziell ist oder nicht.

Sind Kommerz und Zwischennutzung nicht etwas widersprüchlich?

Hochkommerziell wird sicherlich nur die Scope werden. Diese Einnahmen erlauben es uns, auch Projekte einzubeziehen, die kein Geld verdienen können, zum Beispiel ein Kinderspielplatz.

Ihr Stadtmusik-Festival fällt zum zweiten Mal in Folge aus. Ist das Projekt gestorben, oder wird es im Hafen seine Auferstehung feiern?

Ein Revival am Hafen ist für uns frühestens nächstes Jahr eine Option. Es würde aber sicher keine Kopie des bisherigen Festivals geben, sondern in einer kleineren und angepassten Form stattfinden.

Das Kunstmuseum dürfte an dieser Idee keine Freude haben.

Das Kunstmuseum ist nächstes Jahr wegen des Umbaus sowieso zu. Aber wir wissen ohnehin nicht, ob wir mit dem Festival jemals wieder dorthin zurückkehren wollen – obwohl ich grosse Freude am Innenhof habe und sich das Kunstmuseum dies natürlich wünscht. Mir ist es jedoch wichtig, dass sich ein Projekt auch weiterentwickelt.

Schon alleine der Standortwechsel dürfte einen grossen Einfluss auf das Festival haben. Das Kunstmuseum liegt mitten in der Stadt, direkt an einer Tramlinie. Hinaus zum Hafen muss man schon auf das Velo steigen.

Es würde sich bestimmt viel verändern. Deshalb ist es für uns durchaus denkbar, die Dauer des Festivals zu verkürzen. Es kann sein, dass es nur eine Woche dauern wird oder sogar nur ein Wochenende. Die Frage ist auch, ob sich für das Festival wieder Sponsoren finden lassen an diesem neuen Ort. Wir werden sehen, wie sich die Radiostation dieses Jahr am Hafen entwickelt. Die Idee eines Stadtmusik-Festivals in Kleinausführung behalten wir im Hinterkopf. Wir haben keinen Masterplan, weder für das Festival noch für die Entwicklung im Hafen.

Wie wollen Sie diese riesige Fläche denn verwalten, wenn Sie keinen Plan haben?

Es wird uns hin und wieder vorgeworfen, wir seien zu vage und zu diffus. Unsere Stärke ist es eben, keinen fixfertigen Plan zu haben. Wir haben kein Bild vor uns, wie der Hafen am Ende der Zwischennutzung genau aussehen muss, sondern wir wollen das Ganze einfach organisch wachsen lassen. Es geht bei diesem Projekt immerhin um Freiraum – für alle. Ich bin überzeugt, dass unsere Strategie aufgehen wird, auch wenn die Fläche riesig ist. Wir möchten nicht als Platzhirsch dorthin kommen, es soll sich alles entfalten können.

Sind Sie nach dem Verein «Unterdessen» die nächste Zwischennutzungsmafia, wie es bereits hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird?

«Mafia» ist eine fiese Bezeichnung. Damit soll wohl impliziert werden, dass wir hintenrum an unsere Projekte kommen. Das ist nicht so. Aber natürlich spielen dabei auch Beziehungen eine Rolle. Wenn die Verwaltung einen Akteur von anderen Projekten her kennt, dann fällt der Vergabeentscheid beim nächsten Mal noch leichter.

Der Vergleich mit «Unterdessen» bezieht sich darauf, dass Sie sich inzwischen zum bewährten Partner der Immobilien Basel-Stadt entwickelt haben.

Ja, diesbezüglich mag er zutreffen. Aber ansonsten gibt es wenig Ähnlichkeiten. Uns geht es nicht darum, möglichst viele Liegenschaften zu verwalten und eine Vielezahl an Projekten am Laufen zu haben. Wir wollen selber etwas machen können und jeden Tag vor Ort sein. Die reine Raum- und Flächenverwaltung ist uns zu langweilig.

In der Zwischennutzungs-Szene wird enorm viel hintenrum getuschelt. Wie erklären Sie sich diese Missgunst?

