Velostadt Basel? Von wegen!

Um als Velostadt zu gelten, müsste Basel nicht unbedingt viel Geld ausgeben. Die Velofahrer nicht zu vergessen und auf schikanöse Kontrollen zu verzichten, würde schon reichen.

Nicht einmal ein anständiges Verbotsschild wurde den Velofahrern organisiert! (Bild: Michael Rockenbach)

Um als Velostadt zu gelten, müsste Basel nicht unbedingt viel Geld ausgeben. Die Velofahrer nicht zu vergessen und auf schikanöse Kontrollen zu verzichten, würde schon reichen.

Diese Velofahrer! Kaum ein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert. Diese Erfahrung machen wir bei unserer Serie «Ab in die Quartiere» immer wieder.

Velofahrer sind alles Verrückte, die sich auf der Strasse so verhalten, als hätte es noch nie irgendein Gesetz, irgendein Verbot gegeben.

Es gibt eben auch viel zu viele unnötige Einschränkungen, halten die Velofahrer dagegen. Und dann noch diese teilweise schikanösen Polizeikontrollen und Bussen!

Nun, ein kurzer Blick auf die Grossbaustelle Schifflände zeigt: beide Seiten haben recht. Die meisten Velofahrer halten sich tatsächlich nur sehr bedingt an die vorgegebene Verkehrsführung, die allerdings ziemlich blöd ist.

Schuld daran sind die Vertreter von Kanton und Verkehrsbetrieben, die bei der Vorbereitung auf die Bauarbeiten an alle und alles gedacht haben, Fussgänger, Touristen, Trams, Busse, Autos, Zulieferdienst zum «Trois Rois» – nur an eine Gruppe nicht: die Velofahrer. Nicht einmal ein anständiges Verbotsschild wurde ihnen organisiert.

Selbstgebasteltes Verbotsschild

Während es für alle anderen neben den aufgerissenen Gleisen irgendwie ein Durchkommen gab, versuchte man sie mit einem selbstgebastelten «Velo schieben»-Plakat zu stoppen. Es war ein Fetzen Papier, der rechtlich kaum verbindlich ist, wie ein TagesWoche-Leser wahrscheinlich zu Recht bemerkte. Ein Fetzen auch, dem verständlicherweise die wenigsten Velofahrer Gehorsam leisteten.

In der übrigen Schweiz wird man mit solch gesundem Widerstandsgeist gegen unsinnige Gebote zum Volkshelden – wie Wilhelm Tell. In Basel wird man dagegen gebüsst: Am Donnerstag hat die Polizei rund um die Baustelle erstmals Verkehrskontrollen durchgeführt und rund 30 Velofahrer auf frischer Tat ertappt.

Zugeschlagen haben die Gesetzeshüter damit kurz nach einer neuerlichen Umstellung der Verkehrsführung, die Velofahren immer noch in eine Richtung verbietet. Und weiterhin verwirrend ist. Das neue Einbahnschild beim Blumenrain (wenigstens ein anständiges jetzt) hängt direkt oberhalb des Hinweises auf das «offene Tramgeleise» und die Baustelle. Ersteres sollte nun aber nur für den Bereich links der Abschrankung gelten, zweiteres für jenen rechts und drittes wahrscheinlich für den gesamte Gebiet. Alles klar? Eben.

Kein Fingerspitzengefühl, dafür ein Kongress

Kurioserweise versteht sich das rotgrüne Basel trotz dieses Chaos auf eine seiner wichtigsten Veloachsen als «Velostadt». Und lässt sich das auch einiges kosten. So hat der Grosse Rat im Frühjahr einen Kredit von 500 000 Franken gesprochen, damit Basel 2015 den «Velo-City»-Kongress der European Cyclists‘ Federation (ECF)  austragen darf.

