Warum ich Nein sage zur Energiestrategie 2050

FDP-Politiker Daniel Seiler sagt Nein zur Energiestrategie 2050. Er plädiert für Investitionen – aber nicht um erneuerbare Energien zu subventionieren, sondern in die Forschung für neue Technologien. «Technologische Entwicklungen wie beim Telefon oder der Informatik erfolgten ohne Staatshilfe.»

FDP-Politiker Daniel Seiler sagt Nein zur Energiestrategie 2050. Er plädiert für Investitionen – aber nicht um erneuerbare Energien zu subventionieren, sondern in die Forschung für neue Technologien. «Technologische Entwicklungen wie beim Telefon oder der Informatik erfolgten ohne Staatshilfe.»

Wenn von neuen Arbeitsplätzen, mehr Innovation und Zukunftsmärkten die Rede ist und gleichzeitig Fördergelder, Subventionen, Verbote und Bevormundung im Raum stehen, dann wird der liberale Geist hellhörig und schaut genauer hin.

Innovationen haben sich noch nie mit Subventionen durchgesetzt. Technologische Entwicklungen wie beim Telefon oder der Informatik erfolgten ohne Staatshilfe. Solche Technologiesprünge gibt es bei den erneuerbaren Technologien nicht.

US-Präsident Jimmy Carter montierte schon vor 40 Jahren Solarpanels auf das Weisse Haus. Und auch das erste Automobil vor weit über 100 Jahren wurde mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Seit damals haben sich die Batterien schon verändert, aber Experten zweifeln stark an, dass Batterien in Zukunft viel leichter und günstiger werden. Da setzt schlicht und einfach die Physik die Grenzen.

Wir haben in der Schweiz während Jahrzehnten sehr gut gelebt von der Kernenergie.

In Deutschland wurden schon hunderte von Milliarden in die Energiewende investiert. Das Ergebnis davon ist, dass der Anteil von Wind und Solar gerade einmal drei Prozent vom gesamten Primärenergieverbrauch ausmacht. Fragen rund um die zukünftigen Netze, Regler und Speicher sind auch in Deutschland völlig ungeklärt.

Ich weiss, man darf das in Basel eigentlich nicht schreiben, aber wir haben in der Schweiz während Jahrzehnten sehr gut gelebt von der Kernenergie. Der Atomstrom hat wesentlich zum Wohlstand beigetragen und entgegen anderslautender Parolen fahren auch heute die Trams in Basel mit einem nicht unwesentlichen Anteil Atomstrom.

Wir haben uns aber entschieden aus der Kernenergie auszusteigen – was sind aber jetzt konkret die Alternativen? Sind das wirklich Wind- und Solarenergie? Zweifel sind angebracht.

» Wie viel investiert die Schweiz bisher in Windenergie und wie viel Deutschland? Der Ländervergleich

Gemäss Richtwert im neuen Energiegesetz sollen die erneuerbaren Energien im Jahr 2035 11’400 Gigawatt-Stunden (GWh) Strom liefern. Das Wasserkraftwerk Birsfelden liefert jährlich durchschnittlich 550 GWh. Der durch die IWB angedachte Windpark auf der Challhöhe soll jährlich mit fünf grossen Windrädern 30 GWh Strom liefern. Alleine für die Kapazität des Kraftwerks Birsfelden müssten also gegen 100 grosse Windräder aufgestellt werden. Ist das realistisch?

In der Schule haben wir gelernt, dass die Schweiz ein rohstoffarmes Land ist. Hat sich das über Nacht geändert? Es stellt sich niemand gegen den Fortschritt, aber zu behaupten, es sei einfach, gleichzeitig auf 40 bis 60 Prozent Atomstrom und den Import von Öl zu verzichten, ist sehr gewagt.

Investieren wir in die Erforschung neuer Technologien, statt in die Förderung und Subventionierung, das schafft mittelfristig nachhaltige Arbeitsplätze.

«Einheimische Energie nutzen statt teuer importieren» hört sich patriotisch gut an und entspricht ganz dem aufkommenden Trend von «Switzerland first», aber wie das in der Praxis funktionieren soll, konnte mir bisher noch niemand erklären.

Jetzt gewisse Technologien zu fördern und zu subventionieren, welche ihre Zukunftsfähigkeit bisher nicht bewiesen haben, ist kurzfristig und wohl auch nicht nachhaltig. Setzen wir auf den Wettbewerb der Ideen. Investieren wir in die Erforschung neuer Technologien, statt in die Förderung und Subventionierung, das schafft mittelfristig nachhaltige Arbeitsplätze. Möge am Ende die Technologie gewinnen, die effektiv auch das grösste Zukunftspotenzial hat.

Ich bin nicht überzeugt vom eingeschlagenen Weg, darum stimme ich am 21. Mai Nein zum neuen Energiegesetz.

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Und wie argumentiert die andere Seite? Der Gastkommentar von SP-Nationalrat Beat Jans: «Warum ich Ja sage zur Energiestrategie.»

