Oskar und die nasse Lunte

Die Baselbieter sind vielleicht gerade etwas arm, aber sie sind deswegen noch lange nicht doof. Die Regierung tut daher gut daran, sich für Uni, Geld und Partnerschaft zu entscheiden. Daran kann auch Oskar Kämpfers SVP nichts ändern.

Die SVP Baselland und ihr Präsident Oskar Kämpfer spielen gerne mit dem Feuer. Mit dem aktuellen Referendum gegen eine zwingende Auflage des Partnerschaftsdeals hält die Partei das Zündhölzli aber an eine ziemlich nasse Lunte.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Baselbieter sind vielleicht gerade etwas arm, aber sie sind deswegen noch lange nicht doof. Die Regierung tut daher gut daran, sich für Uni, Geld und Partnerschaft zu entscheiden. Daran kann auch Oskar Kämpfers SVP nichts ändern.

Wie ist das lustig, mit Streichhölzern zu spielen! Einmal das entzündbare Köpfchen über die Reibfläche ziehen und zack: ein Flämmchen! Leider brennt so ein Zündhölzli aber ziemlich schnell ab. Drum sollte man das Flämmchen irgendwo ranhalten: an einen Vorhang aus Polyester zum Beispiel oder noch besser an ein Hosenbein. Hei, wie das schön raucht und flammt, und wie die dann alle schreien.

Besonders lustig ist das, wenn es die Baselbieter SVP tut. Wacker zünseln sich da Oskars kämpferische Buben und Meitli durch den Staatshaushalt, aktuell mit ihrem Referendum gegen einen Pflichtbestandteil des 80-Millionen-Deals zwischen den beiden Basel. Zack, einmal das Schwefelhölzchen an der Sanierung der Uni-Pensionskasse gerieben, und wenn die Partnerschaft dann irgendwie doch nicht in Flammen aufgeht, so hat das Ding zumindest kurz mal komisch gerochen. Kleine Duftmarke, quasi, bittegerne.

Egal, was die Elite der Baselbieter SVP vom Stimmvolk hält: So doof ist es nun wirklich nicht.

So tut die Baselbieter Regierung nun und endlich doch das Richtige. Sie setzt den Termin für die allfällige Abstimmung über das Geschäft frühestens auf 5. Juni 2016 an. Und besonders schön: Sie will nicht einmal vorsorglich Uni- und Kulturvertrag aufkünden. Das zeugt von Sinneswandel pro Partnerschaft, denn im Sommer klang das noch ganz anders: Sparen bei der Uni! Zu teuer der Kulturvertrag! Und es zeugt sogar von erstaunlicher Selbstsicherheit: Bei einem Nein droht das Ende des Deals bei gleichzeitigem Weiterlaufen der kritisierten Verträge.

Aber es zeigt vor allem, dass die SVP gerade an einer ziemlich nassen Lunte rumzünselt. Die Baselbieter wären ganz schön naiv, sich wegen einmalig eingesparter 15 Millionen für die Uni-Pensionskasse schnell mal stattliche 80 Millionen für die Staatskasse ans Bein zu streichen (und gleichzeitig die mit Basel-Stadt geteilte Universität finanziell zu demolieren). Egal, was die Elite der Baselbieter SVP vom Stimmvolk hält: So doof ist es nun wirklich nicht. Und die Regierung weiss das. 

Ein bisschen zünseln fürs Parteikalkül, ein bisschen zünseln für die wohlig-stinkende Stimmungsmache gegen eine starke Region.

Schön, wenn die SVP diese Vorlage und damit den Grundsatzentscheid über den Deal gleich an die Urne bringt; das gibt noch etwas mehr Rückhalt für eine Partnerschaft. Und schön für die SVP, wenn sie sich ein bisschen am eigenen Schwefelduft laben kann. Mehr als das Zünseln politischer Lausbuben ist der Streich aber nicht. Ein bisschen zünseln fürs Parteikalkül, ein bisschen zünseln für die wohlig-stinkende Stimmungsmache gegen eine starke Region.

Und da, noch ein Streichholz für den immerwährenden Wahlkampf der selbsternannten Volkspartei, die damit statt an den Vorhängen der Hinterzimmerpolitik am Hosenbein des Volkes rumzünselt. Kann man machen. Erst recht, wenn man weder Schimpfis noch Ohrfeige zu befürchten hat, sondern stattdessen vielleicht sogar noch ein Schöggeli in Form eines Wahlsiegs kassiert.

