Taulant Xhaka: «Man nimmt sich Besserung vor, und dann kommt der nächste Vorfall»

In der Super League ist er gesperrt und in der Europa League am Donnerstag in Sevilla gesetzt: Taulant Xhaka. Kurz vor seinem 25. Geburtstag spricht er über seine Aussetzer und warum Renato Steffen im Bus neben ihm sitzt.

25.07.2015 Zuerich Fussball Herren Saison 2015/2016 Stadion Letzigrund Grasshopper Club Zuerich - FC Basel Bild zeigt Taulant Xhaka (FC Basel Aktion Einzelbild Foto (c) Anton Geisser

(Bild: Anton Geisser)

In der Super League ist er gesperrt und in der Europa League am Donnerstag in Sevilla gesetzt: Taulant Xhaka. Kurz vor seinem 25. Geburtstag spricht der Mittelfeldspieler des FC Basel darüber, wie er seine Aussetzer in den Griff bekommen will, wie er sich mit Renato Steffen versöhnt hat, über den Traum der EM-Endrunde mit Albanien – und natürlich den FCB, bei dem er durchaus noch einmal verlängern würde.

Taulant Xhaka, wie ging es Ihnen am Tag nach dem 0:0 gegen Sevilla?

Das Spiel war sehr anstrengend. Das Programm war entsprechend leicht: eine Stunde auslaufen, dann Pflege, gefolgt von einem freien Nachmittag. 

Ein schöner Arbeitstag.

Absolut!

Verdientermassen. Die Mannschaft hat eine reife Leistung gezeigt.

Im Training haben wir simuliert, wie diese spielerische Mannschaft agiert. Wenn man sie gewähren lässt, wird es gefährlich. Wir sind vom Trainer sehr gut darauf eingestellt worden. Wie viele Chancen hatten sie? Drei?

Der FCB hat mit einer ungewöhnlichen Dreier- respektive Fünferabwehr gespielt. Hat sich für Sie dabei etwas verändert?

Nein, nicht wirklich. Ich musste darauf achten, dass Sevillas Spielmacher Ever Banega nicht in meinem Rücken agieren kann. Und ansonsten einfach im Zentrum kompakt stehen. Wir wussten ja, dass die Flügelspieler in die Mitte ziehen.

Oft hat der Trainer noch nicht auf dieses Mittel zurückgegriffen.

Wir haben das 3-5-2-System vier Tage lang vor dem Hinspiel trainiert. Und in Florenz haben wir auch so gespielt: mit einer Dreierabwehr begonnen und danach umgestellt, was sehr gut geklappt hat. Da war noch Mohamed Elneny auf der Sechserposition. Aber wie dem auch sei, in Sevilla müssen wir jedenfalls nicht viel ändern.

Ist das ein gutes 0:0 für den FCB?

Ich glaube schon. Jetzt müssen wir in Sevilla offensiv effizient sein und das eine oder andere Tor erzielen, dann kommt das gut.

Sevilla's Ever Banega, back, fights for the ball against Basel's Taulant Xhaka, front, during the UEFA Europa League Round of 16 first leg soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Spain's Sevilla Futbol Club at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Thursday, March 10, 2016. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Ein typischer Taulant Xhaka: Im Hinspiel gegen Sevilla engt er die Kreise von Spielmacher Ever Banega ein. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Sevilla ist im eigenen Stadion eine Macht, es wird eine heisse Atmosphäre herrschen, südländisch aufgeheizt. Es wird eine grosse Prüfung werden, um die Viertelfinals zu erreichen.

Absolut. Wir wissen, dass wir eine Topleistung brauchen. 90 Prozent wird nicht reichen. Sevilla hat zu Hause gegen Real Madrid und Barcelona gewonnen. Die werden anders auftreten als hier in Basel. Uns Spieler pusht eine solche Atmosphäre auf, wenn du weisst, dass du in einem Stadion spielst, in das 45’000 Menschen passen. Wenn alles gegen dich ist.

Wie schwer wiegt es, dass Walter Samuel gesperrt ist?

