Das Theater um die Terror-Anschläge ist ein Trauerspiel

Charlie Hebdo, Bataclan – und nun Nizza. Frankreich ist im Griff des Terrors. Dessen Saat geht verhängnisvollerweise auf: Vernünftige Antworten auf den Horror scheint niemand auf Lager zu haben.

Rettungskräfte transportieren einen Verletzten, nachdem ein Mann beim 14.-Juli-Feuerwerk auf der Promenade des Anglais in Nizza mit einem Lastwagen über 80 Menschen ermordet hat.

(Bild: Keystone/Maxppp/Franck Fernandes ©PHOTOPQR/NICE MATIN)

Charlie Hebdo, Bataclan – und nun Nizza. Frankreich ist im Griff des Terrors. Dessen Saat geht verhängnisvollerweise auf: Vernünftige Antworten auf den Horror scheint niemand auf Lager zu haben.

Die Schau des Schreckens will nicht aufhören. Dieses Mal ist das Datum der 14. Juli, der französische Nationalfeiertag: Feuerwerk, französische Siege, Militärparaden, Millionen feiernder Menschen auf den Strassen. Der Tatort ist Nizza, die Tatwaffe ist ein Lastwagen, der Massenmörder ein junger Franzose mit tunesischen Wurzeln.

Die Terroristen arbeiten mit Kalkül. Es war kein Zufall, dass die Aufführung am 13. November 2015 in einem ausverkauften Pariser Fussballstadion vor Live-Publikum geplant war. Auch nicht, dass sie gleichzeitig vor der Bühne im legendären Pariser Theater Bataclan, seit seiner Eröffnung vor 150 Jahren ein Tempel der Populärkultur, stattgefunden hat. Denn die Täter wissen, dass sich alle Akteure ans Drehbuch halten werden.

Egal ob Paris oder Nizza: Lange bevor die Polizei dem Massaker ein Ende setzen kann, gehen Bilder und Beschreibungen des Sterbens um den Globus, dringt das Ungeheuerliche in jeden Winkel vor, millionenfach multipliziert, mischen erste Politiker und ihre Troll-Armeen das frische Blut in ihre Lieblingsrezepte.

Die Schuldigen, die angeblichen Ursachen und die Rezepte gegen den Terror werden mittlerweile beschlossen, bevor die Untersuchung eines Anschlags abgeschlossen ist. François Hollande hat die Tat als terroristischen Akt bezeichnet, noch bevor die Identität des Täters bestätigt war. Noch immer fehlt ein Bekennerschreiben. Macht nichts: Nur wenige Stunden nach dem Attentat trat Hollande vor die Kameras und verkündete, man werde den Ausnahmezustand um drei Monate verlängern und die Aktionen in Syrien und Irak noch intensivieren – «um die, die uns auf unserem Boden angreifen, in ihren Höhlen zu schlagen.» Der Sozialist klingt und reagiert damit ungefähr so bedacht wie damals George W. Bush.

Die Killer schreiben das Drehbuch

Die Show, die machen die Mörder. Wir sind Zuschauer und Mitspieler zugleich, die meisten unfreiwillig, manche mit Absicht. Und das, wo sich die Anschläge der Terroristen auf das World Trade Center in New York bald zum 15. Mal jähren. Wohl nicht einmal die Regisseure des Undenkbaren hatten sich damals in ihren kühnsten Träumen ausgemalt, wie perfekt ihre Saat des Terrors aufgehen würde.

Die grösste Macht der Welt inszenierte in Panik einen Gegenschlag, erfand einen imaginären globalen Kriegsschauplatz, militarisierte den Alltag gegen Innen und Aussen. Sie zog, zusammen mit europäischen Verbündeten, in einen echten Krieg, legitimiert mit imaginären Massenvernichtungswaffen. Der Krieg sollte Hunderttausende das Leben kosten, eine Region vollends destabilisieren, Freiheiten, Staats- und Völkerrecht in Papiertiger verwandeln. Der wahre Schuldige würde erst Jahre später unter einem anderen Präsidenten sein Ende finden.

