Seltene Käfer und andere Besetzer

Armin Coray fahndet auf dem Areal des besetzten Schützenhauses in Allschwil nach Erdbockkäfern – wie schon in den 1980er-Jahren bei der besetzten «Alten Stadtgärtnerei» im St. Johann. Dort ist der seltene Käfer seit dem Parkbau verschwunden.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Armin Coray fahndet auf dem Areal des besetzten Schützenhauses in Allschwil nach Erdbockkäfern – wie schon in den 1980er-Jahren bei der besetzten «Alten Stadtgärtnerei» im St. Johann. Dort ist der seltene Käfer seit dem Parkbau verschwunden.

«30 Exemplare innert weniger Stunden, das stellt alles in den Schatten. So viele fand ich noch nie!» Armin Coray ist begeistert von seiner Beute: Erdbockkäfer, die seltensten Käfer der Schweiz. Im vergangenen Jahr hatte der wissenschaftliche Illustrator und Käferfreund in der gesamten Suchperiode zwischen März und Mai nur sechs Exemplare in der Schweiz gefunden.

In diesen Tagen streift Coray regelmässig durch die Wiesen rund um den Allschwiler Schiessplatz. Schaut gebannt auf den Boden. Schiebt vorsichtig die Grasbüschel mit der Hand beiseite, bevor er seinen Fuss auf den Boden setzt. Für das von jugendlichen Freiraumaktivisten besetzte Schützenhaus hat Coray keine Augen…

Halt mal! Coray auf besetztem Gebiet?

Das erinnert an längst vergangene Szenen auf dem Areal der besetzten «Alten Stadtgärtnerei», die genau vor 25 Jahren polizeilich geräumt wurde. Auch auf dem Gelände beim St. Johanns-Tor war Armin Coray damals oft zu sehen. Nicht als Besetzer, sondern als Käferfahnder.

Käferbiotop bei der «Alten Stadtgärtnerei»

Vor allem beim Rheinbord bei der Schiffanlegestelle gab es damals viele Erdbockkäfer. Vor dem Volksentscheid über die Zukunft der «Alten Stadtgärtnerei» hatte das Pro-Komitee das Käferthema sogar auf Abstimmungsplakaten verwendet.

1988 schätzte man den Erdbockkäferbestand am Rheinbord beim St. Johann noch auf rund 800 Exemplare; seit einigen Jahren findet Coray hier kaum mehr Käfer. Futterpflanzen seien selten geworden, sagt er. Ausserdem ging durch den Parkbau viel natürliches Gelände verloren. Der Erdbockkäfer kann nicht fliegen. Daher bleibt er zwangsweise seinem Standort treu, auch wenn sich die Lebensbedingungen markant verschlechtern.

Bei der Nahrung ist der Käfer wählerisch. Er frisst vorzugsweise ein spezielles Gras, die Aufrechte Trespe, und legt auch seine Eier mehrheitlich in diese Pflanze. Wird diese zu selten wie am Rheinbord haben die Weibchen Mühe, geeignete Eiablageplätze zu finden.

Bitte keinen Lärm und Staub!

Worin besteht für Armin Coray der besondere Charme des Käfers? «Er ist schön gezeichnet und hat eine sehr spezielle Lebensweise. Das gefällt mir.» Genug, um stundenlang Wiesen auf- und abzugehen und den Blick konzentriert nach unten zu richten. «Hat man das Suchbild erst einmal im Kopf, genügt schon ein Fühler, der hinter einem Grashalm hervorlugt, um den Käfer zu entdecken», sagt der ehrenamtliche Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums Basel.

Ganz einfach ist es trotzdem nicht, die Tierchen zu finden. Sie sind nur gerade 12 bis 18 Millimeter gross. Auf dem Gelände beim Allschwiler Weiher muss Coray höllisch aufpassen, dass er nicht versehentlich einen der Käfer zertritt.

Und er muss hoffen, dass die Baumaschinen nicht schon bald auftauchen und das besetzte Schützenhaus dem Erdboden gleich machen – zu viel Lärm und Staub könnte den kleinen Krabblern nicht so gut gefallen.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 29.06.12

Konversation

  1. In den 80er Jahren habe ich selber viele am Rheinbord gefunden. Schade, dass der dort weg ist. Da macht der Naturschutz ein solches Theater an diversen Orten, wo sowieso bald alles umgebuddelt wird. Damals am Rheinbord hat sich niemand dafür interessiert.

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