Ein Spieler, der Erfahrung von über hundert Europacup-Spielen hat, ein solcher Spieler wird uns fehlen, das schmerzt. Aber egal, wer aufläuft: Die Motivation wird stimmen.

epa04447012 Serbian players try to recover a flag on the pitch before the Euro 2016 Group I qualifying match between Serbia and Albania was suspended, at the Partizan stadium in Belgrade, Serbia, 14 October 2014. The match was suspended after the flag Albanian symbols was flown above the stadium remote controlled by a drone which provoked a fight between players. EPA/SRDJAN SUKI

Erzählen Sie doch mal, wie das war, als Renato Steffen nach Basel kam. Wie haben Sie die Situation vom Herbst bereinigt?

Das erste Zusammentreffen war am Flughafen auf dem Weg ins Trainingslager. Er hat gegrinst, ich ebenso. Er hat mich gefragt, ob es noch irgendein Problem gibt zwischen uns. Gab es nicht. Da war es gegessen. Jetzt sitzt er im Bus neben mir, und wir machen nur noch Sprüche darüber.

Klingt fast wie eine Ironie dieser Episode.

Eigentlich schon. Die Sache ist gegessen, und ich verstehe mich gut mit Renato.



Rudelbildung der Basler Breel Embolo und Taulant Xhaka, mit YBs Renato Steffen und Florent Hadergjonaj nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen den Berner Young Boys und dem FC Basel, am Mittwoch, 23. September 2015, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Rudelbildung mit Taulant Xhaka: Renato Steffen liegt nach einer Ohrfeige des Baslers am Boden – grosse Aufregung nach dem Schlusspfiff der Super-League-Partie in Bern am 23. September 2015. Und für Xhaka setzte es Rot und eine Sperre. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Der Hobbypsychologe Steffen hat damals in Bern mit der Bemerkung «Xhaka hat sich nicht im Griff gehabt» ja nicht einmal so unrecht gehabt.

In dem Moment schon. Es war einfach der Frust, darüber, dass wir verloren haben und keinen guten Match gezeigt haben. Alles kam zusammen und dann passiert es, nicht mal im Spiel, sondern nach dem Schlusspfiff.

Kann man denn jetzt auch mal erfahren, was Renato Steffen Ihnen verbal an den Kopf geworfen hat und Sie hat ausrasten lassen?

Es waren keine netten Wörter (lacht). Aber das gehört im Fussball dazu, damit muss man klarkommen, und ich habe nicht gut reagiert. Auch das bereue ich. Man nimmt sich vor, sich zu bessern, und dann kommt der nächste Vorfall. Aber jetzt habe ich mir ein Ziel gesetzt und versuche, mich wirklich zu bessern.

Nun hat es Renato Steffen ja auch nicht leicht, nach seinem Wechsel in der Winterpause von Bern nach Basel die Herzen aller FCB-Fans zu erobern.

Ich finde, dass das ein toller Transfer ist. Renato hat Qualitäten, die er schon bei YB gezeigt hat und jetzt in den wenigen Spielen für den FCB ebenfalls.

Der Basler Taulant Xhaka in Aktion im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel und dem FC Vaduz im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Sonntag, 19. Juli 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Wie finden Sie eigentlich die Bezeichnung Terrier für einen Spieler wie Sie?

Den Gegner auf dem Spielfeld zu jagen – das passt schon. Jeder Gegner muss gejagt werden – auch wenn das natürlich kein schöner Ausdruck und nicht wörtlich zu verstehen ist.

Und wie wird es sein, wenn Sie und Granit bei der Europameisterschaft gleich im ersten Spiel der Schweiz gegen Albanien den Weg im Mittelfeld kreuzen? Werden Sie ihn auch jagen?

Natürlich. Wir müssen beide unseren Job machen, und ich kann ja nicht sagen, ich spiele nur 50 Prozent, weil es gegen meinen Bruder geht. Dann stellt mich der Trainer nicht auf.

Als Sie im Januar 2012 zu GC ausgeliehen wurden, sind Sie beide schon mal aufeinandergetroffen, nicht direkt, weil Sie Aussenverteidiger waren und Granit beim FCB im defensiven Mittelfeld spielte. Wer hat denn früher, als Sie Kinder waren, auf dem Bolzplatz gewonnen?

