Margarethenstich: Wehe, wenn die Hobby-Planer kommen

Das deutliche Baselbieter Nein zum Margarethenstich hat die Politik nicht nur verblüfft, sondern teilweise arg vom rechten Weg abgebracht.

Den «Margarethenstich Reloaded» gibt es höchstens als Hirngespinst. (Bild: Nils Fisch)

Auf die Basler SVP ist Verlass. Sie werde das Projekt «Margarethenstich Reloaded» bekämpfen, teilt sie in einer Medienmitteilung mit. Und begibt sich damit in Gefilde, die mit dem unsterblichen Don Quijote berühmt wurden: nämlich in den Kampf gegen Windmühlen.

Denn einen «Margarethenstich Reloaded» gibt es nicht. Oder höchstens als Hirngespinst von Kommunikationsberater und BaZ-Kolumnist Manfred Messmer und von BastA!-Grossrat Beat Leuthardt. An die Öffentlichkeit getragen wurden diese von Messmers Leibblatt «Basler Zeitung» und von der «bz Basel», die nach dem Baselbieter Nein zum Margarethenstich kühn bereits den Untergang des Ozeaniums prophezeit hatte («Land unter für das Ozeanium»).

Das deutliche Baselbieter Nein zur neuen Tramverbindung vom Leimental zum Bahnhof hat also Spuren hinterlassen, die über die Verblüffung über das Resultat hinausgehen. Es hat Hobby-Planer und politische Empörungsbewirtschafter wachgerüttelt.

Das Problem bei Hobby-Planern ist allzu oft, dass sie ihre Gedanken nicht zu Ende führen.

Den Anfang machte Messmer, der in der «Basler Zeitung» an prominenter Stelle verkünden durfte, dass der Kanton Basel-Stadt den Margarethenstich den Baselbietern nun halt im Alleingang vor die Nase setzen soll. Nur gerade einen Tag später sorgte Leuthardt mit einer Motion dafür, dass dieser Vorschlag auch in den Grossen Rat getragen wird.

Das Problem bei Hobby-Planern ist aber allzu oft, dass sie ihre Gedanken nicht zu Ende führen. So behauptet Messmer, dass das Projekt Margarethenstich geografisch eine rein baselstädtische Angelegenheit sei. Einzig die Signalanlage müsse um wenige Meter verschoben werden.

Eine knifflige Weiche

Wenn Messmer einen Plan zur Hand genommen hätte, wüsste er, dass dem nicht so ist. Zwar liegt die Strasse mit dem Namen Margarethenstich tatsächlich auf Stadtbasler Boden. Nicht aber die Weiche für die Abzweigung von der Baslerstrasse in Binningen in diesen Margarethenstich. Wollte man dieses absolut wesentliche Teilstück ganz auf Stadtbasler Boden bekommen, müsste man die Grenzsteine ein gutes Stück nach Süden verschieben.

Dass Messmer keinen Plan zur Hand genommen hat, mag erstaunen. Als Kampagnenleiter des Ja-Komitees zum Margarethenstich hätte er sicher detaillierte Projektskizzen gehabt.

Leuthardt fährt neben seinem Hauptjob als Sekretär des Mieterinnen- und Mieterverbands Basel auch noch Drämmli. Er ist also ein Netzkenner und liegt damit den geografischen Tatsachen etwas näher: «Eine einzige elektrische Weiche liegt ausserhalb», schreibt er in seiner Motion. Seine Brille als Politiker lässt ihn aber übersehen, dass es eine absolut wesentliche und politisch knifflige Weiche ist.

Günstig, wenn man falsch rechnet

Ein grosses Fragezeichen wirft nun aber Leuthardts Rechnung auf. Er bezeichnet das Projekt, das er in «Margarethenbogen» umgetauft hat, mit sieben Millionen Franken als «sehr kostengünstig». Das wäre es, wenn er nicht den nach der Abstimmungsniederlage wegfallenden Kostenanteil des Baselbiets unterdrücken würde.

Auch bei seinem zweiten Variantenvorschlag unterläuft Leuthardt ein wesentlicher Planungs- und Rechenfehler. Die Rede ist von der spitzen Rechtskurve, mit der die Tramzüge aus dem Leimental von der Binningerstrasse in die Innere Margarethenstrasse hinauf zur Markthalle geführt werden sollen. Diesen Vorschlag hatte auch ein Sprecher der Binninger Margarethenstich-Gegner immer wieder aufs Tapet gebracht.

Vielleicht wollte Messmer als «schlechter Verlierer» davon ablenken, dass er ein schlechter Kampagnenleiter war.

Nur gerade 3,5 Millionen Franken würde dieser «Opérabogen», wie Leuthardt ihn nennt, kosten. Das mag ja sein. Nur wäre es mit diesem Bogen nicht getan. Denn auf dem heutigen Tramnetz ist bei der Markthalle eine Abzweigung nach links in die Viaduktstrasse zum Bahnhof SBB nicht möglich. Es müsste also auch noch ein Markthallen-Bogen finanziert und gebaut werden. Ausser das aus Binningen kommende 17er-Tram würde gleich wieder zurück nach Binningen, ins Gundeli oder zur Schützenmatte geschickt.

Leuthardts Beweggründe für Planspiele mögen ehrbar sein. Er möchte die Heuwaage um jeden Preis von der Tramschlaufe befreien.

Was Messmers Beweggründe waren, lässt sich nicht so einfach eruieren. Dass er als unterlegener Kampagnenleiter des Ja-Komitees zum Margarethenstich seinen Mund nicht hält, wischt er mit der flapsigen Bemerkung weg: «Von mir aus: Ich bin ein schlechter Verlierer.»