Sehr viel günstiger wäre es, bei Verkehrs- und Bauplanungen ganz einfach an die Velofahrer zu denken. Und auf schikanöse Kontrollen zu verzichten. Daneben könnte man sich gerne auch noch in anderen, wirklichen Velostädten umsehen, was Basel in diesem Bereich noch verbessern könnte, verbessern müsste. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, braucht es nicht einmal einen teuren Kongress mit vielen schlauen Vorträgen.

Konversation

  1. Vor dem neuen Coop an der Elsässerstrasse wurde kein Platz geschaffen, um Velos abzustellen. Man solle diese in der Tiefgarage parkieren.
    Natürlich wird sich kaum jemand an dieses Verbot halten, natürlich wird deshalb wieder über die frechen Velofahrer geschimpft werden.
    Es ist unverständlich, dass dieser Neubau so bewilligt wurde; dafür passt es zur velofeindlichen Einstellung des Baudepartementes.

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  2. Basel soll eine Velostadt sein?
    Fragen Sie die Leute, deren Velos gestern vom Veloparkplatz am Marktplatz abgeschleppt wurden, nachdem sie von einer unklaren Signalisation und Absperrung getäuscht worden waren. Nachher konnten sie sich auf eine kafkaeske Suche nach ihren Fahrrädern durch die Basler Verwaltung machen.
    Oder wissen Sie, warum an verschiedenen Kreuzungen aufwendig konstruierte Fahrradspuren geschaffen worden sind, deren Ampeln aber leider rot bleiben, während die der parallel verlaufenden Fussgängerstreifen schon längst auf Grün geschaltet sind?
    An manchen anderen Kreuzungen entsteht schlicht der Eindruck, dass das Rotlicht auf herannahende Autos, aber nicht auf Velos reagiert.
    Gewisse Einbahnstrassen sind zwar für Velos freigegeben (wohl um den Autoverkehr zu verlangsamen), aber nur Narren oder Lebensmüde benutzen die zu engen und unübersichtlichen Gegenfahrbahnen wirklich (z.B. obere Landskronstrasse).
    Warum gibt es beim Bahnhof St. Jonann ein überdimensioniertes Veloparking, während bei der Neugestaltung der Entenweidstrasse keinen Moment an die Velofahrenden gedacht wurde?
    Warum haben eigentlich die Velos auf dem Vorzeigefahrradweg zwischen Bahnhof SBB und Münchensteinerbrücke bei den Strassenüberquerungen keinen Vortritt?
    Man muss gar nicht bis nach Holland reisen, um einen faireren und baulich wohl erst noch billigeren Umgang mit dem Verkehrsmittel Velo zu erleben. Schon in der badischen Umgebung ist es um einiges besser als hier, wie übrigens bei den Fussgängerzonen auch.
    Danke für Ihren Kommentar!

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  3. Das berühmte Sommerloch reduziert zwar den Verkehr, aber auf der anderen Seite werden überall Löcher gegraben, welche als mehr oder weniger gut beschilderte Baustellen den Verkehr behindern. Das müssen wir wohl auf uns nehmen, und da sehe ich es wirklich sommerlich locker, dass nicht alles perfekt ist. Wenn dann bald wieder die Normalität Einzug gehalten hat, zeigt sich aber, wo die für uns Velofahrer unsinnigen Verkehrsführungen und unnötigen Verbotstafeln stehen. Ganz wie zahlreiche Kommentare es schon kritisieren, gibt es ein paar ganz grobe planerische Fehler. Es ist aber jedem normalen Velofahrer überlassen, ein bisschen Risiko einzugehen, und eben seine eigenen Routen zu improvisieren. Dafür darf man auch einmal im Jahr mal 20.00 Franken hinblättern. Der Centralbahnplatz ist das absolute Highlight im Leben eines Basler City Velofahrers. Dort kann man entweder absteigen, langsam fahren, oder mit Vollgas durch, je nach Laune und Muse. Ich gebe zu, manchmal packt es mich und ich gebe mit meinen kraftlosen Beinen Gas, und fahre um die Leute wie um Slalomstangen. Ich bin aber immer wieder erstaunt, wie sich dann plötzlich ein Graben aufmacht, und wie ich mit Caracho durchbrettere, ohne dass etwas passiert. In diesem Sinne, geniesst den schönen Sommer!

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  4. Ob ich auch in „guter Gesellschaft“ bin, wenn ich „trottelig“ über die Strasse trotte, kann ich nicht beurteilen. Was ich jedoch beurteilen kann ist, dass ich mich meist in „guter Gesellschaft“ fühle. Selbst wenn diese, „gesellschaftlich“ gesehen, als „schlecht“ beurteilt wird.

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  5. Sie sind in guter Gesellschaft. Da läuft mir beinahe jedes zweite Mal jemand vor’s Velo ohne zu schauen. Vor allem, wenn man Richtung Marktplatz fährt, sieht man die Menschen erst unmittelbar wenn Sie auf die Strasse kommen, weil sie auf dem Trottoir durch die Pflanzenkübel verdeckt sind.
    Ich fragte mich schon oft woran das liegen kann. Verwechseln die wohl die Freie Strasse mit der Gerbergasse.
    Ehrlich die Freie Strasse wäre weit weniger gefährlich während des Tages runter zu fahren, weil sie übersichtlich ist und vor allem im oberen Teil hat es sowieso meist gar keine oder praktisch keine Fussgänger.

    Vieles ist nicht logisch nachvollziehbar in dieser Stadt. Aber Verkehrsregeln sind Verkehrsregeln. So fahre ich halt weiter die Gerbergasse runter.

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  6. Ich komme mit meinem Sauerstofftank auf dem Rücken aus der Rümelins-Passage, sehe nach links, kein Tram in Sicht und gehe los, überquere die Gerbergasse. Ohne nach rechts zu schauen. „He, chansch nit luege, wo de ane laufsch?“ Und vorbei war er, der rasende Velokurier, der mit einem „Schlenker“ gekonnt um mich herum gefahren war. „Hesch rächt“, rief ich ihm laut nach. Wäre er daraufhin vom Rad gefallen, hätte mich das nicht gewundert. Doch stattdessen hob er einen Arm, drehte seinen Kopf für einen kurzen Augenblick mir zu und lachte mich an. Tschüss! Tschüss!

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  7. Naja, tagsüber mags gehen, aber in der morgendlichen rush hour, wo die Leute morgenblind aus dem Bahnhof direkt aufs nächste Tram hasten, siehts böse aus. Ich steige da konsequent ab, ist einfach zu gefährlich. Ich wurde sogar schon veloschiebend umgerannt…. Der ganze Platz ist so was von fehlkonstruiert.

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  8. Auch ich finde, dass es viele Stellen in Basel gibt, an welchen die Begegnung zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmerarten problematisch ist. Ich nutze regelmässig das Tram oder das Velo um an den Bahnhof zu gelangen und dann mit dem Zug nach Zürich zu pendeln, wo ich dann wieder Velo oder Tram nutze um an meinen Arbeitsplatz zu gelangen.

    Ganz so brutal gefährlich, wie dies hier in den Kommentaren geschildert ist (um Leben und Tod kämpfen…) ist es dann doch nicht. Auch als ich zeitweise verletzungsbedingt nicht gar so schnell zu Fuss war, passierte mir persönlich nichts. Aber ich beobachte sehr häufig, dass FAST etwas passiert, oder dass Velofahrer oder Fussgänger von einander erschreckt werden. Schon das ist ja eigentlich nicht nötig. Der Centralbahnplatz ist ein kreuz und quer genutzter Platz, und es ist nicht nur angebracht, sondern notwendig, dass man sich dort aufmerksam verhält. Ein deutlicher Streifen auf dem Boden würde wohl die Fussgänger, welche noch nicht ganz wach über den Platz strömen (da nehme ich mich manchmal auch nicht aus), auf die Veloroute hinweisen, und andererseits auch etwas begrenzen, dass viele Velofahrer einfach wie’s gerade kommt über den Platz brettern. Was ich wirklich vollkommen idiotisch finde, ist wenn Velofahrer mit völlig ungebremster Fahrt auf die verschreckten Fussgänger zurasen, um sie dann mit ein paar Verwünschungen auf den Lippen oder in Gedanken schnittig zu umkurven. Denjenigen würde ich manchmal gerne einen Reissnagel in der Fahrbahn wünschen…

