Im «Finanz-Debakel» um die Kaserne steckt nichts als heisse Luft

Die SVP ist «alarmiert», die BDP äussert «grosse Besorgnis». Grund für die Unruhe ist ein Artikel in der «bz Basel» über ein drohendes «Finanz-Debakel» beim künftigen Betrieb des Kasernen-Hauptbaus. Die Aufregung hätte man sich sparen können.

Ein Aufreger ohne Newswert: Die «bz Basel» über ein drohendes Finanz-Debakel beim Kasernen-Projekt. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Düster hängt der mediale Wolkenhimmel über dem Kunstmuseum Basel. Für die «bz Basel» haben sich diese dunklen Schwaden nun über den Rhein weiter nach Norden ausgeweitet. «Der Kulturstadt droht ein weiteres Finanz-Debakel» titelte die Zeitung am Mittwoch auf ihrer Frontseite. 

Gemeint ist der Kasernen-Hauptbau. Die finanzielle Grundlage für den Betrieb sei äusserst knapp bemessen, liest man.  Als Quelle für diese These wird eine bisher unveröffentlichte «Beurteilung» genannt, mit der das Präsidialdepartement die Immobilienfirma Gribi beauftragt hat.

Soweit, so aufgeregt. Bei näherer Betrachtung erweist sich der Bericht aber alles andere als aufregend. Denn die einzige inhaltliche Neuigkeit, mit der die Zeitung aufwarten kann, ist: dass vergangene Woche die Baueingabe für das Umbau- und Sanierungsprojekt erfolgt ist. 

Keinerlei neue Erkenntnisse

Dass die Zeitung aus einer unveröffentlichten Beurteilung der Mietstruktur zitieren kann, sorgt indes für keinerlei neue Erkenntnisse. Dieses Papier, das auch der TagesWoche vorliegt, ist nämlich alles andere als neu: Die Beurteilung wurde im April 2015 abgeliefert, ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung des offiziellen Ratschlags der Regierung. Entsprechend flossen die Erkenntnisse eins zu eins in den Ratschlag ein.

Inhaltlich hat die Immobilienfirma eine detaillierte Auflistung verfasst, welche Mietzinse für welche vorgesehenen Nutzungen realistischerweise verlangt werden können. Das Resultat ist ein Total der Nettomietzinseinnahmen in der Höhe von 953‘270 Franken pro Jahr – eine Zahl, die sich in dieser Grössenordnung auch im Ratschlag wiederfindet, also längst bekannt ist.

Die «bz Basel» zeigt sich nun besorgt darüber, dass die Verantwortlichen «faktisch mit einer schwarzen Null» planen (konkret prognostiziert ist ein Einnahmeüberschuss von 23’500 Franken, der als Deckungsbeitrag an die Kapitalkosten fliessen soll). Sie verkennt dabei aber, dass dies die explizite Absicht des Kantons ist. Er errichtet kein Renditeobjekt, sondern ein Kulturzentrum.

Unter dem Strich tut die Zeitung nichts anderes, als die alten Argumente aufzuwärmen, mit denen die bürgerlichen Projektgegner bei der Abstimmung um das Projekt im Februar dieses Jahres mit einem Nein-Stimmen-Anteil von nur 38 Prozent klar gescheitert sind. Und bei Politikern der SVP und BDP die Hoffnung zu schüren, der links-grünen Regierung eine weitere Watsche erteilen zu können.

Konversation

  1. Natürlich muss man nicht alles schlechtreden, aber ein bisschen kritischer könnte man schon sein. Eine »schwarze Null« als Zielvorgabe muss zuerst erreicht werden. Das dürfte bei all den Unwägbarkeiten ein sportives Ziel sein. Da sich die Betriebsfinanzierung auf die drei Gastrobetriebe abstützt, müssen diese – im Sinne einer Quersubentionierung – ihre Umsatzzahlen realisieren. Der Kasernenhotspot ist mit seinen zahlreichen Beizen vermutlich kein einfaches Pflaster. Zumindest dem Restaurant Balade ist der Schnauf schon ein paarmal ausgegangen. Klar, Zweckoptimismus ist am Anfang immer ein guter Motivator. Was ist aber wenn die Umsatzzahlen zu euphorisch berechnet wurden? Was, wenn ein Gastrobetrieb aussteigt? Gut, als alter Spötter würde ich sagen: Dann installieren wir eine vierte Beiz und links und rechts vor dem Hauptbau noch je eine Buvette. So lange bis die Kasse wieder stimmt.

    Die Finanzen des ganzen Experimentes lediglich auf dem Bier- oder Cüpliumsatz abzustützen schein mir etwas frivol. Insofern ist die Skepsis doch relevant. Vielleicht präsentiert man bereits jetzt einen Plan B & C, um noch andere Spielvarianten zur Hand zu haben. Es kann ja nicht sein, dass sich die Kreativwirtschaft ins Elend saufen muss, nur um den Gastroumsatz zu stabilisieren, respektive sich damit ihre günstigen Mieten zu sichern. Es ist ein bisschen billig die Skeptiker hier mit einer schnoddrigen Antwort abzuwatschen. Das hat man bereits beim Kunstmuseum versucht und das ist gründlich in die Hose gegangen. Dort wird man jetzt nolens volens die Subvention erhöhen. Beim Kasernenhauptbau dürfte dies schwieriger werden. Die Beizen wird man nicht subventionieren können. Zudem hat man der permanenten Subventionitis ja (auch bei der Abstimmung) klar eine Absage erteilt.

    Vielleicht noch als flapsige Nebenbemerkung: Wieso steckt im Phantasiewort »Kreativwirtschaft« eigentlich der Begriff »Wirtschaft«? Ist bei der Kreativwirtschaft nie mitgemeint, dass diese Unternehmungen irgendwann auch Geld abwerfen? Also ich musste meinen Grafiker immer bezahlen und zwar ungesehen, ob meine Projekte reüssierten, und/oder genügend Geld abwarfen.

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