Cindy, die linke SVPlerin

Taxifahrerin Cindy Schütz wäre gerne prominent und bringt eigentlich Unvereinbares zusammen.

Cindy Schütz lässt sich nicht hinters Licht führen – sondern sagt, was sie denkt. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Taxifahrerin Cindy Schütz wäre gern eine berühmte Basler Persönlichkeit. Das ist aber nicht der einzige Grund für ein Porträt dieser Frau.

Schikane ist ihr erstes Wort. «Reine Schikane» sei die Tachografenpflicht für Taxifahrer. «Stundenlang stand ich am Claraplatz ohne eine einzige Fahrt, bis eine Bestellung zum Flughafen kam – das war es dann schon», schimpft Cindy Schütz (51) während ihrer Zwangspause. Das Risiko, länger als erlaubt am Stück im Taxi zu sitzen, geht sie nicht ein.

Lieber trifft sie sich zu einem Kaffee und erzählt. Und erzählt. Und erzählt. Thema wäre die 1:12-Initiative. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Zu viele andere Dinge treiben die Taxifahrerin um. Zu viele Fragen stellt das Gegenüber bei ihrem Anblick. Warum überall Indianer-Tattoos? Federn, Häuptlinge, eine Squaw. Warum die Schuhe mit dem Muster der US-Flagge, dem Symbol für Imperialismus? Passt das?

Verliebt in einen Indianer

Bei Cindy Schütz passt nichts zusammen. Als SVP-Mitglied kämpft sie für die 1:12-Initiative. Bald wird sie auf Einladung von SP-Grossrätin Sarah Wyss hin in einem Inserat der Befürworter zitiert: «Kein Mensch darf behaupten, er sei zwölf Mal besser.» Die düstersten Gegeninserate stammen von ihrer eigenen Partei. Die SVP kämpft mit schwarzen Plakaten «gegen das staatliche Lohndiktat» und warnt vor «höheren Steuern für alle».

Cindy Schütz fürchtet sich nicht vor höheren Steuern, auf ein paar Franken mehr oder weniger komme es bei ihr nicht mehr an. Seit 26 Jahren lebt sie vom Taxifahren. Mit ihrem kleinen Lohn hat sie zwei Kinder grossgezogen. «Beide sind gut herausgekommen», sagt sie stolz. Doch: «Bei Männern habe ich kein glückliches Händchen.»

Das ändert sich vielleicht bald. Im Internet hat sie einen echten Indianer aus den USA kennengelernt. Bald besucht er Cindy in Basel. Bis auch der jüngere Sohn auf eigenen Beinen steht, bleibt sie jedoch in der Schweiz. Dann will sie in die USA auswandern, dorthin, wo es Weite gibt und wild lebende Pferde.

Linker gehts kaum

Cindy nimmt ihr Handy aus der Hosentasche, blättert im Fotoalbum. «Hier, schauen Sie.» Das Bild zeigt sie auf einem Pferd. Sie betreut es mit einer Freundin. Das nächste Bild zeigt Dutzende Halloween-Kürbisse in ihrem Haus. Dann: ein Plakat des Mieterverbands. Als Bewohnerin der Landauer-Genossenschaft beim Rankhof-Stadion setzte sie sich für die inzwischen abgelehnte Initiative «Bezahlbares und sicheres Wohnen für alle!» ein. Linker geht es kaum.

Das Parteibuch der SVP will sie trotzdem nicht abgeben. «Es gibt keine Partei, die nur in meinem Sinn politisiert.» Aber warum die SVP? «Weil deren Vertreter aussprechen, was ich den ganzen Tag von meinen Fahrgästen höre.» Vor allem Christoph Blocher bringe die wahren Probleme auf den Punkt. Die Sorgen und Ängste der Menschen vor Kriminalität und Zuwanderung.

Als ihr Sohn während seiner Arbeit im Sicherheitsdienst von einer Gruppe von Albanern spitalreif geschlagen wurde, handelte Cindy – und trat der Partei bei. «Es war ein emotionaler Schritt», sagt sie. Aber einer, hinter dem sie nach wie vor stehe: Bei den letzten Grossratswahlen kandidierte sie für das Kleinbasel. Wie viele Stimmen sie erhielt, kann sie nicht sagen. «Ich weiss nicht, wo man das nachschauen kann.»

Einsprache!

Es ging ihr auch nicht darum, gewählt zu werden. «Ich stehe einfach gern im Mittelpunkt», sagt sie, «und wäre gern eine berühmte Basler Persönlichkeit – wie der Kolumnist -minu, den alle Leute auf der Strasse erkennen.» Mitreden wolle sie, etwas bewegen, ein Vorbild sein. Auch im kleinen Rahmen. Die Richter vom Strafgericht lächeln inzwischen müde, wenn Schütz wieder einmal mit einer in ihren Augen «ungerechtfertigten Busse» erscheint.

«Ich nehme nicht alles hin!» Als die Polizei sie büsste, weil die Schrift auf der Taxilampe zu klein war, gab sie ein empörtes Interview in «20 Minuten». In manchen Fällen wurde der Betrag der Bussen gekürzt – und Cindy Schütz wurden die Gerichtskosten erlassen. Das sind die kleinen Siege, die sie davonträgt.

Anderer Tag, andere Welt

«Eigentlich gehöre ich ins Guinness-Buch der Rekorde.» Der Satz kommt unvermittelt. Hat er mit den Gerichtsverfahren zu tun? Mit den widersprüchlichen politischen Kämpfen? Den Tattoos – und dem Engagement in der Kirche? «Meine drei Ex-Männer haben am selben Tag Geburtstag, deshalb.» Und der Indianer? «Der nicht.»

Ein anderer Tag, eine andere Welt. Vor allem Letzteres reizt sie an diesem Mann. Wobei Cindy Schütz es auch in ihrer Heimatstadt schafft, Welten zu vermischen. Oder zusammenzubringen – je nach Sichtweise.

Konversation

Nächster Artikel