«Ich mache das, worauf ich Lust habe»

Die Theaterfrau und Juristin Nathalie Sameli mischt das Basler Kulturleben mit zahlreichen Projekten auf und ist dabei vielseitig wie ein Chamäleon. Auch für die Zukunft fehlt es ihr nicht an Ideen. Zur Ruhe kommen ist kein Thema – dafür macht ihr die Arbeit trotz dem Stress zu viel Spass.

(Bild: ZVG)

Die Theaterfrau und Juristin Nathalie Sameli mischt das Basler Kulturleben mit zahlreichen Projekten auf und ist dabei vielseitig wie ein Chamäleon. Auch für die Zukunft fehlt es ihr nicht an Ideen. Zur Ruhe kommen ist kein Thema – dafür macht ihr die Arbeit trotz dem Stress zu viel Spass.

Nathalie Sameli führt ein vielfältiges Leben: Sie dreht Kurzfilme, arbeitet als Schauspielerin für Kinder- und Erwachsenenproduktionen, aktuell für die Kinder-Wanderbühne Fidibus, zudem inszeniert sie Stücke als Regisseurin und Autorin. Gerade stellt sie das Angebot «Stadt-Krimi» auf die Beine, ein interaktives Spiel mit schauspielerischen Elementen. Ach ja, sie arbeitet auch noch als Juristin.

«Die wenigsten Leute bringen die kreativ-sinnliche Welt des Schauspiels und die mentale, abstrakte Welt des Rechts unter einen Hut», erzählt Sameli. Auch sie selbst fühlt sich oft, als würde sie sich zwischen unterschiedlichen Identitäten hin und her bewegen. Weshalb sie sich das antut? «Zum Teil spielt sicher die finanzielle Absicherung eine Rolle», sagt Sameli, «die Arbeit als Juristin ermöglicht mir den Luxus, als Theaterschaffende überhaupt keine Kompromisse eingehen zu müssen und wirklich nur das zu machen, worauf ich Lust habe.»

Zwei Identitäten, um sich ganz zu fühlen

Die Arbeit als Juristin ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern liegt Sameli am Herzen: «Ohne das Schauspiel und die Regiearbeit könnte ich schlicht nicht leben – aber auch die mentale Herausforderung als Juristin fehlt, wenn ich länger vor allem im Theater arbeite.» Dies wurde ihr so richtig bewusst, als sie im Herbst 2013 in der Küche ausrutschte und sich das Kreuzbein brach, worauf sie längere Zeit krankgeschrieben war: «Ich hatte damals viel Zeit zum Nachdenken und merkte, dass ich wirklich beide Identitäten brauche, um mich ganz zu fühlen!»

Sie führt dies zum Teil auf ihren familiären Hintergrund zurück: «Meine Mutter ist Künstlerin, mein Vater Geschäftsmann – ich vereine in meiner Person irgendwie diese beiden Welten!» Seit Teenagerjahren ist Sameli im Kulturbetrieb eingebunden, sie machte schon immer Theater und war im Jahr 2002 als Gymnasiastin Mitbegründerin des Imagine Festivals.

«Ich habe eigentlich immer alles gemacht, was auf mich zukam, ohne gross zu zögern.»

Der Berufsberater legte ihr ein Jurastudium nahe – und so wäre Sameli wohl endgültig in der Welt des Rechts gelandet, hätte sie nicht nach Absolvierung des Grundstudiums in New York einen zweimonatigen Schauspielworkshop besucht. «Es machte mir so enorm viel Spass, dass schnell klar war: Ich musste doch etwas mit Theater machen!» Anstatt die Rechtswissensschaften an den Nagel zu hängen auf das Risiko hin, sich ewig hin- und hergerissen zu fühlen, beschloss Sameli, dass sie keine Kompromisse eingehen müsse. Sie schrieb sich in einer privaten deutschen Schauspielschule ein und studierte gleichzeitig weiterhin in Basel Jura, wobei sie vor allem in der Prüfungsphase an der Uni war.

Sie schaffte fast gleichzeitig den Abschluss als Schauspielerin und als Juristin. Ihr Berufsweg wurde geprägt durch glückliche Zufälle und ihrer Gabe, Herausforderungen herzhaft anzupacken: «Ich habe eigentlich immer alles gemacht, was auf mich zukam, ohne gross zu zögern.» So rutschte sie in die Regie-Tätigkeit hinein, als ihr eine Kollegin, die bei der Basler Personenschifffahrt arbeitete, erzählt, es werde eine Regisseurin für die «Flusspiraten» gesucht. «Obwohl ich wenig praktische Erfahrung als Autorin und Regisseurin hatte, bewarb ich mich und bekam die Stelle!»