Konversation

  1. @ Hr. Seiler:

    Ihr Argument: „Technologische Entwicklungen wie beim Telefon oder der Informatik erfolgten ohne Staatshilfe.“
    war in dem alten Ameriuka möglich, weil es namhafte grosse und reiche Industrielle gab, die ihren Geldbeutel dafür öffneten.
    Da stand immer ein grosser M äzen im Hintergrund der Entwicklung, ^sowohl bei der Glühbirne, wie beim Telephon und auch bei der Autoproduktion.
    Diese Mäzene haben wir hier nicht.
    Sie stopfen sich ihre Taschen zu und geben ihr Geld für irgend so ein sinnloses „Extrablatt“ aus.
    Sie haben Recht: Ich würde lieber „kalt Duschen mit Doris“, statt warm Duschen mit einem dieser Herren, die ganz oben in der Drittelspartei der Schweiz sitzen.
    Der einzige Mäzen hier im Lande ausser die Basler obere Schicht ist Herr Kamprad, der mit seiner IKEA Massen von Eltern vor der Verzweiflung schützt, weil man dort auch am MIttwochnachmittag und am Wochenende entweder die Kinder in der Spielecke abgeben kann oder ein kindgerechtes Restaurant vorfindet, an dem man nicht gerade verarmt.
    Dieses Mäzenatentum gab es einmal hier: Die BBC in Baden beschäftigte mehr Leute, als in Baden selber wohnten und bei Sulzer und Oertlikon war es etwa ähnlich. Diese Firmen trugen auch zur Kultur ihrer Stadt bei.
    Das IST leider nur noch Geschichte!

    Ich brauche nicht mit billigen Floskeln angelogen zu werden.

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  2. Ist es nicht müssig über JA oder Nein zur Energiestrategie 2050 zu diskutieren? Atommüll-Entsorgung müsste seit dem Beginn des Atomzeitalters DAS Thema sein und sollte aktuell als Grundlage für die bevorstehende Abstimmung richtungsweisend sein.
    Bei den Atommüll-Zwischenlagern sprechen die Fachleute von 40 Jahren Garantie. Dann kommt das Endlager, dieses sagt die Wissenschft muss 1 Million Jahre halten. Was für ein Erbe hinterlassen wir den kommenden Generationen? Und nebenbei, haben wir aus Tschernobyl und Fukushima am Ende doch nichts gelernt?
    Einfach mal als Denkanstoss:
    ARD Endlager: Wohin mit unserem Atommüll? (Auch die Schweiz kommt darin vor)
    18.04.2017 | 29 Min.
    http://www.ardmediathek.de/tv/Faszination-Wissen-BR-Fernsehen/Endlager-Wohin-mit-unserem-Atomm%C3%BCll-/BR-Fernsehen/Video-Podcast?bcastId=26774544&documentId=42227686

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    1. @Nadine Rohner
      Sie erwarten zuviel von unsern Politikern und vielfach auch von ihren Mitmenschen
      Hauptsache ich kann mein Handy, mein Tablet, meinen PC, meine Brotmaschine, mein Haartrockner, meinen elekrischen Rasenmäher, meinen Laubbläser etc. etc. einstecken und es kostet mich Ende Monat fast nichts.
      Was kümmern mich meine Nachkommen?, ich bin ja nicht mehr da… Ich lebe jetzt…
      Und die ganz Technologie Gläubigen sind in ihrer Naivität davon überzeugt dass wir das Problem für die nächste Million Jahre in den Griff bekommen.

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  3. Danke für die Darlegung der anderen Seite und den Argumenten gegen die Initiative. Klar wird diese Meinung gerade in diesem Medium torpediert. Ich bin froh Argumente beider Lager lesen zu können zur Entscheidungsfindung.

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  4. Jeder Innovation geht „Forschung“ voraus. Dank EU-Forschungsgelder kamen im Jahre 2016 sieben innovative deutsche Projekte zur Marktreife.

    16 Projekte mit 72 Partnern aus 16 Ländern erhielten insgesamt 36 Mio. Euro. Die Forschung erneuerbare Technologien betreffend ist immer noch ein fortlaufender Prozess. So engagiert sich zB eine deutsche Firma aus Stuttgart in einem Projekt zu solarthermischen Kraftwerken.

    Hätte die Menschheit die Zukunft den Zweiflern überlassen, liefen wir immer noch Barfuss durch die Gegend und würden immer noch in Höhlen wohnen.

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  5. unbedingt 😉
    die einen wollten mit fischernetzen das licht einfangen – die andern mit beton die strahlen …

    reden wir in grob 20’000 jahren mal wieder drüber
    (so lange existierte noch niemals eine hochzivilisation … schon mit den schildern «achtung gefahr – nicht stürzen!» wird’s schwierig … schwieriger als für unsereins die entzifferung von höhlenzeichnungen oder hieroglyphen. und wer weiss, was die ägypter schon alles an schrägen dingern ausgetestet hatten ;-))

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  6. Für die eidgenössische Totgeburt des Atom-Reaktors von Lucens sprach der Bund 1959/60 eine Subvention von CH 50 Mio (gem. Teuerungsrechner des Bundes wären dies heute CHF 200 Mio!) und, da dies – wie immer – nicht reichte, auch gerade noch ein paar millionenschwere Nachtragskredite!

    Was daraus wurde, wissen wir auch. Am 21.01.1969 kam es zur Kernschmelze und zur Explosion. Zum Glück fand das alles in einer Kaverne im Fels statt, ansonsten wäre eine Grossteil der Romandie wohl auch heute noch Sperrgebiet!

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  7. @mindyou: ich verzichte glaub ich auf eine ausführende Replik, da ich mir vorgenommen habe hier niemanden mehr zu beleidigen und sachlich zu sein. Würde ihnen übrigens auch gut anstehen.

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