Raphael Wicky – die konsequente Wahl

Raphael Wicky passt zum neu ausgerufenen Jugendstil des FC Basel. Der bald 40-Jährige ist der erste Cheftrainer, den sich der FCB selbst grossgezogen hat.

epa05919611 FC Basel 1893 new head coach Raphael Wicky speaks at a press conference in the St. Jakob-Park stadium, in Basel, Switzerland, 21 April 2017. Wicky will replace Urs Fischer in the season 2017/18. EPA/GEORGIOS KEFALAS

Raphael Wicky passt zum neu ausgerufenen Jugendstil des FC Basel. Der bald 40-Jährige ist der erste Cheftrainer, den sich der FCB selbst grossgezogen hat.

Vor einer Woche, am Rande eines U21-Spiels, hat er sich noch geziert, etwas beizutragen zur Trainerfindungsdebatte beim FC Basel. Höflich, aber bestimmt. Und damit hat man schon ein bisschen ein Bild vom Fussballtrainer Raphael Wicky, der vom Nachwuchs- zum Chefcoach beim FC Basel wird.

Dass die Wahl auf den im Aargau gebürtigen und im Oberwallis gross gewordenen Wicky fällt, ist keine Überraschung mehr. Der Flirt mit Thorsten Fink hat sich als flüchtiger erwiesen. Ein paar gute Gründe hätte es für Fink gegeben. Die Erinnerung an die Aufbruchstimmung in Basel, die der Deutsche in der Nach-Gross-Ära zu erzeugen vermochte. Das Andenken an die drei Titel, die er mit dem FCB holte, die rauschenden Champions-League-Nächte und Finks lockere, draufgängerische Art. Aber da ist auch der Nachgeschmack, den sein Abgang zum Hamburger SV hinterliess.

Mit Thorsten Fink wäre das Rad zurückgedeht worden.

Bei allem Für und Wider: Mit Fink hätte man versucht, das Rad zurückzudrehen. Es wäre ein FCB gewesen, der sich erneuern will, aber mit altem Kopf.

Raphael Wicky zum Cheftrainer zu befördern, ist deshalb konsequent. Der Schritt lag nahe, weil Wicky, der 2013 als U18-Trainer auf den Nachwuchs-Campus kam, bald einmal als potenzieller Kronprinz galt. Das hat er nicht näher an sich herangelassen. Ein Interview mit Wicky im vergangenen Herbst überschrieb das Fussballmagazin «Zwölf» deshalb mit «Hoffnungsträger wider Willen». Wicky hat sich erst einmal auf die Vervollständigung seiner Trainerausbildung gestürzt. Erst seit Spätjahr 2016 besitzt er das höchste Diplom.

Dass Raphael Wicky einen grossen Rucksack an Erfahrung als Profi mitbringt, ist das eine. Er hat beim FC Sion angefangen und seine Laufbahn auch dort beendet. Er spielte in der Bundesliga für Werder Bremen und den Hamburger SV, in der Primera División für Atlético Madrid, er trug 75 Mal das Trikot der Nationalmannschaft und liess die Karriere in Kalifornien ausplätschern.

Raphael Wicky ist der erste Basler Trainer aus dem eigenen Saft – damit liegt der FCB im Trend.

Aus dem Blickfeld ist Wicky nie geraten. Dazu trug auch sein Job als Experte im Schweizer Fernsehen bei. Und er hat sich bei diesen Gelegenheiten als sachlicher Kommentator hervorgetan, dem jegliche Polemik fernliegt.

Nun wird er der erste Cheftrainer des FC Basel aus dem eigenen Saft. Denn auf dem Campus werden nicht nur junge, mit dem Ball begabte Menschen ausgebildet, sondern wachsen auch jene heran, die lernen, wie man mit Talenten umgeht.

Trainer aus dem, wie man so schön sagt, eigenen Nachwuchs mit höheren Aufgaben zu betrauen, das liegt im Trend. Die Bundesliga hat es mit der Generation der Thomas Tuchel, Christian Streich oder Julian Nagelsmann unerschrocken vorgemacht. Lauter Trainer, die sich ihre Sporen erst in der Jugendabteilung abverdient haben.

Der neue Trainer ist das Gesicht des neuen Jugendstils beim FC Basel.

Zu ihnen gehört jetzt auch Raphael Wicky, der kommenden Mittwoch 40 Jahre alt wird. Und es ist vielversprechend, ihn zu begleiten im Spannungsfeld zwischen dem neuen Jugendstil beim FC Basel, der Super und der Champions League. Für das Konzept von Bernhard Burgener und Co. ist Wicky nun das Gesicht.

Sein erster Auftritt vor den Medien am Freitag war jedenfalls überzeugend. Ohne falsche Bescheidenheit, mit «innerem Selbstbewusstsein», wie Wicky es selbst bezeichnet, und in jenem Walliser-Deutsch, mit dem man ihn seit eh und je kennt, tritt da einer in sehr grosse Fussstapfen, die ihm seine Vorgänger mit Urs Fischer als Letztem in der Liste hinterlassen. Voller Überzeugung klingt Wickys Ansage: «Wir können die Erfolgsgeschichte fortschreiben.»

Und die neue Vereinsführung macht zügig vorwärts, kommuniziert ohne Zögern, und Sportchef Marco Streller erlaubte sich am Freitag eine kleine Randbemerkung: Die jetzige Führung habe sehr grosse Freude daran, dass die Wahl auf Raphael Wicky gefallen sei. Jetzt muss sich diese Wirkung nur noch nach Aussen entfalten.