Fünf Stunden Schlaf pro Nacht

Mittlerweile inszeniert sie jedes Jahr ein neues «Flusspiraten»-Stück» für die Basler Personenschifffahrt sowie mit dem Krimi-Dinner einen weiteren schauspielerischen Themenabend. Und so führte abermals das eine zum anderen: Sameli las und schaute viele Krimis. Anfänglich zu Recherchezwecken, doch bald entdeckte sie darin eine grosse Leidenschaft. «Ich war von Krimis völlig angefressen – dies inspirierte mich schliesslich für mein neustes Produkt, den ‹Stadt-Krimi›.»

«Stadt-Krimi» ist ein interaktives Spiel, das vier Stunden dauert und von Gruppen in unterschiedlichen Städten der Schweiz gebucht werden kann. Innerhalb der vorgegebenen Zeit muss ein Fall anhand von Hinweisen und Zeugenaussagen in der Stadt gelöst werden. Im Zweifelsfall gibt es eine Telefonzentrale, von der aus der jeweilige Spielleiter weiterhilft. Die Kunden können zwischen drei unterschiedlichen Szenarien wählen, zudem ist Sameli gerade dabei, ein viertes à la «Die drei ???» extra für Kinder zu entwerfen. Das Projekt startet am 7. März, Sameli geht davon aus, dass es sie ziemlich auf Trab halten wird: «Wir haben jetzt schon viele Anfragen!»

Für ihren Lebensstil zahlt Sameli einen hohen Preis: «Ich bin extrem viel unterwegs und schlafe höchstens fünf Stunden pro Nacht!» Vor allem die Koordination der unterschiedlichen Tätigkeiten erfordere viel organisatorisches Talent. Doch trotz ihrer noch immer vom Unfall angeschlagenen Gesundheit lässt sich Sameli nicht unterkriegen und nimmt in den unterschiedlichen Bereichen wieder volle Fahrt auf. Sie denkt nicht, dass sich für sie ein Hauptbereich herauskristallisieren wird: «Vielleicht komme ich irgendwann zur Ruhe, aber vorerst fahre ich gerne weiter auf unterschiedlichen Schienen – das macht das Leben zwar anstrengend, aber auch enorm spannend und vielseitig!»

Konversation

  1. @s chröttli: Da haben Sie zu 100% recht! Die Geschichte der wissenschaftlichen Beschreibung menschlichen Verhaltens ist beschämend, für die Menschen wie für die vielen anderen Tiere..

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  2. Salüt Martin, ich denke, dass die alten Triebtheorien nach Freud, Adler und Jung den Menschen noch als eine Art Maschine beschreiben, nach linear kausalen Gesetzen suchend, während der Mensch m.E. ein viel komplexeres Wesen ist (wie übrigens auch Affen und andere Tiere), dessen Verhalten nur etwas weniger vorhersagbar ist als diese Triebtheorien vermuten lassen.. Herzlich, Piet

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    1. ohja!
      vielleicht hätte man ja auch hier diverse –Innen einbeziehen können … in der analytik (theoriebildung, methodologie) selbst, aber auch im tiervergleich … erst mal waren die schimpansen verbindlich … die paviane … dem lorenz seine gänslein … und lange später dann mal die gorillas … oder bonobos …
      pavlov&dog

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  3. Vom Stil wirkt der Text wie eine „Publireportage“, obwohl nicht so klassifiziert, aber ähnlich euphorisch geschrieben.
    Es gibt Texte, die sollen informieren, andere sollen am Sonntagnachmittag zum Kaffee eine kleine Zerstreuung darstellen.
    So wirkt er auch.

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  4. Danke für die wunderschöne Beschreibung eines Menschen, der gar nicht so außerhalb des Durchschnitts liegt.. Wie viele von uns leben Vater wie Mutter in uns? Oder eine eher rationelle wie eine künstlerische Rolle? Meiner Meinung nach viele von uns. Wenn wir dies nicht im eigenen Leben äußern können, wählen wir den Partner in die andere Rolle, sind dabei aber auf den angewiesen, was nicht so ist, wenn wir es selber leben können.. Also toll!!!

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    1. Salü Piet,
      in der Abteilung „Leben“ der Tawo gibt es einen Link zur „ZEIT“ mit der Frage, ob Geld faul mache. In dem ZEIT-Artikel wird eine holländische Lotterie erwähnt, die den Gewinnern monatliche Beträge auszahlte, worauf recht Überraschendes passierte.
      Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens wird da auch diskutiert und an Affen herausgefunden, dass die Tiere etwas noch anderes treibt ausser Hunger, Sex oder Belohnung. Das könnte auch bei Menschen so sein.

      Ob es einen Kreativitäts-Trieb gibt, ähnlich der Libido nach Jung (nicht nach Freud!)?

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  5. Üblicherweise tun wir immer das selbe.
    Wir kommentieren, ärgern uns, diskutieren, oder streichen jeden Morgen die Marmalade von rechts nach links aufs Brot!
    Ich bin positiv überrascht, über die Kommentare hier! Zudem gefällt mir das Fahrrad mit Ledersattel. Auf dem lässt sich sicher bequem sitzen!
    Kritik anzubringen habe ich keine!

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