Eine gelungene Darbietung – aus Sicht der Terroristen. Sie bereitete die Bühne erst für das, was sie ursprünglich selbst als Erfindung enthalten hatte: Die erste wirklich globale Terrorbewegung, Isis, Isil, IS, Daesh, oder wie man die Fanatiker mit Fans und Mitstreitern aus aller Welt sonst nennen soll. Die Bande ist im Töten genauso unheimlich effizient wie in Public Relations.

Keine Organisation, keine Regierung der Welt weiss ihre eigenen Strategien und Aktionen wirkungsvoller zu inszenieren als die PR-Profis der Todes-Sekte.

Vom «Erfolg» von 9/11 beschwingt wurden die islamistischen Terroristen zu Meisterdirigenten des globalen Orchesters von sozialen Netzwerken, traditionellen Medien und Politikern: Keine Horror-Inszenierung zu grausam, um nicht ungefiltert in alle Stuben, in alle Hände übertragen zu werden.

Das Blut der Opfer klebt nicht nur auf der Promenade des Anglais in Nizza. Es gerinnt in jedem Facebook-Feed, jeder Zeitung, jedem Chat, jeder Rede. So wird auch die jüngste grauenhafte Vorstellung in Europa zum Erfolg, indem sie ihren Zweck erfüllt: Sie verbreitet Angst, arbeitet an der Zerstörung der offenen Gesellschaft, ihrer Spaltung, und sie provoziert Gegengewalt im Kleinen wie im Grossen, lokal und international.

Das «Theater der Sicherheit»

Die Politik und der dominante mediale Diskurs, das hatte sich schon nach den Anschlägen in Paris gezeigt, sind nicht bereit, vom bekannten Skript abzuweichen. Zwei Begriffe aus der jüngeren kritischen Politikwissenschaft drängen sich auf: «Securitization» und «Security Theatre». Beide beschreiben, vereinfacht gesagt, extreme Massnahmen, die Staaten unternehmen, um angeblich die Sicherheit zu erhöhen, um angebliche existenzielle Bedrohungen zu verhindern.

Im besten Fall verursachen diese Massnahmen nur steigende Kosten, im schlimmsten Fall verstärken sie das Gefühl von Angst, schränken Grundrechte und Freiheiten ein – und verhindern dabei weder Gewalt noch Radikalisierung. Oder bewirken sogar das Gegenteil.

Schon Paris kann als Lehrbuchbeispiel für «Versicherheitlichung» dienen: Die Attentäter, Franzosen, teils vorbestraft, als Extremisten und mögliche Jihad-Reisende polizeilich bekannt, hatten Hotels und Mietautos mit Klarnamen gebucht, ihre Kommunikation lief weitgehend unverschlüsselt. Kurz, die Nicht-Verhinderung des Attentats zeigte ein tragisches, komplettes Versagen vorhandener, traditioneller Polizei- und Geheimdienstarbeit.

Die Reaktionen der französischen Politik und Medien hatten dagegen nichts mit den eigentlich begangenen Fehlern zu tun: Mehr Überwachung – und «Krieg». Grosser Beifall. Frankreich und seine Verbündeten scheint es wenig zu kümmern, dass das Land schon vor den Anschlägen vor dem Stade de France und dem Bataclan damit begonnen hatte, die syrische Stadt Rakka zu bombardieren – mit derselben Begründung (dem Charlie-Hebdo-Attentat). Es berief sich auf das durch die UNO garantierte Recht auf Selbstverteidigung, eine Begründung, die von verschiedenen Experten als haltlos kritisiert wurde. Frankreich war schon damals längst im Krieg, einem nicht erklärten, einem völkerrechtlich umstrittenen.