Es ist einigen wohl nicht ganz klar, wieso wir beim Migrol-Areal den Zuschlag bekommen haben – und dann wird halt gemunkelt. Wir anerkennen nun mal, dass gewisse Eingeständnisse und Kompromisse gemacht werden müssen. Die Bereitschaft zur Kooperation mit den Behörden ist hier vielleicht unsere Stärke.

Wie meinen Sie das?

Man muss bis zu einem gewissen Grad durch die Mühle der Verwaltung gehen und sich darauf einlassen, um Sachen realisieren zu können. Wir setzen uns seit Jahren mit diesen Dingen auseinander. Wir wissen, dass, wenn man sich an Regeln hält, auch etwas Befruchtendes dabei herauskommt. Es braucht viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Verwaltung. Viele lassen sich von ihr abschrecken, weil sie keine Lust auf dieses System haben. Das kann ich auch irgendwie nachvollziehen. Man kommt jedoch nicht darum herum, sich gewissen Sachzwängen unterzuordnen und anzupassen, sonst kann man am Ende gar nichts machen. Das heisst aber nicht, dass wir «Staatshöseler» sind.

Können Sie diese Missgunst nachvollziehen?

Nein. Mir sind Konkurrenzdenken und Gefühle von Neid sehr fremd, das ist für mich unnötig negative Energie.

(Bild: Hans-Joerg Walter)

Mit ein Grund für das Gerede ist wohl, dass ihr mit euren Projekten teilweise einen kommerziellen Kurs verfolgt. Ihr seid nicht super-alternativ.

Ist kostendeckend arbeiten denn echt kommerziell? Tja, das ist wohl Definitionssache. Wie bereits gesagt, es geht uns nicht darum, Geld zu verdienen. Die Mieteinnahmen sollen die laufenden Kosten decken, mehr nicht. Falls dies jedoch nicht gelingt, ist für uns auch Sponsoring eine Option. Wir haben diesbezüglich keine Beisshemmungen und Erfahrung damit, Sponsoren zu überzeugen. Wichtig ist uns aber, dass es nicht zu offensichtlich ist. Wir wollen nicht «gebrandet» werden. Einen Coca-Cola-Sonnenschirm wird es auf dem Migrol-Areal deshalb nie zu sehen geben.

Woran erkennt man den Zeitpunkt, ein Projekt oder eine Zwischennutzung zu beenden?

Das ist eine spannende Frage, die ich mir noch gar nie richtig gestellt habe. Ich glaube, das Ende ist gekommen, wenn das Projekt am schönsten ist – und nicht erst, wenn es keinen Spass mehr macht und es einem kein gutes Gefühl mehr gibt. Wenn das Projekt die Menschen nicht mehr berührt, ist es eigentlich schon zu spät.

Vor ein paar Jahren arbeiteten Sie bei Radio Basilisk. Hat dort irgendwann auch das Gefühl nicht mehr gestimmt?

Ja. Irgendwann habe ich erkannt, dass ich den Sender, für den ich arbeitete, nicht mehr hören konnte. Mir fehlten Seele und Tiefe – als Journalistin, Kulturverantwortliche und als Musikfanatikerin. Es wurde mir alles zu oberflächlich. Mit der dort abgespielten Musik konnte ich nichts anfangen, für richtige redaktionelle Beiträge hatten wir zu wenig Zeit zur Verfügung. Ich will das Radio nicht schlechtreden, aber ich persönlich wollte es nicht hören. Das ging so weit, dass ich erst zwei Jahre später wieder richtig Lust auf Musik hatte. Ich musste sie für mich wieder entdecken.

Dann widmeten Sie sich dem Shiatsu. Wieso ausgerechnet Shiatsu?

Neben meiner Arbeit beim Radio bildete ich mich zur Shiatsu-Therapeutin aus. Ich liebe es einfach, im Austausch mit den Menschen zu stehen. Ich finde, um genau das geht es im Leben. Und beim Shiatsu lernt man die Menschen sehr gut kennen. Von einer anderen Seite, als wenn man nur mit ihnen spricht. Jetzt kommt mir gerade in den Sinn: Vielleicht könnte ich ja am Hafen selber ein Shiatsu-Studio einrichten, daran habe ich noch gar nie gedacht.

