Unverschämt bereicherndes System

Es reicht! Der Libor-Skandal der UBS zeigt, dass „unsere“ Banken nicht die geringsten Hemmungen haben, uns abzuzocken. Will die UBS ihre Vergangenheit aufarbeiten, sollte sie all jene Manager und Verwaltungsräte verklagen, die zum Zeitpunkt der Taten Verantwortung trugen.

Blick auf das UBS-Hauptquartier an der Liverpool Street in London (Archiv) (Bild: sda)

Es reicht! Der Libor-Skandal der UBS zeigt, dass „unsere“ Banken nicht die geringsten Hemmungen haben, uns abzuzocken. Will die UBS ihre Vergangenheit aufarbeiten, sollte sie all jene Manager und Verwaltungsräte verklagen, die zum Zeitpunkt der Taten Verantwortung trugen.

Was derzeit bei „unserer“ grössten Bank, der UBS, ans Licht kommt, übertrifft alles, was vor allem linke Bankenkritiker schon seit Jahrzehnten behaupten– und wofür sie von den Banken und ihren politischen Lautsprechern als „Gutmenschen“ lächerlich gemacht oder als „Ideologen“ verteufelt wurden. Mittlerweile dürfte auch etlichen braven Bürgern klar geworden sein, dass die wirksamsten Feinde der Banken die Bankiers selber sind. Und dass die gefährlichste aller Ideologien die Ideologie der grenzenlos freien Märkte ist.

Dabei sind es nicht einzelne schwarze Schafe, die den Ruf der ganzen Bankbranche ruiniert haben. Es ist das System, nach dem geschäftet wird, nicht nur bei der UBS. Wenn die Schweizer Banken sich heute ihrer neuen „Weissgeldstrategie“ rühmen, sollten sie das gescheiter etwas leiser tun, denn sie geben damit zu, dass sie in der Vergangenheit eine „Schwarzgeldstrategie verfolgten. Und die Vergangenheit pflegt die Übeltäter zuweilen einzuholen.

Wenn die Schweizer Banken sich heute ihrer neuen „Weissgeldstrategie“ rühmen, geben sie damit zu, dass sie in der Vergangenheit eine „Schwarzgeldstrategie verfolgten.

Bis vor wenigen Monaten noch bestand zwischen den Schweizern und „ihren“ Banken ein ganz leidliches Einvernehmen. Wer die Banken angriff, griff auch die Schweiz an – besonders wenn irgendwelche Peers die Kavallerie schicken wollten oder die amerikanischen Steuerbehörden Druck aufsetzten. Diese Ära dürfte vorbei sein, weil die Schweiz es langsam satt hat, von den Banken wie ein Tanzbär am Nasenring vorgeführt zu werden.

Zumal gerade der jüngste Skandal um den „Libor“ zeigt, dass „unsere“ Banken nicht die geringsten Hemmungen haben, uns abzuzocken. Denn der Libor, der Zinssatz, zu dem die Banken einander gegenseitig Geld borgen, ist die Grundlage für die Zinsen auf den meisten Geld- und Kreditgeschäften rund um den Globus. Die Libor-Leitplanke entscheidet mit über die Renditen auf einem weltweiten Vermögen von schätzungsweise 400’000 Milliarden Dollar. Oder etwas konkreter: Der Zins auf meinem Sparkonto, auf meinem 3a-Konto, auf meiner Hypothek, auf dem Anlagevermögen in meiner Pensionskasse hängt ziemlich direkt vom Libor ab, den einige grosse Banken untereinander ausjassen. Wenn sie dabei manipulieren – und dafür zahlen einige von ihnen jetzt ziemlich horrende Bussen – betrügen sie direkt oder indirekt alle ihre Kunden. Wahrscheinlich meinen sie mit „Bankkundengeheimnis“ genau das: die wirklichen Geschäfte bleiben für die Kunden geheim.

Wahrscheinlich meinen sie mit „Bankkundengeheimnis“ genau das: die wirklichen Geschäfte bleiben für die Kunden geheim.

Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele der durch die Libor-Manipulationen geschädigten Menschen und Institutionen die Übeltäter auf Schadenersatz verklagen, selbst wenn das zum Untergang der UBS führen würde. Die UBS sollte, wenn sie denn wirklich ihre Vergangenheit aufarbeiten will, jene Manager und Verwaltungsräte verklagen, die zum Zeitpunkt der Taten Verantwortung trugen – also nicht nur wie offenbar geplant Marcel Ospel, sondern alle VR-Präsidenten und CEOs dieser Zeitspanne: von Peter Wuffli über Marcel Rohner bis Oswald Grübel, von Peter Kurer bis Kaspar Villiger.