Gleichzeitig mit Hollandes erster Antwort auf die Tat in Nizza (mehr Krieg) versprach Donald Trump, einziger verbliebener Präsidentschaftskandidat der Republikaner, seinen Anhängern live auf Fox TV, er werde aufgrund der Ereignisse und der Gefahr, die von Migranten ausgehe, offiziell den dritten Weltkrieg ausrufen. Falls er zum Präsidenten gewählt würde.

Das Fehlen echter Lösungsansätze

Es ist selten eine gute Idee, mit Provokateur Jean Baudrillard einig zu gehen, insbesondere nicht, wenn er schreibt, dass es «keine Lösung in dieser extremen Situation» des Terrors gebe. Seine Abwandlung von Clausewitz‘ Diktum als Antwort auf 9/11, Krieg sei lediglich «die Fortsetzung der Abwesenheit von Politik mit anderen Mitteln», muss aber so lange ihre Gültigkeit behalten, als die Politik weiter nur Scheindebatten führt und Scheinlösungen bietet. Die Absenz des Politischen manifestiert sich hier in der Repetition immer gleicher untauglicher symbolischer und realer Akte. Bekanntlich ein Symptom des Wahnsinns. Und damit ganz nach dem Drehbuch der Terroristen.

Zu viele Politiker und Chefredaktoren helfen tatkräftig mit beim Herbeischreiben der nächsten Bombardements, ergötzen sich am imaginären Ende Europas, manche gar an der Vorstellung des Untergangs des ganzen Abendlandes. Zu viele lassen sich verrückt machen, leichtsinnig oder mutwillig, trotz einer Fülle möglicher Alternativen.

Sie verschweigen, dass Deutschland und viele weitere Länder nicht mitmachten beim Irakkrieg. Sie verschweigen, dass eine absolute Mehrheit der europäischen Bevölkerung gegen diesen Krieg war. Sie blenden historische, politische und soziale Zusammenhänge und Probleme aus.

Der Applaus der bärtigen Männer

Sie verschweigen, dass es Rezepte gegen Radikalisierung und Terrorismus gibt, die einerseits grösstmögliche Sicherheit bieten, Versicherheitlichungsbestrebungen aber ablehnen. Sie reden gerne über Liberté und geben dabei jene der Lächerlichkeit preis, die Égalite und Fraternité nicht vergessen haben. Vernünftige Stimmen mit anderen Vorschlägen (etwa jene, die soziale und religiöse Probleme ansprechen und von allen Seiten Integration fordern), drohen im Kriegsgeheul unterzugehen.

Wer einen apokalyptischen Kult damit zu besiegen hofft, der Gesellschaft vorzubeten, es sei ein Punkt erreicht, an dem «es» aus diesen oder jenen Gründen nicht mehr zu schaffen sei, der hilft aktiv am Niedergang seiner eigenen Gesellschaft mit.

Ein Trauerspiel. Den lautesten Applaus spenden jeweils die bärtigen Männer in der Wüste mit ihren Kalaschnikows und ihre fanatisierten Fans in aller Welt, wenn sie nach dem Morgengebet die Nachrichten lesen.


Die neusten Entwicklungen und Erkenntnisse zum Attentat in Nizza finden Sie hier.  

Konversation

  1. Vielleicht mal etwas unpassend Wirkendes:

    – Jünglinge so in der Gegend zwischen 16 und 22 haben bei Prädisposition, in dieser Zeit an einer veritablen Geisteskrankheit zu erkranken: Schizophrenie. Die beginn mit Ängsten, öfters etwas verschrobenen, sozialem Rückzug und dann halt einem zunehmnd schwierig verstehbaren Verhalten, aufgrund innerer Präferenzen wegen Krankheit.

    – Junge Leute, wohl besonders junge Männer wollen etwas erreichen. Wenn man ihnen sagt, wie sie dazu relativ einfach kommen, sind sie des öfteren zu entsprechendem Handeln bereit. So hat der Ayatollah seine Jugend mit dem Schlüssel zum Paradies in den Krieg geschickt, so begeisterten sich die Hitlerjugendlichen und so findet auch das amerikanische Militär seine Soldaten für überall. Auch die französische Fremdenlegion ist so ein Sammellbecken für entsprechend Bedürftige.

    – Die psychiatrische Versorgung ist in vielen Teilen der Welt sehr schlecht. So mancher „Schiefdenker“ wird noch als Fast-Heiliger verehrt, während er hier wohl schon auf dem Weg in die Klinik wäre.
    Da solche Jugendlichen schwierig zu ertragen sind, kann es sein, dass in den Gegenden halt mit Vorliebe solche Jungen per Weitmigration „sozial entsorgt werden“.

    – Die Erlebnisse einer Flucht an sich sind Stress genug, um psychisch instabile junge Leute definitiv aus dem psychischen Gleichgewicht zu kippen. Leider beginnt dieser Kipp-Prozess oft schleichend und wird von dem Betreffenden natürlich verheimlicht.

    – In unserer sich als „freiheitlich“ gebenden Gesellschaft ist zwar härtere Pornographie obsolet, jedoch haben entsprechend suchende junge Leute durchaus leichten Zugang zu einer ganz anderen Art von „politischer Hart-Pornographie“ nach Idee IS, Verschwörervereine, Neonazis, 500%-Patrioten etc.
    Man darf sich einmal die Frage stellen, ob solche Dinge für junge Leute nicht schlicht geistig giftig sind, wie eine gut schmeckende Knollenblätter-Pilz-Suppe: Man stirbt dort erst drei Tage später.

    – „Looser“, die höchstens noch auf das Paradies irgendwelcher Art warten, sind oft gut empfänglich für auch finale Ideen. Das Prinzip: „Nach mir die Sintflut“ bestimmt dann das Handeln.

    – Oft gut verdeckt durch Erziehung gibt es wohl genug Leute, die eher nach radikalen Schnell-Lösungen rufen, wenn ihnen Komplexeres zuviel wird. Bei politischen Wahlen finden sich wohl öfter solche Reaktionen.
    Eine MEI-Zustimmung ist natürllch eher wie ein Säbel, der einen gordischen Knoten durchschlägt, denn das mühevolle Entwirren desselben. Leider ist nicht alles, was aussieht wie eine Gardinenschnur auch so eine, manchmal ist es ein Löwenschwanz. Dann hat man ein kleines Problem danach….

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    1. @cesna

      interpretiere ich sehr ähnlich.
      ==
      das verwirrte is-potenzial.

      vor zeiten hockte in jeder zweiten wg ein gewisser zappa auf der schüssel … oder hing ein che in der küche rum: da wohnten dann wohl alles bekennende zappatisten & marxistische guevarallos?
      mag ja sein, dass der is nach den einzelaktionen dieser psychisch kranken menschen jeweils verantwortlich zeichnet – wäre heutzutage zudem eher unwahrscheinlich, wenn sich da keine kontakte nachweisen lassen würden posteriorem – beim andauernden gezwitscher x fätzbugg.
      rein virtuell.

      ich halt’s trotzdem eher für die makabre antwort aufs mutige selfie im raubtiergehege (mit ca 922’377 ein-sichten):

      beenden wir den unerträglichen soz. bestätigungs– x psy leidensdruck
      mit einem noch viel imposanteren
      is-snuffie.

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    2. @ Chröttli:
      Im Gegensatz zu universitären Ausbildung mit nur wenig und zeitlich eher seltenen Püfungen ist ein Lahrling natürlich jeden Tag gefordert in der Arbeitsrealität. Dort fällt ein etwas schräg wirkender Typ eher schneller auf, besonders, wenn er konzentrativ nicht so ganz drauf ist und eher bekifft wirkt (das geht auch ohne „Gras“.)
      Das Jus-Studium war früer wohl so ein „Laufstall der Abgehobenen“, gab es dort doch wohl wenig Prüfungen und dazwischen lange Zeit, wo man „selbständig arbeiten etc. konnte.
      Auch so manches „Nest-Doppelhäkchen“ kann so im Schutz der eigenen „Cloud“ verweilen.
      Auch so mancher Arbeitsloser, Ausgesteuerte hat das Risiko, zunehmend die Realität zu verlieren.