Früher waren Sie Pflegefachfrau, dann beim Radio. Jetzt sind Sie freischaffende Moderatorin, Shiatsu-Therapeutin, Eventorganisatorin, Sie bewirtschaften das Migrol-Areal, sind Zwischennutzerin und sind Gastgeberin in einem Gastronomiebetrieb. Gehören Sie zur Generation «ich lege mich nicht fest»?

Nein, im Gegenteil. Für die Dinge, die ich tue, habe ich mich ganz bewusst entschieden. Viel eher würde ich mich als ausgesprochen privilegiert bezeichnen und bin sehr dankbar dafür. Ich habe das Glück, wirklich nur das zu tun, was mir Freude macht, andere würden sagen, ich bin ein Glückskind.

Die meisten Ihrer Betätigungsfelder haben mit Sprache zu tun. Sind Sie einfach ein professioneller «Plauderi»?  

Kommunikation ist für mich eigentlich keine Arbeit. Ich mache das so gerne, weil es mir hilft, Menschen besser zu verstehen.

(Bild: Hans-Joerg Walter)

Früher haben Sie auch gesungen, waren Sängerin in verschiedenen Bands. Haben Sie gemerkt, dass Ihnen die Leute lieber beim Sprechen zuhören als beim Singen?

Nein, es ging mir nie um die Anerkennung. Ich habe mich auf der Bühne nie richtig wohlgefühlt, oft war ich neben mir. Weil ich meist Lieder von anderen gesungen habe, fühlte ich mich nicht authentisch dabei. Und die eigenen Lieder zu singen, war mir immer zu intim. Ich will nur Sachen machen, bei denen ich mich vollständig wohlfühle.

Als Freischaffende müssen Sie sich selbst verkaufen. Wie gelingt es Ihnen, sich trotzdem treu zu bleiben?

Ich kann mich nicht verkaufen. Das liegt mir nicht. Und müsste ich mich bei einem Job verstellen und könnte nicht ich selber sein, würde ich ablehnen.

Auf Ihrer Website geben Sie an, welche Sprachen Sie akzentfrei beherrschen. Wo haben Sie so gut Englisch, Französisch und Italienisch gelernt?

Da hilft mir mein musikalisches Gehör. Mir prägt sich die Melodie einer Sprache rasch ein, und ich entwickle ein Gefühl dafür, wie es richtig klingen muss. Mein grosses Interesse an der Sprache hat den Rest dazu getan. Wann immer ich kann, spreche ich mit den Leuten in deren Sprachen. Auch wenn ich in Basel bin.

Weiter listen Sie viele verschiedene schweizerdeutsche Dialekte auf, zum Beispiel den «Bahnhof-Olten-Dialekt». Was ist das?

Der «Bahnhof-Olten-Dialekt» ist eine Mischform, es hat etwas Aargau drin, ein wenig Solothurn, Zürich und Bern. Dieser Dialekt ist für die Vertonung von Werbungen sehr gefragt, denn er fällt nicht gross auf und kann darum auch für schweizweite Kampagnen eingesetzt werden. Das richtig breite Zürichdeutsch etwa wird ausserhalb Zürichs als eher unangenehm wahrgenommen, beim Baseldeutsch verhält es sich genau gleich.

Sie arbeiten sehr viel mit Ihrem Mann Thomas Brunner zusammen. Ist das nicht anstrengend, wenn die Arbeit so viel Platz in der Beziehung einnimmt?

Manchmal schon. Heute beispielsweise musste ich ihn wegen seiner Unpünktlichkeit rügen. Natürlich ist die Arbeit oft ein Thema. Wir versuchen Arbeit und Beziehung aber so gut wie möglich zu trennen. Als Ausgleich gehen wir viel zusammen wandern oder Velo fahren. Da sind Projekte dann tabu.

Und Sie stürzen sich oft zusammen ins Nachtleben. Macht Sie das nicht extrem müde?