Konversation

  1. Ich bin der Ansicht, dass das Kader sowie auch das damit geformte Team so inkonsequent waren wie kaum je zuvor in den letzten 18 Jahren. Durch zu viele halbwegs integrierte Spieler, so dass sich keiner wirklich wohl fühlt auf seiner Position, was auf dem Platz deutlich sichtbar war und ist. Sprich das Kader hat nie mit der beabsichtigten Strategie harmoniert, was eigentlich leistungsfähige Spieler oft verunsichert hat. Deshalb konnte sich kein Team entwickeln, welches international fähig war zu bestehen.

    Und das ist die Verantwortung von Präsidium und Trainer. Bei aller Wertschätzung für das Erreichte, war ein Wandel notwendig um kam auch prompt stilvoll zur richtigen Zeit.

    Die Rhetorik von Streller mag bubenhaft wirken, ist aber authentisch und das ist schon mal eine gute Basis. Er ist lernfähig. Umso hervorragender ist zudem jene von Wicky. Und es muss auch nicht immer die konforme Rhetorik sein. Es hat schliesslich nicht die Rhetorik von Heusler zu den herausragenden Mannschaftsleistungen geführt sondern authentische Führungsspieler wie eben auch Streller und Frei, welche mit ihrer Überzeugung entscheidend dazu beigetragen haben.

    Wenn gute Arbeit geleistet wird, was ich diesem Team zutraue, und wenn die notwendige Überzeugung den Spielern vermittelt auf den Platz gebracht wird, was ich diesem Team mehr als nur zutraue, dann sind auch nach 2018 noch CL Gruppenspiele erreichbar.

    Auf jeden Fall freue ich mich auf besseren und entschlosseneren Fussball als wie er zuletzt gezeigt wurde.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    1. Ein Untergang wäre es nicht, aber ich sehe keinen Grund für einen Einbruch. Im Gegenteil.

      Wenn wieder die spielerischen und mannschaftlichen Qualitäten ins Zentrum gestellt werden, was ich mir unter Streller, Wicky und Frei nicht anders vorstellen kann, weiss ich spontan keinen Club in der Schweiz, der auch mit einem reduzierten und verjüngten FCB Kader mithalten kann. Die meisten Spieler haben auch unter ihren Möglichkeiten gespielt wie ich finde. Wieso also soll der FCB nächste Saison nicht stärker sein? Ich denke ja.

      Wer weiss.

      Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. Weshalb soll er nicht erfolgreich sein, weil unerfahren? Guardiola kam bei barca aus dem nachwuchs. Zidane bei real ebenso. In deutschland gibt es nagelsmann und co.

    Ich finde es mutig aber richtig. Freue mich für wicky. War sehr toller auftritt von ihm. Hat viele gute sachen gesagt. Redet zehnmal besser als fischer!
    Streller muss aber noch in sein amt hineinwachsen. Auch er braucht zeit… Finde aber er hat gut erklärt, weshalb er wicky wollte.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  3. Ohne Fanatismus und mit dem nötigen Abstand habe ich den FCB unter Häusler, mit verschiedenen Trainern stets positiv wahrgenommen. Den Abgang von Urs Fischer habe ich bedauert, aber er ist verständlich, da die neue Führung ihre Vorstellungen schliesslich mit einem ganz neuen Führungsteam umsetzen will. Raphael Wicky ist für mich jetzt aber doch eine Überraschung, denn ich hatte eher mit einer Überraschung und der Anstellung eines international bekannten uns ausgewiesenen Trainers gerechnet. Aber vielleicht ist gerade die eher bescheidene Wahl ein Zeichen dafür, dass man vor allem auf ruhige und seriöse Arbeit setzt, und nicht auf Glamour und übergrosse Erwartungen. Denn diese sind mit Raphael Wicky zum heutigen Zeitpunkt nicht vorhanden. Cupsieger, und Schweizer Meister sind zwar unbedingt möglich, aber europäisch sehe ich im Moment keinen Schritt nach vorne. Aber aus einem kleinen Pflänzchen kann ein riesiger Baum entstehen; also bin ich gespannt, und würde mich freuen, wenn das der Beginn eines neuen FCB Märchens wäre.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  4. Wicky als Cheftrainer? Das passt! Gratuliere der neuen Führung zu diesem Schritt, wer auch immer da im Hintergrund die Fäden zieht! Wickys öffentliche Auftritte sind Top. Sehr kompetent, authentisch, sachlich und ohne jeglichen Profilierungsdrang. Mit seiner Fach- und Sozialkompetenz hat er in Vergangenheit immer sehr gute Arbeit geleistet. Ich freue mich auf den „neuen FCB“ und bin überzeugt davon, dass Raphael Wicky in Basel eine sehr erfolgreiche Trainerkarriere im Profibereich starten wird.
    Von der neuen sportlichen Leitung erhoffe ich mir, dass sie möglichst bald den „Schritt aus der Kabine ins Büro“ schafft. Die öffentlichen Auftritte von Marco Streller haben noch Luft nach oben was Professionalität betrifft. Aber da haben Heussler und Heitz die Latte in der Vergangenheit schon sehr hoch angesetzt! Ich bin zuversichtlich, dass das neue Gremium auch hier hineinwachsen wird.
    Unter dem Strich freue ich mich auf den neuen FCB, umso mehr mir der Alte schon seit rund 45 Jahren sehr viel Freude gemacht hat, mit all seinen Hochs und Tiefs.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel