Mohamed Elneny spricht über Salah, über Basel, über Halal-Fleisch – aber nicht über Politik

Über Politik spricht Mohamed Elneny nicht – sonst über fast alles: Der FCB-Dauerläufer über seine junge Familie, Freundschaft und das, was den 22-Jährigen in Basel hält.

FOTO: TAGES WOCHE/STEFAN BOHRER ORT: BASEL - 4.12.2014: INTERVIEW MIT DEM AEGYPTISCHEN SPIELER DES FC BASEL - MOHAMED EL NENNY. (Bild: STEFAN BOHRER)

22 Jahre ist Mohamed Elneny alt und beim FC Basel zum Schlüsselspieler gereift. Im Interview erzählt der Ägypter, wie sein Freund Mohamed Salah in der Anfangszeit in der Schweiz Hilfe wie Barriere zugleich war, über die Verantwortung als Familienvater und warum er mit Ruhm nicht sonderlich viel anfangen kann.

Mohamed Elneny, Sie waren in der Vorauswahl zum Fussballer des Jahres in Afrika nominiert. Wie gross ist die Enttäuschung, dass Sie es nicht unter die letzten Fünf geschafft haben?
Ich habe mich schon ein bisschen geärgert. Ich bin aber auch noch sehr jung, also ist es eine Ehre, überhaupt nominiert zu werden. Und vielleicht gewinne ich nächstes Jahr, wenn ich weiter gute Leistungen zeige.

(Anm. d. Red: In der Endauswahl stehen Yaya Touré (Elfenbeinküste/Manchester City), Vincent Enyeama (/Nigeria/Lille), Ahmed Musa (Nigeria/ZSKA Moskau), Asamoah Gyan (Ghana/Al-Ain, Vereinigte Arabische Emirate) und Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun/Borussia Dortmund).

Die Nominierung allein ist schon eine Auszeichnung für ein starkes Jahr, das Sie mit dem FC Basel gespielt haben.
Natürlich, darüber habe ich mich auch wirklich sehr gefreut. Ich habe in Basel so gut gespielt wie nie zuvor.

epa03987104 Schalke's Max Meyer (R) in action against Basel's Mohamed Elneny (L) during the UEFA Champions League group E soccer match between FC Schalke 04 and FC Basel in Gelsenkirchen, Germany, 11 December 2013. EPA/FRISO GENTSCH

Bekommen Sie mit, wie Ihre Leistungen mit dem FCB in Ägypten verfolgt werden?
Ich erkenne das zum Beispiel bei Twitter. Aber ich will mich nicht dauernd damit beschäftigen. Manchmal stehen da auch unschöne Dinge. Wenn es heisst «Elneny ist der Beste der Welt», ist das natürlich schön. Aber ich konzentriere mich eigentlich lieber auf mein wirkliches Leben.

In dieser wirklichen Welt ist Mohamed Salah ist ein grosser Star in Ägypten. Wie gross ist Ihre Popularität?
Ich bin froh darüber, dass man mich als Fussballer kennt, aber Ruhm mag ich nicht unbedingt. Es ist nicht so, dass ich etwas dagegen habe, aber ich fühle mich im Gegensatz zu anderen nicht wie etwas Grosses. Tief in mir drin fühle ich, dass die Leute nicht wirklich wissen, wer ich bin.



FOTO: TAGES WOCHE/STEFAN BOHRER ORT: BASEL - 4.12.2014: INTERVIEW MIT DEM AEGYPTISCHEN SPIELER DES FC BASEL - MOHAMED EL NENNY.

22 Jahre und zum Schlüsselakteur beim FC Basel gereift: Der ägyptische Nationalspieler Mohamed Elneny. (Bild: STEFAN BOHRER)

Haben Sie noch Kontakt zu Mohamed Salah? Wie geht es ihm?
Natürlich. Es ist schwierig für ihn in Chelsea, da er oft auf der Ersatzbank sitzen muss.

Kann er Ihnen erklären, wieso das so ist?
Nein. Wir sind Freunde und reden nicht über die Arbeit. Das sind zwei getrennte Dinge.

Sind sie während der gemeinsamen Zeit in Basel Freunde geworden?
Wir waren schon vorher seit vier Jahren befreundet. Er ist wie ein Bruder für mich.

Welche Rolle spielt es, dass in Ahmed Hamoudi bereits der nächste Ägypter in Basel angekommen ist?
Ich habe mich natürlich sehr gefreut. Aber nicht unbedingt für mich selbst. Dass schon der dritte Ägypter hier in Basel spielt, ist auch für den Fussball in unserer Heimat an sich ein sehr gutes Zeichen. Daran erkennt man, wie gut sich ägyptische Spieler in Europa entwickeln können.

Was konnten Sie Ahmed Hamoudi über Basel erklären, worüber Sie vielleicht gestaunt haben, als Sie selbst noch neu in Basel waren?
Ein grosser Unterschied ist das Klima: Hier ist es fünf Monate warm und sieben Monate kalt. Wobei das für mich kein Problem ist, ich spiele lieber, wenn es nicht so warm ist. Ausserdem essen wir nicht alles, was es hier gibt. Deshalb war es wichtig, Ahmed zu erklären, wo er in Basel Halal-Fleisch findet. Und weil er Basel nicht kennt, gehe ich mit ihm raus und zeige ihm, wo was ist. Sonst würde er nur in seiner Wohnung sitzen.