Es ist lustig, dass ihr das meint. Ich arbeite zwar mehr oder weniger fürs Nachtleben, bin aber kaum noch spät unterwegs. Und wenn, dann geh ich schon um 23 oder 24 Uhr nach Hause. Ich trinke auch keinen Alkohol, weil ich es nicht gern habe. Weder mit 16 noch jetzt. Ich ertrage es nicht. Ich mag es überhaupt ruhiger und bin gerne für mich alleine. Dann ziehe ich mich in die Natur zurück, um Kraft zu tanken. Oder ich fahre Zug und schaue aus dem Fenster.

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Katja Reichenstein ist ein Sprachtalent, sie beherrscht mehrere Fremdsprachen und verschiedene Schweizer Dialekte. Wir wollten es wissen und forderten zur Hörprobe. Reichenstein liest Passagen aus einem Kommentar von Christoph Meury, in dem er sich kritisch gegenüber Reichensteins Zwischennutzungsverein äusserte.

 

Katja Reichenstein
Katja Reichenstein (1973) ist freischaffende Moderatorin, Sprecherin, Shiatsu-Therapeutin und Theaterpädagogin. Bis 2008 arbeitete sie bei Radio Basilisk. Seit 2005 betreibt die diplomierte Pflegefachfrau die wöchentliche Musikradiosendung livingroom.fm und ist Co-Leiterin des Stadtmusik-Festivals. Vor Kurzem erhielt ihr Verein «shift mode» den Zuschlag für die Bewirtschaftung des Migrol-Areals am Hafen. Katja Reichenstein ist mit Thomas Brunner verheiratet und lebt in Kaiseraugst.

Konversation

  1. Klingt ja alles supi: Soviel Energie, soviel Selbstvertrauen …

    Aber, Zitat Reichenstein: „… ist für uns auch Sponsoring eine Option. Wir haben diesbezüglich keine Beisshemmungen … “
    Für eine, die fünf akzentfreie Sprachen in acht akzentfreien Dialekten spricht, liegt hier ein irritierender Akzent auf der Formulierung: Wo sonst beisst man denn Sponsoren? Wohin beisst man die? Und wer, um Himmels Willen, tut sowas?

    Na, egal, Hauptsache, man bleibt sich treu!
    Zitat: „Ich kann mich nicht verkaufen. Das liegt mir nicht. Und müsste ich mich bei einem Job verstellen und könnte nicht mich selber sein, würde ich ablehnen.“
    Auf Deutsch sagt man übrigens „… ich könnte nicht ICH selber sein“, denn eigentlich bin ich immer ICH, niemals „MICH“, sondern bestenfalls MEIN, ausser wenn ich einen akzentfreien Schweizerdialekt habe, den man auch beim Bühnendeutsch noch hört.
    Dann kommt es nur drauf an, dass ich mich treu bleibe beim Ichverkaufen!

    In dem Zusammenhang ist es spannend, auf Frau Reichenbachs Website die Liste der Referenzen durch zu sehen, für die dieses „it-Girl des Everything-Goes“ sich, ihr oder mich immer treu und unverkäuflich geblieben ist:

    Swisscom, Mercedes Benz, UBS, Basel World, MCH Messe Schweiz, MUBA, Credit Suisse, Raiffeisen Bank, Schweizerischer Fussballverband SFV, Fifa, KPMG, Selecta AG, PriceWaterhouseCoopers,
    Coiffure Suisse, REDKEN-L’Oréal, Schwarzkopf, SBV TOA, Radio Basilisk, Radio Energy,
    Kunstmuseum Basel, Suva, Schmolz und Bickenbach, Elizabeth Arden Int. Sarl, Charles Vögele,
    Otto’s, Hilti, Sto AG, Roth Gerüste, M.F. Hügler AG, Swiss
    Steel AG, Swiss Professional Media, SDN AG,
    Phonetical AG, Worldspan, McDonalds, Siemens, Philipps, Coca Cola, Livingroom.fm, Sonntagsblick uvm.
    http://www.katjareichenstein.ch/index.php?/referenzen/

