Markus Klinko: «Die Fotoshootings mit David Bowie sind unvergesslich»

Ob Beyoncé, Lady Gaga oder Pharrell Williams: Der Schweizer Fotograf Markus Klinko hat in den letzten 15 Jahren mit vielen Weltstars zusammengearbeitet. Ab Donnerstag zeigt er seine Fotos von David Bowie in der Basler Licht Feld Gallery. Wie der Soloharfenist zum Starfotograf wurde, sagt er im Interview.

Fotograf Markus Klinko (1961) bringt seine Bowie-Ausstellung von Miami nach Basel. 

(Bild: Markus Klinko)

Ob Beyoncé, Lady Gaga oder Pharrell Williams: Der Schweizer Fotograf Markus Klinko hat in den letzten 15 Jahren mit vielen Weltstars zusammengearbeitet. Ab Donnerstag zeigt er seine Fotos von David Bowie in der Basler Licht Feld Gallery. Wie der Soloharfenist zum Starfotograf wurde, sagt er im Interview.

Markus Klinko, Sie zeigen in Basel unveröffentlichte Fotos von David Bowie. Eine Rückkehr für Sie, wuchsen Sie doch in Winterthur auf?   

Ja, genau. Ich lebte lange in Paris, Los Angeles und heute in New York. Die Ausstellung in Basel steht für meine erste professionelle Rückkehr in die Schweiz seit vielen Jahren. Ich bin jetzt in einem Alter, wo ich gerne in die Heimat zurückkehre. (lacht)

Wie kommt Basel zu dieser Ehre?

Vor drei Wochen wurde meine Bowie-Ausstellung in Miami eröffnet. Da lernte ich einen Journalisten der «Huffington Post» kennen, mit dem ich mich sehr gut verstand und der einen Kontakt zur Licht Feld Gallery herstellte. Friedrich Hadorn und ich haben sehr schnell entschieden, dass wir die Ausstellung als Nächstes nach Basel bringen.

Man könnte Ihnen vorwerfen, aus Bowies Tod Kapital schlagen zu wollen.

Aber darum geht es mir nicht. In der Vergangenheit habe ich schon vereinzelte Bilder gezeigt, mit dieser Ausstellung will ich Bowie würdigen – und nebenbei auch Geld sammeln für eine wohltätige Stiftung: So arbeite ich bei dieser Produktion mit Gabrielle’s Angel Foundation for Cancer Research zusammen, der Erlös von 35 Bildern wird in die Krebsforschung fliessen.

Wie haben Sie David Bowie kennengelernt? 

Ich war bis 2001 ausschliesslich im Modegeschäft tätig. Ich arbeitete auch mit Bowies Frau Iman zusammen und erhielt den Auftrag, für ihr Buch «I Am Iman» das Cover zu schiessen. Als wir die Fotos anschauten, stiess Bowie dazu und fragte mich, ob ich Lust hätte, sein nächstes Albumcover zu machen. Ich sagte sofort zu und wurde ins Tonstudio eingeladen. Tony Visconti spielte mir die Rough Mixes des Albums vor, Bowie sass auf dem Fenstersims, rauchte und war gespannt auf meine Reaktionen. Ein unvergesslicher Moment. Im Herbst 2001 konnte ich ihn erstmals fotografieren, für das Cover des Albums «Heathen». Einen Grossteil der Bilder haben wir nie verwendet – und eine Auswahl dieser Fotos zeigen wir nun in der Ausstellung.

Das erste Shooting mit David Bowie führte zum Cover des Albums «Heathen». (Bild: Markus Klinko)

Unseen Bowie: In Basel zeigt Klinko Outtakes seiner Fotosessions. (Bild: Markus Klinko)

2004 erlitt Bowie einen Herzinfarkt und zog sich für Jahre zurück. Blieben Sie in Kontakt?

Nur mit Iman, mit der ich immer wieder zusammenarbeitete. 2013 aber hat mich Bowie aus dem Nichts mit einer Anfrage überrascht: Ob ich das Video für seinen Song «Valentine’s Day» machen möchte. Ich zögerte keine Sekunde und sagte zu. Im Unterschied zu anderen Celebrities war Bowie sehr zugänglich – wenn er etwas wollte. Er rief selber an, bevorzugte Gespräche unter vier Augen. So führte ich sämtliche kreativen Diskussionen direkt mit ihm. Bei anderen Prominenten hat man es oft auch mit Pressesprechern und Managern zu tun. Bowie war umgänglich. Überhaupt keine Diva.

Welche persönliche Bowie-Anekdote ist Ihnen in bester Erinnerung?

Ich arbeitete an einer Modestrecke fürs GQ, bei der es um Bademode ging. Wir hatten in meinem Studio ein Jacuzzi-Set aufgebaut, rundherum eine Menge männlicher und weiblicher Models, als mich Bowie besuchen kam: «Das erinnert mich an die Siebzigerjahre», sagte er angesichts all dieser halbnackter Menschen. Und fügte dann belustigt hinzu: «Dabei kann ich mich doch an gar nichts aus dieser Zeit mehr erinnern.»

«Bowie kannte sich sehr gut in der Fotografie aus und in der visuellen Computernachbearbeitung.» 

