Wie aus der Diplomatin und modernen Frau das Aushängeschild der Konservativen wurde

Kolinda Grabar Kitarovic ist die erste Präsidentin des unabhängigen Kroatiens. Auf dem internationalen Parkett warb sie für ein weltoffenes Kroatien. Im Wahlkampf machte sie jedoch durch plumpen Nationalismus auf sich aufmerksam. Eine Annäherung an die 46-Jährige.

epa04549682 A local man passes by an election poster of Kolinda Grabar Kitarovic, presidential candidate of Croatian Democratic Union (HDZ) with her slogan reading 'Everybody together for better Croatia' in downtown Zagreb, Croatia, 07 January 2015. After a close first round,the second round in the Croatian presidential election takes place 11 January 2015. Ms. Kitarovic is standing against incumbent EPA/ANTONIO BAT (Bild: EPA/ANTONIO BAT)

Kolinda Grabar Kitarovic ist die erste Präsidentin des unabhängigen Kroatiens. Auf dem internationalen Parkett warb sie für ein weltoffenes Kroatien. Im Wahlkampf machte sie jedoch durch plumpen Nationalismus auf sich aufmerksam. Eine Annäherung an die 46-Jährige.

Kolinda Grabar Kitarovic feierte ihren Wahlsieg, indem sie mit ihren Parteifreunden der konservativen HDZ eine überdimensionierte kroatische Fahne in die Luft hievte. Sie rief ihren Unterstützern zu: «Ich verspreche euch, dass Kroatien ein wohlhabendes und reiches Land sein wird. Eines der reichsten Länder der EU und der Welt.»

Beim Halten der Fahne halfen der 46-Jährigen junge Frauen in blauen Jacken, auf denen das Wahlkampflogo «Zusammen für ein besseres Kroatien» zu lesen war. Die Menge tobte und skandierte im Chor: «Kolinda, Kolinda, Kolinda». Die Wahlsiegerin warb auf Plakaten nur mit ihrem Vornamen und wird von ihren Anhängern auch so angesprochen, selbst ihre Website trägt nur ihren Vornamen.

Neben leeren Versprechen gab es auch hohlen Nationalismus

Der Wahlsieg von Grabar Kitarovic kam überraschend – für Beobachter und wohl auch für die Kroaten selbst. Der amtierende Präsident Ivo Josipovic lag bei Umfragen immer weit vor seiner Konkurrentin, dennoch gewann Grabar Kitarovic die Wahl mit einem dünnen Vorsprung von 32’435 Stimmen (in Prozent waren es 50,74 zu 49,26).

Sie warb mit dem Versprechen, dass Kroatien Zeiten von nie dagewesener Prosperität bevorstünden, wenn die Wählerinnen und Wähler ihr Kreuzchen bei ihr machen. Dabei obliegt die Wirtschaftspolitik in Kroatien der Regierung des Ministerpräsidenten und nicht dem Staatsoberhaupt. Neben leeren Versprechen gab es auch hohlen Nationalismus: Kroatien, Kroatien, Kroatien, kaum ein Satz fiel ohne die Nennung des Staates. Die HDZ war sich wieder nicht zu schade für den plumpen Nationalismus, für den sie seit jeher steht.

Das Image von Kitarovic hat sich gewandelt

Vor dem Wahlkampf ist die 46-jährige Kolinda Grabar Kitarovic eher durch Weltoffenheit aufgefallen. Die Diplomatin studierte Spanisch und Englisch und machte ihren Master in internationalen Beziehungen. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie über die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während der Reagan-Administration und dem Ende des Kalten Krieges.

1995 wurde sie, im Alter von 27 Jahren, Leiterin der Nordamerikaabteilung des kroatischen Aussenministeriums. Im November 2003 zog Grabar Kitarovic für die konservative HDZ in das kroatische Parlament ein und bekleidete das Amt als Ministerin für Europäische Integration, bevor sie im Februar 2005 zur Aussenministerin ernannt wurde.

Croatia's Foreign Minister Kolinda Grabar Kitarovic, left, meets her Macedonian counterpart Antonio Milososki, right, upon her arrival in Macedonia's capital Skopje, on Tuesday, Jan. 23, 2007. During her two-day visit to Macedonia, Croatian Minister Grabar Kitarovic will meet the country's top officials. ()

In der Illustrierten «Gloria» antwortete sie auf die Frage, ob ihr Mann traurig sei, dass ihre Karriere der seinen geschadet hat: «Nein, er ist glücklich mit seinem Leben und wollte sich immer um die Kinder kümmern.» Ausserdem liess die angehende Präsidentin die Leserinnen und Leser wissen: «Mein Ehemann ist kein Pantoffelheld, sondern ein moderner Mann.» Kolinda Grabar Kitarovic soll am 19. Februar vereidigt werden.

Neues Kapitel in der kurzen Frauen-Politgeschichte von Kroatien

In Kroatien gab es bereits eine Ministerpräsidentin, die ihren Aufstieg ebenfalls den korrupten Männern zu verdanken hatte. Nachdem Ivo Sanader zurücktreten musste, wurde Jadranka Kosor im Juli 2009 zur ersten kroatischen Regierungschefin. Später wurde sie aus der Partei ausgeschlossen, weil sie offen den Rechtskurs der Partei kritisierte.

Obwohl Kolinda Grabar Kitarovic die erste Präsidentin des unabhängigen Kroatiens ist, gab es bereits eine Frau, die das höchste Amt im Staat innehatte. 1985 wurde Ema Derossi Bjelajac zur Vorsitzenden des Präsidiums der Sozialistischen Republik Kroatien ernannt, als Kroatien noch Teil Jugoslawiens war. Neben fünfzehn Männern war sie die einzige Frau, der diese Ehre zuteil wurde. Zwar wurde in Titos Jugoslawien Gleichberechtigung als Ziel suggeriert, in den höchsten Staatsämtern fanden sich allerdings selten Frauen.

Konversation

  1. Ein schlechterer und einseitigerer Artikel ist mir schon lange nicht unter die Finger gekommen. Wieder einmal wird Frau Kitarovic als rechtsextrem abgestempelt, weil die Leute in der Schweiz oft auch zu wenig Ahnung über die kroatische Politik haben.
    Die HDZ ist keineswegs eine rechtsextreme Partei, sie ist konservativ, manchmal etwas provokant, was aber auch auf die SVP hier in der Schweiz zutrifft. Die beiden Parteien ähneln sich durchaus. Aber mir würde nie in den Sinn kommen die SVP als rechtsextrem anzusehen, nur weil sie immer noch eine gesunde Dosis Patriotismus an den Tag legt, was das gute Recht eines jeden Menschen ist.
    Zudem muss ich die Objektivität des Autors, Herrn Krsto Lazarevic schwer anzweifeln, ein Serbe soll einen Artikel über Kroatien schreiben…

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    1. Nach Ihrer Lesart müsste ein Deutscher zu Israel schweigen. Ein Italiener zu Äthiopien, ein Franzose zu Algerien, ein Österreicher zu Serbien, ein Spanier zu Amerika und ein Amerikaner zu Korea.

      Kurz: Alle müssten über alle Schweigen. Ich halte das nicht für zielführend und sogar ein wenig (nationalistisch) deplatziert.

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    2. @Grummel

      Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, es geht nicht darum, dass jemand über eine andere Nationalität nicht schreiben darf. Aber dieser Artikel ist unter jedem Durchschnitt, daher muss ich mich wirklich fragen, ob der Autor auch nur ein Hauch an Objektivität hat.

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