Schliesslich sollte die Politik erstens klarstellen, dass sie der UBS nicht ein weiteres Mal zu Hilfe eilen wird. Und sie sollte die unappetitliche Verflechtung von Finanzmarktaufsicht Finma und UBS zerschlagen. Schliesslich war der derzeitige Finma-Chef Mark Branson in seiner Zeit bei der UBS just in jenem Bereich CEO, indem die gravierendsten Libor-Manipulationen vorkamen. Dass der abtretenden Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf wegen der UBS der Kragen platzt, ist ein gutes Zeichen. Als Finanzministerin hat sie ja auch im kommenden Jahr noch Einfluss auf die Personalpolitik der Finma.

Konversation

  1. Ungeachtet von realen Gesetzesverstössen … Die Staaten haben entdeckt, dass man mit Bussen gegen Grosskonzerne die eigenen Staatskassen wunderbar mit frischem Blut versorgen kann. Die Amis machen es vor und die EU kommt auch so langsam auf den Geschmack. Und in der Schweiz hört man Linke geifernd nach dem automatischen Informationsausgleich lechzen … hmmmm … lecker

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  2. Mich interessiert das Finanzwesen eher wenig. Themen wie Finanzkrise, Euro, UBS liessen mich jedoch etwas recherchieren. Und ich stelle fest, das heutige Finanzsystem resp. die Geldschöpfung bedarf wohl grundlegender Reformen, z.B. mit einer Vollgeld-Reform. Neben der Occupy Bewegung gibt es auch Gruppierungen welche die öffentlich Diskussion darüber in Gang bringen wollen, z.B. der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo), vollgeld.ch.

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  3. Der Libor-Skandal reiht sich ein in eine ganze Reihe von Skandalen bei der UBS. Viele andere Banken in der Schweiz benehmen sich kaum besser.

    Trotz allem erkenne ich in der Politik keinen echten Umdenkprozess. So manch einer versucht immer noch krampfhaft die positiven Eigenschaften des Bankenplatzes Schweiz hervorzuheben. Wo bleiben denn die Regulierungen, welche den kriminellen Verhaltensweisen der Bankster Steine in den Weg legen?
    Die Prognose, dass der jüngste Skandal nicht der Letzte bleiben wird, ist deshalb keine sehr gewagte.

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  4. Es ist höchste Zeit für ein grounding. Da ist absolut nichts mehr zu retten, denn ein Management das nicht weiss/wusste was in seinem Laden abgeht verdient den Namen nicht.

    Wobei ich mir kaum vorstellen kann dass das der Fall ist und war.

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  5. „Vielleicht wäre es an der Zeit zu rufen: Betrogene Bankkunden und Steuerzahler aller Länder, vereinigt euch?“

    Genau das geschieht seit einem guten Jahr und ist nachwievor aktuell:
    http://www.occupybasel.ch
    Gibt also keine Ausrede mehr auf etwas zu warten, handeln ist möglich!

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  6. Wer meint, die Schweiz sei in Bezug auf ihr moralisch fragwürdiges Bankenwesen einzigartig, der mag zur Belehrung, dass es anderswo nicht besser geht, im Spiegel 51/17.12.12 sich an dem Bericht zur Deutschen Bank ergötzen. Vielleicht wäre es an der Zeit zu rufen: Betrogene Bankkunden und Steuerzahler aller Länder, vereinigt euch?

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  7. Die kriminelle Energie dieser „Manager“ scheint unerschöpflich zu sein. Man kann nicht einmal argumentieren, dass Gier den Verstand frisst. Denn die Herren Ospel, Güdel, Ackermann etc. verfügen ganz offensichtlich nicht über den geringsten Verstand. Nur so ist es zu erklären, dass sie davon ausgehen, dass ihr kriminelles Handeln ewig geduldet wird. Es liegt an uns Konsumenten/Steuerzahlern, dieser menschenverachtenden Truppe Einhalt zu gebieten. Wir können mit unserem (Konsum)verhalten die oben erwähnten Herren (interessanterweise sind es ja nie Frauen!) der Gerechtigkeit zuführen. Ich bin überzeugt, dass es genug aufrichtige und mutige Richter gibt, die Rechtsprechung noch Ernst nehmen!

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