Unterschiedlich – mal er, mal ich.



Familienbande: Granit Xhaka und sein eineinhalb Jahre älterer Bruder Taulant, der kurz davor steht, zu den Grasshoppers ausgeliehen zu werden.

Familienbande: Taulant Xhaka (rechts) und sein eineinhalb Jahre jüngerer Bruder Granit in der Saison 2011/12. (Bild: Freshfocus)

Ihr eineinhalb Jahre jüngerer Bruder Granit hatte vor der Auslosung gesagt: Bloss nicht gegen Albanien. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Mein Wunsch wäre eigentlich auch gewesen, gar nicht gegen die Schweiz und meinen Bruder zu spielen. Ich habe hier meine Ausbildung gemacht, und eine Hälfte in mir ist für die Schweiz und die andere für Albanien. Aber so ist es halt manchmal im Fussball: Ich muss mich auf Albanien konzentrieren, er hat seine Aufgabe, ich habe meine.

» Taulant Xhakas Facebook-Account mit einem frisch geposteten Bild gemeinsam mit Granit aus frühesten Tagen
» Noch mehr Bilder: Taulant Xhaka bei Instragram 

Dieses Bruderduell ist eine Premiere bei einem europäischen Turnier.

Das ist schon ein bisschen verrückt, aber an der EM-Endrunde teilzunehmen, ist ein Traum, den hat man schon als Kind hat, und der wird jetzt wahr.

Erklären Sie noch einmal, warum Sie für Albanien und nicht wie Granit für die Schweiz spielen?

Es war keine Entscheidung gegen die Schweiz, sondern für Albanien. Ausserdem habe ich schlicht kein Aufgebot für die Schweizer Nationalmannschaft bekommen. In dem Augenblick, als der albanische Verband auf mich zugekommen ist, war mir klar, dass ich den nächsten Schritt machen muss, wenn ich mich international mit Topspielern messen will oder mal an einer Endrunde teilnehmen will.

Breel Embolo, left, and Taulant Xhaka, right, of Switzerland's FC Basel 1893 on their arrival at the airport in Lisbon, Portugal, on Wednesday, November 4, 2015. Switzerland's FC Basel 1893 is scheduled to play against Portugal's C.F. Os Belenenses in an UEFA Europa League group I group stage matchday 4 soccer match on Thursday, November 5, 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Wie soll Ihre Karriere weitergehen? Ihr Vertrag beim FC Basel läuft noch bis 2018.

Ich könnte mir vorstellen, noch einmal zu verlängern. Weil ich mich sehr wohl fühle. Ich habe meine Familie um mich, meine Freunde, und der Club ist eigentlich immer international dabei.

Sie könnten sich mit dem Gedanken anfreunden, gar nicht ins Ausland zu gehen?

Das ist natürlich schon ein Traum eines jeden Spielers, diese Erfahrung im Ausland zu machen. Wenn es so käme, würde ich mich auch darüber freuen.

Was sagt Ihr Vater, der wie ein Berater fungiert, zu Ihrer Zukunft? Drängt er nicht auf einen Wechsel?

Überhaupt nicht. In dieser Hinsicht macht er mir keinerlei Druck. Er sagt: Wenn du dich wohlfühlst, dann bleib. Und: Wichtig sei, Leistung zu bringen. Immer. Natürlich gibt es mal schlechtere Tage, aber was zählt, ist, was du auf dem Platz zeigst. Und was darum herum passiert, darum kümmern sich mein Vater und mein Anwalt.

Klingt bodenständig. Parallel dazu macht Ihr Bruder Karriere in einer grossen Liga, wird mit grossen Clubs in Verbindung gebracht und verdient viele Millionen. Und Sie wollen in Basel verlängern?

Das Geld spielt bei mir und in meiner Familie nicht die ausschlaggebende Rolle. Und mittlerweile habe ich beim FCB auch einen guten Vertrag. Freude zu haben, spielen zu können und gesund zu sein – das ist das Wichtigste. Alles andere kommt von alleine, finde ich.

Taulant Xhakas Leistungsdaten der laufenden Saison:

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