Vielleicht wollte er mit seinem Auftritt als «schlechter Verlierer» davon ablenken, dass er in erster Linie ein schlechter Kampagnenleiter war. Wie sonst als mit einer schlechten Kampagne lässt sich erklären, dass ein so kostengünstiges ÖV-Projekt so deutlich abgelehnt wurde?

Konversation

  1. Dass so mancher sich nicht mit dem Nein zum Margarethenstich abfinden will, hat nicht mit Trotz zu tun, sondern vielmehr damit: Der Margarethenstich ist ein ganz wichtiges Puzzleteil im zukünftigen Tramnetz. Davon abhängig sind neben der Tramschlaufe Heuwaage/Ozeanium auch die Projekte neuer Zugang zum Bahnhof SBB von der Margarethenbrücke sowie das Expresstram durchs Leimental.

    Wird ein Puzzleteil herausgenommen, fehlt es im Ganzen – und es entstehen absurde Folgen. Die verbleibende Einspurstrecke müssten teuer ausgebaut werden. Trotz hochattraktivem neuen Zugang zum Bahnhof SBB würden die Leimentaler nur wenige hundert Meter daran vorbeifahren. Das Projekt Expresstram müsste mit negativen Konsequenzen rechnen.

    Schon jetzt ist es fraglich, wie es mit den Bundesmitteln, die mit STEP 2035 gesprochen werden sollen, weitergehen soll. Die anderen Regionen werden mehr als bereitwillig die Mittel für Basel übernehmen. Wäre Pech für Basel, wieder einmal. Aber wollen wir das wirklich?

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    1. Ja, das wollen die Baselbieter wirklich. Das Abstimmungsresultat eindeutig. Die Stadt sollte langsam merken, dass das Land nicht bereit ist zu irgendwas Hand zu bieten, schon gar nicht, wenn es um den ÖV geht. Denn der Baselbieter fährt Auto. Fährt Auto. Fährt Auto. Punkt. Und wenn die Leimentaler auch 6 Stunden im Stau stehen müssen, um in die Stadt zu fahren, dann tun sie dies gerne, denn sie sitzen dabei ja im eigenen Auto.

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  2. Opérabogen: Ersatz für die Schlaufe – nicht mehr

    Der Text ist hübsch, geht aber viel weiter als meine Motion. Diese will bloss für 3,5 Mio. mit dem Opérabogen die Schlaufe ersetzen – und nicht mehr. Die Heuwaage wird dadurch lebendiger. Ein einfaches Doppelgleis genügt, ja kein überladenes Grossprojekt aus Wessels‘ Küche. Der Margarethenbogen könnte ebenfalls die Schlaufe ersetzen, darum ist er in meiner Motion mit drin. Ein Gleisbogen kann die drohende Ersatzschlaufe hinten auf dem Platz Richtung Grün konstruktiv verhindern.

    Beat Leuthardt

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    1. Nach meinem Verständnis ist eine Schlaufe dann eine Schlaufe, wenn sie wieder zurück aufs ursprüngliche Gleis führt. Der «Operabogen» ohne Margarethenstich tut das nicht. Wenn wir schon bei untauglichen Vorschlägen sind: Wie wär’s mit einer Drehscheibe?

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    2. Es ist aber fast eine Schlaufe, zumal das Tram auf engstem Raum einen Bogen von rund 330° fahren müsste. Würde man da noch eine Weiche einbauen, könnte man die 360° problemlos erreichen. Ist ja nicht so schlimm, wenn man dafür das Opéra abreissen müsste, ist eh kein architektonischen Highlight.

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    3. Bogen ist technisch problemlos machbar. Die Aeschenplatz-Schlaufe und der Steinenberg-Abzweiger sind enger. Etwas aufgeweitet bekommen Sie sogar einen 15- oder 20-Meterbogen hin.
      Beat Leuthardt

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  3. Ich seh das gleich wie Messmer.

    Und wegen dem Heuwaagebogen: wie phantasielos doch diese Hobbyplaner sind: Innere Margarethenstrasse – Margarethenbrücke – Bahnhofeingang Gubdeldingen – Dreispitz.

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    1. Richtig, so gerne ich einen regional koordinierten ÖV hätte, die Landschäftler haben dagegen entschieden. Die Linienführung via Margarethenbrücke – Gundeli – Dreispitz hätte zwei Vorteile: 1. noch besserer ÖV fürs Gundeli und 2. wir hätten diese gelben Trams rasch wieder aus der Stadt raus und trotzdem gute Pendlerverbindungen.

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  4. Auf der Markthallen-Kreuzung noch mehr Tramschienen verlegen?
    Die Drämmlis da sind das eine, einen trotteligen Autofahrer dort gibt es bei dem Verkehr aber stets gratis dazu. Der schafft dann den Unfall mit dem Drämmli und blockiert so di Kreuzung. Auch für die Velofahrer gilt diese Kreuzung eher als „Modell Kamikaze“, denn die Kunst besteht darin, KEINE Tramschiene mit den Collis des Rades zu erwischen, sonst einmal Bauchlage gratis danach auf der Kreuzung.
    Auch für Fussgänger ist diese Kreuzung eher etwas im Survival-Bereich anzusiedeln.
    Kurz, bei der weiter zunehmenden Besiedelung der Umgebung müssen die öffentlichen Verkehrsmittel definitiv auf extra Trassen. Das bedeutet entweder nach oben oder unter die Erde.

    Lieschtel isch es Städdli, Basel ist eine grössere Stadt!

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