      Um es konkret auszudrücken:
      „Sich ungebraucht fühlende junge Leute“ sollten nicht „Kollateral-Ereignis“ eines Neoliberalismus sein, dem Gewinn wichtiger ist als Menschen.

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  2. Gestern war also wieder einmal so ein ganz normaler Tag wo es in einem unserer Nachbarlaender zu einem Terroranschlag kam – nein nicht Nizza, sondern in Deutschland.
    Ich habe mir mal die Muehe genommen zu schauen wer nun so alles ueber diesen Anschlag etwas berichtet und siehe da von Australien ueber Russland und England bis Argentinien ist es in allen Leitmedien ein Thema. Auch in der Schweiz berichten die meisten darueber. Und in der TaWO? Nein, dort bekommt der Leser nichts davon mit ausser eine kurze Meldung auf dem Omniticker.
    Nun gut, ich bin ja auch kein Fan jede noch so kleine Straftat immergleich an den grossen Nagel zu haengen und das taeglich BaZ: in Basel ist… Find ich ebenso stupid. Nur stellt sich mir nun die Frage: Was ist denn der minimum Threshold
    des Bodycounts bei Terroranschlaegen in Nachbarlaendern zu Basel ab wann die TaWo dazu berichtet? Er muss ja irgendwo zwischen 84 und 0 liegen. Ich frage nur, damit der geneigte Terrorist auch einschaetzen kann wieviele Frauen und Kinder er niederfahren, niedermetzeln oder Erschiessen muss, damit ihn die TaWo einer Zeile wuerdigt?
    Oder faehrt die TaWo wieder den Kurs, wie in Koeln, solche Informationen welche zu kritischen Bemerkungen fuehren koennten und das eigenen idealistische Weltbild in Frage stellen zu ignorieren?

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    1. @Weber
      Und ich frage mich wegen ihres neuen Benutzerbildes. McCarthy? Finden Sie den wirklich gut oder wollen Sie bloss provozieren?

      Im Übrigen finde ich es richtig, dass die TaWo sich in der Regel Zeit lässt mit Berichten und Einordnungen, so lange die Faktenlage noch unklar ist. Gibt ja genug andere Medien, die solche Geschichten auf dem Live-Ticker haben und wenn man das möchte, kann man das mitverfolgen.
      Und es gibt auch Medien, die personell mehr Ressourcen haben um seriöse Hintergrundrecherche zu machen und fundierte Analysen zu bringen. In dieser Hinsicht empfehle ich vor allem Radio SRF.
      Ihren Verdacht, man wolle bloss nichts „Unbequemes“ finde ich nicht überzeugend.
      Aber stimmig zum Benutzerbild. 😉

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  3. Urs G,

    Vielleicht ist Ihnen entgangen, dass sich Erdöl viel besser fördern lässt, wenn nicht links und rechts Sprengfallen um die Ohren fliegen und wenn nicht die Erdölingenieure und Geologen von „Allahu Akbar“-schreienden Psychopathen ihrer Köpfe beraubt werden.

    Sie können mir sicher erklären, inwiefern der IS für die Erdölförderung hilfreich ist.