In Ihrer Heimat sind grosse gesellschaftliche Umwälzungen im Gang, ein General ist an der Macht, Ex-Präsident Mubarak gerade in einem Teilverfahren freigesprochen worden und vor wenigen Tagen wurden für einen Angriff auf eine Polizeistation 188 Todesurteile im Schnellverfahren ausgesprochen. Wie sehen Sie die derzeitige politische Lage in Ihrer Heimat?
Über Politik rede ich nicht.

Wieso nicht? Wovor fürchten Sie sich?
Ich fürchte nichts. Ich rede grundsätzlich nicht viel über Politik, ob in den Medien oder in meinem Privatleben. Wenn es in Ägypten um Politik geht, wird man schnell vom eigentlichen Thema abgelenkt, verliert den roten Faden und immer enden solche Diskussionen im Ärger. Ich rede über alles, aber nicht einmal mit meinem Vater rede ich über Politik. Ich rede lieber über Fussball. Ich weiss auch gar nicht, was in Ägypten genau passiert, weil ich mich nicht auf dem Laufenden halte und im ägyptischen Fernsehen höchstens Filme schaue. Mein Leben findet jetzt in der Schweiz statt.



FOTO: TAGES WOCHE/STEFAN BOHRER ORT: BASEL - 4.12.2014: INTERVIEW MIT DEM AEGYPTISCHEN SPIELER DES FC BASEL - MOHAMED EL NENNY.

«Über Politik zu reden, endet immer mit Ärger» – Mohamed Elneny. (Bild: STEFAN BOHRER)

Können Sie uns etwas darüber erzählen, wie Sie in Ägpyten aufgewachsen sind?
Ich bin in Mahalla gross geworden, das liegt eineinhalb Stunden von Kairo entfernt. Meine Mutter ist vor sechs Jahren gestorben. Ich habe einen Bruder und zwei Schwestern. Mein Vater ist als Fussballtrainer angestellt beim Baladeya Club in Mahalla und er war es auch, der mit mir allein trainiert hat.

Hat Ihr Vater Sie schon beim FCB spielen sehen?
Beim Heimsieg gegen Liverpool Anfang Oktober war er zum ersten Mal in der Schweiz. Und er war sehr glücklich.

«Mein Leben hat sich komplett verändert, und ich bin in Basel viel glücklicher.»

Wie unterscheidet sich Ihr jetziges Leben von dem, das Sie mit Ihren Eltern gelebt haben?
Jetzt bin ich verheiratet, habe einen Sohn und damit eine grosse Verantwortung. Das ist eine sehr grosse Veränderung im Vergleich dazu, allein zu leben. Ich bin für einen Haushalt verantwortlich und für meine Familie in dem Sinne, dass ich sie glücklich machen will. In Ägypten hatte ich all diese Aufgaben nicht. Mein Leben hat sich deshalb komplett verändert. Gott sei Dank spiele ich Fussball in Europa, ich spiele sogar in der Champions League, und deshalb bin ich viel glücklicher hier in Basel.

Im Nationalteam, für das sie bereits fast 40 Länderspiele absolviert haben, erlebten Sie zuletzt einen regelrechten Absturz, die Qualifikation zum Afrika Cup wurde erneut verpasst und mit Bob Bradley ist bereits der nächste Trainer geschasst. Was ist da passiert?
In jedem Team der Welt braucht es eine Mischung aus guten und erfahrenen Spielern, und bei uns sind einige der erfahrensten Spieler in den Ruhestand getreten. Es sind viele neue Spieler dazugekommen, und dann ist es halt so in Ägypten: Du kannst mehrere gute Spiele abliefern, und wenn du einmal verlierst, dann wird der Trainer in Frage gestellt.

Ihre Rolle in der Nationalmannschaft sieht ein bisschen anders aus als beim FCB.
Dort spiele ich defensiver, bin ich eher in der Verteidigung und kläre die Bälle.

Das letzte Spiel des Jahres ist der Showdown in der Champions League. Gibt es etwas Schöneres für einen Fussballer als gegen einen Club wie Liverpool an einem so geschichtsträchtigen Ort wie der Anfield Road eine entscheidende Partie zu spielen?
Früher habe ich Liverpool-Spiele im Fernsehen geschaut. Jetzt selbst gegen sie zu spielen ist ein Traum und gegen sie weiterzukommen wäre toll.

Und wie taxieren Sie die Chancen Ihrer Mannschaft?
Es wird nicht einfach, und mit einem Unentschieden sind wir ja schon weiter. Aber ich glaube an unsere Mannschaft, ich bin stolz auf sie, und ich bin der Meinung, dass wir sogar gewinnen können. Der Druck ist jedenfalls eher beim FC Liverpool.



FOTO: TAGES WOCHE/STEFAN BOHRER ORT: BASEL - 4.12.2014: INTERVIEW MIT DEM AEGYPTISCHEN SPIELER DES FC BASEL - MOHAMED EL NENNY.

Mohamed Elneny (rechts) im Gespräch mit der TagesWoche. Links unser Mitarbeiter Philip Vlahos, der sich dank seines Studiums in Kairo mit Elneny in dessen Muttersprache unterhalten kann. (Bild: STEFAN BOHRER)

Mohamed Elneny bei rotblaulive.ch, der Seite der TagesWoche mit Allem zum FCB:

Konversation

Nächster Artikel