    Oder hier ein konkretes Zeugnis unerschütterlicher Selbsttreue von ihrer Website: Zitat aus Reichensteins UBS Trailer:

    „Schauen wir etwas hinter die Kulissen der UBS! Dazu möchte ich die Experten von UBS Global Asset Managements zu uns auf die Bühne bitten!“

    Ja, hier beisst sich der Genitiv des Sponsors NICHT mit dem akzentfreien Dativ der vielsprachigen Moderatorin, Therapeutin, Pflegerin, Coachin, Schauspielerin, Musikerin, Beraterin, Geschäftsführerin, Barfrau und …und ..und … (Einfach toll, wenn man all das akzentfrei kann!)
    http://www.katjareichenstein.ch/index.php?/showreel/

    Viel interessanter ist aber Herrn Meurys Kommentar zur Vergabe des Areals und zur Subventionierung des Vereins „Shift Mode“ durch Morin und Co und die Frage, wer hier wen womit bezirzt hat. Hauptsache, Kommunikation! Egal, was dabei rauskommt, oder?
    http://www.tageswoche.ch/de/172/basel/657067/Wie-viele-Hüttendörfer-braucht-die-Stadt.htm

    Aber Frau Reichenstein und ihr Mann, Thomas Brunner, betreiben immerhin zusammen mit BaZ-Anwalt Martin Wagner die livingromm.fm Betriebs AG, können also nicht total unbedarft sein, Herr Meury! Ganz sicher haben sie sehr gute und wichtige Beziehungen zu Sponsoren, die sie noch nicht einmal beissen! Und das erst noch total akzentfrei!

    Und die undurchsichtige Vergabe des Areals? Schlussendlich zählt bei so etwas immer nur Herrn Morins „Bauchgefühl“. Der Stapi entscheidet einfach gern per Hüftschuss und da muss ja nicht unbedingt viel Geist oder System dahinter stecken, wir wollen doch kleine Spiesser sein! Ist doch okay so, denn es ist ja nicht SEIN Geld, das er kopflos verjuxt, oder? Nein, ER verkauft sich auch nicht, der Guy!

    So aus dem „Bauchgefühl“ kam erklärtermassen auch sein brillanter Entschied zustande, anlässlich der 500-Jahr-Feier die beiden schrecklichen Skulpturen von Thomas Schütte im Rathaushof aufstellen zu lassen: „United Enemies“ heissen die schwulstigen Missgeburten aus Bronze und der Herr Morin fand das wohl „irgendwie“ passend oder glatt, so rein aus dem Bauch heraus.
    http://bazonline.ch/basel/stadt/Zwei-Diven-fuer-das-Basler-Rathaus/story/22161202

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  2. “ man kommt nicht darum herum sich unterzuordnen“ ist wohl das was die zeilen so schmerzlich deutlich machen: angepasste rahmenprojekte (im doppelten Wortsinn) sind ersetzen das risiko des gemeinsamen scheiterns beim einfordern, verhandeln und erleben, genauso, wie die unheimliche vielfalt, die sich in freiräumen entfalten will.

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  3. ich lese: rahmenprojekt. anpassen und verwalten, kostendeckend.
    das ganze unter dem titel von zwischennutzung.

    in mir erinnerungsfetzen an: freiräume, kreativität, politische auseinandersetzung nach innen und aussen, soziale spannungen und experimente, inspiration, frustration und lachender wildwuchs.

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  4. Was will man bei soviel Freiraum-Prosa sagen. Alles PR oder was? Was ich verstanden habe: Ohne Konzept, ohne Ziel und ohne Bilder zu starten ist eine gute Sache, damit potenziert man die zukünftigen Möglichkeiten & Aussichten der Zwischennutzung um einen Faktor „Anything Goes“. Kurz: Man muss kein Konzept erfüllen und kein Ziel erreichen. Den Rest nennen wir organisches Wachstum. Das ist innovativ & kreativ. Das ist die neue Freiheit. Okay das haben wir kapiert.
    Alles Weitere klingt natürlich im Folgenden viel lockerer, wenn man sagen kann, dass ein Areal „bespielt“ und Aktivitäten kuratiert werden. Damit lässt man die Konkurrenz weiter hinter sich, welche ein Areal lediglich parzelliert und nach einem Auswahlverfahren vermietet, respektive verteilt und anschliessend verwaltet.