    Zudem bleibt’s dabei: Wenn mein theologisches Leitbuch von einem Philosophen geschrieben wird, ist die Message eine andere, als wenn mein theologisches Leitbuch von einem Politiker Kriegsherrn aus dem 7.Jhdt. geschrieben wird.
    Es gibt einen Grund, wieso alle Desperados der Gegenwart entweder auf „Mein Kampf“ oder den Koran abfahren.*
    Frankreich hat die Indochinesen genauso schlimm behandelt und nach seiner Niederlage seine Helfer verraten wie die Harkis – nur hört man nichts von Vietnamesen, die in Banlieues nach Rache schwören.
    Das ausgeprägte Rachemotiv hat also entweder mit den Arabern oder mit dem Islam zu tun.

    Ich gebe aber zu, dass der Westen einen ganz grossen Fehler gemacht hat, den grössten überhaupt: Es hätte 2001 Saudi-Arabien in Schutt und Asche legen sollen.
    16 der 19 Attentäter vom 11.9.2001 waren Saudis – und das hat seine Gründe.
    Auch ist jeder islamistische Attentäter Wahhabit. Nicht Alewit, nicht Alavit, nicht Balkanmoslem oder Ahmadyyia.
    Ich würde noch so gerne mehr Steuern zahlen, um Bomben über Riad fallen zu sehen.
    Es gibt auch gerechte Kriege.

    * Es gäbe im Islam durchaus eine Tradition, die sich mit der Frage nach der Gegenwartsbezogenheit des Korans und der Hadithen auseinandersetzt (= Kalam). Diese philosophischere Schule wird aber aktuell von den Wahhabiten/Salafisten zurückgedrängt.
    Der saudische Islam kennt keine Interpretationsspielräume und keine Ethik.

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  4. Kaspar Tanner, warum es keine vietnamesischen „IS“ oder „Al-Kaida“ gibt?
    Im Unterschied zu Vietnam und den anderen Ländern, von denen keine Rache ausgeht, hat es im nahen Osten Öl und Gas.

    Der IS kämpft mit amerikanischen und deutschen Waffen, z.B. die Pickups, die wir immer sehen, stammen aus den USA. Terroristen in Syrien werden offiziell von den USA ausgebildet mit einem offiziellen Programm. Sie verstecken das nicht mal.

    Der IS und die anderen Terroristen dienen dazu, die Länder im Nahen Osten zu destabilisieren, damit man am Schluss die Ressourcen einsacken kann.
    „Divide et impera“ – teile und herrsche. Das wirkte schon vor 2000 Jahren im alten Rom exakt gleich.

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  5. Gabriel Brönnimann schreibt einen flammenden Appell gegen eine weitere Eskalation des Antiterrorkampfs mit den ungenügenden und gefährlichen Rezepten des Gewaltmonopols des bedrohten Staates. Auch ich wünsche mir in Frankreich und überall in Europa Stimmen der Besonnenheit, die die Bedrohung nicht nur in der gescheiterten internationalen Politik sehen sondern auch zu wirksamen zivilgesellschaftlichen Reaktionen aufrufen. Vieles ist in den letzten Jahren bei der Integration schon intensiv angegangen worden, auch darüber sollte in den Medien geschrieben und debattiert werden. Dieser Austausch kann selber zur Integration beitragen und das Gefühl der Sicherheit wird dank positive Beispiele erhöht.

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  6. Kol Simcha, haben Sie Familie oder leben Sie im virtuellen Raum?
    Die Welt besteht nicht nur aus unserem Westen, Kol Simcha.

    Bevor der Westen auszog, völkerrechtswidrig zu bomben und Millionen in verlogenen Kriegen zu töten, war Terrorismus kaum ein Thema und Islamisten waren noch die Guten, die gegen die Russen in Afghanistan kämpften.

    Hass entsteht nicht einfach so. Und der Dschihadismus ist eine Folge unserer Kriege, die letztlich Ressourcenkreige sind.

    Menschen in Irak sind nicht weniger Wert, als Menschen in Nizza. Sie zu töten ist nicht weniger verwerflich. Aus Ihrem Post konnte man lesen, dass Sie jedoch so denken. Dieses Gendankengut, Kol Simcha, mit Verlaub, ist dreckiger Rassismus.

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