Angesichts des Wassers, das den Baselbietern finanziell immer noch bis zum Hals steht, dürfte es dieses Mal aber nicht sehr wahrscheinlich sein, dass da irgendein ehrliches Hosenbein tatsächlich Feuer fängt.

Konversation

  1. Was der Kämpfer macht ist die Weihnachten absagen mit der Begründung, dass eine elektrische Kerze am Tannenbaum kaputt ist!
    Da ich sowieso keine Weihnachten feire, sondern nur inne halte, weil die Welt es tut, ist es mir so ziemlich egal. Anderen stinkt das aber anscheinend kräftig!

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  2. gefällt mir, Ihr nonchalanter ton.
    wenn sie schon keinen bürgerlich anständigen chläpper zu gewärtigen haben, sollte man die zündeler doch wenigstens nicht noch für voll nehmen.

    jaja, der wohlige furzmulden-groove … biz verspäteter erster august – daraus dann halt ein dummer august.

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  3. Die SVP BL weiss vermutlich auch, dass sie den 80-Millionen-Deal nicht mehr kippen kann. Aber das höchste Ziel von Oskar Kämpfer & Co. ist die Bewirtschaftung von Unzufriedenheiten & Ressentiments. Das lässt sich bei der Universität trefflich umsetzen. Der SVP-Klientel kann man die Uni als geldverschlingendes Monster und Intellektuellen-Hochburg prima vorführen. Es ist auch verlockend vorzugaukeln, dass man hier Millionen sparen könnte, ohne, dass der Einzelne sich dabei einschränken müsste.

    Die SVP BL bietet niemals Hand für Lösungen. Das ist nicht ihr Ziel. Sie lebt von der Bewirtschaftung des Dissens. Mit dem angedrohten Referendum können Kämpfer & Co. ihren WählerInnen zeigen, dass sie weiterhin aufmüpfig sind und jede Gelegenheit nutzen, um die Autonomie des Kantons zu behaupten.

    Erstaunlich ist jedoch, dass die anderen Parteien der SVP ziemlich viel freien Raum gewähren und sich letztlich nur sehr wohltemperiert gegen das Ansinnen der SVP zur Wehr setzen. Ein wirklich kräftiges JA zum Partnerschafts-Deal und zur Universität, würde der SVP den Wind aus dem Segel nehmen. Wo sind die starken Statements von FDP, CVP, SP und den Grünen?

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    1. „Die SVP BL bietet niemals Hand für Lösungen. Das ist nicht ihr Ziel. Sie lebt von der Bewirtschaftung des Dissens.“

      Sie dürfen das „BL“ getrost weglassen.

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  4. R Abed
    Ihre Feststellung “ 2. Finden sich an der Uni unterdurchschnittlich wenige SVP-Wähler “ hat was und dürfte richtig liegen. Eigentlich eine Unverfrorenheit von Kämpfer, mit der Dummheit seiner Klientel zu spielen – wenn man es genau überlegt. Das schlimme daran ist, die merken das nicht mal, wie ihr Einflüsterer sie einschätzt.

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  5. Ich denke nicht, dass es Herr Kämpfer wirklich um die Freude am „züsle“ ging. Seine Taktik dürfte auf zwei andere Punkte abgezielt haben (wenn ich ihm damit nicht zu viel zutraue).
    1. Hat die SVP-BL sich dadurch wieder mal rasch und einfach ins Rampenlicht drängen können und das ohne jeden Aufwand oder eine sinnvolle Politik anzubieten. Denn das Motto aller Populisten ist und bleibt: „Jede PR, ist eine nützliche PR“.
    2. Finden sich an der Uni unterdurchschnittlich wenige SVP-Wähler. Das bedeutet, dass es ein Versuch sein könnte eine „umgekehrt proportionale Klientelpolitik“ zu betreiben, oder einfacher ausgedrückt: Die SVP braucht schlecht gebildete Menschen, um ihre Wähleranteile zu bekommen und politisiert so, dass dieser Anteil möglichst gross wird. Das ist übrigens keine blosse Behauptung, sondern zeigt sich in politologischen Untersuchungen der Wählerschaften. Der durchschnittliche SVP-Wähler ist dabei der am wenigsten gebildete Wähler aller grösseren Parteien.

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