    In Frei- und Zwischenräumen entsteht, angeblich aus dem Nichts, unverhofft Neues, Provokatives, Halbfertiges, Pulsierendes und Wegweisendes. Nischenkultur ist immer gut, war kürzlich in einem Kommentar in der TaWo von R.W. zu lesen. Bevor wir aber wieder vor lauter Lagerfeuer- & Hafenromantik hyperventilieren, wollen wir die Sache etwas nüchterner betrachten.

    Dabei ist wichtig zu wissen: Ein Frei-Raum-Projekt startet immer mit einer Bar (ergänzt vielleicht noch mit einer fiedelnden Geigenbauerin und einem Food-Sharing-Projekt, oder sagt man: Picknick?). In jedem Fall gilt: Eine Bar ist das A und O. Aber nicht irgendeine Bar, sondern eine originelle und nicht-kommerzielle Bar. Es darf auch mal eine Marienkäfer-Bar sein.

    Bei dem Begriff „nicht-kommerzielle“ Bar müssen wir allerdings kurz bei den eigenen Beobachtungen innehalten: Eine Bar ist eine Bar und damit ein eigenständiger und dynamischer Handelsplatz. D.h. Waren & Dienstleistungen werden gegen Geld getauscht. D.h. auch: Es gibt einen Dienstleister (Barkeeper) und eine KonsumentIn (Gast). Diese zwei gehen einen Deal ein, z.B.: Eine Stange Bier gegen einen Barbeitrag von Franken zirka 4.80. Der Deal ist allerdings nicht sehr effizient: Ein Grossteil der schönen Stange wird nachher vor Ort wieder ausgeschieden, zurück bleibt entsprechend kontaminierte Uferzone. Zurück bleibt aber auch ein bisschen Rausch, was als Mehrwert offensichtlich rund 4.80 Franken Wert ist. Damit ist der Deal zwischen den beiden Handelspartnern okay. Wir haben eine klare Win-win-Situation. Beide Protagonisten sind zufrieden. Das Uferambiente wird dabei offensichtlich nicht als Mehrwert in Rechnung gestellt. Das ist lediglich ein Auswahlkriterium und damit Teil der Marktattraktivität oder Marktstrategie. Soviel zum Thema: Kommerziell versus nicht-kommerziell.

    Markverzerrend wirkt sich dabei natürlich die Tatsache aus, dass eine Bar auf einem Gratis-Areal (d.h. städtisch subventioniert), mit Strom und Wasser zum Nulltarif, einen entschieden Markvorteil hat und damit a) mit Dumpingpreisen operieren könnte, oder b) mit diesem Gewinnvorteil zusätzliche Angebote generieren kann, was die Marktlage gegenüber anderen Anbietern weiter verbessert. Im gängigen Alternativkulturverständnis ist dies jetzt klar eine nicht-kommerzielle Bar. Das Bier kostet Franken 4.80.

    Eine kommerzielle Bar, ist eine Bar bei welcher der Betreiber für die Pacht (Miete) und die Energiekosten nach marktüblichen Preisen bezahlen muss. Auch hier kostet die Stange Franken 4.80.

    Was ist der Unterschied: Eine nicht-kommerzielle Bar hat ein Konzept und ist Teil eines aufregenden Formates, ein Partizipations-Experiment, welches sich auf Nachhaltigkeit abstützt und innovativ die Zukunft erforscht. Die Bar ist ein Stück Heimat am Fluss, Ferien in der Heimat, etc. und hat in jedem Fall eine eigene Website (der Grafiker ist der Barkeeper oder umgekehrt).
    Eine kommerzielle Bar ist halt einfach eine gemeine und ordinäre Bar mit Bier, Wein und Drinks, nur die Nüssli sind ein Gratis-Supplement. Voilà!

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