    Es scheint mir generell ein Zeichen der Zeit zu sein, dass man einfach mal so richtig breit und schnell drauflosbraust oder rennt/marschiert/schreitet, der Weg gehört mir, und die die da stehen, die schnetzelt’s dann schon rechtzeitig weg… Schade, und ärgerlich, denn unter dem Bild, das diese auffälligen Egoisten und Egoistinnen zementieren leiden alle Velofahrer und Velofahrerinnen, die sind dann nämlich in Foren und Blogs regelmässig Freiwild. Es stinkt mir, wegen anderer Leute Fehlleistungen angepflaumt zu werden.

    Wie eingangs erwähnt, bin ich auch in Zürich unterwegs. Im Vergleich zu Zürich befinden wir uns in Basel schlicht im Paradies. In Zürich wurde die letzten zwanzig Jahre Veloroutenmässig hauptsächlich geschlafen, zumindest was die Verkehrsführung in der Innenstadt angeht. Im Veloparking gibt’s ein nettes Kärtchen mit den Verhaltensregeln für Schweizerverkehrs-fremde, unter anderem steht da, dass man nicht auf dem Trottoir fahren soll, nun hat’s aber Velowege, die auf dem Trottoir ausgezeichnet sind, um dann an einer schwierigen Stelle ohne irgendwelche Hinweise einfach zu enden. Fährt man dann weiter, fährt man illegal auf dem Trottoir. Nur dass dies in Zürich nicht im geringstenauffällt, weil es alle machen, und man bei Baustellen, wenn Velos Fussgängern an engen Stellen entgegenfahren, auch mal angeflucht wird, wenn man nicht auf’s seitliche Mäuerchen springt…

    Es ist immer sehr dumm, wenn sich die zweitschwächsten Verkehrsteilnehmer auf Kosten der schwächsten Platz verschaffen, und als Begründung dazu anführen, dass sie auf der Strasse Angst haben. Leider ist dies ob der stets zunehmenden Verkehrsdichte immer mehr der Fall. Es bleibt immer noch sehr viel zu tun, in der Stadt, wie auch in den umliegenden Gemeinden, und sei es nur mit dem Velo unterwegs zu sein, damit wahrgenommen wird, dass wir viele sind. Dann merken vielleicht auch die sehr häufig nicht an die Velofahrer denkenden Baustellen-Verantwortlichen, dass etwas getan werden muss.

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  9. Heute…

    Telefonierend mit Vollgas durchs Rotlicht und dann ca. 100 Metern weiter, ohne zurück zu schauen mir den Weg abgeschnitten so dass es fast zum Unfall kam.

    Wohlgemerkt, ich spreche von einem Fahrradfahrer.

    Ohne jegliche Rücksicht auf alle anderen Verkehrsteilnehmer.

    Ganz in im Stile von gurnemanz?

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  10. Velofahren ist so schön!
    Freut Euch darüber wo’s gut geht! Und nehmt in Kauf und hofft, dass es besser wird, wo noch Verbesserungen möglich sind. In Basel sind nun halt viele Menschen unterwegs.
    Aerger vergiftet dfie Stimmung und macht alles noch schlimmer, als es ist.

    @Phil Bösiger
    Ich kenne den Centralbahnplatz auch, als Velofahrerin und Fussgängerin, allerdings nicht vom Morgen früh, aber während des Tages und abends. Ich komme da eigentlich mit dem nötigen Respekt und Rücksichtsnahme gut durch. Es geht einfach ein wenig langsamer als an anderen Orten, eigentlich lotisch, weil an solchen Orten halt viele Menschen unterwegs sind.

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