Der gesittete SVPler

Noch nie war die SVP in der Basler Regierung vertreten. Mit Lorenz Nägelin soll sich das nun ändern. Der 45-Jährige gilt als gemässigter SVPler.

Noch nie war die SVP in der Basler Regierung vertreten. Mit Lorenz Nägelin soll sich das nun ändern. Der 45-Jährige gilt als gemässigter SVPler.

Lorenz Nägelin ist kein typischer SVP-Hardliner. Ausländer sind für ihn nicht automatisch böse Menschen, er drückt sich gepflegt aus, ist umgänglich, ist nett. Seit 11 Jahren sitzt der Rettungsanitäter im Grossen Rat, seit sechs Jahren ist er Fraktionspräsident. Nun will der 45-Jährige den Sitz von «Stapi» Guy Morin wegschnappen. Nägelin gilt als konsensorientierter Politiker, der auch zwischen den verschiedenen Flügeln in der eigenen Partei vermittelt.

Im Videointerview mit der TagesWoche plädiert Nägelin dafür, dass die Polizei die Nachtruhe durchsetzt und dass die Unternehmenssteuern gesenkt werden. Zudem ist er der Meinung, dass es in Basel nicht zwingend überall neue Wohnungen braucht. Vielmehr solle man die bestehenden Bauten renovieren. 

Auch spricht er sich ganz klar gegen Freiräume für Jugendliche aus. Und Nägelin erzählt, dass er bereits zwei Mal bedroht wurde. Überhaupt redet er sehr gerne über die Sicherheit. 

Unser Wahlkampf

Wir konfrontieren Lorenz Nägelin mit den gleichen zehn Fragen wie die anderen zwölf Regierungskandidaten (der wilde Kandidat Chrigel Fisch wollte nicht mit uns reden). Es sind jene zehn Fragen, die sich bei unseren Gesprächen mit den Menschen in den Quartieren und der Stadtgemeinde Riehen als die drängendsten herausgestellt haben.

Sämtliche Berichte über unsere kleine Reise durch die verschiedensten Welten von Basel-Stadt finden Sie in unserer interaktiven Karte «Ab in die Quartiere».

Alle Videointerviews mit den Regierungskandidaten werden ab Anfang Oktober in regelmässiger Abfolge veröffentlicht.

 

Konversation

  1. Ich finde es passend, an dieser Stelle, nach dem Interview mit Herrn Nägelin, die Redaktion der TagesWoche zu loben:
    Sie stellt jene Fragen, welche offensichtlich nicht nur in Basel, sondern beispielsweise auch in meiner Wohnstadt Berlin viele Bewohnerinnen und Bewohner beschäftigen:
    Stadtprobleme halt eben.
    Nicht Welt- oder Ideologiepolitik, sondern das, was einen freut, ärgert, was man diskutiert haben möchte, wo man denkt, die Lokalpolitik könnte zu Lösungen beitragen.
    Wenn ich mich an den Wahlkampf zu den Abgeordnetenhauswahlen hier in Berlin vor einem Jahr erinnere, fällt mir auf, wie unprätentiös die TagesWoche-Redaktion den „Puls“ in der Stadt zu erfahren versucht hat. In Berlin haben das sämtliche Medienerzeugnisse vor einem Jahr nicht fertig gebracht. Vielmehr wurde herumgeschwafelt, wurden Umfragen noch und noch veröffentlicht und so, als seien es Wahlergebnisse, kommentiert. Der Aufwand gewisser Parteien – je weniger Stimmen sie anlässlich der wirklichen Wahl einfuhren, desto präsenter waren sie im Plakatwald in der Stadt, zuvorderst die FDP – hat bei zahlreichen Journalisten eine Wahrnehmungstrübung über die effektiven Probleme vieler Stadtbewohner bewirkt. Dabei geht und ging es in Berlin exakt um dieselben Sorgen, welche die TagesWoche in ihren Fragen an die Regierungskandidatin und die Regierungskandidaten zur Rede bringt: Mieten, Freiräume, Versorgung in den Stadtteilen, Lärm, Verkehrsmix. Interessant am Berliner Wahlergebnis: Die von rechten und rechtsextremen Parteien beschworene „Integrationsproblematik“, in der Schweiz unter dem Begriff „Ausländer“ vor allem von der SVP, aber auch den den so genannt „Bürgerlichen“ etwa in Fragen des Asylrechts herumposaunt, spielte bei der Wahl in Berlin insofern keine Rolle, als diese Beschwörer samt ihren Drohgemälden über „Gewalt auf der Strasse“, die es zu bändigen gelte, keinerlei messbaren Sukkurs durch die Wählenden erhielten.

    Kurz:
    Die TagesWoche-Redaktion stellt meiner Ansicht nach die für das urbane Alltagsleben richtigen Fragen. Das ist ein unübersehbares Zeichen für hohe journalistische Qualität.

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  2. Herr Nägelin, vor kurzem hat das Volk der Stadt Basel die SVP Initiative für massiv mehr Polizei abgelehnt, Vor kurzem hat das Volk der Stadt Basel die Reduktion der Unternehmenssteuern abgelehnt. Ihre Partei hängt immer an die grosse Glocke wie wichtig der Souverän ist dass sie die Interessen des Volkes berücksichtigt. Herr Nägelin im Interview plädieren Sie wiederum für mehr Polizisten und Senkung der Unternehmenssteuern. Frage: Glauben Sie wirklich Sie sind für die Mehrheit der Basler Bevölkerung wählbar ?
    Das Sie im Interview verneinen dass wir in Basel Ghettos hätten wie von Ihrer Partei immer gross angeprangert will ich jetzt nicht mal erwähnen.

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