Herrlich! Und voller Selbstironie. Er galt ja auch als Control Freak – war dies seine anstrengende Seite? 

Nein. Der Bezeichnung «Control Freak» haftet etwas Negatives an. Bowie aber war kein Befehlsgeber, sondern immer auch ein guter Zuhörer, den die Meinung von anderen interessierte. Er hatte ein breites Wissen, viele Ideen, arbeitete vor der Kamera sehr intuitiv und erfahren und war ein unglaublich kreativer Geist. Er kannte sich sehr gut in der Fotografie aus und in der visuellen Computernachbearbeitung. 

Was Sie mit Bowie verband: Auch Sie waren Profimusiker. Warum wechselten Sie zur Fotografie?

Gesundheitliche Probleme zwangen mich dazu. Ich hatte in Paris Harfe studiert und war als Solist bei EMI unter Vertrag. Mein hoher Einsatz, täglich zehn Stunden am Instrument zu sitzen, schienen sich gelohnt zu haben. Doch 1994 traten von einem Tag auf den anderen Probleme mit meinem Daumen auf, eine rätselhafte, dramatische Sache, die mich zwang, meine Musikerlaufbahn aufzugeben und umzusatteln. Ich setzte mich autodidaktisch mit der Fotografie auseinander und konzentrierte mich von Beginn auf Models und Modeaufnahmen.

Wie haben Sie da den Durchbruch geschafft?

Gute Frage. Talent, Glück, Netzwerk, Connections, die richtigen Anfragen zum richtigen Zeitpunkt: All das muss zusammenspielen, denn die Konkurrenz unter Freelance-Fotografen ist gross. Die Fotoshootings machen nur fünf Prozent der eigentlichen Arbeit aus.

«Es dauert seine Zeit, bis ein Bild seine ganze Wirkung entfaltet.»

Ihr Palmarès ist eindrücklich: Nach Bowie haben Sie auch Albumcovers für Beyoncé und Mariah Carey gestaltet.

Ja, die Plattenfirmen gelangten an mich heran, die Zusammenarbeit mit Bowie hat mir Türen geöffnet. Doch ist es in der Fotografie wie bei einem guten Wein: Es dauert seine Zeit, bis ein Bild seine ganze Wirkung entfaltet.

Inwiefern?

Als das Cover von Beyoncé herauskam, blieb es zunächst relativ ruhig. Doch ein Jahr später erhielt ich plötzlich gewichtige Anfragen. L’Oréal etwa beauftragte mich deswegen mit einer grossen Kampagne.




Ikonografisches Cover: Beyoncés «Dangerously In Love», 2003. (Bild: Markus Klinko)

War eine Mariah Carey die grössere Diva als Bowie?

Ich weiss, dass Carey diesen Ruf hat, schwierig zu sein. Ich aber habe sie ganz anders erlebt. Da klingelte um Mitternacht mein Telefon, mein Agent in Los Angeles überrumpelte mich: Mariah Carey wolle umgehend mit mir reden, für einen Conference Call und mich am nächsten Tag auch gleich treffen. Sie hatte sich von David LaChappelle fotografieren lassen, für das Cover ihres Albums «The Emancipation of Mimi», war aber nicht zufrieden mit dem Resultat. So wurde ich für ein Re-Shooting des Covers verpflichtet. Und erhielt dadurch auch Folgeaufträge, für ihre Tour, fürs «Playboy»-Cover und so weiter. Ich profitierte auch davon, dass einige dieser Stars Werbeverträge haben, zum Beispiel mit L’Oréal. So schloss sich der Kreis zwischen Mode und Musik immer wieder.




Markus Klinkos Coverfotografie für Mariah Careys Album «The Emancipation of Mimi», 2005. (Bild: Markus Klinko)

Das Schöne für einen Fotografen: Plattencovers bleiben länger haften als ein Magazintitel, richtig?

Das ist so, ja. Für mich ging so auch selber ein Traum in Erfüllung. Ich erinnere mich ja selber noch gut an meine ersten Platten, die ich im Musik Hug in Winterthur als Teenager gekauft hatte. Das war in den Siebzigerjahren, die ikonischen Bilder von den Platten der Stones oder Deep Purple vergisst man nicht mehr. Und träumt davon, auch mal so etwas mitgestalten zu können. Was aber bedauerlich ist: die Plattenindustrie misst einem Albumcover nicht mehr den gleichen Wert zu. Die Plattenfirmen gaben in den goldenen Zeiten bis 500’000 Franken fürs Artwork aus. Heutzutage kommt ein Albumcover fast schon einem Gefallen gleich, weil man als Fotograf danach mit Folgeaufträgen rechnen darf, für Parfums oder Shampoos. 

Gibt es einen Musiker, mit dem Sie sich noch einen Traum erfüllen könnten?

Mick Jagger. Ein enorm interessanter Performer. Mit ihm würde ich gerne zusammenarbeiten. 

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Markus Klinko: «David Bowie lives on in Basel», Licht Feld Gallery, Davidsbodenstrasse 11, 4056 Basel.  
Vernissage: 24. März, 17 Uhr, in Anwesenheit des Fotografen. Finissage: 10. April.

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